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2020-2 Video lessons from YouTube, Tacheles: Sookee über die Neue Rechte

Tacheles: Sookee über die Neue Rechte

Was bedeutet das, wenn du als Kind früh beigebracht bekommst, dass nicht alle Menschen gleich

sind und dass es auch keine erstrebenswerte Gesellschaft sei, die das so betrachtet?

Mein Name ist Sookee.

Ich bin stattliche 33 Jahre alt, ich lebe (schon fast immer) in Berlin – seit 31 Jahren ungefähr und

habe mich irgendwann von Hip-Hop begeistern lassen, als kleines Menschlein

schon und bin davon nie weggekommen.

Ich habe einfach weitergemacht und mir daraus so etwas wie eine Berufsförmigkeit basteln können.

Außerdem ist das weitestgehend politisch motivierte Musik.

Ich empfinde mich als politischen Menschen und wenn ihr mit mir über politische Dinge

sprechen wollt und ich daran als Musikerin, als „Kulturtante“ adressiert bin, dann

komme ich gerne mal rum und lasse mich ein paar Fragen fragen.

Ich bin ein Kind, umsorgt von Eltern Die die Welt verstanden haben

Sie lehren mich: „Das Böse ist andersartig Man muss das Gute verteidigen, damit es siegen kann“

Vati sagt: „Wir sind rein und leben für den Widerstand“

Die Bilder an den Wänden zeigen starke Männer

Die für diese Wahrheit kämpften Wenn ich brav und mutig bin

Werd' ich auch einer dieser Helden Mutti backt Gemüsetorte, meine Schwester

darf ihr helfen Wenn Opa zu Besuch ist, lesen wir aus dem „Giftpilz“

Opa kennt von früher spannende Geschichten

Ich kann viel von ihm lernen, ich will so sein, wie er

Opa sagt, dass die große Zeit eines Tages wiederkehrt

Abends liege ich im Bett und überlege wie ich Yüksel sag

Dass ich nicht mehr neben ihm sitzen mag Morgen ist der 20. April,

wir gehen auf ein Fest Ich freu' mich auf die Hüpfburg,

weil sie mich Yüksel vergessen lässt.

Der Song heißt „Hüpfburg“ und heißt deswegen so, weil die Hüpfburg das Symbol ist,

für den Versuch einer Rechten – einer alten oder neuen Rechten, da gibt's eben auch Schnittmengen –

das Bild vom Stiefelnazi der 90er-Jahre loszuwerden und sich als gesellschaftsfähig,

mittig, familienorientiert und bürgernah zu inszenieren.

Nun frage ich mich, wie sieht es aus, wenn man nicht mit einem emanzipatorischen, menschenliebenden,

sondern mit einem menschenfeindlichen und reaktionären Elternhaus groß wird.

Also was bedeutet es, wenn du als Kind früh beigebracht bekommst, dass nicht alle Menschen

gleich sind und dass es auch keine erstrebenswerte Gesellschaft sei, die das so betrachtet.

Eine „Bewegung“, die gerade viel in der Öffentlichkeit auftritt, die auch viel mit

Familienbildern argumentiert ist die „Identitäre Bewegung“, zu deren Blockade du auch vor

einigen Wochen aufgerufen hast, als die in Berlin eine Demo machen wollten.

Das reiht sich ein, unter ein größeres Phänomen, der (was du auch schon kurz angesprochen hast)

s.g. Neuen Rechten.

Kannst du dir irgendwie erklären, wie es dazu kommt, dass diese selbsternannte Bewegung

so populär werden konnte?

Es gibt offenbar das Bedürfnis, reaktionäre, konservative, rechte Positionen vertreten

zu können, ohne sich selber als „Nazi“ betiteln zu lassen und die „Identitäre

Bewegung“ macht da einen Cut, eine Zäsur und bemüht sich um einen Paradigmenwechsel

in der Selbstdarstellung, in der Formulierung, in der Inszenierung ihrer Selbst –

als nicht gewaltaffin, sondern als hip, gegenwärtig und modern, als progressiv und positiv.

Ich glaube, dass das unheimlich anschlussfähig ist, an einer Stelle, wo man sich selbst nicht als;

wo sozusagen die „urdeutschen“ Gefühle in einem kochen und sagen „Es kann doch

nicht sein, dass mein Kind das einzige herrkunftsdeutsche Kind in der Klasse ist“;

Oder, wenn man in der U-Bahn sitzt, dann werden alle Sprache gesprochen, aber kaum noch Deutsch.

Dass man sich selbst im Zuge einer vielfältigen Gesellschaft irgendwie dann doch das „Deutsche“

wieder suchen will, weil man meint, sich zu verlieren; weil man meint, dass die Bezüge fehlen.

Dass man plötzlich selbst den Eindruck bekommt, man sei plötzlich eine Minderheit, anstatt

die Vielfalt, die existiert, einfach als gegeben und bereichernd zu empfinden.

Bevor die jetzt tatsächlich NPD wählen, gucken sie erstmal: was geht bei Pegida und

dann gucken sie natürlich auch, was geht bei der AfD und dann gucken sie auch, was

geht bei der „Identitären Bewegung“.

Die beziehen sich auch alle aufeinander: als es im vergangenen Jahr diesen Compact-Kongress

in Berlin gab, standen sie beieinander und haben sich gegenseitig an den Händen gehalten

und sich darauf besonnen zusammenzuarbeiten, auf das man sich die Medien, die Verlage,

die Straße, die Parlamente, die Köpfe teilt.

Weiße Power macht uns scheiße sauer Staat und Kapital machen dass die Schleife dauert

Nazis zeigen sich sozialverträglich, deckeln mit Etiketten

Nennen es Ethnopluralismus um die Hetze zu verstecken

Kannst du vielleicht nochmal erklären, wie diese versteckte Hetze, von der du da singst,

funktioniert, in so einem Argumentationsmuster?

Es wird ja nicht mehr rassenideologisch argumentiert, zu sagen „der Südländer“, sei weniger

wert, weil er – wie man rassenideologisch argumentiert hätte – aufgrund seiner Biologie

und seiner „Volksgenetik“ oder was auch immer, zu nicht so starken Leistungen in der

Lage sei, wie ein „nordischer“, „arischer“ Mensch (Mann!).

Davon ist man abgedrückt… Die Idee ist jetzt kulturell zu argumentieren und zu sagen,

dass die Prägungen und die Völker an sich, aufgrund ihrer Religiosität oder aufgrund

ihrer kulturellen Traditionen usw. unterschiedliche Wertigkeiten haben.

Das wird dann essentialisiert und festgeschrieben.

Das ist dann auch das Argument gegen s.g.

„Vermischung“ – die Idee, dass Deutschsein als solches, als „weiß“ und „blond“

als „deutsch“ auch phänotypisch erkennbar notwendig sei.

Um das zu sichern, muss es eine Segregierung geben.

„Die Türken sind von mir aus nette Leute“, würde so jemand sagen, „aber vor allem

in den Grenzen ihres eigenen Staates“ – das ist die Idee.

Damit wird auch Abschiebung gerechtfertigt; Damit wird gegen die s.g. Islamisierung argumentiert.

Es geht darum, ein Bedrohungsszenario zu zeichnen, was die eigene deutsche Existenz, die eigene

Volksidentität torpediert und zerstören will.

Gewalt erzeugt Gegengewaltphantasien Pazifismus ist ein Loser

Und vom Scheitern besiegt Wir sind alle Zeug*innen

Und zum Handeln gezwungen Die einen werden Hippies

Und die anderen sind vermummt

Ich verliere das Vertrauen Ich befürchte irgendwann

Steht für mich und alle meine Leute Die Entscheidung an:

Einsame Insel oder Untergrund?

Einsame Insel oder Untergrund?

Ich verliere das Vertrauen Ich befürchte irgendwann

Steht für mich und alle meine Leute Die Entscheidung an:

Einsame Insel oder Untergrund?

Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V.

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