tagesschau 01.01.2022, 23:15 Uhr - Kritik an Vorschlagspapier der EU-Kommission zur Energiepolitik, Zweites Silvester
Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der tagesschau.
Diese Sendung wurde vom NDR live untertitelt (01.01.2022)
Heute im Studio: Thorsten Schröder
Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur tagesschau.
Die EU-Kommission löste mit einem Vorschlagspapier zur Energiepolitik
heftige Kritik aus Deutschland aus.
Gas- und Atomkraftwerke will sie unter bestimmten Bedingungen
als klimafreundlich einstufen.
Bau und Betrieb solcher Anlagen könnten dann gefördert werden.
Wirtschaftsminister Habeck sagte, Atomenergie nachhaltig zu nennen,
sei falsch bei dieser Hochrisikotechnologie.
Die Deutsche Umwelthilfe warnte vor umweltschädlichen Investitionen
unter grünem Deckmantel.
In der EU ist die Atomenergie umstritten.
In Deutschland läuft der Ausstieg,
Länder wie Frankreich setzen auf die Technologie.
Es ist wie ein Geschenk
zum Beginn der französischen EU-Ratspräsidentschaft.
Die EU-Kommission will Investitionen in Gas- und Atomkraft
unter bestimmten Bedingungen als klimafreundlich einstufen.
Ein Entwurf eines Rechtsaktes
wurde an die EU-Mitgliedstaaten verschickt.
"Die Kommission ist der Ansicht:
Erdgas und Kernenergie spielen eine Rolle, den Übergang zu erleichtern
zur überwiegend auf erneuerbaren Energien basierenden Zukunft."
Mehr als ein Jahr hatten Frankreich, Tschechien, Polen u.a. gekämpft,
auch Atomenergie als nachhaltig anzusehen.
Frankreich braucht Investoren, um 56 Reaktoren zu erneuern
und neue zu finanzieren.
Die Taxonomie ist eine Klassifizierung, die vorgibt,
dass v.a. in grüne Technologien verstärkt investiert werden soll.
Vor allem börsennotierte Unternehmen
müssen künftig auch über ihre Nachhaltigkeit berichten.
Der Streit um die Nachhaltigkeit von Atomenergie spaltet die EU:
Wirtschafts- und Klimaschutzminister Habeck kritisiert den Entwurf scharf.
Die Kommission weiß, was sie da tut.
Sie tut aus meiner Sicht das Falsche.
Es geht ausdrücklich nicht darum,
Frankreich zu verwehren, auf Atomenergie zu setzen.
Es geht darum, einen Anlagemarkt zu schaffen,
und den als grün, nachhaltig, ökologisch zu qualifizieren.
Das ist Etikettenschwindel.
Österreich und Luxemburg wollen klagen,
sollte Atomkraft als nachhaltig eingestuft werden.
Die Pandemie bestimmte wieder den Jahreswechsel in Deutschland.
Feuerwerk durfte nicht verkauft werden,
um Retter und Krankenhäuser nicht durch Verletzte extra zu belasten.
Trotzdem wurde geböllert, und es kam zu Unfällen.
Mindestens zwei Männer starben.
Die Deutsche Umwelthilfe sieht es als Erfolg,
dass die Feinstaubbelastung geringer war als sonst.
Die große Silvesterparty am Brandenburger Tor in Berlin
war abgesagt worden.
Keine Party, kein großes Feuerwerk.
Trotzdem waren laut Polizei Tausende in Berlin am Brandenburger Tor.
Kurz vor Mitternacht wurden es zu viele.
Die Polizei forderte die Menschen auf,
das Gebiet zu verlassen.
Die Menge habe sich dann aufgelöst.
Auch im Rest der Stadt verlief die Nacht friedlich.
Ansammlungsverbote, Böller-Verbotszonen:
Die meisten in Berlin hielten sich an die Regeln.
Es gab aber Angriffe auf Einsatzkräfte.
Im Vergleich der letzten fünf Jahre war das ein ruhiges Silvester.
Trotzdem gab es Verletzte durch Feuerwerkskörper.
Es gab Angriffe.
Aber wir sind mit einem ruhigen Silvester zufrieden.
In ganz Deutschland waren verstärkt Beamte unterwegs.
In Sachsen kontrollierten sie
das Feuerwerksverbot auf öffentlichen Plätzen.
Etwa hier in Plauen.
Die haben wir geschenkt gekriegt.
Die Nacht war ruhig - aber nicht ganz so ruhig wie 2020.
Auch in Hamburg waren Tausende unterwegs.
Die Polizei löste größere Menschengruppen auf.
In Köln war es in der Altstadt und am Rheinufer voll.
In Würzburg feierten Hunderte auf der alten Main-Brücke.
Es gibt wohl wieder weniger Silvester-Müll.
Die Berliner Stadtreinigung verzichtete auf ihren Sondereinsatz.
Papst Franziskus betonte in seiner Neujahrsmesse
die wichtige Rolle von Frauen in der Gesellschaft.
Im Petersdom sagte der Pontifex,
vor allem Mütter könnten Konflikte lösen.
Frauen müssten vor Gewalt beschützt werden.
Beim Mittagsgebet mit Gläubigen auf dem Petersplatz
rief Franziskus zu mehr Friedensanstrengungen auf.
New York hat einen neuen Bürgermeister:
Mit dem Demokraten Eric Adams
hat zum zweiten Mal ein Afroamerikaner das Amt inne.
Der Ex-Polizist übernahm in der Silvesternacht
die Amtsgeschäfte von Vorgänger de Blasio.
Auch andere wichtige Ämter in New York wurden neu besetzt.
New York feiert trotz rasant steigender Corona-Zahlen.
2022 bringt einen neuen Bürgermeister und eine Zeitenwende.
I, Eric Adams ...
Adams ist nicht New Yorks erster schwarzer Bürgermeister,
doch mit ihm wird sich vieles ändern.
Der ehemalige Republikaner war Polizist.
Er will die Stadt sicherer machen
und gegen Rassismus und Polizeigewalt antreten.
Nach den Black-Lives-Matter-Protesten haben sich die New Yorker
für neue Gesichter entschieden - vielfältig wie New York selbst.
Es geht um kulturelle Kompetenz, das wird oft übersehen.
Wir nehmen diese Fähigkeit als Maßstab für Führungsstärke.
Die sieht er zum Beispiel bei seiner Polizeichefin:
Keechant Sewell, die erste Frau in dieser Position.
Wir wollen die Waffen von der Straße bekommen,
wir werden die Gewalt stoppen, vom ersten Tag an.
Mit ihm ziehe die Hoffnung ins Rathaus ein, sagte Adams.
Trotz Covid-19 ist New York nicht geschlossen,
es ist offen und am Leben.
New York hat mehr Widerstandskraft als die Pandemie.
Adams hat fünf Frauen als Stellvertreterinnen benannt,
aus allen Bevölkerungsgruppen.
Sie wurde weltberühmt als Witwe Rose in der Serie "Golden Girls".
Nun ist Betty White gestorben.
Sie war das letzte der vier "Golden Girls",
das noch lebte.
Als Schauspielerin und Produzentin gewann sie zahlreiche Preise.
Am 17. Januar wäre sie 100 geworden.
Ryoyu Kobayashi hat das Neujahrsspringen gewonnen
und damit seine Gesamtführung bei der Vierschanzentournee ausgebaut.
Markus Eisenbichler wurde Zweiter.
Karl Geiger, der derzeit beste deutsche Skispringer, belegte Rang 7.
Zwei Zehntel fehlen
zum ersten Sieg eines Deutschen seit 20 Jahren beim Neujahrsspringen.
Eisenbichler überzeugt, fliegt 143,5 m - fast Schanzenrekord.
Er wird Zweiter
und rückt in der Tourneewertung auf Platz 4 vor.
Ich bin happy, dass die Sprünge wieder so laufen.
Das Ergebnis ist mir zweitrangig.
Anders die Gefühlslage bei Geiger.
Deutschlands größte Tourneehoffnung hat schlechte Windbedingungen
und wird Siebter.
Mich nervt's grad.
Es ist bitter, dass es schon wieder ...
Na ja, egal.
Der deutsche Tournee-Traum wohl wieder geplatzt.
Geiger verliert viele Meter, rutscht im Klassement auf Platz 6 ab
und verliert die Führung in der Weltcup-Gesamtwertung.
Kobayashi gewinnt nach Oberstdorf auch das Neujahrsspringen.
Der Japaner ist zur Halbzeit deutlich vorn.
Der Slowene Kos wird überraschend Dritter.
Und nun die Wettervorhersage für morgen, Sonntag, den 02. Januar.
Ausläufer des Tiefs bei Island
bestimmen morgen v.a. im Norden das Wetter.
Im Norden und Nordwesten Regen, zeitweise auch am Tag.
Sonst neben Wolken und Nebel v.a. im Süden freundliche Momente.
In der Mitte stellenweise Regen.
Weiterhin strömt milde Luft zu uns.
Die nächste tagesschau sehen Sie hier gegen 1.20 Uhr.
Ihnen einen schönen Abend.
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