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Die Frage, Ramadan: Was macht das Fasten mit mir? | Wann wi… – Text to read

Die Frage, Ramadan: Was macht das Fasten mit mir? | Wann wird Glaube zu extrem? Folge 1/5

Intermediate 2 German lesson to practice reading

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Ramadan: Was macht das Fasten mit mir? | Wann wird Glaube zu extrem? Folge 1/5

* Schluck- und Essgeräusche *

Es ist jetzt 3:29 Uhr.

Ich versuche gerade so viel Essen

und Trinken

in mich reinzustopfen, wie möglich.

Weil ich heute einen Tag lang Ramadan mitfaste.

Das heißt, dass ich bis 21:21 Uhr nichts mehr essen darf.

Und auch nichts mehr trinken.

- Es ist definitiv schädlich für den Körper.

Ich weiß aber, oben gibt mir auch jemand die Kraft,

dass es leichter wird.

Warum man das für seinen Glauben macht,

kann ich noch nicht so richtig nachvollziehen.

Aber gleich, glaube ich, lege ich mich erst noch einmal pennen.

Es ist gute 5 Stunden her, dass ich das letzte Mal etwas gegessen habe.

Meine Kehle ist schon staubtrocken.

Mein Magen fängt auch schon wieder an zu knurren.

Gleich gehe ich erst mal zum Sport, da treffe ich Sinan.

Sinan macht das Ganze mit dem Fasten schon sehr viel länger als ich.

* Dynamische Musik *

Oh, Sinan, ich mache das mit dem Fasten jetzt seit 5, 6 Stunden.

* Sinan lacht *

Mir geht es damit so... ich habe echt schon einen trockenen Mund.

- Ja? - Wie läuft es bei dir? - Bis jetzt sieht es noch ganz gut aus.

Ich mach das jetzt schon seit fast 28 Tagen.

Und ich merke, dass ich schon gefestigt bin in dem Modus.

Warum genau, würdest du sagen, machst du das ganze?

Also, ich sag mal so, ich bin Moslem, auch wenn ich nicht so aussehe

mit meinen Tattoos und meinen Piercings.

Jedes Jahr aufs Neue ist es immer wieder eine Challenge,

wenn du weißt, bald ist Ramadan.

Dann ist so, okay, wow, es ist wieder soweit.

- Freust du dich darauf? - Es ist alles, es ist Angst, Freude.

Es ist ein Verzicht auf Bedürfnisse.

Du bist halt in einem reinen Modus.

Und dann, wenn man wirklich glaubt, dann weiß man, okay, Gott,

seine Nähe spürt man. Diese Essenz ist auf einmal wieder da.

* Musik *

Ich bin jetzt schon total gespannt, ob ich es überhaupt durchhalte.

Ich will echt nachvollziehen, was das mit mir macht und ob ich irgendwas

daraus ziehe und ein Verständnis vielleicht dafür,

warum man das einen ganzen Monat lang durchzieht.

- Versuch, den Willen zu haben!

Ich treffe später den Sinan wieder. In seinem Tanzstudio.

Seinen Job als Tanzlehrer muss er auch im Ramadan machen.

Ihr fragt euch vielleicht, warum mache ich das heute?

Viele von euch haben mir geschrieben,

ich soll mich doch mal mit dem Thema Religion beschäftigen.

Finde ich auch super spannend, selbst wenn ich nicht religiös bin.

In den nächsten Wochen will ich deshalb in diese Welt eintauchen

und herausfinden: wann wird Glaube zu extrem?

Und damit meine ich:

Ab wann nimmt Religion nach meinem Empfinden zu viel Raum im Leben ein?

Ich bin jetzt im Büro und müsste eigentlich noch etwas arbeiten.

Aber ich kann an nichts anderes mehr denken als an Essen und Trinken.

Es ist jetzt 10 Stunden her, dass ich das letzte mal was getrunken habe.

Meine Kollegen sind gerade in die Kantine gegangen, schön Mittagessen.

Und ich hoffe einfach nur, dass der Tag schnell vorbeigeht.

* Musik *

(Sinan gibt Kommandos)

Nächster Song! Franky du stellst dich einfach irgendwo dazu!

- Okay, dann bleibe ich hier vorne. - Der Frank hat heute auch gefastet.

Der macht das heute auch. Und wir sind jetzt schon so weit, dass er...

Wie... wie fühlst du dich gerade? Schwach! - Schwach?

- Ich bin schwach, aber ich bin voll motiviert, jetzt alles zu geben.

- Okay, gut. Aber später macht es umso mehr Spaß, wenn du essen darfst.

Das kannst du mir glauben. Das erste Mal Wasser im Mund, das ist...

- Da habe ich jetzt schon richtig Bock drauf.

Unbeschreiblich. Das ist unglaublich, dieses Gefühl.

* Musik *

Wir gehen zu den Brooklyns! Yeah!

Yeah! Yeah! Yeah! * Musik *

Schön über Kreuz! * Musik *

Ich kann mich überhaupt nicht mehr konzentrieren auf die Schritte, ey.

- Okay! Jetzt heißt es, mit mehr Power dazu.

Der Sinan hat noch Power. Ich verstehe das nicht.

- Kurze Pause!

Ja, alle dürfen trinken, aber du nicht. - Wir nicht! - Wir nicht.

- Wir dürfen nicht trinken, nee.

Zählst du die Zeit? - Ja. - Ja? - Jaja. - Solltest du nicht machen.

- Nee? - Da vergeht sie nicht. - Oh Gott.

Warum, glaubst du, mache ich das ganze?

Das ist halt auch das...

Ich mein, hier vergeht die Zeit für mich schneller.

Und ich habe auch die Möglichkeit, nicht an mein Fasten zu denken.

- Ich wollte gerade sagen, wenn der Ramadan etwas sein soll,

wo ich mich besinne oder... im Moment ist alles, an was ich denke, trinken.

- Keine Panik. Denn man sagt ja auch, dass es nicht gesund ist.

Kann man sich drüber streiten.

Aber es ist definitiv schädlich für den Körper. Und das merkst du.

Wenn du keine Energie mehr hast ab einer gewissen Zeit,

dass dein Speichel wegbleibt, weil du durstig bist.

Und ja, der Ramadan sagt uns:

Es ist alles, was wir bekommen, nicht selbstverständlich.

Fühlt mit! Fühlt wieder! Und dann fühlst du es auch.

- Das kann ich nachvollziehen.

Dass man jetzt so ein bisschen, also dieses... - Mehr schätzt?

Ja, also dieses Schätzen von Wasser und Essen jetzt irgendwie. - Ja.

- Was macht es mit dir und deiner Beziehung zu Gott oder zu Allah?

- Ich merke so diese Essenz zu Gott ist irgendwie da. Ich spüre das.

Oben gibt mir auch jemand die Kraft, dass es leichter wird... - Mhm...

- ...zu ertragen. Das spüre ich auch.

Du weißt, dass der Sinan fastet, oder? - Mhm. Ich habe auch gefastet.

- Ja? Also bist du auch Muslimin? - Nein, ich bin Christ.

Aber trotzdem faste ich mit meinen Mädels mit.

- Ich kann das schon ein bisschen nachvollziehen,

dass es was mit einem macht.

Wenn man das einen ganzen Monat durchzieht,

dass es einen irgendwie verändert. - Ja, es gibt einem das Gefühl,

wieder an sich selber zu glauben.

Wenn man was geschafft hat, es zu wollen,

dann tut es einem die eigene Glaubenskraft wieder was stärken.

- Okay. Wie ist es mit euch? Könntet ihr euch euch das auch vorstellen?

Mal auf Essen und Trinken komplett zu verzichten für euren Glauben?

Schreibt mir das bitte in die Kommentare.

Also Sinan, das sind ja jetzt 16 Stunden,

in denen ich nicht gegessen und getrunken habe. Und du ja auch.

- Ja. - Sind noch 2 Stunden bis zum Fastenbrechen.

- Und du merkst, wir sind jetzt ein bisschen leiser.

Die Kraft ist schon richtig am Limit, sag ich mal.

Und, tja, jetzt bin ich auf Reserve.

Und versuche halt, nur noch klar zu denken. Dass ich konzentriert bleibe.

Aber wir sind immer noch nicht am Ende... - Nein, sind wir nicht.

- Wir gehen jetzt noch mal ins... - Ins Tonstudio.

* Musik *

Jetzt ist es ja halb 9. Es ist noch eine Stunde bis zum Fastenbrechen.

Ich kann's kaum erwarten. Was passiert jetzt noch?

Was macht ihr jetzt noch?

Also ich werde beten. Das ist das erste Gebet vom Maghrib.

Nach dem Gebet fahren wir dann zum Essen.

(Sinan betet auf Arabisch. Im Video läuft Klaviermusik.)

(Sinan atmet hörbar aus)

So, es ist jetzt kurz nach 9. - Yes! Gleich ist es soweit.

Und, kribbeln schon die Finger?

Spürst du, wie Speichel sich gerade bildet?

Die Vorfreude auf das Essen, was gleich kommt?

- Ja, ich habe wahnsinnigen Bock.

- Tach! Freunde sind schon da?

Man sollte beim Fasten nie alleine essen, darum unsere Kollegen.

- Sehr gut. - Wasser? - Wasser. - Wasser. - Auf jeden Fall.

Und darf ich jetzt schon...? - Okay. Es ist soweit.

Ich mache jetzt erst mal ein kleines Gebet.

Um uns einfach zu bedanken. Heute ist der letzte Tag vom Ramadan.

- Oh yes. - Wir haben es geschafft, Leute. Es ist unglaublich.

Möge Allah unser Fasten annehmen. - Amin!

Und uns für dieses Jahr unsere Sünden verzeihen. - Amin!

- So, mein Freund. Hier, das ist dein Moment, Franky.

Da du unser Gast heute bist, darfst du auch den ersten Schluck machen.

Hier! Nimm ihn aus meiner Hand. - Okay. - So macht man das bei uns.

Jetzt passt es. - Jetzt seid ihr, oder?

- Zum Wohle! - Zum Wohl!

- Jetzt kommt noch die Kultur, die bayerische. Hahaha! Zum Wohl!

* Musik *

(Sinan lacht)

- Selten hat ein Schluck Wasser so gut getan. (Sinan lacht noch mehr)

Seine Augen werden ja richtig glasig. Hahaha... haha!

- Dankeschön! Ich kann gar nicht genug essen.

Ich habe ja ein bisschen für mich versucht rauszufinden,

ob das mir zu extrem ist, was ihr macht.

Und es wäre jetzt nichts für mich. Ich würde das nicht machen.

Aber ich kann nachvollziehen, dass, wenn man gläubig ist,

dass einem das weiterhilft, dass einem das was bringt.

Im Zweifelsfall schadet ihr euch nur selbst. - Nur selbst! Gell?

- Ihr zieht da keine anderen Leute mit rein,

und ihr versucht nicht zu missionieren. - Genau das!

Ihr versucht auch nicht, übermäßig Druck auf euch selbst auszuüben.

Und das finde ich halt das wichtige daran.

- Darum geht es ja.

Wo ich noch mehr über den Islam gelernt habe,

das war in Michaels Reportagen. Und die findet ihr alle hier:

Nächste Woche bin ich bei strenggläubigen Christen.

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