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Zukker im leben, Die Krisensitzung und der zwanghafte Steve

Die Krisensitzung und der zwanghafte Steve

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, Herzlich Willkommen zur Sendung „Zukker im Leben“ vom 29. März 2018. Die Krisensitzung bei uns im Haus war kompliziert. Brigit ist regelrecht aus der Haut gefahren [1]. Davon erzähle ich Ihnen heute. Und Anna hat sich mit Steve getroffen. Ein Mann, der alles sehr sauber haben will, weil er etwas zwanghaft [2] ist. Wie das für Anna war, hat sie mir erzählt und Sie erfahren es ebenfalls heute. Viel Vergnügen!

*

Wir konnten es nicht vor Brigit verheimlichen [3], dass die Polizei im Haus war und die Party in der WG von Vanessa beendet hat. Sie hat es natürlich mitbekommen. Sie ist nicht mehr die Jüngste und leidet an Schlafstörungen, die mit dem Alter zugenommen haben. Sie ist also genau dann aufgestanden und hat an ihrem Küchenfenster eineZigarette geraucht, als die Polizisten vor dem Haus ins Auto gestiegen sind. Wenn Brigit richtig wütend ist, spricht sie nicht mehr und dann ist es wirklich prekär [4]. Sie hat weder bei der WG geklingelt, noch mich angerufen, sie hat einen Brief geschrieben und ihn an jede Wohnungstüre geklebt. Darauf stand: „Heute um 18 Uhr Krisensitzung in der WG. Alle kommen!“ Ich musste kurz lachen, als ich den Zettel gesehen habe. Brigit denkt manchmal wirklich, sie sei die Vermieterin [5]. Aber es hat funktioniert,um 18 Uhr sitzen die Studenten, Viktor, Brigit und ich um den Wohnzimmertisch in der WG. Vanessa muss ihren Kopf auf beide Hände stützen, damit sie nicht auf dem Tisch einschläft. Brigit schaut finster [6] und sagt: „Also so geht das nicht. Wir sind ein zivilisiertes [7] Haus. Ihr könnt nicht einfach einziehen und alles auf den Kopf stellen [8]!“ Vanessa entschuldigt sich. Mehrmals. Viktor sitzt neben Brigit. Vor ihm liegt ein Notizblock. Brigit sagt: „Viktor wird die Regeln aufschreiben, die wir heute aufstellen [9]!“ Viktor schweigt. Es ist ihm offensichtlich [10] unangenehm, in welchem Ton Brigit mit uns redet. Nachdem sie sagt, dass wir nach 22 Uhr keinen Besuch mehr empfangen[11] dürfen, keine Schuhe vor den Wohnungen deponieren [12], nach 20 Uhr keine Musik hören oder wenn, dann nur mit Kopfhörern und überhaupt; so ginge es nicht weiter. Vanessa ist so verkatert [13], dass sie einen Heulkrampf[14] bekommt. Ich habe bis jetzt kein Wort gesagt, weil ich dachte,vielleicht merkt Brigit doch noch, dass sie sich gerade unmöglich aufführt. Ich sage: „Brigit, Vanessa hat sich entschuldigt. Deine Regeln sind unrealistisch und wenn du immer wieder von Gemeinschaft redest,dann kannst du nicht alleine Regeln aufstellen und wir müssen alle folgen [15].“ Viktor lächelt mich an. Brigit schaut uns an und sagt dann:„Das stimmt. Ich meine es nur gut. Ich war doch auch einmal jung und ich habe ja auch eine Zeit lang Folie geraucht [16].“ Vanessa reisst die Augen auf und kann nicht mehr aufhören zu lachen. Viktor zerreisst das Papier, Brigit steht auf und sagt, dass sie jetzt Fernsehen will. Ich kann es mir nicht verkneifen [17] und sage: „Aber mit Kopfhörern, es ist schon nach 20 Uhr.“

*

Anna verdreht die Augen und sagt: „Ich brauche einen Gin Tonic. Ich kann dir diese Geschichte von gestern nicht nüchtern [18] erzählen!“ Ich habe zum Glück noch Tonic im Kühlschrank, schneide Gurkenscheiben und gebe etwas Pfeffer in unsere Gläser. Anna nimmt einen Schluck und sagt dann: „Es war ja alles sehr aufregend mit Steve. Wir haben jeden Tag geschrieben. Ein spannender, lustiger und schlauer Mann und ich wollte ihn sofort treffen.“ Anna erzählt, dass sie Pizza essen waren undals sie die Pizza mit den Händen gegessen hätte, habe Steve sie angeschaut, als wäre es mega schlimm. Anna sagt: „Das hat mich irritiert, aber ich habe es wieder vergessen. Als wir dann in einer Bar waren und uns wirklich entspannt unterhalten haben, sagte er plötzlich:„Anna hast du nach der Pizza die Hände gewaschen?“. Ich frage sie: „Dann bist du aber nach Hause gegangen oder? Das klingt ja sehr neurotisch [19]!“ Anna schüttelt den Kopf und sagt, dass er das eigentlich beiläufig [20] gefragt hätte, deshalb hätte sie sich nicht viel dabei gedacht. Drei Drinks später hätte er sie geküsst und das sei sehr gut gewesen. Anna fackelt[21] nie lange und übernachtet oft gleich beim ersten Date auswärts.

Anna sagt: „Nora, jetzt kommt‘s! Als ich mir die Zähne geputzt habe und mein Gesicht abgetrocknet habe, stand Steve vor dem Lavabo und hat mit einem Mikrofasertuch [22] den Wasserhahn poliert.“ Ich wiederhole meine Frage,ob sie spätestens dann nach Hause gegangen sei. Anna wird rot und sagt: „Ach, du weisst doch, dass ich schräge Männer mag und Steve küsste einfach so gut!“ Wenn man mit Anna befreundet ist, kommt man in den Genuss von wirklich guten Geschichten. Manchmalbin ich nicht ganz sicher, ob wirklich alles so passiert ist, oder ob Anna manchmal noch etwas dazu erfindet. Haben Sie, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer auch eine Freundin oder einen Freund, der so spannend erzählt,dass man manchmal denkt, es ist wie Serien auf Netflix schauen nur in echt? Jedenfalls werde ich, wenn ich Anna zuhöre, immer wieder zu einem Kind, das fragt: „Und dann? Und dann? Und dann? Sag, wie geht die Geschichte weiter?“ Anna erzählt, dass Steve Schallplatten sammle und als er eine Platte aufgelegt habe, hätten sie im Wohnzimmer zur Musik getanzt. Das sei sehr romantisch gewesen und Steve sei ein guter Tänzer, was Anna imponiert [23]. Während ich Anna zuhöre, weiss ich, das ist noch nicht das Ende der Geschichte, da kommt noch was. Anna mischt uns einen zweiten Gin Tonic und setzt sich wieder an den Küchentisch. Dann sagt sie: „Halt dich fest Nora, was heute Morgen passiert ist übertrifft jedes Date, das ich je hatte!“ Ich bin unterdessen an dem Punkt angelangt, wo ich mit allem rechne. Anna sagt: „Als ich aufgestanden bin, hat mir Steve ein Handtuch gegeben und ich habe geduscht. Als ich ins Schlafzimmer zurückgekommen bin, stand Steve mit einem Fusselroller [24] neben dem Bett. Ich war perplex [25] und fragte ihn, was er mache und er sagte nur, dass er nicht damit umgehen kann, wenn Frauen mit dunkeln Haaren in seiner weissen Bettwäsche schlafen, da müsse er danach sofort alles abrollen.“ Ich schaue Anna an und bevor ich etwas sage, sagt sie: „Natürlich werde ich Steve nie wieder treffen.“

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Ich freue mich sehr, wenn ich Ihnen am 13. April auf podclub.ch und in der App wieder aus meinem Leben erzählen darf. Ich wünsche Ihnen schöne Ostern, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Ich feiere dieses Jahr mit meinen Eltern, weil wir uns an Weihnachten nicht gesehen haben.Mein Vater hat sich gewünscht, dass wir zusammen Eier suchen werden. Wie das war, erzähle ich Ihnen sehr gerne. Schauen Sie doch in der Zwischenzeit bei Instagram unter #PodClubNora und #zukkerimleben vorbei und üben Sie mit dem Vokabeltrainer in unserer App. Auf Wiederhören! Glossar: Zukker im Leben (D) [1] aus der Haut fahren: die Fassung verlieren

[2] zwanghaft: etwas immer wieder tun müssen

[3] verheimlichen: für sich behalten, nicht verraten

[4] prekär: schwierig, unangenehm

[5] die Vermieterin: Person, die Wohnungen vergibt

[6] finster: dunkel, düster

[7] zivilisiert: gesittet, anständig

[8] auf den Kopf stellen: durcheinander bringen

[9] Regeln aufstellen: Regeln bestimmen, festlegen

[10] offensichtlich: eindeutig

[11] empfangen: einladen

[12] deponieren: hinlegen

[13] verkatert: zu viel Alkohol getrunken haben

[14] der Heulkrampf: heftiges Weinen

[15] folgen: machen müssen

[16] Folie rauchen: Droge wird auf einer Folie aufgekocht und der Dampf inhaliert, bekannt bei Heroin und Crack

[17] sich etwas verkneifen: schweigen

[18] nüchtern: keinen Alkohol trinken

[19] neurotisch: zwanghaft etwas immer wieder wiederholen müssen

[20] beiläufig: nebenbei

[21] nicht lange fackeln: etwas sofort tun

[22] das Mikrofasertuch: Reinigungstuch

[23] imponieren: beeindrucken

[24] der Fusselroller: Handgerät zum Entfernen von Haaren oder Schmutz auf Textilien

[25] perplex sein: irritiert sein

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