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2021 Tagesschau, Sendung: tagesthemen 22.01.2021 - vier Wochen nach dem Start der Impfkampagne

Sendung: tagesthemen 22.01.2021 - vier Wochen nach dem Start der Impfkampagne

Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit den tagesthemen.

Heute im Studio: Ingo Zamperoni

Ein Licht für die Toten der Pandemie,

ab heute jeden Abend gut sichtbar in einem Fenster.

Solche "Lichtfenster" wünscht sich Bundespräsident Steinmeier

und ruft jeden auf mitzumachen.

Zudem kündigte er eine Gedenkfeier für die Corona-Toten nach Ostern an.

Willkommen zu den tagesthemen.

Ein Zeichen der Anteilnahme in dunklen Zeiten

fordert das Staatsoberhaupt.

Und es steht zu befürchten, dass bei der Gedenkfeier nach Ostern

noch mehr Opfer zu beklagen sein werden.

Etwas mehr als 50.000 Menschen sind bisher laut Robert Koch-Institut

an oder mit Covid-19 gestorben.

Und so richten sich die Augen auf die Frage:

Wie steht es mit dem Nachschub bei den Impfstoffen?

Knapp vier Wochen nach der ersten Spritze hierzulande

und einem holprigen Impfstart zog der Gesundheitsminister Bilanz.

Fragen an ihn persönlich gleich, zunächst fasst Peter Jagla zusammen.

Mit Fingerspitzengefühl wird im Hamburger Impfzentrum

der wohl begehrteste Stoff der Welt vorbereitet: das Vakzin gegen Corona.

Zum Verimpfen muss dem Biontech-Impfstoff

eine Kochsalzlösung zugemischt werden.

Millimetergenau werden die Impfspritzen aufgezogen.

Im Idealfall bekommen sie statt der vorgesehenen fünf Impfdosen

pro Ampulle nun sechs.

Das ist ein Riesenunterschied.

Deswegen machen wir es in einem kontrollierten Prozess

mit speziell angelernten Kräften.

Das hilft beim knappen Impfstoff,

wenn wir 20 Prozent mehr Impfstoff rausholen.

Das ist seine Hoffnung.

Ihre: endlich immun sein.

Die 88-jährige Judith Schröder hat den ersten Impftermin.

Obwohl die Impfung begehrt ist:

Viel los ist nicht in Deutschlands größtem Impfzentrum.

Wir haben Kapazitäten aufgebaut, um 7000 Menschen am Tag zu impfen.

Im Moment können wir aber nur 500 impfen.

Es fehlt der Impfstoff.

Es fehlt der Impfstoff.

In vielen Impfstraßen könnte täglich zehnmal so viel verimpft werden

wie Impfstoff da ist.

Der Engpass wird uns noch Monate begleiten.

Bis zum Sommer soll es für alle ein Impfangebot geben.

Doch die Engpässe bei der Produktion

bringen dieses Versprechen ins Wanken.

Der Gesundheitsminister beteuert:

Dass Impfstoffzulassungen weiterer Produzenten

die Lage entspannen werden.

Mit der Zulassung eines zusätzlichen Impfstoffes,

insbesondere bei AstraZeneca, weil viel vorproduziert ist:

Dann stünden schon im Februar mehr Dosen zur Verfügung.

Das ist seine Hoffnung.

Doch heute meldet AstraZeneca:

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Die Nebenwirkungen sind gering.

Gott sei Dank ist alles so, wie wir es erwartet haben.

Die unerwünschten Reaktionen lagen genau in dem,

was man aus der Zulassungsstudie kannte.

Auch die Impfbereitschaft scheint, nach einem Tiefpunkt im Dezember,

laut einer Studie der Uni Erfurt wieder anzusteigen.

Bei ihr war sie von Anfang da.

Judith Schröder ist geimpft - zumindest das erste Mal geschafft.

Für einen maximalen Impfschutz mit dem Biontech-Impfstoff

braucht sie in 21 Tagen die zweite Impfung.

Wie geht es weiter mit dem Impfen?

Darüber sprach ich mit Gesundheitsminister Spahn.

Guten Abend, Herr Spahn. Guten Abend.

Die Impfzentren stehen, aber kaum einer wird geimpft.

Oft gibt es keine Termine.

Können Sie verstehen, dass die Menschen enttäuscht sind?

Ich verstehe, dass Ungeduld da ist.

Das Impfen ist der Weg raus aus der Pandemie.

Früher, als erwartet, haben wir diesen Weg gemeinsam begonnen.

Im Lockdown wollen viele ihn auch schneller gehen.

Wir können aber nur die Impf-Dosen verimpfen,

die da sind.

Wir haben 1,5 Millionen Impfungen in Deutschland.

100.000 haben die Zweitimpfung bekommen.

60 Prozent der Pflegeheimbewohner sind geimpft.

Es wird Zug um Zug schneller gehen, ich kann nur um Geduld bitten.

Es gibt viele Enttäuschungen.

Erst sagten Sie,

wenn man sechs statt fünf Impf-Dosen aus einer Ampulle zieht:

Dann hätten wir 20 Prozent mehr zur Verfügung.

Jetzt liefert Biontech nur die vereinbarte Anzahl Impf-Dosen.

Das hätten Sie doch vorher wissen müssen.

Pfizer teilte uns vor einer Woche mit:

Wegen eines Umbaus im Werk der Abfüllung

werde es vorübergehend weniger Impfstoff geben.

Diese Umstellung von fünf auf sechs Dosen

macht einen Teil davon wieder wett.

Aber unter dem Strich ist es nicht so viel mehr.

Auch bei AstraZeneca, nach einem Brand in Indien ...

Wir können nur verimpfen, was geliefert werden kann.

Wir sind abhängig von den Produzenten.

Die sind ihrerseits abhängig von Vorprodukten.

Aber wir müssen auf die Probleme gucken.

Was sagen Sie zu den Meldungen,

dass jetzt auch AstraZeneca Produktionsprobleme hat?

Es ist gut, dass es Freitag nächste Woche

die EU-Zulassung für AstraZeneca geben wird.

Aber die können nicht sofort liefern.

Es wird im Februar erste Dosen von AstraZeneca geben.

Wie viele, das werden wir in der EU mit AstraZeneca klären.

Deshalb kann ich auch nicht

auf zwölf Wochen im Voraus Lieferdaten nennen.

Wir können nur mit den sicheren Informationen umgehen,

die wir haben.

Die ganze Welt fragt nach Impfstoffen.

Unter großer Eile werden Produktionen aufgebaut.

Unternehmen wie Biontech, Moderna, CureVac

bringen das erste Produkt ihrer Firmengeschichte auf den Markt.

Wir müssen miteinander bestmöglich Geschwindigkeit reinbringen.

Heute Morgen sagten Sie bei der Bundespressekonferenz:

Wenn AstraZeneca kommt, wird alles viel schneller gehen.

Heute habe ich gelesen, die ersten wissen schon,

was im Sommer passiert.

Wir haben den 22. Januar.

In einer Woche werden wir die Zulassung von AstraZeneca haben.

Im Februar wird es Lieferungen geben.

In einer Größenordnung,

die schon im Februar einen Unterschied machen wird.

Dann wird das Impf-Angebot Woche um Woche besser.

Gleichzeitig ist das jetzt ein emotionaler Gegensatz.

Wir sind in einer schweren Phase der Pandemie

mit großem Härten für viele Bürger.

Zugleich ist der Weg raus aus der Pandemie begonnen.

Unser aller Bedürfnis ist, dass dieser Weg schnell geht.

Wir müssen aber realistisch bleiben.

Ich kann Ihnen nur das aufzeigen, was tatsächlich möglich ist.

Genau das setzen wir um.

Trotzdem sollten wir wahrnehmen:

Täglich werden in Deutschland Tausende Menschen geimpft.

Die besonders Verwundbaren erhalten zuerst ihren Schutz.

Diesen Teil sollten wir miteinander wahrnehmen.

Der Virologe Christian Drosten

hat schlimme Befürchtungen für den Sommer.

Der britische Premier Johnson sagte, es gebe Hinweise,

die neue Virus-Mutation sei auch noch tödlicher.

Wird das Licht am Ende des Tunnels wieder schwächer?

Es zeigt uns, dass das Virus sehr trickreich ist.

Durch Mutationen passt es seine Gestalt an.

Auch an unterschiedlichste Reaktionen von uns.

Das erfordert, dass wir die Strategie anpassen.

Zum Beispiel, indem wir medizinische Schutzmasken

mit Blick auf die Mutationen an vielen Stellen vorsehen.

Wir müssen die Erkenntnisse aus Großbritannien auswerten.

Grundsätzlich gilt:

Wir müssen es auch dem mutierten Virus

so schwer wie möglich machen.

Ein Virus kann sich nur bewegen,

wenn Menschen sich bewegen und es weitergeben.

In dieser Phase geht es darum, Kontakte zu reduzieren,

damit das Virus sich nicht weiter ausbreiten kann.

Vielen Dank für das Gespräch.

Nach der Aufzeichnung meldete die Nachrichtenagentur Reuters,

wie groß der Ausfall bei AstraZeneca sein werde.

Demnach teilte der Hersteller der EU mit:

Die Lieferungen an die EU-Staaten im ersten Quartal

werden um 60 Prozent niedriger ausfallen.

Hunderttausende Menschen sind in Deutschland in Kurzarbeit.

In vielen Haushalten steht dadurch

viel weniger Einkommen als geplant zur Verfügung.

Aber immerhin haben sie noch Arbeit.

Dank dieses Instruments der Agentur für Arbeit

ist die Stelle nicht futsch.

Schwer ist es,

in der Ungewissheit einer Pandemie einen neuen Job zu finden.

Elf Jahre arbeitete Michael Drozdy (48)

als Gas- und Wasserinstallateur für einen Kölner Betrieb.

Mit Corona verlor er seinen Job.

Die Firma hatte kaum noch Aufträge.

Viele Kunden lassen aus Sorge vor Ansteckung

keine Installateure in ihre Wohnungen.

Die Jobsuche ist schwierig.

Ich hatte eine Zusage,

dass ich am 1. Dezember anfangen kann.

Mit dem zweiten Lockdown kam die Nachricht,

dass ich den Vertrag nicht antreten kann.

Eine Katastrophe.

Nach 30 Berufsjahren musste er Arbeitslosengeld beantragen.

Die Biologin Cordula Krücken (43) muss auch nach Jobangeboten suchen.

Zuletzt arbeitete sie als festangestellte Bürokauffrau.

Dann verlor sie ihre Stelle.

Wer in diesen Zeiten einen Job suche, habe es nicht leicht, meint sie.

Als Biologin wusste ich sofort,

das ist nichts, was in vier Wochen wieder weg ist.

Was das auf dem Arbeitsmarkt nach sich zieht.

Das ist die falsche Zeit, um einen Job zu suchen.

Der Arbeitsmarkt sei ein anderer, klagt sie.

Es gebe kaum freie Stellen.

Die Arbeitssuche ist zermürbend, vor allem als Mutter zweier Kinder.

Wegen Homeschooling ist es doppelt schwer:

Telefonate oder Bewerbungsgespräche, wenn noch Kinder rumspringen.

Um sich fortzubilden, nahm sie an digitalen Workshops teil.

Persönliche Begegnungen sind derzeit nicht möglich.

Berufspädagogin Ulrike Groth organisiert im Auftrag

der Agentur für Arbeit solche Fortbildungsmaßnahmen.

In NRW vor allem betroffen:

Die Reisebranche und die Krise in der Textilindustrie.

Arbeitsplätze wird es weniger geben in den nächsten Monaten und Jahren.

Wenn man etwas älter ist, ist das schwierig,

wenn da jüngere Bewerber sind, die digitaler und günstiger sind.

Ich kann gut nachvollziehen, wenn eine Klientin Zukunftsangst hat.

Viele werden umschulen müssen, meint Ulrike Groth.

Eine Zukunftschance sieht sie in den Pflegeberufen.

Doch zur Zeit können auch solche Workshops nicht stattfinden.

So hoffen alle auf ein Ende der Corona-Krise.

Vor zwei Jahren gab der Verfassungsschutzpräsident bekannt,

die AfD werde nunmehr als Prüffall behandelt.

Nun könnte es für die Partei noch härter kommen.

Möglicherweise schon nächste Woche

könnte die komplette AfD als Verdachtsfall eingestuft werden.

Wegen "gewichtiger Anhaltspunkte für rechtsextremistische Bestrebungen".

Das hieße, im Superwahljahr dürften nachrichtendienstliche Mittel

gegen AfD-Funktionäre aller Ebenen eingesetzt werden.

Die Partei ist alarmiert.

Sie will diese Einstufung, noch bevor sie erfolgt ist,

auf dem Klageweg verhindern.

Eine Gerichtsentscheidung fiel heute schon:

Der Rausschmiss von Andreas Kalbitz

aus der AfD wegen rechtsextremer Umtriebe war rechtens.

Wieder ein AfD-Gerichtstermin, wieder geht es um Andreas Kalbitz,

wieder verliert er.

Er darf weiterhin kein AfD-Mitglied mehr sein.

Der ehemalige Kopf des rechtsextremen Flügels

will aber weiter darum kämpfen.

Dem Strippenzieher der radikalen AfD-ler

die Mitgliedschaft zu entziehen:

Es war einer von Jörg Meuthens Versuchen,

den Verfassungsschutz milde zu stimmen.

Auch auf dem vergangenen Parteitag.

Was klingt, wie für die Delegierten bestimmt,

richtet sich an den Verfassungsschutz.

Wir werden nicht mehr Erfolg erzielen,

indem wir immer aggressiver, immer enthemmter auftreten.

Wer Revolution oder Politikkasperle spielen will,

soll das woanders tun, nicht in der AfD.

Doch es gibt Widerstand.

Ein großer Teil der Partei ist nicht bereit,

sich von rechtsextremistischen Tonangebern zu lösen.

Meuthens Strategie scheint gescheitert.

Zwei Jahre prüft der Verfassungsschutz bereits,

ob die gesamte AfD beobachtet werden muss.

Kurz bevor er das bekannt geben wollte:

Die erste Klage der Partei.

Unterlassen soll es der Verfassungsschutz,

die AfD als Verdachtsfall einzuordnen.

Dies öffentlich bekanntzugeben.

Wir sind im Superwahljahr,

haben demnächst Kommunal- und Landtagswahlen.

Unsere Partei wird diskreditiert in der Nennung als Verdachtsfall.

Deswegen haben wir Klage eingereicht.

Wir sehen den politischen Wettbewerb gestört.

Seit Monaten plant der Bundesvorstand diesen juristischen Kampf.

Alarmiert von Medienberichten, der Verfassungsschutz sei soweit,

tauscht sich die Parteispitze am Mittwoch lange aus.

Laut internen Unterlagen, die NDR, WDR und SZ vorliegen,

werden Klagewege erwogen:

Gegen den Verfassungsschutz und gegen das Innenministerium.

Der Anwalt schreibt:

"Die Erfolgsaussichten des avisierten Verfahrens (...)

gegen das BfV seien völlig offen."

Das Spezielle an diesen Anträgen ist,

dass sie vorbeugend etwas verhindern wollen.

Das Gericht kennt aber noch nicht die Begründung des Amtes.

Zweiter Streitpunkt ist der Zeitpunkt,

mit einer Entscheidung jetzt an die Öffentlichkeit zu gehen.

Die Sorge, bürgerliche Wähler vollends zu verschrecken,

treibt vor allem Meuthen um.

Auch die gemäßigten Mitglieder könnten die Partei verlassen.

Wird die AfD bald beobachtet, wäre Meuthens Mehrheit wohl dahin.

Die AfD und der Verfassungsschutz -

dazu hat Michael Stempfle vom Südwestfunk diese Meinung.

Ich hab einen Freund, der schon mehrmals gesagt hat:

Er habe die Schnauze voll von der Bundesregierung.

Wenn es so weiter geht, wählt er die AfD.

Seine Gründe:

Das Hangeln von Lockdown zu Lockdown, ohne Langfriststrategie.

Ich versteh den Ärger.

Ebenso seine Müdigkeit mit der Großen Koalition.

Doch nach allem, was ich über die AfD weiß, denke ich:

Du hast 'ne Verantwortung als Staatsbürger.

Jetzt kommt der Verfassungsschutz ins Spiel.

Zusätzlich zu den Recherchen von Journalisten

zu den rechtsextremistischen Strömungen in der AfD:

Es hätte bald ein weiteres Prüfergebnis vorliegen sollen.

Argumente, die ich gut gebraucht hätte.

Wunschdenken - die Realität ist leider weniger professionell.

Was machen Verfassungsschutz und Politiker?

Mein Eindruck:

Sie haben das abschließende Prüfergebnis nicht abgewartet,

um dann an die Öffentlichkeit zu gehen.

Stattdessen haben ein paar auf dicke Hose gemacht.

Und vorab über die mögliche Entscheidung zur AfD geplaudert,

bevor das Ergebnis da war.

Nur deswegen hat die AfD erfahren,

dass die Vorstellung des Gutachtens bevorsteht.

Nur deswegen konnte sie die Eilklagen einreichen.

So kann die AfD möglicherweise verhindern:

Dass wir die Argumente des Verfassungsschutzes

noch vor der Bundestagswahl erfahren.

Und was mach ich jetzt?

Ich kann als Kommentator meine Meinung sagen:

Ein Staat, der auf verantwortungsbewusste Bürger setzt,

braucht auch verantwortungsvolle Dienste und Politiker.

Die Meinung von Michael Stempfle.

Er wurde weggesperrt, aber mundtot macht ihn das nicht.

Kaum war Russlands bekanntester Oppositioneller Alexej Nawalny

nach seiner Rückkehr in die Heimat ins Gefängnis gesteckt worden:

Da veröffentlichte er in einem Film,

der die Luxussucht seines Widersachers zeigen soll.

Mit Luftaufnahmen dieses gewaltigen Anwesens an der Schwarzmeerküste,

das angeblich für Putin angelegt wurde.

So der Tenor des Films.

Es ist der nächste mutige Coup des Oppositionspolitikers.

Der ihm gefährlich werden könnte.

Aber auch seinem Widersacher im Kreml.

"Gegen die Machthaber sein, heißt nicht: gegen die Heimat sein."

Eine Schülerin legte den Song unter ihr Video.

Sie hängt ein Putin-Portrait im Klassenraum ab,

eine andere ersetzt ein Putin-Bild durch Nawalny.

Ein Video von TikTok,

Russlands am häufigsten heruntergeladener App.

Mehr als 100 Millionen Mal wurden Aufrufe zur Demo morgen

dort angeschaut.

Eine junge Frau packt Sachen in einen Rucksack

und kommentiert zynisch: "Für den Gefangenentransporter."

Diese Menschen suchen Gleichgesinnte für die Demo.

Sie besprechen, was man mitnehmen

und welche Vorsichtsmaßnahmen man einhalten sollte.

Kurzclips mit Putin und Nawalny sind im Trend,

Vor allem nach einem zweistündigen Recherchevideo,

das Nawalnys Team nach seiner Festnahme veröffentlicht hat.

Es geht um "einen Palast für Putin",

ein 17.000-Quadratmeter-Bau an der Schwarzmeerküste.

Nawalnys Team ließ aus einem Bauplan eine Animation erstellen

und zeigt das Innere: teure Luxusmöbel, ein Casino.

Das 1,3 Milliarden teure Anwesen, so der Vorwurf,

hätten über ein Firmengeflecht Freunde von Putin bezahlt.

Doch eigentlich sei es für den Präsidenten selbst.

60 Millionen Mal wurde das Video bereits angesehen.

Der Film hat einen kaum zu behebenden Imageschaden

für Putin in Russland angerichtet.

Nawalny provoziert Putin zu harten Reaktionen.

Er geht aufs Ganze.

Der Kreml widerspricht der Recherche prompt.

Putin habe keinen Palast am Schwarzen Meer.

Nawalny ist hinter Gitter seit der Rückkehr nach Russland,

ihn erwarten mehrere Prozesse.

Mitstreiter wurden festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft

warnt vor der Unterstützer-Demo für ihn am Samstag.

Wer zur Teilnahme an solchen nicht genehmigten Protesten aufruft,

wird strafrechtlich zur Verantwortung gezogen.

Im sozialen Netzwerk TikTok versucht der Kreml,

die Stimmung in seine Richtung zu lenken.

Ich bekam eine Anfrage von einer Werbeagentur.

Ob einer unserer Blogger öffentlich dazu aufrufen könnte,

dass man nicht zur Demo gehen solle.

Wir haben abgesagt.

Die sozialen Netzwerke sind für den Kreml schwer zu kontrollieren.

Doch ob viele Menschen den Weg aus dem Netz auf die Straße finden,

ist auch für das Nawalny-Team noch eine offene Frage.

Ein klares Signal hin zu einer Welt ohne Massenvernichtungswaffen,

nannte UN-Generalsekretär Guterres den Vertrag zum Atomwaffenverbot.

Obwohl die Atommächte gar nicht unterschrieben haben.

Weitere Nachrichten mit Linda Zervakis:

Der multilaterale Pakt der UN zum Nuklearwaffen-Verbot

ist trotz internationaler Kritik heute in Kraft getreten.

Bislang mehr als 80 Staaten verpflichten sich,

keine Atomwaffen zu erwerben, zu entwickeln oder zu stationieren.

Den Vertrag nicht unterzeichnet haben die derzeitigen Atommächte

und die NATO-Staaten - somit auch Deutschland.

Diese Länder wollen am Atomwaffensperrvertrag festhalten.

Armin Laschet ist auch offiziell neuer Bundesvorsitzender der CDU.

Die Online-Abstimmung auf dem Parteitag am Wochenende

hatte er gewonnen.

Nun liegt auch das Ergebnis der Briefwahl vor.

Demnach erhielt Laschet 796 von 980 abgegebenen Stimmen -

eine Zustimmung von über 80 Prozent.

Laschet bezeichnete das Ergebnis als Signal der Einheit der Union.

Vor dem Landgericht Leipzig begann der Prozess gegen

ein Ex-Mitglied der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte.

Der Angeklagte räumte ein, Waffen, Munition und Sprengstoff

aus Bundeswehrbeständen beiseite geschafft zu haben.

Ihm werden Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz,

und das Waffen- und Sprengstoffgesetz vorgeworfen.

Es geht auch um eine mögliche rechte Gesinnung des 45-Jährigen.

Im Oktober 2019 hatte der Fund für Entsetzen gesorgt.

In Großbritannien waren in einem Kühllaster

39 Flüchtlinge aus Vietnam tot entdeckt worden.

Vor einem Monat wurden die Schlepper von einem Londoner Gericht

wegen Totschlags und Menschenhandel verurteilt.

Am Nachmittag verkündete ein Sprecher das Strafmaß:

Die beiden Anführer der Schlepperbande

müssen 27 und 20 Jahre hinter Gitter, zwei Mittäter 13 und 18 Jahre.

So weit bis hier, so far also - oder auch: Sofa.

Nicht die eleganteste Überleitung.

Aber wer hätte gedacht, dass dieses Möbelstück

mal eine nahezu allumfassende "Besessenheit" erfahren würde?

Im Lockdown bleibt das, was wir auch Couch, Kanapee,

Diwan oder Chaiselongue nennen:

"Das Allerschönste auf der ganzen Welt".

Das bleibt für viele der alltägliche Thron.

Höchste Zeit für eine Würdigung:

♪ Rhythmische Musik ♪

Oh du mein Sofa.

Was trägst du mich durch die Corona-Zeit.

Ruhige Stunden verbringen wir zusammen.

Du schenkst mir eine warme Umarmung,

während alle anderen auf Abstand gehen.

Wenn ich schlecht drauf bin, erträgst du es stumm.

Du gibst mir immer Halt.

Du bist das Home in meinem Office.

Du gibst mir Rückendeckung für alle Aufgaben, die da kommen.

Du bist die goldene Mitte allen Seins.

Oh du mein Sofa.

Du hast immer die bessere Alternative parat.

All meine Schwächen vertraue ich dir an.

Meine Geheimnisse teile ich mit dir, bei dir sind sie sicher.

Und ich werde dich nie mehr verlassen.

Weil ich dich viel zu sehr liebe, oh du mein Sofa.

Bleibt noch die Frage an Karsten Schwanke:

Gibt's Sofa-Wetter am Wochenende?

Das hängt davon ab, was man für ein Typ ist und wo man wohnt.

In einigen Regionen würde ich rausgehen.

Da wird es viel Schnee geben.

Winterlicher wird das kommende Wochenende.

Wir schauen uns die Schneeverteilung von heute an.

In den Mittelgebirgen und im Süden liegt Schnee.

Wir schauen auf Montag.

Jetzt sehen wir, was noch kommen könnte.

Es würde verbreitet in der Mitte und im Süden

am Montag eine geschlossene Schneedecke geben.

In den Mittelgebirgen kommt ordentlich Neuschnee dazu.

Am meisten wird im Erzgebirge fallen.

Es gibt große Schneeverwehungen.

Hier kommt das erste Tief.

Es kommt aus Südwesten.

Zunächst bringt es verbreitet Regen in tieferen Lagen.

Während der Nacht rutscht das Ganze Richtung Erzgebirge.

Die Schneefallgrenze sinkt auf 300 bis 400 Meter.

In der Lausitz schneit es selbst in tieferen Lagen.

Dahinter reißt es auf.

Am Abend kommt das nächste Tief

mit Regen in tieferen und Schnee in höheren Lagen.

Sonntag und Montag werden eine Spur kühler.

Am Sonntag kommt das nächste Schneefallgebiet

über die Mitte Deutschlands hinweg.

Am Montag gibt es Schnee im Südwesten.

Das waren die tagesthemen.

Es geht weiter mit einem Polizeiruf-Krimi aus Rostock.

Um 1.15 Uhr meldet sich noch einmal die tagesschau.

Wir sind morgen wieder für Sie da.

Bis dahin tschüss - und bleiben Sie zuversichtlich.

Copyright Untertitel: NDR 2021



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Sendung: tagesthemen 22.01.2021 - vier Wochen nach dem Start der Impfkampagne

Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit den tagesthemen.

Heute im Studio: Ingo Zamperoni

Ein Licht für die Toten der Pandemie,

ab heute jeden Abend gut sichtbar in einem Fenster.

Solche "Lichtfenster" wünscht sich Bundespräsident Steinmeier

und ruft jeden auf mitzumachen.

Zudem kündigte er eine Gedenkfeier für die Corona-Toten nach Ostern an.

Willkommen zu den tagesthemen.

Ein Zeichen der Anteilnahme in dunklen Zeiten

fordert das Staatsoberhaupt.

Und es steht zu befürchten, dass bei der Gedenkfeier nach Ostern

noch mehr Opfer zu beklagen sein werden.

Etwas mehr als 50.000 Menschen sind bisher laut Robert Koch-Institut

an oder mit Covid-19 gestorben.

Und so richten sich die Augen auf die Frage:

Wie steht es mit dem Nachschub bei den Impfstoffen?

Knapp vier Wochen nach der ersten Spritze hierzulande

und einem holprigen Impfstart zog der Gesundheitsminister Bilanz.

Fragen an ihn persönlich gleich, zunächst fasst Peter Jagla zusammen.

Mit Fingerspitzengefühl wird im Hamburger Impfzentrum

der wohl begehrteste Stoff der Welt vorbereitet: das Vakzin gegen Corona.

Zum Verimpfen muss dem Biontech-Impfstoff

eine Kochsalzlösung zugemischt werden.

Millimetergenau werden die Impfspritzen aufgezogen.

Im Idealfall bekommen sie statt der vorgesehenen fünf Impfdosen

pro Ampulle nun sechs.

Das ist ein Riesenunterschied.

Deswegen machen wir es in einem kontrollierten Prozess

mit speziell angelernten Kräften.

Das hilft beim knappen Impfstoff,

wenn wir 20 Prozent mehr Impfstoff rausholen.

Das ist seine Hoffnung.

Ihre: endlich immun sein.

Die 88-jährige Judith Schröder hat den ersten Impftermin.

Obwohl die Impfung begehrt ist:

Viel los ist nicht in Deutschlands größtem Impfzentrum.

Wir haben Kapazitäten aufgebaut, um 7000 Menschen am Tag zu impfen.

Im Moment können wir aber nur 500 impfen.

Es fehlt der Impfstoff.

Es fehlt der Impfstoff.

In vielen Impfstraßen könnte täglich zehnmal so viel verimpft werden

wie Impfstoff da ist.

Der Engpass wird uns noch Monate begleiten.

Bis zum Sommer soll es für alle ein Impfangebot geben.

Doch die Engpässe bei der Produktion

bringen dieses Versprechen ins Wanken.

Der Gesundheitsminister beteuert:

Dass Impfstoffzulassungen weiterer Produzenten

die Lage entspannen werden.

Mit der Zulassung eines zusätzlichen Impfstoffes,

insbesondere bei AstraZeneca, weil viel vorproduziert ist:

Dann stünden schon im Februar mehr Dosen zur Verfügung.

Das ist seine Hoffnung.

Doch heute meldet AstraZeneca:

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Die Nebenwirkungen sind gering.

Gott sei Dank ist alles so, wie wir es erwartet haben.

Die unerwünschten Reaktionen lagen genau in dem,

was man aus der Zulassungsstudie kannte.

Auch die Impfbereitschaft scheint, nach einem Tiefpunkt im Dezember,

laut einer Studie der Uni Erfurt wieder anzusteigen.

Bei ihr war sie von Anfang da.

Judith Schröder ist geimpft - zumindest das erste Mal geschafft.

Für einen maximalen Impfschutz mit dem Biontech-Impfstoff

braucht sie in 21 Tagen die zweite Impfung.

Wie geht es weiter mit dem Impfen?

Darüber sprach ich mit Gesundheitsminister Spahn.

Guten Abend, Herr Spahn. Guten Abend.

Die Impfzentren stehen, aber kaum einer wird geimpft.

Oft gibt es keine Termine.

Können Sie verstehen, dass die Menschen enttäuscht sind?

Ich verstehe, dass Ungeduld da ist.

Das Impfen ist der Weg raus aus der Pandemie.

Früher, als erwartet, haben wir diesen Weg gemeinsam begonnen.

Im Lockdown wollen viele ihn auch schneller gehen.

Wir können aber nur die Impf-Dosen verimpfen,

die da sind.

Wir haben 1,5 Millionen Impfungen in Deutschland.

100.000 haben die Zweitimpfung bekommen.

60 Prozent der Pflegeheimbewohner sind geimpft.

Es wird Zug um Zug schneller gehen, ich kann nur um Geduld bitten.

Es gibt viele Enttäuschungen.

Erst sagten Sie,

wenn man sechs statt fünf Impf-Dosen aus einer Ampulle zieht:

Dann hätten wir 20 Prozent mehr zur Verfügung.

Jetzt liefert Biontech nur die vereinbarte Anzahl Impf-Dosen.

Das hätten Sie doch vorher wissen müssen.

Pfizer teilte uns vor einer Woche mit:

Wegen eines Umbaus im Werk der Abfüllung

werde es vorübergehend weniger Impfstoff geben.

Diese Umstellung von fünf auf sechs Dosen

macht einen Teil davon wieder wett.

Aber unter dem Strich ist es nicht so viel mehr.

Auch bei AstraZeneca, nach einem Brand in Indien ...

Wir können nur verimpfen, was geliefert werden kann.

Wir sind abhängig von den Produzenten.

Die sind ihrerseits abhängig von Vorprodukten.

Aber wir müssen auf die Probleme gucken.

Was sagen Sie zu den Meldungen,

dass jetzt auch AstraZeneca Produktionsprobleme hat?

Es ist gut, dass es Freitag nächste Woche

die EU-Zulassung für AstraZeneca geben wird.

Aber die können nicht sofort liefern.

Es wird im Februar erste Dosen von AstraZeneca geben.

Wie viele, das werden wir in der EU mit AstraZeneca klären.

Deshalb kann ich auch nicht

auf zwölf Wochen im Voraus Lieferdaten nennen.

Wir können nur mit den sicheren Informationen umgehen,

die wir haben.

Die ganze Welt fragt nach Impfstoffen.

Unter großer Eile werden Produktionen aufgebaut.

Unternehmen wie Biontech, Moderna, CureVac

bringen das erste Produkt ihrer Firmengeschichte auf den Markt.

Wir müssen miteinander bestmöglich Geschwindigkeit reinbringen.

Heute Morgen sagten Sie bei der Bundespressekonferenz:

Wenn AstraZeneca kommt, wird alles viel schneller gehen.

Heute habe ich gelesen, die ersten wissen schon,

was im Sommer passiert.

Wir haben den 22. Januar.

In einer Woche werden wir die Zulassung von AstraZeneca haben.

Im Februar wird es Lieferungen geben.

In einer Größenordnung,

die schon im Februar einen Unterschied machen wird.

Dann wird das Impf-Angebot Woche um Woche besser.

Gleichzeitig ist das jetzt ein emotionaler Gegensatz.

Wir sind in einer schweren Phase der Pandemie

mit großem Härten für viele Bürger.

Zugleich ist der Weg raus aus der Pandemie begonnen.

Unser aller Bedürfnis ist, dass dieser Weg schnell geht.

Wir müssen aber realistisch bleiben.

Ich kann Ihnen nur das aufzeigen, was tatsächlich möglich ist.

Genau das setzen wir um.

Trotzdem sollten wir wahrnehmen:

Täglich werden in Deutschland Tausende Menschen geimpft.

Die besonders Verwundbaren erhalten zuerst ihren Schutz.

Diesen Teil sollten wir miteinander wahrnehmen.

Der Virologe Christian Drosten

hat schlimme Befürchtungen für den Sommer.

Der britische Premier Johnson sagte, es gebe Hinweise,

die neue Virus-Mutation sei auch noch tödlicher.

Wird das Licht am Ende des Tunnels wieder schwächer?

Es zeigt uns, dass das Virus sehr trickreich ist.

Durch Mutationen passt es seine Gestalt an.

Auch an unterschiedlichste Reaktionen von uns.

Das erfordert, dass wir die Strategie anpassen.

Zum Beispiel, indem wir medizinische Schutzmasken

mit Blick auf die Mutationen an vielen Stellen vorsehen.

Wir müssen die Erkenntnisse aus Großbritannien auswerten.

Grundsätzlich gilt:

Wir müssen es auch dem mutierten Virus

so schwer wie möglich machen.

Ein Virus kann sich nur bewegen,

wenn Menschen sich bewegen und es weitergeben.

In dieser Phase geht es darum, Kontakte zu reduzieren,

damit das Virus sich nicht weiter ausbreiten kann.

Vielen Dank für das Gespräch.

Nach der Aufzeichnung meldete die Nachrichtenagentur Reuters,

wie groß der Ausfall bei AstraZeneca sein werde.

Demnach teilte der Hersteller der EU mit:

Die Lieferungen an die EU-Staaten im ersten Quartal

werden um 60 Prozent niedriger ausfallen.

Hunderttausende Menschen sind in Deutschland in Kurzarbeit.

In vielen Haushalten steht dadurch

viel weniger Einkommen als geplant zur Verfügung.

Aber immerhin haben sie noch Arbeit.

Dank dieses Instruments der Agentur für Arbeit

ist die Stelle nicht futsch.

Schwer ist es,

in der Ungewissheit einer Pandemie einen neuen Job zu finden.

Elf Jahre arbeitete Michael Drozdy (48)

als Gas- und Wasserinstallateur für einen Kölner Betrieb.

Mit Corona verlor er seinen Job.

Die Firma hatte kaum noch Aufträge.

Viele Kunden lassen aus Sorge vor Ansteckung

keine Installateure in ihre Wohnungen.

Die Jobsuche ist schwierig.

Ich hatte eine Zusage,

dass ich am 1. Dezember anfangen kann.

Mit dem zweiten Lockdown kam die Nachricht,

dass ich den Vertrag nicht antreten kann.

Eine Katastrophe.

Nach 30 Berufsjahren musste er Arbeitslosengeld beantragen.

Die Biologin Cordula Krücken (43) muss auch nach Jobangeboten suchen.

Zuletzt arbeitete sie als festangestellte Bürokauffrau.

Dann verlor sie ihre Stelle.

Wer in diesen Zeiten einen Job suche, habe es nicht leicht, meint sie.

Als Biologin wusste ich sofort,

das ist nichts, was in vier Wochen wieder weg ist.

Was das auf dem Arbeitsmarkt nach sich zieht.

Das ist die falsche Zeit, um einen Job zu suchen.

Der Arbeitsmarkt sei ein anderer, klagt sie.

Es gebe kaum freie Stellen.

Die Arbeitssuche ist zermürbend, vor allem als Mutter zweier Kinder.

Wegen Homeschooling ist es doppelt schwer:

Telefonate oder Bewerbungsgespräche, wenn noch Kinder rumspringen.

Um sich fortzubilden, nahm sie an digitalen Workshops teil.

Persönliche Begegnungen sind derzeit nicht möglich.

Berufspädagogin Ulrike Groth organisiert im Auftrag

der Agentur für Arbeit solche Fortbildungsmaßnahmen.

In NRW vor allem betroffen:

Die Reisebranche und die Krise in der Textilindustrie.

Arbeitsplätze wird es weniger geben in den nächsten Monaten und Jahren.

Wenn man etwas älter ist, ist das schwierig,

wenn da jüngere Bewerber sind, die digitaler und günstiger sind.

Ich kann gut nachvollziehen, wenn eine Klientin Zukunftsangst hat.

Viele werden umschulen müssen, meint Ulrike Groth.

Eine Zukunftschance sieht sie in den Pflegeberufen.

Doch zur Zeit können auch solche Workshops nicht stattfinden.

So hoffen alle auf ein Ende der Corona-Krise.

Vor zwei Jahren gab der Verfassungsschutzpräsident bekannt,

die AfD werde nunmehr als Prüffall behandelt.

Nun könnte es für die Partei noch härter kommen.

Möglicherweise schon nächste Woche

könnte die komplette AfD als Verdachtsfall eingestuft werden.

Wegen "gewichtiger Anhaltspunkte für rechtsextremistische Bestrebungen".

Das hieße, im Superwahljahr dürften nachrichtendienstliche Mittel

gegen AfD-Funktionäre aller Ebenen eingesetzt werden.

Die Partei ist alarmiert.

Sie will diese Einstufung, noch bevor sie erfolgt ist,

auf dem Klageweg verhindern.

Eine Gerichtsentscheidung fiel heute schon:

Der Rausschmiss von Andreas Kalbitz

aus der AfD wegen rechtsextremer Umtriebe war rechtens.

Wieder ein AfD-Gerichtstermin, wieder geht es um Andreas Kalbitz,

wieder verliert er.

Er darf weiterhin kein AfD-Mitglied mehr sein.

Der ehemalige Kopf des rechtsextremen Flügels

will aber weiter darum kämpfen.

Dem Strippenzieher der radikalen AfD-ler

die Mitgliedschaft zu entziehen:

Es war einer von Jörg Meuthens Versuchen,

den Verfassungsschutz milde zu stimmen.

Auch auf dem vergangenen Parteitag.

Was klingt, wie für die Delegierten bestimmt,

richtet sich an den Verfassungsschutz.

Wir werden nicht mehr Erfolg erzielen,

indem wir immer aggressiver, immer enthemmter auftreten.

Wer Revolution oder Politikkasperle spielen will,

soll das woanders tun, nicht in der AfD.

Doch es gibt Widerstand.

Ein großer Teil der Partei ist nicht bereit,

sich von rechtsextremistischen Tonangebern zu lösen.

Meuthens Strategie scheint gescheitert.

Zwei Jahre prüft der Verfassungsschutz bereits,

ob die gesamte AfD beobachtet werden muss.

Kurz bevor er das bekannt geben wollte:

Die erste Klage der Partei.

Unterlassen soll es der Verfassungsschutz,

die AfD als Verdachtsfall einzuordnen.

Dies öffentlich bekanntzugeben.

Wir sind im Superwahljahr,

haben demnächst Kommunal- und Landtagswahlen.

Unsere Partei wird diskreditiert in der Nennung als Verdachtsfall.

Deswegen haben wir Klage eingereicht.

Wir sehen den politischen Wettbewerb gestört.

Seit Monaten plant der Bundesvorstand diesen juristischen Kampf.

Alarmiert von Medienberichten, der Verfassungsschutz sei soweit,

tauscht sich die Parteispitze am Mittwoch lange aus.

Laut internen Unterlagen, die NDR, WDR und SZ vorliegen,

werden Klagewege erwogen:

Gegen den Verfassungsschutz und gegen das Innenministerium.

Der Anwalt schreibt:

"Die Erfolgsaussichten des avisierten Verfahrens (...)

gegen das BfV seien völlig offen."

Das Spezielle an diesen Anträgen ist,

dass sie vorbeugend etwas verhindern wollen.

Das Gericht kennt aber noch nicht die Begründung des Amtes.

Zweiter Streitpunkt ist der Zeitpunkt,

mit einer Entscheidung jetzt an die Öffentlichkeit zu gehen.

Die Sorge, bürgerliche Wähler vollends zu verschrecken,

treibt vor allem Meuthen um.

Auch die gemäßigten Mitglieder könnten die Partei verlassen.

Wird die AfD bald beobachtet, wäre Meuthens Mehrheit wohl dahin.

Die AfD und der Verfassungsschutz -

dazu hat Michael Stempfle vom Südwestfunk diese Meinung.

Ich hab einen Freund, der schon mehrmals gesagt hat:

Er habe die Schnauze voll von der Bundesregierung.

Wenn es so weiter geht, wählt er die AfD.

Seine Gründe:

Das Hangeln von Lockdown zu Lockdown, ohne Langfriststrategie.

Ich versteh den Ärger.

Ebenso seine Müdigkeit mit der Großen Koalition.

Doch nach allem, was ich über die AfD weiß, denke ich:

Du hast 'ne Verantwortung als Staatsbürger.

Jetzt kommt der Verfassungsschutz ins Spiel.

Zusätzlich zu den Recherchen von Journalisten

zu den rechtsextremistischen Strömungen in der AfD:

Es hätte bald ein weiteres Prüfergebnis vorliegen sollen.

Argumente, die ich gut gebraucht hätte.

Wunschdenken - die Realität ist leider weniger professionell.

Was machen Verfassungsschutz und Politiker?

Mein Eindruck:

Sie haben das abschließende Prüfergebnis nicht abgewartet,

um dann an die Öffentlichkeit zu gehen.

Stattdessen haben ein paar auf dicke Hose gemacht.

Und vorab über die mögliche Entscheidung zur AfD geplaudert,

bevor das Ergebnis da war.

Nur deswegen hat die AfD erfahren,

dass die Vorstellung des Gutachtens bevorsteht.

Nur deswegen konnte sie die Eilklagen einreichen.

So kann die AfD möglicherweise verhindern:

Dass wir die Argumente des Verfassungsschutzes

noch vor der Bundestagswahl erfahren.

Und was mach ich jetzt?

Ich kann als Kommentator meine Meinung sagen:

Ein Staat, der auf verantwortungsbewusste Bürger setzt,

braucht auch verantwortungsvolle Dienste und Politiker.

Die Meinung von Michael Stempfle.

Er wurde weggesperrt, aber mundtot macht ihn das nicht.

Kaum war Russlands bekanntester Oppositioneller Alexej Nawalny

nach seiner Rückkehr in die Heimat ins Gefängnis gesteckt worden:

Da veröffentlichte er in einem Film,

der die Luxussucht seines Widersachers zeigen soll.

Mit Luftaufnahmen dieses gewaltigen Anwesens an der Schwarzmeerküste,

das angeblich für Putin angelegt wurde.

So der Tenor des Films.

Es ist der nächste mutige Coup des Oppositionspolitikers.

Der ihm gefährlich werden könnte.

Aber auch seinem Widersacher im Kreml.

"Gegen die Machthaber sein, heißt nicht: gegen die Heimat sein."

Eine Schülerin legte den Song unter ihr Video.

Sie hängt ein Putin-Portrait im Klassenraum ab,

eine andere ersetzt ein Putin-Bild durch Nawalny.

Ein Video von TikTok,

Russlands am häufigsten heruntergeladener App.

Mehr als 100 Millionen Mal wurden Aufrufe zur Demo morgen

dort angeschaut.

Eine junge Frau packt Sachen in einen Rucksack

und kommentiert zynisch: "Für den Gefangenentransporter."

Diese Menschen suchen Gleichgesinnte für die Demo.

Sie besprechen, was man mitnehmen

und welche Vorsichtsmaßnahmen man einhalten sollte.

Kurzclips mit Putin und Nawalny sind im Trend,

Vor allem nach einem zweistündigen Recherchevideo,

das Nawalnys Team nach seiner Festnahme veröffentlicht hat.

Es geht um "einen Palast für Putin",

ein 17.000-Quadratmeter-Bau an der Schwarzmeerküste.

Nawalnys Team ließ aus einem Bauplan eine Animation erstellen

und zeigt das Innere: teure Luxusmöbel, ein Casino.

Das 1,3 Milliarden teure Anwesen, so der Vorwurf,

hätten über ein Firmengeflecht Freunde von Putin bezahlt.

Doch eigentlich sei es für den Präsidenten selbst.

60 Millionen Mal wurde das Video bereits angesehen.

Der Film hat einen kaum zu behebenden Imageschaden

für Putin in Russland angerichtet.

Nawalny provoziert Putin zu harten Reaktionen.

Er geht aufs Ganze.

Der Kreml widerspricht der Recherche prompt.

Putin habe keinen Palast am Schwarzen Meer.

Nawalny ist hinter Gitter seit der Rückkehr nach Russland,

ihn erwarten mehrere Prozesse.

Mitstreiter wurden festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft

warnt vor der Unterstützer-Demo für ihn am Samstag.

Wer zur Teilnahme an solchen nicht genehmigten Protesten aufruft,

wird strafrechtlich zur Verantwortung gezogen.

Im sozialen Netzwerk TikTok versucht der Kreml,

die Stimmung in seine Richtung zu lenken.

Ich bekam eine Anfrage von einer Werbeagentur.

Ob einer unserer Blogger öffentlich dazu aufrufen könnte,

dass man nicht zur Demo gehen solle.

Wir haben abgesagt.

Die sozialen Netzwerke sind für den Kreml schwer zu kontrollieren.

Doch ob viele Menschen den Weg aus dem Netz auf die Straße finden,

ist auch für das Nawalny-Team noch eine offene Frage.

Ein klares Signal hin zu einer Welt ohne Massenvernichtungswaffen,

nannte UN-Generalsekretär Guterres den Vertrag zum Atomwaffenverbot.

Obwohl die Atommächte gar nicht unterschrieben haben.

Weitere Nachrichten mit Linda Zervakis:

Der multilaterale Pakt der UN zum Nuklearwaffen-Verbot

ist trotz internationaler Kritik heute in Kraft getreten.

Bislang mehr als 80 Staaten verpflichten sich,

keine Atomwaffen zu erwerben, zu entwickeln oder zu stationieren.

Den Vertrag nicht unterzeichnet haben die derzeitigen Atommächte

und die NATO-Staaten - somit auch Deutschland.

Diese Länder wollen am Atomwaffensperrvertrag festhalten.

Armin Laschet ist auch offiziell neuer Bundesvorsitzender der CDU.

Die Online-Abstimmung auf dem Parteitag am Wochenende

hatte er gewonnen.

Nun liegt auch das Ergebnis der Briefwahl vor.

Demnach erhielt Laschet 796 von 980 abgegebenen Stimmen -

eine Zustimmung von über 80 Prozent.

Laschet bezeichnete das Ergebnis als Signal der Einheit der Union.

Vor dem Landgericht Leipzig begann der Prozess gegen

ein Ex-Mitglied der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte.

Der Angeklagte räumte ein, Waffen, Munition und Sprengstoff

aus Bundeswehrbeständen beiseite geschafft zu haben.

Ihm werden Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz,

und das Waffen- und Sprengstoffgesetz vorgeworfen.

Es geht auch um eine mögliche rechte Gesinnung des 45-Jährigen.

Im Oktober 2019 hatte der Fund für Entsetzen gesorgt.

In Großbritannien waren in einem Kühllaster

39 Flüchtlinge aus Vietnam tot entdeckt worden.

Vor einem Monat wurden die Schlepper von einem Londoner Gericht

wegen Totschlags und Menschenhandel verurteilt.

Am Nachmittag verkündete ein Sprecher das Strafmaß:

Die beiden Anführer der Schlepperbande

müssen 27 und 20 Jahre hinter Gitter, zwei Mittäter 13 und 18 Jahre.

So weit bis hier, so far also - oder auch: Sofa.

Nicht die eleganteste Überleitung.

Aber wer hätte gedacht, dass dieses Möbelstück

mal eine nahezu allumfassende "Besessenheit" erfahren würde?

Im Lockdown bleibt das, was wir auch Couch, Kanapee,

Diwan oder Chaiselongue nennen:

"Das Allerschönste auf der ganzen Welt".

Das bleibt für viele der alltägliche Thron.

Höchste Zeit für eine Würdigung:

♪ Rhythmische Musik ♪

Oh du mein Sofa.

Was trägst du mich durch die Corona-Zeit.

Ruhige Stunden verbringen wir zusammen.

Du schenkst mir eine warme Umarmung,

während alle anderen auf Abstand gehen.

Wenn ich schlecht drauf bin, erträgst du es stumm.

Du gibst mir immer Halt.

Du bist das Home in meinem Office.

Du gibst mir Rückendeckung für alle Aufgaben, die da kommen.

Du bist die goldene Mitte allen Seins.

Oh du mein Sofa.

Du hast immer die bessere Alternative parat.

All meine Schwächen vertraue ich dir an.

Meine Geheimnisse teile ich mit dir, bei dir sind sie sicher.

Und ich werde dich nie mehr verlassen.

Weil ich dich viel zu sehr liebe, oh du mein Sofa.

Bleibt noch die Frage an Karsten Schwanke:

Gibt's Sofa-Wetter am Wochenende?

Das hängt davon ab, was man für ein Typ ist und wo man wohnt.

In einigen Regionen würde ich rausgehen.

Da wird es viel Schnee geben.

Winterlicher wird das kommende Wochenende.

Wir schauen uns die Schneeverteilung von heute an.

In den Mittelgebirgen und im Süden liegt Schnee.

Wir schauen auf Montag.

Jetzt sehen wir, was noch kommen könnte.

Es würde verbreitet in der Mitte und im Süden

am Montag eine geschlossene Schneedecke geben.

In den Mittelgebirgen kommt ordentlich Neuschnee dazu.

Am meisten wird im Erzgebirge fallen.

Es gibt große Schneeverwehungen.

Hier kommt das erste Tief.

Es kommt aus Südwesten.

Zunächst bringt es verbreitet Regen in tieferen Lagen.

Während der Nacht rutscht das Ganze Richtung Erzgebirge.

Die Schneefallgrenze sinkt auf 300 bis 400 Meter.

In der Lausitz schneit es selbst in tieferen Lagen.

Dahinter reißt es auf.

Am Abend kommt das nächste Tief

mit Regen in tieferen und Schnee in höheren Lagen.

Sonntag und Montag werden eine Spur kühler.

Am Sonntag kommt das nächste Schneefallgebiet

über die Mitte Deutschlands hinweg.

Am Montag gibt es Schnee im Südwesten.

Das waren die tagesthemen.

Es geht weiter mit einem Polizeiruf-Krimi aus Rostock.

Um 1.15 Uhr meldet sich noch einmal die tagesschau.

Wir sind morgen wieder für Sie da.

Bis dahin tschüss - und bleiben Sie zuversichtlich.

Copyright Untertitel: NDR 2021

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