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Andrea erzählt (D), Züri Horn

Züri Horn

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, herzlich willkommen zur Sendung «Andrea erzählt» vom 17. Februar 2017. Es freut mich sehr, sind Sie wieder mit dabei. Wir stecken [1] immer noch mitten im Winter. Viele Menschen haben schon genug davon. Oder sie lieben das Skifahren und Snowboarden und freuen sich darüber. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich mag den Winter sehr. Man kann zuhause Bücher lesen oder zeichnen, Spiele spielen oder nähen [2]. Was ich ganz besonders gern habe: Im Winter hat es am See fast keine Leute. Am liebsten gehe ich an das so genannte Züri Horn, das ist der vordere Teil des Parks am Zürichsee. Gern erzähle ich Ihnen heute davon. Viel Vergnügen!

*

Wenn ich in Zürich am Bellevue stehe, denke ich oft: «Der Name passt nicht mehr.» Bellevue ist nämlich Französisch und heisst «schöner Ausblick [3]». Heute hat es hier so viele Trams und Autos, dass der Ausblick nicht mehr wirklich schön ist. Aber wenn man auf die Brücke geht, kann man den Namen immer noch sehr gut verstehen: Auf der einen Seite sieht man den See und manchmal die Berge. Auf der anderen sieht man die Altstadt. Von hier aus kann man wunderbare Spaziergänge am See machen. Links kann man bis zum Züri Horn spazieren. Das ist mein liebster Weg, vor allem im Winter.

Am Anfang gibt es zwei parallele Wege zum Züri Horn. Unten hat es einen breiten Weg für die Fussgänger mit vielen Bänken. Hier war ich früher sehr oft mit meinen Kindern. Ich musste sie nur fragen: «Gehen wir die Schwäne füttern [4]?» Dann waren sie sofort ganz aufgeregt und halfen mir, ihre kleinen Schuhe und Jacken zu holen. Und natürlich das alte Brot. Wir setzten uns auf eine der vielen Bänke am See und warfen Brot ins Wasser. Die Kinder quietschten [5] vor Vergnügen, wenn ein Schwan oder eine Ente ein Stück erwischte [6].

Aber wenn wieder eine Möwe das Brot stibitzte [7] oder ein grosser Vogel einem kleinen etwas wegnahm, riefen sie: «Geh weg, du bist gemein. Du hast schon gegessen. Mama, hilf doch! Der Kleine da drüben hat noch nichts bekommen.» Das hat mich immer sehr fasziniert. Ich habe damals oft gedacht: «Das Gefühl für Gerechtigkeit ist in den Kindern drin. Man muss es ihnen nicht erklären. Man muss nur schauen, dass sie es nicht wieder verlieren.» Ein schöner Gedanke. Aber dann drehte ich mich einmal kurz um, um neues Brot aus der Tasche zu holen – und plötzlich weinte mein Sohn. Ich fragte: «Was ist denn los mit dir.» Er zeigte auf seine grosse Schwester und sagte: «Sie hat mir einfach mein Brot weggenommen, weil sie selbst keines mehr hatte!» Naja, vielleicht hatte ich doch eine etwas zu romantische Vorstellung [8] von Kindern.

*

Wer lieber den oberen Weg nimmt, kann unter wunderschönen Bäumen spazieren. Hier hat es auch ein ganz besonderes Restaurant. Eigentlich sind es nur zwei alte Häuschen und ein paar Tische und Stühle. Eine Freundin von mir hat es vor vielen Jahren aufgemacht. Sie war sehr stolz, als sie es mir erzählte: «Viele grosse Restaurantbesitzer der Stadt wollten den Platz auch haben. Aber ich und ein paar Freunde haben die Chance bekommen!» Am Anfang hatten sie grosse Schwierigkeiten. Immer wieder wurden Dinge zerstört. Niemand konnte beweisen, wer es war. Aber meine Freundin sagten: «Die Polizei glaubt, dass es etwas damit zu tun haben könnte, dass man uns hier weghaben will. Es ist wie eine Rache [9]. Denn es gibt sehr viel Neid [10], dass wir einen der besten Orte in der Stadt bekommen haben.» Es stimmt: Bei schönem Wetter ist es immer voll hier. Aber ich möchte lieber nicht glauben, dass in Zürich solche Mafia-Geschichten passieren. Trotzdem muss ich jedes Mal daran denken, wenn ich hier vorbeikomme.

Ich muss auch an meine Freundin denken. Sie ist vor ein paar Jahren an Krebs gestorben. Als sie erfahren [11] hat, dass sie krank ist, hat sie das Restaurant verkauft. Dann hat sie als Schiffsköchin auf allen grossen Meeren der Welt gearbeitet. Sie war ein sehr fröhlicher Mensch und sagte immer: «Wenn ich schon weiss, dass ich nicht lange leben werde, muss ich eben alles etwas schneller tun, als andere Menschen.» Dafür bewundere ich sie bis heute.

*

Weiter vorne kommen die beiden Wege zusammen. Hier stehen viele Bänke. Von da aus kann man gut den Vögeln auf dem Wasser zusehen. Es hat sogar Tafeln, auf denen ihre Namen stehen. Das ist vor allem im Winter spannend. Denn viele Vögel kommen aus dem hohen Norden, um hier um zu überwintern [12]. Zum Beispiel die schönen Eiderenten.

Weiter vorne trinke ich gern einen Kaffee in einem kleinen Pavillon aus farbigem Glas. Er steht gleich neben einer Skulptur des Bildhauers Henry Moore von 1976. Sie heisst «Sheep Piece». Schaf-Stück. Als Kind versuchte ich mal, da hinauf zu klettern. Das war gar nicht so einfach. Meine Mutter sagte mir dann: «Das sind Schafe.» Da habe ich sie ausgelacht und gesagt: «Aber Mami, hast du noch nie ein Schaf gesehen? Die sind doch nicht aus Metall! Und überhaupt sehen sie ganz anders aus.» Nun, mir ging es später mit meinen eigenen Kindern nicht besser. Es ist wohl nicht so einfach, Kindern abstrakte Kunst zu erklären.

Jetzt kommen wir zu einer grossen Wiese. Sie heisst Blatterwiese. Sie und der ganze Park am See wurden 1959 für eine grosse Gartenausstellung gemacht. Als ich klein war, ist man hier nur spaziert. Heute darf man auf den Wiesen auch sitzen und liegen. Als Studenten haben wir hier sogar mal geschlafen. Es war Sommer und sehr heiss. Wir konnten ganz lange nicht einschlafen, überall waren Menschen und Musik. Das war schön, aber ich hatte auch Angst vor den Betrunkenen [13]. Irgendwann sind wir dann doch eingeschlafen. Am nächsten Morgen lag gleich neben uns ein Mann. Er hatte viele Plastiksäcke dabei und fragte: «Wohnt ihr jetzt auch hier?» Ich sagte nein und schämte [14] mich ein bisschen, weil wir ihm seinen Schlafplatz weggenommen hatten. Aber ihn störte das nicht. Dafür luden wir ihn noch zu einem Kaffee im Restaurant vorne am Zürich Horn ein.

Ich liebe diesen Ort sehr. Vor allem die grossen, alten Bäume. Wenn ich unter ihnen stehe, werde ich immer ganz ruhig. Ich erinnere mich gut an den grossen Sturm [15] von Ende 1999. Er hiess «Lothar» und hat in der Schweiz enorm viel kaputtgemacht. Er hat auch einen meiner liebsten Bäume am See zerstört.

Als ich nach dem Sturm das erst Mal am See war, sah ich, dass er am Boden lag. Da konnte ich fast nicht mehr aufhören zu weinen. Es war, als wäre ein liebes Haustier gestorben. Ich hätte nie gedacht, dass man um einen Baum trauern [16] kann. Damals hat mir ein Freund ein Lied gezeigt und gesagt: «Es ist von der deutschen Sängerin Alexandra. Sie hat es 1968 gesungen.» Es heisst «Mein Freund der Baum ist tot» und ich finde es wunderschön.

Noch etwas mag ich hier ganz besonders: Die «Heureka». Das ist eine Maschine aus vielen alten Metallrädern und anderem Abfall. Sie macht eigentlich nichts ausser Lärm. Sie wurde 1964 vom Basler Künstler Jean Tinguely für eine Ausstellung in Lausanne gebaut und dann nach Zürich gebracht. Als ich klein war, sagte ich oft zu meiner Mutter: «Wir müssen wieder einmal zu der lustigen Maschine gehen.» Später wollten auch meine Kinder sie oft besuchen.

Meist gehe ich nun über die Blatterwiese zurück. Hinter ein paar Bäumen steht dort das Heidi-Weber-Haus. Es wurde von dem berühmten Schweizer Architekten Le Corbusier gebaut und sieht aus, wie aus einem Wohn-Heft aus den sechziger Jahren. Leider ist es nur selten offen. Aber ich schaue gern von aussen durch die grossen Fenster hinein. Es erinnert mich an das Haus meiner Grosseltern.

Wenn ich von einem solchen Spaziergang zurückkomme, bin ich glücklich und kann sehr gut arbeiten. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich hier Natur, Wasser, Kunst und besondere Erinnerungen an einem einzigen Ort erleben kann. Und es ist einer der wenigen Orte in der Stadt unten, von denen aus man wirklich weit sehen kann.

*

Vielleicht haben Sie auch Lust, mal eine Spaziergang zum Züri Horn zu machen. Am schönsten ist es früh am Morgen. Am Sonntag oder im Sommer ist es so voll, dass ich nicht hingehe. Aber wenn Sie gern Sommer, Sonne und viele Menschen haben, wird es Ihnen sicher auch dann gefallen.

Jetzt freue ich mich sehr, wenn Sie bei Instagram unter #PodClubAndrea und #andreaerzaehlt vorbeischauen und am 3. März wieder auf podclub.ch oder über unsere App mit dem Vokabeltrainer mit dabei sind, wenn es heisst «Andrea erzählt». Dann werde ich Ihnen von «Thun» erzählen. Auf Wiederhören!

Glossaire: Andrea erzählt (D) [1] stecken: festgemacht sein. Kann wörtlich gemeint sein z.B. in einem Loch stecken, oder als Bild – in einer Situation stecken

[2] nähen: mit Nadel, Faden und Stoff Dinge machen, z.B. Kleider oder Kissen

[3] der Ausblick: das Gesamte, was man von einem Ort aus sieht, z.B. Berge, einen See oder eine Strasse

[4] füttern: einem Tier zu essen (fressen) geben

[5] quietschen: hohe Töne machen (eine alte Türe kann quietschen, aber auch ein Kind, wenn es sich freut)

[6] erwischen: es schaffen, sich etwas zu nehmen, schnappen

[7] stibitzen: stehlen (eher liebevoll gemeint)

[8] eine romantische Vorstellung: wenn etwas in Gedanken schöner, besser oder einfacher ist, als in der Realität

[9] die Rache: etwas Schlechtes, was man jemandem antut, weil der einem vorher etwas Schlechtes angetan hat

[10] der Neid: schlechtes Gefühl, weil man etwas möchte, was jemand anderes hat

[11] etwas erfahren: etwas gesagt bekommen, herausfinden

[12] überwintern: den Winter verbringen

[13] der Betrunkene: jemand, der zu viel getrunken hat

[14] sich schämen: etwas ist einem peinlich

[15] der Sturm: wenn es sehr, sehr stark windet, oft auch regnet

[16] trauern: über längere Zeit traurig sein, weil man etwas sehr Wichtiges verloren hat

Züri Horn Zurich horn Trompa de Zurique

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, herzlich willkommen zur Sendung «Andrea erzählt» vom 17. Februar 2017. Es freut mich sehr, sind Sie wieder mit dabei. I am very happy to have you back. Wir stecken [1] immer noch mitten im Winter. We are still in the middle of winter. Viele Menschen haben schon genug davon. Many people have had enough of it. Oder sie lieben das Skifahren und Snowboarden und freuen sich darüber. Or they love skiing and snowboarding and are happy about it. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. I don't know about you. Aber ich mag den Winter sehr. But I like winter very much. Man kann zuhause Bücher lesen oder zeichnen, Spiele spielen oder nähen [2]. You can read or draw books, play games or sew at home [2]. Was ich ganz besonders gern habe: Im Winter hat es am See fast keine Leute. What I particularly like: In winter there are almost no people at the lake. Am liebsten gehe ich an das so genannte Züri Horn, das ist der vordere Teil des Parks am Zürichsee. I prefer to go to the Züri Horn, which is the front part of the park on Lake Zurich. Gern erzähle ich Ihnen heute davon. I am happy to tell you about it today. Viel Vergnügen! Have fun!

*** ***

Wenn ich in Zürich am Bellevue stehe, denke ich oft: «Der Name passt nicht mehr.» Bellevue ist nämlich Französisch und heisst «schöner Ausblick [3]». When I am standing at Bellevue in Zurich, I often think: "The name no longer fits." Bellevue is namely French and means "beautiful view [3]". Heute hat es hier so viele Trams und Autos, dass der Ausblick nicht mehr wirklich schön ist. Today there are so many trams and cars here that the view is no longer really beautiful. Aber wenn man auf die Brücke geht, kann man den Namen immer noch sehr gut verstehen: Auf der einen Seite sieht man den See und manchmal die Berge. But if you walk on the bridge, you can still understand the name very well: on one side you can see the lake and sometimes the mountains. Auf der anderen sieht man die Altstadt. On the other you can see the old town. Von hier aus kann man wunderbare Spaziergänge am See machen. From here you can take wonderful walks along the lake. Links kann man bis zum Züri Horn spazieren. On the left you can walk to the Züri Horn. Das ist mein liebster Weg, vor allem im Winter. This is my favorite way, especially in winter.

Am Anfang gibt es zwei parallele Wege zum Züri Horn. At the beginning there are two parallel paths to the Züri Horn. Unten hat es einen breiten Weg für die Fussgänger mit vielen Bänken. Below there is a wide path for pedestrians with lots of benches. Hier war ich früher sehr oft mit meinen Kindern. I used to spend a lot of time here with my children. Ich musste sie nur fragen: «Gehen wir die Schwäne füttern [4]?» Dann waren sie sofort ganz aufgeregt und halfen mir, ihre kleinen Schuhe und Jacken zu holen. I just had to ask her: "Are we going to feed the swans [4]?" Then they were immediately excited and helped me get their little shoes and jackets. Und natürlich das alte Brot. And of course the old bread. Wir setzten uns auf eine der vielen Bänke am See und warfen Brot ins Wasser. We sat on one of the many benches by the lake and threw bread into the water. Die Kinder quietschten [5] vor Vergnügen, wenn ein Schwan oder eine Ente ein Stück erwischte [6].

Aber wenn wieder eine Möwe das Brot stibitzte [7] oder ein grosser Vogel einem kleinen etwas wegnahm, riefen sie: «Geh weg, du bist gemein. But when a seagull stole the bread again [7] or a large bird took something away from a small one, they shouted: «Go away, you are mean. Du hast schon gegessen. You have already eaten. Mama, hilf doch! Mom, help me! Der Kleine da drüben hat noch nichts bekommen.» Das hat mich immer sehr fasziniert. The little one over there hasn't got anything yet. » It always fascinated me. Ich habe damals oft gedacht: «Das Gefühl für Gerechtigkeit ist in den Kindern drin. At that time I often thought: “The feeling for justice is in the children. Man muss es ihnen nicht erklären. You don't have to explain it to them. Man muss nur schauen, dass sie es nicht wieder verlieren.» Ein schöner Gedanke. You just have to make sure that they don't lose it again. » A nice thought. Aber dann drehte ich mich einmal kurz um, um neues Brot aus der Tasche zu holen – und plötzlich weinte mein Sohn. But then I turned around briefly to get new bread out of my pocket - and suddenly my son cried. Ich fragte: «Was ist denn los mit dir.» Er zeigte auf seine grosse Schwester und sagte: «Sie hat mir einfach mein Brot weggenommen, weil sie selbst keines mehr hatte!» Naja, vielleicht hatte ich doch eine etwas zu romantische Vorstellung [8] von Kindern. I asked, "What's wrong with you?" He pointed to his big sister and said: "She just took my bread from me because she didn't have any more!" Well, maybe I had a somewhat too romantic idea of children [8].

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Wer lieber den oberen Weg nimmt, kann unter wunderschönen Bäumen spazieren. Those who prefer to take the upper path can walk under beautiful trees. Hier hat es auch ein ganz besonderes Restaurant. There is also a very special restaurant here. Eigentlich sind es nur zwei alte Häuschen und ein paar Tische und Stühle. Actually it's just two old houses and a couple of tables and chairs. Eine Freundin von mir hat es vor vielen Jahren aufgemacht. A friend of mine opened it many years ago. Sie war sehr stolz, als sie es mir erzählte: «Viele grosse Restaurantbesitzer der Stadt wollten den Platz auch haben. She was very proud when she told me: «Many large restaurant owners in the city also wanted the space. Aber ich und ein paar Freunde haben die Chance bekommen!» Am Anfang hatten sie grosse Schwierigkeiten. But I and a few friends got the chance! » In the beginning they had great difficulties. Immer wieder wurden Dinge zerstört. Things were always destroyed. Niemand konnte beweisen, wer es war. Nobody could prove who it was. Aber meine Freundin sagten: «Die Polizei glaubt, dass es etwas damit zu tun haben könnte, dass man uns hier weghaben will. But my friend said: "The police think it could have something to do with getting us out of here. Es ist wie eine Rache [9]. It is like revenge [9]. Denn es gibt sehr viel Neid [10], dass wir einen der besten Orte in der Stadt bekommen haben.» Es stimmt: Bei schönem Wetter ist es immer voll hier. Because there is a lot of envy [10] that we got one of the best places in the city. » It's true: When the weather is nice, it is always full here. Aber ich möchte lieber nicht glauben, dass in Zürich solche Mafia-Geschichten passieren. But I would rather not believe that such mafia stories happen in Zurich. Trotzdem muss ich jedes Mal daran denken, wenn ich hier vorbeikomme. Still, I have to think about it every time I come over here.

Ich muss auch an meine Freundin denken. I also have to think of my girlfriend. Sie ist vor ein paar Jahren an Krebs gestorben. She died of cancer a few years ago. Als sie erfahren [11] hat, dass sie krank ist, hat sie das Restaurant verkauft. When she found out [11] that she was sick, she sold the restaurant. Dann hat sie als Schiffsköchin auf allen grossen Meeren der Welt gearbeitet. Then she worked as a ship's cook on all the world's great seas. Sie war ein sehr fröhlicher Mensch und sagte immer: «Wenn ich schon weiss, dass ich nicht lange leben werde, muss ich eben alles etwas schneller tun, als andere Menschen.» Dafür bewundere ich sie bis heute. She was a very happy person and always said: "If I already know that I won't live long, I have to do everything a little faster than other people." I still admire her for that.

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Weiter vorne kommen die beiden Wege zusammen. The two paths come together further ahead. Hier stehen viele Bänke. There are many benches here. Von da aus kann man gut den Vögeln auf dem Wasser zusehen. From there you can watch the birds on the water. Es hat sogar Tafeln, auf denen ihre Namen stehen. It even has panels with their names on them. Das ist vor allem im Winter spannend. This is particularly exciting in winter. Denn viele Vögel kommen aus dem hohen Norden, um hier um zu überwintern [12]. Because many birds come from the far north to spend the winter here [12]. Zum Beispiel die schönen Eiderenten. For example the beautiful eider ducks.

Weiter vorne trinke ich gern einen Kaffee in einem kleinen Pavillon aus farbigem Glas. I like to drink coffee in a small pavilion made of colored glass. Er steht gleich neben einer Skulptur des Bildhauers Henry Moore von 1976. He is standing next to a sculpture by the sculptor Henry Moore from 1976. Sie heisst «Sheep Piece». It's called "Sheep Piece". Schaf-Stück. Sheep piece. Als Kind versuchte ich mal, da hinauf zu klettern. When I was a child I tried to climb up there. Das war gar nicht so einfach. This was not so easy. Meine Mutter sagte mir dann: «Das sind Schafe.» Da habe ich sie ausgelacht und gesagt: «Aber Mami, hast du noch nie ein Schaf gesehen? My mother then said to me: "They are sheep." Then I laughed at her and said: "But mom, have you never seen a sheep? Die sind doch nicht aus Metall! They're not made of metal! Und überhaupt sehen sie ganz anders aus.» Nun, mir ging es später mit meinen eigenen Kindern nicht besser. And in general they look very different. » Well, I didn't feel any better later with my own children. Es ist wohl nicht so einfach, Kindern abstrakte Kunst zu erklären. It is probably not so easy to explain abstract art to children.

Jetzt kommen wir zu einer grossen Wiese. Now we come to a large meadow. Sie heisst Blatterwiese. It is called Blatterwiese. Sie und der ganze Park am See wurden 1959 für eine grosse Gartenausstellung gemacht. It and the whole park on the lake were made for a large garden exhibition in 1959. Als ich klein war, ist man hier nur spaziert. Heute darf man auf den Wiesen auch sitzen und liegen. Als Studenten haben wir hier sogar mal geschlafen. As students we even slept here. Es war Sommer und sehr heiss. It was summer and very hot. Wir konnten ganz lange nicht einschlafen, überall waren Menschen und Musik. We couldn't fall asleep for a long time, people and music were everywhere. Das war schön, aber ich hatte auch Angst vor den Betrunkenen [13]. Irgendwann sind wir dann doch eingeschlafen. Am nächsten Morgen lag gleich neben uns ein Mann. Er hatte viele Plastiksäcke dabei und fragte: «Wohnt ihr jetzt auch hier?» Ich sagte nein und schämte [14] mich ein bisschen, weil wir ihm seinen Schlafplatz weggenommen hatten. Aber ihn störte das nicht. Dafür luden wir ihn noch zu einem Kaffee im Restaurant vorne am Zürich Horn ein.

Ich liebe diesen Ort sehr. Vor allem die grossen, alten Bäume. Wenn ich unter ihnen stehe, werde ich immer ganz ruhig. Ich erinnere mich gut an den grossen Sturm [15] von Ende 1999. Er hiess «Lothar» und hat in der Schweiz enorm viel kaputtgemacht. Er hat auch einen meiner liebsten Bäume am See zerstört.

Als ich nach dem Sturm das erst Mal am See war, sah ich, dass er am Boden lag. Da konnte ich fast nicht mehr aufhören zu weinen. Es war, als wäre ein liebes Haustier gestorben. Ich hätte nie gedacht, dass man um einen Baum trauern [16] kann. Damals hat mir ein Freund ein Lied gezeigt und gesagt: «Es ist von der deutschen Sängerin Alexandra. Sie hat es 1968 gesungen.» Es heisst «Mein Freund der Baum ist tot» und ich finde es wunderschön.

Noch etwas mag ich hier ganz besonders: Die «Heureka». There is something else I particularly like here: the “Eureka”. Das ist eine Maschine aus vielen alten Metallrädern und anderem Abfall. Sie macht eigentlich nichts ausser Lärm. She doesn't really do anything but make noise. Sie wurde 1964 vom Basler Künstler Jean Tinguely für eine Ausstellung in Lausanne gebaut und dann nach Zürich gebracht. Als ich klein war, sagte ich oft zu meiner Mutter: «Wir müssen wieder einmal zu der lustigen Maschine gehen.» Später wollten auch meine Kinder sie oft besuchen.

Meist gehe ich nun über die Blatterwiese zurück. Hinter ein paar Bäumen steht dort das Heidi-Weber-Haus. Es wurde von dem berühmten Schweizer Architekten Le Corbusier gebaut und sieht aus, wie aus einem Wohn-Heft aus den sechziger Jahren. Leider ist es nur selten offen. Aber ich schaue gern von aussen durch die grossen Fenster hinein. Es erinnert mich an das Haus meiner Grosseltern.

Wenn ich von einem solchen Spaziergang zurückkomme, bin ich glücklich und kann sehr gut arbeiten. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich hier Natur, Wasser, Kunst und besondere Erinnerungen an einem einzigen Ort erleben kann. Und es ist einer der wenigen Orte in der Stadt unten, von denen aus man wirklich weit sehen kann.

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Vielleicht haben Sie auch Lust, mal eine Spaziergang zum Züri Horn zu machen. Am schönsten ist es früh am Morgen. Am Sonntag oder im Sommer ist es so voll, dass ich nicht hingehe. Aber wenn Sie gern Sommer, Sonne und viele Menschen haben, wird es Ihnen sicher auch dann gefallen.

Jetzt freue ich mich sehr, wenn Sie bei Instagram unter #PodClubAndrea und #andreaerzaehlt vorbeischauen und am 3. März wieder auf podclub.ch oder über unsere App mit dem Vokabeltrainer mit dabei sind, wenn es heisst «Andrea erzählt». Dann werde ich Ihnen von «Thun» erzählen. Auf Wiederhören!

Glossaire: Andrea erzählt (D) [1] stecken: festgemacht sein. Kann wörtlich gemeint sein z.B. in einem Loch stecken, oder als Bild – in einer Situation stecken

[2] nähen: mit Nadel, Faden und Stoff Dinge machen, z.B. Kleider oder Kissen

[3] der Ausblick: das Gesamte, was man von einem Ort aus sieht, z.B. Berge, einen See oder eine Strasse

[4] füttern: einem Tier zu essen (fressen) geben

[5] quietschen: hohe Töne machen (eine alte Türe kann quietschen, aber auch ein Kind, wenn es sich freut)

[6] erwischen: es schaffen, sich etwas zu nehmen, schnappen

[7] stibitzen: stehlen (eher liebevoll gemeint)

[8] eine romantische Vorstellung: wenn etwas in Gedanken schöner, besser oder einfacher ist, als in der Realität

[9] die Rache: etwas Schlechtes, was man jemandem antut, weil der einem vorher etwas Schlechtes angetan hat

[10] der Neid: schlechtes Gefühl, weil man etwas möchte, was jemand anderes hat

[11] etwas erfahren: etwas gesagt bekommen, herausfinden

[12] überwintern: den Winter verbringen

[13] der Betrunkene: jemand, der zu viel getrunken hat

[14] sich schämen: etwas ist einem peinlich

[15] der Sturm: wenn es sehr, sehr stark windet, oft auch regnet

[16] trauern: über längere Zeit traurig sein, weil man etwas sehr Wichtiges verloren hat