×

We use cookies to help make LingQ better. By visiting the site, you agree to our cookie policy.

image

2020-7 Imported from YouTube, Absurd: Höhere Mieten auch dank Mietpreisbremse | Panorama | NDR

Absurd: Höhere Mieten auch dank Mietpreisbremse | Panorama | NDR

Über absurden Preise,

die man in Städten für die letzten Buden ausgeben muss.

Schauen Sie mal hier.

In diesem Mietshaus kann man eine Wohung im ersten Stock mieten.

Hamburg Sankt Pauli, nicht Hamburgs feinste Adresse.

Ein Zimmer, 29 Quadratmeter. Was meinen Sie, was das kostet?

700 Euro kalt. Das sind 23 Euro den Quadratmeter.

Das ist krass.

Die baugleiche Wohnung kostete vor ein paar Jahren noch 300 Euro.

Wie kann das sein?

Schließlich hat der Staat die Mietpreisbremse eingeführt.

Die scheint nicht richtig zu bremsen,

sondern bei trickreicher Anwendung sogar zu beschleunigen.

Hamburg-Hamm ist ein Stadtteil, der bezahlbar ist.

Viele Alleinerziehende wohnen hier, Menschen mit geringem Einkommen.

Einfache Wohnungen für wenig Geld.

So funktionierte es jahrzehntelang, auch in diesem Haus.

Die Drei-Zimmer-Wohnung im 3. Stock kostete bisher 735 Euro.

Doch das Haus wurde verkauft an einen Investor.

Zwei Stockwerke tiefer kostet eine baugleiche Wohnung

fast doppelt so viel: 1200 Euro Kaltmiete.

Immerhin wurde sie luxussaniert.

Sieht gut aus, aber was auffällt:

Immer mehr einfache Wohnungen werden teurer.

Wenn eine Wohnung günstig ist, sieht es bei Besichtigungen so aus.

Dabei gibt es ein ein Gesetz, das Mietsuchenden helfen soll,

eine günstige Wohnung zu finden: die Mietpreisbremse.

Sie legt eine Höchstgrenze für Neuvermietungen fest.

Was klappt da nicht?

Das kommerzielle Verbraucherportal Conny überprüft für Mieter,

ob Vermieter die Mietpreisbremse einhalten.

Die Mietpreisbremse hat eine Ausnahme:

Wenn man eine Wohnung umfassend modernisiert,

gilt die Mietpreisbremse nicht.

Wir beobachten, dass immer mehr Vermieter

sich auf die Modernisierung-Ausnahme berufen bei der Mietpreisbremse.

Die Mietpreisbremse gilt nicht bei einer umfassenden Modernisierung.

Das kann ein Vermieter steuern.

In Hamburg finden wir viele Fälle:

Dieses Hochhaus aus den 70ern steht auf St. Pauli.

Die Vier-Zimmer-Wohnung soll laut Mietspiegel 586 Euro kosten.

Doch der Vermieter verlangt 1750 Euro kalt.

Oder diese Wohnung, direkt an einer sechsspurigen Straße in Hamm.

Für 60 Quadratmeter sind laut Mietspiegel 462 Euro angemessen.

Die Wohnung kostet 1150 Euro kalt.

Wir überprüfen mehr als 6000 Wohnungen,

alle die bisher 2020 auf dem Hamburger Markt angeboten wurden.

Viele sind zu teuer.

Für 41 % der Wohnungen wird mehr verlangt,

als es die Mietpreisbremse erlaubt.

Ist das nur in Hamburg so?

Wir machen eine Stichprobe in Süddeutschland.

In Heidelberg am Neckar überprüfen wir ebenfalls alle Wohnungsangebote –

mehr als 260.

Hier sind 87 % der Wohnungen teurer,

als ohne die Ausnahmeregelung erlaubt wäre.

Unsere Recherchen zeigen:

Die Mieten steigen besonders in einfachen Vierteln.

Wo das Wohnen günstig war, wird saniert wie verrückt.

In Berlin hat Wohnungsforscher Christoph Trautvetter

die Modernisierungen systematisch ausgewertet.

Er sieht die Entwicklung mit Sorge.

Das Problem ist die Art der Modernisierung.

Das richtet sich nicht nach dem Bedarf der Mieter.

Es richtet sich nach dem Kosten- und Mietsteigerungsbedürfnis

des Vermieters.

Das neue Bad, obwohl das alte Bad in Ordnung ist.

Modernisierungen, um die Mieten maximal steigern zu können.

Oder ein zweites Bad –

Hauptsache, die Mietpreisbremse lässt sich aushebeln.

Eine Firma scheint ein Geschäftsmodel daraus gemacht zu haben.

Akelius, ein milliardenschwerer weltweit agierender Konzern.

Das Geschäftsprinzip:

Die Firma kauft günstige Häuser und modernisiert sie zu Luxusobjekten.

Das beobachteten auch Mieter aus diesem Hochhaus

in Hamburg-Steilshoop, bisher kein teurer Stadtteil.

Es kommt eine neue Heizung rein, neue Küche, neues Bad, neue Böden.

Im zweiten Stock ist neu vermietet, die ist so groß wie unsere.

Die kostet um die 1200 Euro.

Und sie zahlen 600? 640 oder so.

Akelius hat 40.000 Wohnungen in Deutschland

und gibt uns ein Interview.

Wir werden in ein Haus in Berlin eingeladen,

auf das der Konzern offenbar stolz ist.

Alles sei vom Feinsten.

Das Ganze ist angelehnt an das skandinavische Design:

Schnörkellos, modern, universell.

Wir bilden das auf viele Geschmäcker ab.

"Better living" - ein besseres Leben ist das Motto von Akelius.

Das kostet: 19 Euro pro Quadratmeter hier.

Laut Mietpreisbremse wären 10 Euro vorgesehen.

Es gibt Leute, die Ihnen vorwerfen,

Sie umgehen mit Ihrem Prinzip gezielt die Mietpreisbremse.

Das stimmt nicht.

Akelius bietet hochwertig modernisierte Wohnungen.

Aber Sie nutzen damit jedes Mal die Ausnahme bei der Mietpreisbremse.

Akelius hat sich darauf spezialisiert,

hochwertig modernisierte Wohnungen zu vermieten.

Das ist das, was die Mieter von uns verlangen.

Ich gebe Ihnen recht, dass es an bezahlbarem Wohnraum fehlt.

Wohnraum zwischen fünf und sieben Euro pro Quadratmeter.

Die Frage ist nur, wer schafft diesen Wohnraum?

Das kann nicht der private Vermieter sein.

Es muss in der Politik liegen.

Klingt logisch: Für jeden wird was geboten.

Problem nur: Wohnraum ist begrenzt,

umso mehr saniert wird, umso weniger bleibt für den Rest.

Nicht das Problem der privaten Vermieter?

Doch - im Grundgesetz heißt es deshalb: Eigentum verpflichtet.

Das hat auch lange funktioniert.

Deutsche Städte leben davon, dass sie sehr gut durchmischt sind.

Was wir gerade sehen, ist der weltweite Trend,

dass die sozial Schwachen an die Randgebiete verdrängt werden.

So wie in vielen anderen Städten, in Paris und London,

Problemzonen entstehen.

Es gab 2015 eine Anzeige für dieses Haus.

Da hat die Wohnung 8,90 Euro pro Quadratmeter gekostet.

Jetzt sind wir bei 18, 19 Euro.

Sie sind konkret derjenige, der bezahlbaren Wohnraum vernichtet.

Das stimmt so nicht. Dieser Wohnraum ist bezahlbar.

Es gibt in Deutschland Mieter, die sagen:

Ich möchte in einer hochwertig sanierten Wohnungen leben.

Mit einem schönen Boden, mit einer schönen Küche

und diese Wohnung wird nachgefragt.

Aber für den Normalverdiener ist das nicht bezahlbar.

Ich habe Verständnis für die Leute, die sich nicht

die Wohnung leisten können, die sie haben möchten.

Allerdings hat sich Akelius darauf spezialisiert.

Mag sein.

Aber jede teuer modernisierte Wohnung ist eine bezahlbare weniger.

Und diese Verschiebung ist in vollem Gange,

wie die Daten bei Mieterberatern zeigen.

Wir haben das analysiert, mit unserer Datenbank abgeglichen.

Seit der der Verschärfung der Mietpreisbremse,

wenden mehr Vermieter die Modernisierungs-Ausnahme an.

Oder behaupten das zumindest.

Nach unseren Daten sind es fast 100 Prozent mehr.

Das Bundesjustizministerium will dazu kein Interview geben,

zweifelt offenbar daran, dass Mieter die Luxusmieten überhaupt bezahlen.

Es schreibt:

Unsicher?

Nun wurde eine Studie der Stadt Hamburg bekannt.

Ergebnis:

Die Mietpreisbremse sei nahezu wirkungslos,

führe zu teureren Wohnungen.

Also wohl doch ziemlich sicher.

Wenn Sie sich einen Eindruck machen wollen,

wie unverschämt viele Mieten sind:

Wir haben auf panorama.de eine Galerie

von überteuren Wohnungen in Hamburg zusammengestellt.

Learn languages from TV shows, movies, news, articles and more! Try LingQ for FREE