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2022 Tagesschau, tagesschau 02.03.2022, 20:00 Uhr - UN-Versammlung

tagesschau 02.03.2022, 20:00 Uhr - UN-Versammlung

Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der tagesschau.

Diese Sendung wurde vom NDR live untertitelt (02.03.2022)

Heute im Studio: Jens Riewa

Guten Abend, ich begrüße Sie zur tagesschau.

Denkwürdige Abstimmung in der UN-Vollversammlung:

Mit großer Mehrheit wurde Russlands Angriff auf die Ukraine verurteilt

und der sofortige Abzug der Truppen gefordert.

Anders als im Sicherheitsrat kann Russland kein Veto einlegen.

Mehr dazu im Laufe der Sendung.

Die russischen Angriffe dauern am siebten Tag unvermindert an.

Erstmals nannte Moskau Zahlen zu den Verlusten:

498 russische Soldaten seien getötet worden,

nicht wie laut Ukraine 6000.

Beide Angaben lassen sich nicht überprüfen.

Westlich des Dnjepr wurde Schytomyr getroffen.

Im Süden konzentrieren sich die Kämpfe

auf die Hafenstädte Cherson und Mariupol.

Auch Charkiw im Nordosten steht weiter unter Beschuss.

In Kiew wird eine Großoffensive befürchtet.

Dicht gedrängt harren sie aus in dieser U-Bahn-Station in Kiew,

manche seit Tagen.

Es sind v.a. Frauen mit Kindern.

Sie haben Angst vor den russischen Angriffen.

Ich bin in der U-Bahn.

Es ist furchtbar, wie viele Kinder hier sind.

Wir wollen in einem unabhängigen, ganz normalen Land leben.

Danke, dass uns so viele Länder unterstützen!

Ich hoffe, dass diese Gewalt und Grausamkeit bald endet.

Offenbar verstärkt Russland Angriffe auf Städte und Infrastruktur.

Kiew heute, in der Nähe des Fernsehturms.

Es ist eine schreckliche Arbeit, die diese Männer leisten:

Abtransport von Leichen.

Gestern war der Fernsehturm angegriffen worden.

Mehrere Menschen wurden getötet.

Auch die Holocaust-Gedenkstätte Babyn Jar wurde angeblich getroffen.

Sie erinnert an die Massenermordung von Juden 1941.

Sie wissen nichts über unsere Hauptstadt,

unsere Geschichte.

Aber sie haben den Befehl, unsere Geschichte auszulöschen,

unser Land auszulöschen, uns alle auszulöschen.

Aus Charkiw erschreckende Bilder.

Auch hier hat es massive Angriffe gegeben.

Mehrere Gebäude sollen getroffen worden sein.

Auch Schytomyr meldet Beschuss - ein Bild der Zerstörung.

Hier sollen Raketen eingeschlagen sein.

Die ganze Nacht kämpfen Feuerwehrleute gegen die Flammen.

Ein Experte beurteilt die Situation so:

Wir sehen Panzer, denen der Sprit ausgegangen ist.

Truppen, die keine Nahrungsmittel haben.

Truppen, die teils nicht wussten, dass sie in den Krieg ziehen.

Die wähnten sich in einem Manöver in Belarus -

und sind plötzlich in der Ukraine und sollen kämpfen.

Es gibt Geheimdienstberichte,

dass russische Soldaten nach Hause marschieren.

Immer wieder versuchen Zivilisten, Militärfahrzeuge aufzuhalten.

Das sollen Aufnahmen aus Kupjansk zeigen,

verbreitet von AFP.

Sie haben es aus dem Land geschafft, den Grenzübergang in Polen erreicht.

Die Zahl der Flüchtlinge steigt an.

Laut UN haben fast 900.000 Menschen die Ukraine verlassen.

Moskau am Abend: massives Polizeiaufgebot.

Der inhaftierte Nawalny hat zu Protesten aufgerufen.

In den letzten Tagen

hatten in einigen Städten immer wieder Menschen demonstriert.

Demian von Osten in Moskau:

Wie ist die aktuelle Entwicklung?

Dem Aufruf von Alexei Nawalny sind in Moskau nur wenige gefolgt.

Anders war es in Sankt Petersburg und Jekaterinburg.

Die Menschen haben zu große Angst vor Festnahmen.

Wir haben auch Festnahmen erlebt.

Die Menschen spüren von Tag zu Tag mehr,

welche Folgen durch die Sanktionen auf sie zukommen.

Viele sind sich über das Ausmaß nicht im Klaren.

Sie sind nicht informiert, was in der Ukraine passiert.

Die Medienaufsicht will nun auch YouTube blockieren.

Die Verhandlungen zwischen Ukraine und Russland

wurden auf morgen verschoben.

Danke, Demian von Osten.

Und damit weiter in die Ukraine.

Unser Korrespondent ist mit einem Hilfskonvoi ins Land gefahren

und in der Nähe von Lwiw.

Olaf Bock, welche Eindrücke haben Sie gesammelt?

Auf dem Weg hierher in diese Stadt in der Westukraine

habe ich viele ukrainische Flaggen gesehen.

Und militärische Checkpoint.

Der Hilfskonvois ist in diesen Ort gefahren.

Er hat Hilfsmittel ausgeladen:

Medikamente, Kleidung, Nahrungsmittel, täglicher Bedarf.

Viele Dinge sind aus Deutschland geliefert.

Die Ukrainer sind sehr dankbar.

Medizinische Hilfe ist hergekommen.

Medikamente können verteilt werden.

Chirurgische Geräte sollen herkommen.

Man macht sich Sorgen um die Verletzten in den Kämpfen.

Die Helfer sind Studenten und Schüler.

Seit Kriegsbeginn gibt es keinen Unterricht.

Sie wollen den Menschen helfen, indem sie hierbleiben.

Sie sind zuversichtlich.

Wenn Sie den Menschen in der Ukraine und den Flüchtlingen helfen möchten,

können Sie spenden:

Zur UN-Vollversammlung:

Die Weltgemeinschaft hat ein Zeichen gegen Russlands Invasion gesetzt.

141 von 193 Mitgliedsstaaten stimmten für eine Resolution,

die Moskau zum Stopp seiner Aggression auffordert.

Nur fünf lehnten den Beschluss ab.

Anders als im Sicherheitsrat sind Resolutionen der Vollversammlung

völkerrechtlich nicht bindend.

Mit Erleichterung

reagiert die Ukraine auf die Zustimmung zur Resolution.

Russlands Aggression wird verurteilt.

Dagegen stimmen Russland, Belarus, Syrien, Nordkorea und Eritrea.

Die Resolution steht für die zentrale Wahrheit:

Die Welt will das Leid in der Ukraine beenden.

Die deutsche Außenministerin hatte für die Resolution geworben.

Es geht um Krieg und Frieden.

Man muss sich entscheiden, wo man steht:

Auf der Seite des Aggressors oder auf der von Familien, Kindern,

die sich in U-Bahn-Schächten vor Bombenangriffen verstecken.

China hatte sich enthalten - ein Signal an Russland.

Wir müssen das Denken des Kalten Krieges aufgeben:

Die Logik,

die Sicherheit eines Landes auf Kosten eines anderen aufzugeben.

Die Resolution fordert einen Waffenstillstand

und den Abzug der russischen Truppen.

Es war ein guter Tag für die UN und die Welt.

Die Antwort auf die Aggression könnte deutlicher nicht sein.

Ob sie in Russland gehört wird, steht auf einem anderen Blatt.

In seiner ersten Rede zur Lage der Nation hat US-Präsident Biden

die Solidarität der USA mit der Ukraine betont.

Er lobte die Tapferkeit der ukrainischen Bevölkerung

und betonte die Geschlossenheit des Westens.

Putin habe sich verkalkuliert.

Die Freiheit werde über die Tyrannei siegen.

Als weitere Sanktion kündigte er an,

den US-Luftraum für russische Flugzeuge zu sperren.

Zu den Angriffen gibt es auch heute einen Brennpunkt im Anschluss.

Brennpunkt um 20.15 Uhr in DGS auf tagesschau24.

Überschattet vom Krieg in der Ukraine

war auch der Antrittsbesuch von Bundeskanzler Scholz in Israel.

Premierminister Bennett hatte sich als Vermittler angeboten -

Israel beteiligt sich bislang nicht an den Sanktionen gegen Russland.

Beide Regierungschefs drängten auf ein sofortiges Ende der Kämpfe.

Am Morgen hatte Scholz

die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besucht.

Ein Moment des Innehaltens in der Gedenkstätte Yad Vashem.

Es sei ihm ein Anliegen gewesen, nach Israel zu kommen, sagte Scholz,

auch wenn die Reise wegen des Kriegs in der Ukraine kürzer ausfällt.

Mit Premierminister Bennett

gedenkt er der 6 Millionen von den Nazis ermordeten Juden.

Hieraus erwächst jeder deutschen Regierung

die Verantwortung für die Sicherheit Israels

und den Schutz jüdischen Lebens.

Im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern

spricht er sich für die Zwei-Staaten-Lösung aus.

Doch beherrschendes Thema ist der Krieg in der Ukraine.

Wir müssen alles tun, um das Blutvergießen zu beenden

und alle Vorgänge vom Schlachtfeld auf den Verhandlungstisch bringen.

Israel beteiligt sich nicht an den Sanktionen gegen Russland

und verweist auf humanitäre Hilfe.

Sowohl Bennett als auch Scholz schließen einen Militäreinsatz aus.

Das Internationale Paralympische Komitee

hat sich gegen den Ausschluss von Russland und Belarus entschieden.

Damit können die Teams der zwei Länder

bei den Winterspielen antreten, die am Freitag beginnen.

Aber nicht unter ihren Landesflaggen, sondern als neutrale Athleten.

Der Deutsche Behindertensportverband kritisierte den Beschluss.

Sein Präsident Beucher nannte ihn mutlos.

Mit einem internationalen Abkommen gegen Plastikmüll

wollen die UN die Verschmutzung von Umwelt und Meeren reduzieren.

Die Umweltversammlung der UN

einigte sich erstmals auf eine gemeinsame Strategie.

Bis Ende 2024 soll eine weltweit verbindliche Konvention

verabschiedet werden.

Sie soll den Kreislauf eines Produkts

von der Entwicklung bis zum Recycling regeln.

Nach UN-Schätzung entstehen 400 Mio. Tonnen Plastikmüll pro Jahr.

Der Konferenzhammer aus recyceltem Kunststoff fällt -

ein Symbol für den Beginn von Verhandlungen.

An deren Ende könnte schon 2024 ein Abkommen stehen.

Den Plastikhahn schließen:

Dazu hat die UN-Umweltkonferenz in Nairobi einen Anfang gemacht.

Es ist ein riesiger Erfolg,

weil es ein rechtlich verbindliches Abkommen geben soll.

Das in zwei Jahren zu verhandeln, ist ein ehrgeiziges Ziel.

Ich vergleiche den Erfolg heute mit dem Pariser Klimaabkommen.

Schon heute macht Plastik 85 % des Meeresmülls aus.

In 20 Jahren könnten weltweit umgerechnet 50 Kilo Plastik

auf einen Meter Küstenlinie fallen.

Das Abkommen soll rechtliche Vorgaben machen

von der Produktentwicklung über den Verbrauch bis zum Recycling.

Am Ende wird es auch um Plastikvermeidung gehen.

Wir sollten nicht mit der Illusion leben,

dass wir den wachsenden Plastikberg allein recyclen können.

Ärmeren Staaten soll durch einen Fonds geholfen werden,

in den Industriestaaten einzahlen.

Bei den Verhandlungen wird geklärt:

Welche Regelungen werden für die Staaten rechtsverbindlich,

wie viel bleibt unverbindlich?

Der Erzbischof von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki,

hat dem Papst seinen Rücktritt angeboten.

Franziskus werde darüber entscheiden, habe Woelki aber angewiesen,

seinen Dienst zunächst wieder anzutreten.

Woelki hatte eine Auszeit angetreten.

Gegen Woelkis Rückkehr demonstrierten Kirchen-Initiativen vor dem Dom.

Der 65-Jährige ist wegen seines Umgangs mit der Aufarbeitung

von Missbrauchsfällen in der Kritik.

Die Lottozahlen:

Und nun die Wettervorhersage für morgen, Donnerstag, den 3. März.

Das Hoch über Norwegen bringt uns sonniges Wetter.

Heute Nacht ist es oft klar.

Im südlichen Bayern und Baden-Württemberg

zum Teil dichte Wolken, die aber südwärts abziehen.

Im Norden und Nordosten Nebel- und Hochnebelfelder.

Die können sich regional länger halten.

Sonst gibt es oft den ganzen Tag strahlenden Sonnenschein.

Freitag nach Westen und Südwesten oft ungestört sonnig.

Sonst neben Sonne auch Wolken, im Osten teils trüb.

Am Wochenende viel Sonne.

Wolken am Samstag in der Osthälfte, Sonntag im Nordosten.

In der Pause des DFB-Pokalspiels gegen 21.35 Uhr

hat Ingo Zamperoni diese Tagesthemen für Sie:

Ukraine-Krieg - immer mehr zivile Opfer.

Und: Erneute Verhandlungen - hat der Frieden noch eine Chance?

Ihnen einen schönen Abend.

Copyright Untertitel: NDR 2022

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