Burger King: Warum der Rebel Whopper so erfolgreich ist
Am 8. August 2019 hat Burger King in den USA
einen neuen Burger auf den Markt gebracht.
You can't imitate beef. It tastes better.
Turns out these beef lovers love plants.
That's an Impossible Whopper? - I'm a damn fool.
Impossible Whopper with a patty made from plants.
Only at Burger King.
Der "Impossible Whopper" hat ein pflanzliches Patty.
Ganz kurz: Die Werbung hat übrigens
einen Aufschrei unter konservativen Müttern ausgelöst,
wegen dem Wort ... - Damn.
(Unsicheres Lachen)
O-okay?
Wie auch immer - der Impossible Whopper
ist ein beachtlicher finanzieller Erfolg für Burger King.
Tatsächlich war es eine der erfolgreichsten Produkteinführungen
der Firmengeschichte.
Nun gibt es ihn in Deutschland. Hier heißt er "Rebel Whopper".
Kein Fleisch? - Der hat nach Rind geschmeckt.
Super.
Egal, wie man ihn nennt: Er ist ein Zeichen der Zeit.
Die Fast-Food-Giganten der Welt sind in Bewegung,
und Start-ups wie Beyond Meat verändern eine globale Industrie.
Und im Schatten all dessen positionieren sich auch
Konzerne wie Nestlé und Unilever neu.
Was bedeutet es für eine Kette, die dicke, fette Burger verkauft,
wenn ihre erfolgreichsten Produkte einfach kein Fleisch mehr enthalten?
Ist das der Anfang vom Ende?
Oder vielleicht ein Geldsegen?
(Elektronische Töne, Surren)
Der Impossible Whopper unterscheidet sich gravierend
von traditionellen vegetarischen Burgern.
Er ist in Kooperation mit Impossible Foods entstanden.
Impossible Foods entwickelt
pflanzliche Fleisch- und Milchersatzprodukte.
Das Unternehmen will "Fleisch" produzieren,
das täuschend echt aussieht und auch täuschend echt schmeckt.
Es nutzt dafür Gentechnik.
Im Zentrum stehen "Häm", ein eisenhaltiges Molekül,
und Sojaprotein.
(englisch:)
Häm gibt Fleisch seine rote Farbe und den charakteristischen Geschmack.
Häm findet man aber zum Beispiel auch in Sojawurzeln.
Genau genommen in Soja-Leghämoglobin.
Allerdings nur sehr wenig.
Um es massenhaft zu produzieren,
nimmt Impossible die DNA für Soja-Leghämoglobin
und steckt sie in eine bestimmte Hefesorte.
Diese Hefe wird dann gegärt und produziert im Prozess Häm.
Der Impossible Whopper ist übrigens trotzdem nicht vegan.
Wegen der Mayo - und weil das Impossible-Patty
auf dem gleichen Grill wie das normale Fleisch gebraten wird.
Dafür gab's auch direkt 'ne dicke Klage.
They goin' ham.
Der Impossible beziehungsweise Rebel Whopper
ist natürlich auch nicht wirklich gesünder
als sein fleischiger Bruder.
Der Rebel Whopper hat nur fünf Kalorien weniger
und genauso viel Fett.
Immerhin deutlich weniger Cholesterin,
mehr Ballaststoffe - aber auch viel mehr Natrium.
1.480 Milligramm sind mal eben der gesamte Tagesbedarf
eines durchschnittlichen Erwachsenen.
Zu viel Natrium erhöht übrigens den Blutdruck
und ist ungesund.
Dafür ist der Burger deutlich umweltschonender.
Bei der Produktion werden gegenüber Rindfleisch
89 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen.
Außerdem wird viel weniger Wasser
und auch viel weniger Fläche verbraucht.
Im dritten Quarter des letzten Jahres
sind die Verkaufszahlen von Burger King in den USA
um fünf Prozent angestiegen.
Laut Burger King dank der Einführung des Impossible Whoppers.
Das kann natürlich zu einem gewissen Grad
ein Strohfeuer gewesen sein.
Der Burger wurde immerhin heftig beworben.
Aber das Produkt ist dennoch zweifelsohne ein Erfolg.
Und ein Zeichen der Zeit.
Viele Fast-Food-Ketten haben mittlerweile ähnliche Produkte.
A&W Kanada hat seinen Beyond-Meat-Burger innerhalb von wenigen Wochen ausverkauft.
Mittlerweile ist es eines der beliebtesten Produkte
der Kette überhaupt.
Beyond Meat ist ein Konkurrent von Impossible
und expandiert ebenfalls am laufenden Band.
Das niederländische Start-up "Der vegetarische Metzger"
wurde von Unilever gekauft.
Das Unternehmen macht übrigens die Pattys für den Rebel Whopper.
Deshalb auch der andere Name.
Auch Nestlé verkauft jetzt "Incredible" und "Awesome" Burger
in den USA und Europa
und attackiert das Feld aggressiv.
Eine neue Industrie wächst rasend schnell heran.
Der Markt boomt.
Aber der Impossible ... Rebel Whopper, wie auch immer,
zeigt, wie sehr.
Konzentrieren wir uns auf das zweite Wort: Whopper.
Burger King nutzt hier eine der eigenen Schlüsselmarken.
Der Whopper ist der Kern zahlreicher Werbestrategien
des Unternehmens.
That's what Burger King is: home of the whopper.
Die Marke Whopper wurde über Jahrzehnte in Stein gemeißelt.
Als flammengegrilltes, pures Rindfleisch.
.. Whopper. Flame-grilled in its own juices.
Und diese Marke wurde jetzt
auf ein zumindest vegetarisches Produkt gemünzt.
Etwas, das vermutlich noch vor wenigen Jahren
undenkbar gewesen wäre.
Das Ziel ist dabei nicht, so zu tun,
als wäre der Burger wirklich gesünder.
Und es ist auch kein Move,
um Veganer zu BK-Jüngern zu bekehren.
Die Zielgruppe sind Flexitarier.
So nennt man Menschen, die nur selten Fleisch essen -
oder nur ausgewähltes Fleisch.
Immer mehr Menschen fallen in diese Kategorie.
Skandale um die Massentierhaltung,
die Arbeitsbedingungen dort, die Bedingungen für die Tiere,
die fatalen Auswirkungen auf das Klima und Ökosysteme,
all das dringt bei vielen Menschen ins Bewusstsein.
Aber eine grundlegende Veränderung des Essverhaltens,
wie es Vegetarier oder vor allem Veganer vorleben,
das ist halt einfach ... schwierig.
Man möchte weniger tierische Produkte essen,
aber auch mal zu Burger King.
Der globale Markt für Fleisch
wird momentan auf circa eine Billion Euro geschätzt.
Und der Fleischkonsum wird weiter steigen.
Grade in reicher werdenden Entwicklungsländern.
Laut einer Prognose der Unternehmensberatung Kearney
könnte der Markt 2040 bereits 1,8 Billionen Euro groß sein.
Doch konventionelles Fleisch
könnte dann nur noch weniger als die Hälfte davon ausmachen.
Der gesamte restliche Markt
könnte von Kunstfleisch und veganen Ersatzprodukten
eingenommen werden.
Das ist wohl ziemlich optimistisch geschätzt,
gilt aber vielleicht als Richtungsweiser.
In Ländern wie Deutschland und den USA
wird sehr viel Fleisch gegessen.
Und ein Wandel weg davon braucht seine Zeit.
Der Rebel Whopper schlägt hier symbolhaft
für eine ganze Industrie eine wichtige Brücke.
Die Produkte sind dabei weiterhin Fast Food.
Sie haben zig Zutaten,
teils zum Beispiel viele gesättigte Fettsäuren
und viel zu viel Salz.
Dennoch: Sie sind viel besser fürs Klima
als herkömmliches Fleisch.
Sie sparen Unmengen an Platz und Wasser
und können bei der Umstellung der Ernährung helfen.
Das macht sie auf keinen Fall zu einem Allheilmittel
im Kampf gegen die Erderwärmung,
aber immerhin zu einem vielversprechenden Zahnrad.
Und wir werden uns sicherlich nicht beschweren,
wenn Fast-Food-Giganten Millionenkampagnen fahren,
um Leute davon zu überzeugen, auch mal kein Fleisch zu essen.
In den Worten von SSIO:
(Hip-Hop-Musik, Rap)
Aber in Veggie, bitte.
(Lässige Musik)
Hey, hoffentlich hat euch das Video gefallen.
Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.
Auf der Endcard findet ihr unser Video zu veganer Ernährung
und eine Doku von "STRG_F" über Fleischersätze.
Ansonsten bis zum nächsten Mal.