×

We use cookies to help make LingQ better. By visiting the site, you agree to our cookie policy.

image

GERMANIA, Vanessa Mai über Hauptschule, Vorurteile im Schlager und Olexesh

Vanessa Mai über Hauptschule, Vorurteile im Schlager und Olexesh

Das Arschloch zieht immer überall dahin mit,

wo du auch hinziehst.

Ich glaube, es gibt überall Dinge, über die du meckern kannst.

Ich glaube man kann nicht sagen,

das ist nur im Schlager so oder das ist nur im Pop so.

Ich bin Vanessa Mai, 27 Jahre alt. Ich bin Musikerin

und lebe in Backnang.

Ich bin geboren und aufgewachsen in Backnang.

Das ist im schönen Schwabenland.

Mein Papa ist Kroate. Daher bin ich halb kroatisch, halb deutsch.

Backnang... wenn jemand hierher kommt, der damit nichts zu tun hat,

fragt sich schon, hier lebst du und wohnst du immer noch?

Das ist ein süßes, kleines Städtchen, keine Frage.

Aber natürlich keine Metropole.

Ich verbinde damit wahnsinnig viel.

Bin hier zur Schule gegangen, im Kindergarten aufgewachsen,

alles hier erlebt, die Teenie-Zeit,

die ersten Abstürze in der Diskothek.

Und der erste Kuss. Und alles in Backnang.

Ich bin gerne hier, die sind alle sehr herzlich hier.

Jeder kennt irgendwie jeden gefühlt. Ich will hier nicht weg.

Ich bin auf die Hauptschule gegangen, was viele nicht wissen.

Gerade meine Hauptschule hier in Backnang ist die beste Schule,

auf die ich gehen konnte.

Ich habe so ein Glück gehabt, dass ich dahin gekommen bin.

Man hat mich so gefördert,

ich konnte da wirklich meine musikalische Seite ausleben.

Ich hatte eine Clique mit Mädels, die absolut angesagt waren.

Eine war türkischstämmig, eine aus Griechenland,

die andere war auch türkisch. Und ich.

Wir waren so die Clique.

Wir waren auch so, ne... War halt alles angesagt.

Cool und Mädels und hübsch und so.

Doch dadurch, dass ich dann mehr gelernt und gute Noten gehabt hab,

hat sich das dann irgendwann ein bisschen getrennt.

Und dann war ich mit den Strebern zusammen.

Das war einmal Panuka aus Sri Lanka.

Und Tamara, weiß ich noch, war deutsch. Und ich.

Wir waren so die Streber, saßen auch zusammen.

Dann war nichts mehr mit cooler Clique.

Dann war halt lernen, und wir waren so die Außenseiter.

Aber man sieht, beides Migrationshintergrund,

also, es hat überhaupt nichts damit zu tun, woher man kommt.

Die Reaktion der Leute ist dann doch so, da sind manchmal Vorurteile.

Da heißt es dann, wirklich, du warst auf der Hauptschule?

Ja. Und?

Ich bin nicht dumm oder auf den Mund gefallen oder irgendwas.

Aber es war halt mein Weg.

Musikmachen war ein Teil meiner Kindheit durch meinen Papa.

Ich wusste schon mit 5, 6, als ich das erste Mal auf der Bühne stand,

dass ich das machen möchte.

Und das Singen kam dann tatsächlich ein bisschen später.

Ich habe im Auto angefangen zu singen.

Die Freundin meiner Mama meinte, ey, hast du mal gehört?

Das ist gar nicht so schlecht. Und dann ging es los.

Ich wusste gar nicht, dass ich Schlager mache.

Ich habe tatsächlich als Kind "Er gehört zu mir"

und "Bossa Nova" und sowas gesungen.

Mir war aber nicht bewusst, dass das Schlager ist.

Ich kannte den Begriff als Kind auch nicht.

Als alles immer größer wurde, hieß es dann Schlager.

Und dann dachte ich: okay, mache ich Schlager.

* Musik *

# Er gehört zu mir!

Das erste Vorurteil, wo ich dachte, wow,

habe ich dem lieben Cro zu verdanken.

Wir haben nämlich einen Mann, mit dem wir beide arbeiten.

Der kam irgendwann auf mich zu und meinte, der Crow hat gefragt:

Du arbeitest ja mit der Vanessa Mai.

Wie ist denn so? Ist die wie wir?

Wo ich dachte, wow, ey, was denkt denn der eigentlich?

Nur, weil ich Schlager singe, habe ich keinen Schuss oder so.

Ich bin ganz normal.

Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, krass,

man sieht uns ein bisschen anders.

Ich denke so gerne an den Kollegen Olexesh zurück.

Ich fand es supergeil, dass der gesagt hat, ey,

ich hab Bock drauf, lass uns das machen.

Natürlich gab es auch ganz viele, die gesagt haben,

oh, was ist das, das geht nicht, so ein Scheiß.

Oder: Schlager und Rap, ey, lasst es.

Ich hatte auch Vorurteile, muss ich ehrlich zugeben.

Und natürlich denkt man: Olexesh, Rapper.

Die Songs, die er macht, und die Texte...

wie er gestylt ist und aussieht und so,

da denkst du schon, ey, harter Kerl, mal gucken, wie der drauf ist.

Und er war mit der höflichste Künstler, den ich je getroffen hab.

Wahnsinnig respektvoll mir gegenüber,

hat mich sehr, sehr wertgeschätzt.

Das könnte sich die Schlager-Szene von der Rap-Szene abgucken.

Unter den Rappern ist ein wahnsinniger Support.

Also okay, wenn sich jemand nicht mag, ist es krass.

Dann mögen die sich wirklich nicht. Dann ist auch Fight angesagt.

Da habe ich manchmal das Gefühl, in anderen Genres

herrscht noch ein bisschen mehr Konkurrenz

wie: "nee... mach ich jetzt nicht. Ich will mehr Erfolg haben".

Was mich ein bisschen stört im Schlager ist dieses aalglatte,

nie anecken dürfen, keine Meinung haben dürfen.

Ich möchte mich da nicht reindrängen lassen.

Ich möchte dafür stehen,

dass man in jeder Branche eine Meinung haben darf.

Untertitel: ARD Text im Auftrag von FUNK, 2019

Learn languages from TV shows, movies, news, articles and more! Try LingQ for FREE