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Mr WissenToGo, Warum gibt es Hunderassen? | Terra X – Text to read

Mr WissenToGo, Warum gibt es Hunderassen? | Terra X

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Warum gibt es Hunderassen? | Terra X

Der Hund ist aus unserem Leben nicht wegzudenken.

Überall auf der Welt arbeitet er für uns und mit uns.

Wie kein anderes Tier hat er unsere Zuneigung gewonnen.

Aber wieso entwickelte sich der Hund überhaupt aus dem Wolf?

Und wie konnte aus einer einzigen Art diese Vielfalt entstehen?

Die Verwandlung geschah nicht über Nacht...

...und die Umstände der ersten Begegnung liegen viel weiter zurück, als bisher angenommen.

Neuere Forschung legt nahe, dass die erste Annäherung bereits vor über 30.000 Jahren geschah.

Damals lebte der Mensch noch als Jäger und Sammler in einfachen Lagern.

Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass es der Wolf war, der die Nähe des Menschen suchte.

In den Lagern der eiszeitlichen Nomaden waren Wölfe nicht gerade willkommen.

Trotz zahlreicher Rückschläge muss der Wolf sich schließlich doch einen Platz an der Seite des Menschen erobert haben.

Im Anthropologischen Institut der Universität Mainz untersucht man unter Reinstraumbedingungen das Erbgut von Haustieren aus verschiedenen Zeitaltern.

Die Analyse alter und neuer Hunde–DNA lieferte nicht nur Hinweise auf den frühen Zeitpunkt der Partnerschaft von Mensch und Hund,

sondern bescherte den Forschern ein weiteres überraschendes Ergebnis.

„Traditionell gab es ja diese Hypothese, dass der Hund an verschiedenen Orten auf der Welt domestiziert wurde,

also etwa in China oder in Südostasien, Indien, Israel und Europa.

Wir haben nun mehrere Genome – auch alte Genome aus archäologischen Zusammenhängen untersucht und können uns dem nicht anschließen.

Wir finden, dass die Daten, die wir haben, eigentlich für einen einzigen Domestikationsürsprung sprechen.“

Einmal nur fanden Wolf und Mensch zusammen: Wieso aber nahmen die Menschen den Wolf bei sich auf?

Ein These besagt, dass Wölfe vor Feinden gewarnt und vielleicht sogar das Lager verteidigt haben könnten.

Diese „Wächterfunktion“ ist allerdings stark umstritten.

Möglicherweise befreiten die ersten Wölfe ein Lager vor allem von Unrat. das aber offenbar erfolgreich.

Genetische Untersuchungen anderer Forscherteams bestätigen die Vermutung, dass es nur einen Ursprung des Hundes gibt.

Einige Wissenschaftler glauben sogar, dass alle Hunde dieser Welt nur von einer Handvoll Wölfen abstammen - möglicherweise einer Wölfin mit ihren Jungen.

Überraschend daran ist vor allem, mit welchem für die damaligen Verhältnisse ungeheurem Tempo die Zahl der Wölfe in den Menschenlagern stieg.

Dass auf die Zähmung eines einzigen Wolfes alle Hunderassen der Welt – vom kleinsten Chihuahua bis zum massigen Bernhardiner zurückgehen -

eine Milliarde Hunde weltweit - erscheint unglaublich.

Und doch muss es so gewesen sein. In Europa vermuten einige Wissenschaftler den Ausgangspunkt für den Siegeszug des Hundes, andere halten Asien für wahrscheinlicher.

Dort spalteten sich jedenfalls schon früh deutlich unterscheidbare Gruppen voneinander ab. Sie breiteten sich zunächst nach Süden aus.

Einige kamen im Gefolge des Menschen zurück nach Europa und vermischten sich dort mit der Urpopulation.

Andere überquerten später sogar die Beringstraße und erreichten Nordamerika.

Vor ungefähr 10.000 Jahren begannen Hunde damit, sich auch an heißere Klimazonen anzupassen.

Sie verbreiteten sich überall in Südasien und besiedelten schließlich Neuseeland und Australien.

Zusammen mit dem Menschen breitete sich der Hund auf dem gesamten Erdball aus...

...und passte sich an alle denkbaren Klimazonen an.

Diese frühen Hunde unterschieden sich bereits deutlich von ihren wölfischen Ahnen.

Man nimmt an, dass sie ihre menschlichen Gefährten zwar bei der Jagd begleiteten,

aber wie etwa die Hunde der heutigen Buschleute noch keine feste Funktion hatten.

Erst sehr viel später züchtete der Mensch Hunde, um sie gegen eine bestimmte Beute einzusetzen.

Schottische Minenarbeiter schufen den Yorkshire Terrier, um Ratten in den Minen zu jagen.

Heute ist der niedliche Rattenjäger vor allem auf den Sofas mondäner Haushalte zu finden.

Reverend Russel züchtete den Jack Russel Terrier. Seine kurzen Beine erlaubten es ihm mühelos in einen Fuchsbau einzudringen.

In Frankreich kreierte man den Pudel für die Entenjagd. Dank seines wasserabweisenden Fells, fühlt er sich dabei pudelwohl.

In Deutschland wurde der Dachshund oder Dackel gezüchtet, um den Dachs aus seinem Bau zu treiben.

Heute ist er ein hochintelligenter Gesellschaftshund, der leicht einen ganzen Haushalt beherrschen kann.

In Russland entstand ein Hochleistungswindhund, um Wölfe und Bären zu jagen: der Barzoi. Die Babylonier züchteten den Vorfahren der Deutschen Dogge für die Bärenjagd. Heute ist der sanfte Riese ein Familienhund.

Im Mittleren Osten erschienen die Windhunde für die Hasenjagd: Salukis, Afghanen, Sloughis wurden die Jagdgefährten der Wüstenbewohner. In China züchtete man den Chow-Chow, um Wölfe zu jagen, in Japan gab es den Shiba Inu für die Jagd auf Kaninchen und Vögel.

Aber nicht nur die Jagd führte zu höherer Spezialisierung.

Auch die Erfindung der Landwirtschaft brachte neue Aufgaben mit sich.

Felder rund um die Uhr zu schützen, ist schier unmöglich.

Hungrige Nachbarn lauern überall.

Ein großer Teil der Ernte fällt, wie hier in Indien, hungrigen Pflanzenfressern zum Opfer.

Die Bauern patrouillieren zwar regelmäßig, aber den flinken Languren ist nur schwer beizukommen.

Seit der Erfindung der Landwirtschaft hat der Mensch das Problem, dass er seine Ernte nur unzureichend schützen kann.

Er ist die Lösung - damals wie heute!

Jagdinstinkt und territoriales Verhalten machen den Hund zum idealen Wächter, der völlig selbstständig Ernteschädlinge vertreiben kann.

Nur seiner Hilfe waren frühe Ackerbauern in der Lage, Vorräte zu erwirtschaften und Zivilisationen zu gründen.

Vor 12.000 Jahren begannen die Menschen in Mesopotamien sesshaft zu werden.

Sie siedelten zunächst in der Nähe von wildem Getreide: Urformen von Weizen und Gerste.

Um ihre Ernte zu schützen, hatten sie kräftige, Mastiff-artigen Hunde.

Durch steigende Ernteergebnisse und Vorratshaltung kamen sie zu Wohlstand und gründeten schließlich die ersten Zivilisationen.

Vor 5000 Jahren wurde Ägypten reich durch die regelmäßigen, verlässlichen Ernten von Weizen und Gerste,

die von den Vorfahren des Pharaonenhundes bewacht wurden.

Im antiken Griechenland sorgte ein früher Ahn des Molossers dafür, dass selbst massive Wildrinder nicht die Felder zertrampelten.

In Indien beschützten Pariah Hunde den Reis und ermöglichten hier ebenso wie in China und Japan frühe Hochkulturen.

In Zentralamerika half ein Vorfahr des Nackthundes den Maya beim Maisanbau.

Der Erfolg des Römischen Reiches, dessen Ernährung vom Weizen abhing, war auch ein Verdienst des Mastiff-Vorfahren.

Züchtungen für spezielle Wachfunktionen sind bereits für die Zeit vor 3000 Jahren belegt.

Beispielsweise diente der kleine Malteser dazu, Ratten in Getreidelagern und Häfen zu bekämpfen. Ein prominenter Fan der Minihunde: der römische Kaiser Claudius.

Ohne den Hund als Wächter wäre der Anbau von Feldfrüchten nie so erfolgreich gewesen.

Als Menschen nicht nur Ackerbau betrieben, sondern auch begannen, Vieh zu halten,

mussten sich die Hunde an äußerst seltsame Lebensgemeinschaften gewöhnen.

Obwohl der mongolische Bankhar zu den ältesten Hütehunden weltweit gehört, sind diese Lämmer für den Welpen vor allem eines: ein leckeres Mittagessen.

Den Nachkommen des Wolfes dazu zu bringen, ursprüngliche Beutetiere zu beschützen,

ist möglicherweise die erstaunlichste Entwicklung im Zusammenleben zwischen Mensch und Hund.

Auch der Verantwortliche unter den Ziegen sieht in jedem jungen Hütehund instinktiv das Raubtier und versucht, seine Herde zu verteidigen.

Damit der Kleine keinen Schaden nimmt, wenn er mit der Herde zieht, greifen die Menschen zu einem Trick

und reiben ihn mit Schafsdung ein. Zumindest sein Geruch kann ihn jetzt nicht mehr verraten.

Vor 10.000 Jahren beschützten Hunde die ersten Ziegen im Mittleren Osten. Gefolgt von Schafherden in Persien.

Die Römer züchteten den Vorfahren des Rottweilers als Begleiter der Herden, die die Soldaten des Imperiums ernährten.

Erst im 19. Jahrhundert entstanden einige der heute beliebtesten Hütehunderassen.

Der Deutsche Schäferhund, der Border Collie und der Sheltie. Ebenso wie der Schweizer Sennenhund, der Belgische Schäferhund und der Pyrenäenschäferhund.

Heute übernehmen Hunde alle möglichen Aufgaben für den Menschen.

Und all ihre Funktionen können sie erfüllen, weil die Zucht sie für das Jagen, Wachen oder Hüten optimiert hat. Doch was bedeutet das für den Hund?

„Inzucht ist ja im Rahmen der Domestikation etwas durchaus Erwünschtes. Wir züchten ja auf ganz bestimmte Merkmale immer wieder.

Das geht ja am besten dadurch, dass ich eben auch verwandte Tiere herausnehme und züchte.

Das kann aber eben natürlich neben den gewünschten positiven Aspekten – dass ich ein Haustier bekommen – auch durchaus Defekte hervorrufen am Anfang der Domestikation.

Insofern macht es durchaus Sinn – und das ist genau das, was wir in den genomischen Daten sehen –

dass nach einigen Jahrtausenden der Domestikation wieder neue Hundepopulationen aus anderen Regionen,

evtl. auch Wölfe, eingekreuzt werden – sozusagen als Auffrischung des Genpools.

Das beobachten wir. Und insofern ist auch das, was wir heute mit der strengen Zucht auf die Hunderassen beobachten,

konterkariert das wieder, indem wieder ganz extrem inzüchtig gezüchtet wird und wir sehen das ja. Das hat eben auch die entsprechenden genetischen Defekte zufolge wie Hüftdisplasie etc.“

Hunde sind die ältesten Begleiter des Menschen. Ganz gleich, ob klein oder groß: Eine Milliarde Hunde stammen von einer sehr kleinen Gruppe Wölfe ab.

Zucht formte über Jahrtausende ihren Charakter, ihre Größe und ihr Aussehen für ganz spezifische Aufgaben – und schuf damit die heutige Vielfalt.

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