Die nervigsten Fragen für Ausländer in Deutschland
Seitdem ich vor 18 Jahren nach Deutschland gekommen bin, habe ich natürlich sehr viel
Kontakt zu Ausländern.
Und gerade als Deutschlehrerin, seit über zwölf Jahren, höre ich von den Lernenden
immer wieder die gleichen Geschichten.
Es gibt nämlich Fragen, die sie ganz besonders treffen.
Also viele Ausländer fühlen sich bei diesen Fragen getriggert.
Und welche diese Fragen sind, die so viele Ausländer einfach mit den Augen rollen lassen,
das erfährst du in diesem Video.
Die erste, angeblich harmlose Frage, ist: Wie lange bleibst du denn noch in Deutschland?
Also diese Frage hört man oft in einem Smalltalk, wenn wir gerade jemanden kennengelernt haben
und er uns gefragt hat, ja wie lange bist du denn schon in Deutschland gewesen und wie
lange planst du noch hier zu bleiben?
Nur für einen Ausländer hört sich diese Frage so an als ob man fragt, wann gehst du
denn endlich weg aus meinem Land?
Raus!
Also, natürlich ist es vielleicht gar nicht so gemeint, aber man denkt sich so, hä?
Was soll denn jetzt diese Frage heißen, wie lange ich bleibe?
Bin ich denn hier überhaupt nicht willkommen?
Soll ich denn schon genau das Ausreisedatum geplant haben und dir das nennen, damit du
beruhigt bist, dass ich gar nicht so lange hier bleibe?
Die zweite Frage, die mit der Zeit eigentlich immer heikler wird, ist die Frage nach den
Deutschkenntnissen.
Also am Anfang, wenn jemand gerade so ein oder zwei Jahre in Deutschland ist, ist das
kein Problem.
Also da wirkt es immer noch tatsächlich als ein Kompliment, wenn man zum Beispiel hört,
ach, du sprichst aber gut Deutsch!
Nur, stell dir jetzt vor, jemanden, der schon seit zehn, seit 15 oder seit 20 Jahren in
Deutschland lebt und sich super viel Mühe gegeben hat, die Sprache zu lernen.
Er weiß eigentlich, dass er schon sehr gut Deutsch spricht.
Vielleicht noch einen kleinen Akzent hat oder ab und zu Fehler macht, aber seine Deutschkenntnisse
sind schon ziemlich gut.
Dann diese Frage zu hören, wie lange lernst du denn schon Deutsch, klingt so wie, ach,
du bist immer noch nicht gut genug.
Du sprichst ja immer noch mit einem starken Akzent und ich erkenne ganz genau, dass du
kein Deutscher bist.
Ein Ausländer denkt einfach, ja, warum sagst du das nicht zu einem anderen Muttersprachler?
Warum sagst du nicht einfach zu deinem deutschen Nachbarn ach, du sprichst aber gut Deutsch?
Macht man nicht.
Auch, wenn der Nachbar kein Hochdeutsch spricht oder ganz viele Grammatikfehler macht.
Aber das zu einem Ausländer zu sagen, der schon sich sehr viel Mühe gegeben hat, die
Sprache zu lernen und seit langem in diesem Land lebt, klingt fast wie eine Beleidigung,
weil man sich denkt, ja, wie soll ich denn die Sprache sprechen?
Ich versuche mich ja auch hier zu integrieren.
Natürlich spreche ich auch gutes Deutsch.
Danke, dass es dir aufgefallen ist!
Diese Frage kann auch eine besonders starke Wirkung auf einen Ausländer haben, wenn sie
in Verbindung mit der anderen Frage gestellt wird und zwar: Und, wie lange bist du schon
hier?
Denn gerade das unterstreicht auch diese Bedeutung von na ja, ich weiß, dass ich schon seit
zehn oder 15 oder 20 Jahren in Deutschland bin,
eigentlich perfekt die Sprache beherrschen sollte und dass das von mir erwartet wird,
aber es ist nun mal nicht so.
Ich bin eine Ausländerin und ja, ich spreche nicht perfekt Deutsch.
Danke für die Erinnerung, dass ich schon so lange hier bin und eigentlich viel besser
hätte sein sollen.
Ich habe tatsächlich Kundinnen, die einfach sagen, ich schäme mich zu sagen, wie lange
ich schon in Deutschland bin.
Und ich lüge einfach.
Ich sage nicht, dass ich schon seit zehn oder 15 Jahren hier bin, sondern erst seit fünf
Jahren, damit das besser aussieht.
Und die Frage, die für ganz viele Tränen und Enttäuschungen bei Bekannten und Kunden
von mir gesorgt hat, ist die Frage nach der Herkunft.
Woher kommst du?
Oder woher kommen Sie?
Das Problem bei dieser Frage ist nicht, dass wir Ausländer nicht stolz auf unsere Herkunft
sind oder dass wir das nicht sagen möchten.
Sondern vielmehr dass mit bestimmten Ländern auch bestimmte Klischees verbunden werden.
Und gerade im beruflichen Kontext wollen wir nicht aufgrund unserer Herkunft beurteilt
werden, sondern einfach nur aufgrund unserer Qualifikationen und unserer Kompetenz.
Neulich hat mir zum Beispiel eine Kundin genau diese Situation dargestellt, die ich immer
wieder auch von anderen Kunden höre.
Und zwar hat sie mit einer Kundin telefoniert und die Kundin, kurz bevor sie den Auftrag
erteilt hat, hat einfach aus dem Nichts gefragt, aber, warten Sie mal, woher kommen Sie eigentlich?
Und meine Kundin hat dann gesagt, warum ist es Ihnen das wichtig?
Und die Kundin hat gesagt, ma ja, ich höre schon , dass Sie mit einem Akzent sprechen,
also Sie kommen bestimmt nicht aus Deutschland.
Sie sind nicht hier geboren, oder?
Und dann hat meine Kundin gesagt, ja, ich komme ursprünglich aus Südamerika, aber
warum spielt das eine Rolle für Sie?
Und dann hat die Kundin gesagt, na ja, ich dachte schon, dass ich hier mit einer deutschen
Firma zu tun habe.
Und das war auch der Fall.
Nur in diesem Moment hat sich meine Kundin so schlecht gefühlt, weil sie Angst hatte,
dass jetzt die ganze Firma einen schlechten Ruf hat, nur aufgrund ihrer Herkunft.
Und dabei war die Firma eine deutsche Firma mit einem deutschen Chef.
Die Firma existierte auch schon seit über 15 Jahren und hat eine sehr gute Reputation.
Nur diese Frage der Kundin hat dann meine Kundin so getriggert und hat dazu geführt,
dass sie sich ganz ganz schlecht gefühlt hat, weil sie dachte, mein Akzent sagt doch
nichts über die Qualität der Firma aus oder über unsere Zuverlässigkeit oder was auch
immer.
Leider hat genau diese Frage dazu geführt, dass es ganz ganz viele Menschen in Deutschland
gibt, die sich nicht anerkannt und akzeptiert fühlen.
Ja.
Und wie diese Frage nach der Herkunft auch manche Menschen wirklich verzweifeln lässt
oder sie in die Ruine treibt, erzähle ich dir in meinem anderen Video mit dem Titel
Ich wurde nie als Deutsche angesehen - DAS hat geholfen.
Schaue es dir an!