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Zukker im leben, Das weihnachtliche Treppenhaus und die schwangere Schülerin

Das weihnachtliche Treppenhaus und die schwangere Schülerin

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, Herzlich willkommen zur Sendung „Zukker im Leben“ vom 1. Dezember 2017. Es freut mich sehr, sind Sie wieder mit dabei. Brigit hat das ganze Treppenhaus mit Weihnachtskugeln dekoriert, obwohl es noch einen Moment dauert, bis Weihnachten ist. Davon werde ich Ihnen heute erzählen. Ich arbeite einmal in der Woche als Lehrerin mit Jugendlichen.Und was letzte Woche bei mir im Unterricht passiert ist, erfahren Sie ebenfalls heute. Viel Vergnügen!

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Brigit steht im Treppenhaus und hängt eine Lichterkette [1] auf.Draussen scheint die Sonne, es ist zwar schon kalt, aber es ist nochlange kein Schnee in Sicht [2]. Ich sage zu Brigit: „Es dauert doch noch einen Moment, bis Weihnachten, nicht?“ Brigit hält sich an der Leiter fest auf der sie steht, sieht mich verständnislos [3] an und sagt: „Nora, die Zeit vor Weihnachten ist doch so gemütlich!“ Ich lache und sage, dass ich genau diese Zeit nicht mag. Es ist kalt, es wird um 17 Uhr dunkel und die Menschen sind im Stress, weil sie Geschenke kaufen müssen. Brigit steigt von der Leiter und hält jetzt ein Rentier [4] in den Händen,das sie ins Fenster stellt. Brigit sagt: „Das ist Rudolph the Red Nosed Reindeer, kennst du den Song?“ Ich weiss genau, was jetzt gleich passieren wird, aber ich hoffe, dass es nicht so ist. Brigit verschwindet in ihrer Wohnung und kommt mit einem CD-Player zurück. Den CD-Player stellt sie unter das Fenster und steckt das Kabel in die Mehrfachsteckdose [5] wo bereits zwei Lichterketten eingesteckt sind.Ich glaube, dass gleich der Strom ausfällt, weil diese Ketten und Tiere so viel Strom brauchen. Aber Brigit macht das nicht zum ersten Mal, nein, sie ist ein Profi, wenn es um die Weihnachtsdekoration geht. Ich setze mich auf die Treppe im Treppenhaus und schaue ihr zu, wie sie jetzt auch noch Kunstschnee [6] auf der Treppe verteilt. Ich frage sie: „Brigit, das ist gefährlich, da kann man schnell ausrutschen [7]!“ Brigit schüttelt den Kopf und sagt: „Nein nein, alle im Haus wissen, dass sie in der Zeit vor Weihnachten vorsichtig durchs Treppenhaus gehen müssen!“Natürlich hat mir davon niemand etwas gesagt, als ich im Sommer eingezogen bin. Ich frage Brigit: „Wer bezahlt eigentlich die Rechnung für den Strom, den alle diese Lichterketten und Tiere brauchen?“ Brigit lacht mich an und sagt: „Alle Nachbarn zahlen etwas, weil es natürlich etwas teuer wird, wenn die ganze Nacht die Lichter brennen“.

Ich werde etwas wütend, weil ich mich nicht beteiligen [8] möchte. Dann sage ich: „Brigit, wie wäre es denn mit einer Zeitschaltuhr [9], damit wir nicht so viel Strom verbrauchen?“ Brigit lacht und sagt: „Das ist eine gute Idee, aber jetzt habe ich keine Zeit, das zu besprechen!“ Sie steht auf und geht aus dem Haus. Ich stehe auch auf und stehe ans Fenster. Vor dem Haus hält ein Auto. Zwei Männer steigen aus und öffnen den Kofferraum [10]. Sie holen einen Tannenbaum aus dem Auto, der grösser ist als Brigit. Sie klatscht vor Freude in die Hände, zieht zwei Hunderter-Noten aus ihrer Hosentasche und klopft den Männern auf die Schultern.Ich gehe in meine Wohnung und muss lachen, auch wenn ich das alles eigentlich gar nicht lustig finde. Ich weiss wirklich nicht, wo dieser grosse Tannenbaum im Treppenhaus Platz haben soll. Als ich drei Stunden später aus dem Haus gehe, steht der Tannenbaum ganz unpraktisch zwischen der Haustür und dem Treppenhaus. Brigit hat ihn mit farbigen Weihnachtskugeln geschmückt. Ich weiss, dass der Baum hier nicht stehen bleiben kann, weil man fast nicht ins Haus reinkommt.Schon gar nicht die Familien bei uns im Haus, die auch noch den Kinderwagen im Eingang parkieren sollten. Aber für heute habe ich keine Lust mehr mit Brigit zu diskutieren. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, was sind Sie für ein Weihnachtstyp?Mögen Sie diese Zeit oder geht es Ihnen wie mir, sind Sie froh, wenn alles vorbei ist? Ich freue mich auf Ihre Kommentare dazu.

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Jeden Mittwoch unterrichte ich in einer Gestaltungsschule. In meiner Klasse sind 14 Jugendliche, die später gerne eine Ausbildung im Bereich Grafik oder Design machen möchten. Ich kann überhaupt nicht zeichnen, weil ich kein räumliches Vorstellungsvermögen [11] habe; aber das ist auch nicht wichtig, weil ich den Jugendlichen Deutschunterricht gebe.Besonders wichtig ist, dass wir zusammen für sie eine Lehrstelle [12] finden. Ich mag meine Arbeit als Lehrerin, sie gefällt mir viel besser, als die Arbeit als Sekretärin vorher. Und es ist ein guter Ausgleich [13] zu meiner Arbeit als Autorin und Moderatorin. Als ich letzten Mittwoch in die Schule gekommen bin, stand eine Schülerin weinend vor dem Klassenzimmer. „Lisa, was ist passiert?“,Lisa reibt [14] sich die Tränen weg und dabei verschmiert ihre Mascara.Sie schaut mich an und sagt: „Scheisse, jetzt muss ich mich neu schminken!“ Ihre Mascara ist wohl das kleinste Problem denke ich mir und fragt sie: „Lisa, was ist denn passiert? Ist jemand gestorben?“ Lisa schaut mich mit grossen Augen an und sagt: „Noch nicht!“ Ich bin etwas überfordert. Noch nicht. Das kann alles bedeuten. Entweder liegt jemand wirklich im Sterben [15] oder Lisa hat einen Plan und das ist jetzt eine Drohung [16]. Ich sage Lisa, dass ich der Klasse ein Thema gebe, damit die anderen einen Aufsatz [17] schreiben und Lisa mir alles erklären kann. Sie geht aufs WC und schminkt sich. Dann sitze ich mit Lisa im Lehrerzimmer.

Sie sagt: „Wenn das mein Vater erfährt, bringt er mich um!“ Ich frage sie:„Was darf er denn nicht erfahren?“ Sie steht auf und zündet sich eine Zigarette an, ich stehe auch auf und nehme ihr die Zigarette aus der Hand. „Ich bin schwanger, Nora!“ Lisa ist erst 16 und jetzt also schwanger. Das ist eine Katastrophe, aber das darf ich meiner Schülerin natürlich nicht sagen. Ich muss diplomatisch [18] bleiben. Ich frage sie: „Willst Du das Kind behalten?“ und in diesem Moment denke ich, dass Lisa keine Ausbildung hat und dass sie vielleicht noch nicht die Verantwortung für ein Kind übernehmen will. Sonst würde das bedeuten: Keine Parties, keine Joints[19], keinen Alkohol. Und natürlich keine Lehrstelle. Lisa überlegt lange und fängt dann ganz laut an zu lachen. Ich verstehe gar nichts mehr,aber sie ist natürlich mit der Situation gerade überfordert und Lachen ist eine übliche [20] Reaktion auf einen Schock. Lisa sagt: „Ich habe nur zwei Mal die Pille vergessen und hätte nicht gedacht, dass das dann so schnell gehen kann!“ Jetzt muss ich mich zusammen reissen, dass ich nicht lache. Dann schaut mich Lisa an und sagt: „Weisst du Nora, wenn ich das Kind behalte, bin ich genau gleich alt, wie du jetzt, wenn das Kind 16 ist.“ Ich nicke und sage, dass es auch Vorteile hat, wenn man eine junge Mutter ist.

Offenbar meint Lisa etwas anderes und sagt: „Nora, wenn ich dich so anschaue, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, das du meine Mutter sein könntest, du bist doch selber noch mega jung!“ Ich bin zuerst etwas irritiert und dann verstehe ich, was sie meint, aber ich bleibe nachdenklich. Zwei Tage später hat sich Lisa für die Abtreibung [21] entschieden und ich bin sehr erleichtert [22].

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Ich freue mich sehr, wenn ich Ihnen am 15. Dezember auf podclub.ch und in der App wieder aus meinem Leben erzählen darf. Als ich Besuch von einem Freund hatte, klingelte Tom bei mir, weil er keine Milch mehr hatte. Als er gehört hat, dass ich einen Mann zu Besuch habe, wurde er eifersüchtig, davon werde ich Ihnen erzählen. Und ich habe entschieden,dass ich an Weihnachten nicht in der Schweiz bleibe, sondern an einen Ort fliege, wo es warm ist. Meine Reisepläne erfahren sie ebenfalls in der nächsten Sendung. Schauen Sie doch in der Zwischenzeit bei Instagram unter #PodClubNora und #zukkerimleben vorbei und üben Sie mit dem Vokabeltrainer in unserer App. Auf Wiederhören! Glossar: Zukker im Leben (D) [1] die Lichterkette: eine Schnur an der mehrere kleine Lampen festgemacht sind, typischer Weihnachtsschmuck

[2] etwas ist in Sicht: etwas das bald kommen wird, etwas das man erwartet, das es passieren wird

[3] verständnislos: nicht verstehen wollen oder können, kein Verständnis zeigen

[4] das Rentier: ein Tier, das zur Familie der Hirsche gehört und ein Geweih hat

[5] die Mehrfachsteckdose: eine Verbindung zwischen dem Strom und vielen anderen Steckern, die man einstecken will, eine Art Verlängerungskabel

[6] der Kunstschnee: ein Material, das aussieht wie Schnee, aber nicht echt ist

[7] ausrutschen: hinfallen, umfallen, weil es rutschig ist

[8] sich beteiligen: etwas beitragen, Geld geben, mitmachen bei etwas

[9] die Zeitschaltuhr: eine Uhr, bei der man einstellen kann, wann das Licht brennt und wann nicht

[10] der Kofferraum: der hintere Teil des Autos, in dem man Dinge transportieren kann

[11] das räumliche Vorstellungsvermögen: wenn man sich etwas dreidimensional vorstellen kann

[12] die Lehrstelle: der Ausbildungsplatz für Jugendliche, eine Lehre dauert in der Schweiz drei Jahre

[13] der Ausgleich: etwas, das eine gute Balance herstellt zwischen verschiedenen Dingen

[14] reiben: mit den Fingern hin und her wischen, bis etwas verschwindet

[15] im Sterben liegen: wenn jemand kurz davor ist zu sterben

[16] die Drohung: jemandem Angst machen und etwas Schlimmes sagt, das passieren könnte

[17] der Aufsatz: ein Text, den man zu einem speziellen Thema schreiben muss

[18] diplomatisch: sich zu etwas nicht parteiisch äussern, sehr gut überlegen, was man genau sagt

[19] der Joint: Marihuana, Cannabis wird geraucht und ist illegal

[20] üblich: logisch, normal, nachvollziehbar

[21] die Abtreibung: medizinische Massnahme, wenn eine Frau schwanger ist und das Kind nicht bekommen will

[22] erleichtert: froh sein, dass etwas so passiert, wie man es sich wünscht, aufatmen können

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