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malgli, Etymologie von und um 'Schach'

Etymologie von und um 'Schach'

Schach spielt man schon lange;

dementsprechend weit reicht auch die Geschichte des Wortes zurück.

Sie ist aber nicht nur lang, sonder auch verzweigt

und hat Verbindungen zu vielen andern Wörtern und Konzepten.

Last uns dem etwas nachspüren.

Wie das Spiel selbst kam auch das Wort aus Frankreich nach Deutschland.

“Schach” ist abgeleitet von dem altfranzösischen “eschac.”

Die Franzosen hatten sich aber weder das Spiel noch die Bezeichnung dafür selber ausgedacht.

Über die Araber hatte es sie aus dem fernen Persien erreicht, wo man das Spiel nach dem

“Schah”, dem König, benannt hatte.

Die Franzosen haben aber doch einen eigenen Beitrag geleistet:

Den k-Laut am Ende, der im Deutschen zu einem ch wurde.

Er entstand unter dem Einfluss von “eschec”, Beute.

Man kann sich gut vorstellen, dass für einen erfolgreichen Schachspieler

die Ausrufe “Beute!” und “Schach!” durchaus nahe beieinander liegen.

Der Grund, dass du, vereinzelter französischsprachiger Zuschauer, an dieser Stelle die Stirn runzelst,

ist, dass es dieses Wort heutzutage nicht mehr gibt.

Es wurde später durch “butin” ersetzt, das vom Mittelniederdeutschen “bute” kommt,

woher wir auch unser deutsches Wort “Beute” haben.

Dass die feinen, romanisierten Franzosen sich ein Wort von den barbarischen Germanen abgeguckt haben,

mag erstaunen, ist aber gar nicht so ungewöhnlich.

Schon “eschec” war von den germanischen Franken bei ihren Raubzügen hinterlassen worden.

Passenderweise kommt es von “skak”, Raub, das auch die Nachfahren der Franken, die Niederländer,

noch als das Verb “schaken” kennen.

Es bedeutet einerseits wegen “eschac” Schach spielen, anderseits auch

“sich mit verschiedenen Methoden eine Frau ergattern.”

Wir waren aber im Orient stehen geblieben.

Dort war den Herrschern der Titel “Schah” inzwischen nicht mehr genug.

Es entstanden etliche Steigerungen, wie zum Beispiel der türkische Pascha,

oder “Schahanschah”, der König der Könige.

Diesen durchaus populären Titel trug auch ein ganz bestimmter orientalischer Herrscher.

Wir kennen ihn als einen barbarischen, sklaventreibenden Despoten –

hauptsächlich weil er uns in gewissen Filmen so präsentiert wurde.

Tatsächlich war aber in seinem Persien die Sklaverei verboten.

Seine Gegner, die Griechen, überliefern uns seinen Namen als Xerxes.

Er selbst sprach ihn wahrscheinlich eher als “Xšayaršan” aus,

aber vermutlich mit mehr Eleganz, als ich.

Jedenfalls war auch er ein “König der Könige.”

Wir schieben aber die Geschichte von “Schach” vor uns her, vermutlich weil ich “Xšayaršan”

noch irgendwie aussprechen kann, diesen Vorfahren von “Schach” aber nicht mehr.

Das wurde aber wenigstens noch von seinen Sprechern aufgeschrieben und nicht von Linguisten rekonstruiert.

Die unterstellen nämlich eine mögliche Verbindung zu... dem hier.

Das Sternchen bedeutet das es ein rekonstruiertes Wort ist.

Aus diesem fernen Teil der Geschichte sind nämlich keine Texte mehr überliefert.

Damit nimmt der Grad an Spekulation stark zu.

Xaya-was-auch-immer könnte also auch einen anderen Ursprung haben.

Wie es auch sein mag, unser unaussprechlichen Freund hier bedeutet jedenfalls “sehen”.

Das scheint auf den ersten Blick keine Verbindung zu den Herrschern zu haben.

Tatsächlich ist aber der Weg von “sehen” zu “überblicken” über “herrschen”,

zu den Herrschern doch recht nachvollziehbar.

Ob es die Verbindung nun gibt oder nicht, dieses Wort kommt jedenfalls aus dem Proto-Indo-Europäischen

– Entschuldigung – Ur-indogermanischen.

Von dieser Sprache stammt wie man sehen kann auch das Deutsche ab.

Die Germanen fanden das Wort anscheinend auch unaussprechlich.

Sie vereinfachten es zu “*augo”.

Unzählige Generationen fauler Jugendlicher nutzten mit der Zeit das o zu eine “eh” ab,

sodass wir heute vom “Auge” sprechen.

Das unaussprechliche Wort für sehen fand seinen Weg also durch Auge und Schach gleich

mehrmals ins Deutsche und auch noch ein drittes mal in der Zusammensetzung „vor-erscheinen“.

Um herauszufinden, zu welchem modernen Wort diese Verbindung wurde, müssen wir notgedrungen

versuchen sie auszusprechen.

Mit einiger Mühe erkennt man darin schon das Lateinische Wort “antiquus”, alt,

und davon abgeleitet unser Wort für die Zeit als man noch Latein sprach: die Antike.

Vor mehreren tausend Jahren hatte also in der südrussischen Steppe

das Volk der Urindogermanen ein Wort für sehen.

Ein Teil dieses Volkes wanderte hierhin aus, vermischte sich mit den Einheimischen

und entwickelte dabei aus diesem Stamm das Wort Auge.

Ein anderer Teil ging nach Süden, und entwickelte dort ein Brettspiel, das sie nach dem Titel

ihres Herrschers benannten, den sie aus demselben Stamm hergeleitet hatten.

Dieses Spiel und sein Name verselbständigten sich und gelangten letztendlich

über die Araber und Franzosen an denselben Ort wie das “Auge”.

Eine dritte Gruppe brachte das alte Wort sehen in der Form *h2enti-h3kwos nach Italien, wo

sie so erfolgreich kamen, sahen und siegten, dass selbst ihre feindlichen Nachbarn ihre

Epoche bis Heute mit diesem Wort bezeichnen – die Antike.

So tummeln sich die weitgereisten Nachfahren eines einzigen, uralten Wortes

in der ganz normalen deutschen Sprache von heute.

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