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Der Bessere Weg (AudioBook), 3. Reue (1)

Wie kann ein sündiger Mensch Gott gegenüber gerecht werden? Nur durch Christus können wir in die wahre, heilige Übereinstimmung mit Gott zurückversetzt werden: Wie aber sollen wir zu Christus gelangen? Viele rufen noch heute im Bewußtsein ihrer Sünden wie damals die Menge zu Pfingsten: „Was sollen wir tun?“ Die Antwort des Apostels Petrus war: „Tut Buße!“ Bei anderer Gelegenheit antwortete er: „So tut nun Buße und bekehret euch, daß eure Sünden vertilgt werden.“ Apostelgeschichte 2,37.38; Apostelgeschichte 3,19. {WZC 14.1} Wahre Buße schließt aufrichtige Traurigkeit über unsere Sünden und Abkehr von ihnen ein. Wir werden sie nicht ablegen, bis wir ihre Sündhaftigkeit erkannt haben. Eine wirkliche Veränderung in unserm Leben wird erst dann eintreten, wenn wir von Herzen der Sünde abgesagt haben. {WZC 14.2} Viele mißverstehen die wahre Bedeutung der Buße. Sie sind traurig über ihre Sünden, ja, sie bekehren sich äußerlich, weil sie sich vor den Leiden fürchten, die ihre Missetaten über sie bringen. Das ist keine Buße im Sinne des Wortes Gottes. Solche Menschen beklagen die Folgen ihrer Sünden statt die Sünde selbst. So klagte und jammerte auch Esau, als er sein Erstgeburtsrecht für immer verloren sah. Bileam erkannte und bekannte seine Schuld, als der Engel ihm mit gezogenem Schwert in den Weg trat. Wohl fürchtete er für sein Leben; von wahrer Buße, von wahrer Bekehrung, von wahrem Abscheu vor der Sünde sehen wir jedoch keine Spur. In ähnlichem Geiste rief Judas Ischariot aus, nachdem er seinen Herrn und Meister verraten hatte: „Ich habe übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe.“ Matthäus 27,4. {WZC 14.3} Das Geständnis wurde seinem schuldgeplagten Herzen durch das entsetzliche Bewußtsein der Verdammnis und den furchtbaren Ausblick auf das Gericht abgerungen. Die Folgen der Sünde erfüllten ihn mit Schrecken; nichts läßt jedoch auf tiefe Traurigkeit, auf wirkliches Herzeleid darüber schließen, daß er den schuldlosen Sohn Gottes verraten und den Heiligen Israels verleugnet hatte. Pharao bekannte zwar seine Schuld, wenn er unter der Zuchtrute Gottes seufzte, freilich nur, um der ferneren Strafe zu entgehen. Sobald aber den Plagen Einhalt getan war, kehrte er zu seinem Trotz gegen Gott zurück. Alle diese Männer beklagen wohl die Folgen ihrer Sünden, jedoch nicht die Sünde selbst. {WZC 14.4} Ergibt sich aber ein Herz dem Einfluß des Geistes Gottes, dann erwacht das Gewissen, dann empfindet der Sünder etwas von der Tiefe und Heiligkeit des göttlichen Gesetzes, der Grundlage seiner Herrschaft im Himmel und auf Erden. Das „Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen“, leuchtet in die geheimen Falten seines Herzens und macht die verborgenen Dinge der Finsternis offenbar. Johannes 1,9. Eine volle Überzeugung ergreift Besitz von Kopf und Herz. Einerseits ahnt der Sünder etwas von der Gerechtigkeit des Ewigtreuen und erschrickt bei dem Gedanken, in seiner Schuld und Unreinheit vor dem Herzenskündiger erscheinen zu müssen. Anderseits sieht er die Liebe Gottes, erkennt des Höchsten wunderbare Heiligkeit und schmeckt die Freuden aus dem Besitz eines reinen Herzens. Es verlangt ihn danach, gereinigt und wieder in die Gemeinschaft mit Gott versetzt zu werden. {WZC 15.1} Deutlich zeigt David in seinem Gebet nach seinem Fall die wahre Betrübnis über die Sünde. Seine Buße war tief und aufrichtig. Wir hören nichts von einer Beschönigung seiner Schuld; auch veranlaßte ihn nicht der Wunsch, dem angedrohten Gericht zu entrinnen, zu seinem Gebet. David sah das Ungeheure seiner Übertretung; er erkannte seine innere Befleckung; er fühlte tiefen Abscheu vor seiner Sünde. Er bat nicht allein um Vergebung, sondern auch um Reinheit des Herzens. Ihn dürstete nach wahrer Heiligkeit, danach, wieder in vollen Frieden und in Gemeinschaft mit Gott zu kommen: {WZC 15.2} „Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missetat nicht zurechnet, in des Geist kein Falsch ist!“ „Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde. Denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir. An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan ... Entsündige mich mit Isop, daß ich rein werde; wasche mich, daß ich schneeweiß werde ... Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir .. Errette mich von den Blutschulden, Gott, der du mein Gott und Heiland bist, daß meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme.“ Psalm 32,1.2; Psalm 51,3-16. {WZC 15.3} Eine solche Buße bringen wir nie aus eigener Kraft zustande, sondern nur durch Christus, der in die Höhe aufgefahren ist und den Menschen Gaben verliehen hat. {WZC 16.1} Gerade darüber haben viele Menschen irrige Ansichten und gehen deshalb der Hilfe verlustig, die Christus ihnen zu geben wünscht. Sie glauben, nicht eher zu Christus kommen zu können, als bis sie Buße getan haben; denn nach ihrer Meinung bereitet die Buße den Weg für die Vergebung der Sünden vor. Wohl muß die Buße der Sündenvergebung vorausgehen; denn nur ein geängstigtes und zerschlagenes Herz fühlt die Notwendigkeit eines Erlösers. Muß aber ein Sünder warten, bis er Buße getan hat, ehe er zu Jesus kommen kann? Soll der Mangel der Buße ein Hindernis sein zwischen dem Sünder und dem Heiland? {WZC 16.2} Die Bibel lehrt an keiner Stelle, daß der Sünder Buße tun muß, ehe er der Einladung Christi Folge leisten kann: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Matthäus 11,28. Die Heilskraft, die von Christus ausgeht, leitet zur wahren Buße. Petrus machte den Israeliten dies mit den Worten klar: „Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zu einem Fürsten und Heiland, zu geben Israel Buße und Vergebung der Sünden.“ Apostelgeschichte 5,31. Wir können ebensowenig ohne den Geist Christi, der das Gewissen weckt, Buße tun, wie wir ohne Christus Vergebung unserer Sünden erhalten. Christus ist die Quelle jedes rechten Beweggrundes. Er allein kann unsern Herzen Feindschaft gegen die Sünde einpflanzen. Jeder aufrichtige Wunsch nach Wahrheit und Reinheit, jede Überzeugung von unserer Sündhaftigkeit ist ein deutlicher Beweis dafür, daß der Heilige Geist an uns wirkt. {WZC 16.3} Jesus sprach dies aus mit den Worten: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen.“ Johannes 12,32. Christus muß dem Sünder als der Heiland offenbart werden, der für die Sünden der Welt in den Tod ging. Wenn wir den Sohn Gottes am Kreuz auf Golgatha anschauen, dann beginnt das Geheimnis der Erlösung sich für uns zu enthüllen: die Güte Gottes leitet uns zur Buße. Christus hat durch sein Leiden und Sterben für uns Sünder eine unbegreifliche Liebe offenbart; betrachtet der Sünder diese Liebe, dann wird das harte Herz erweicht, das Gemüt bewegt und mit Zerknirschung erfüllt. {WZC 17.1} Es ist wahr, daß die Menschen sich zuzeiten ihrer sündhaften Wege schämen, daß sie manche ihrer bösen Gewohnheiten aufgeben, ehe sie sich zu Christus gezogen fühlen. Aber wenn die Menschen sich der Besserung befleißigen, wenn in ihnen das ernste Verlangen rege wird, recht zu handeln, so treibt sie nur die Macht Christi dazu an. Ein ihnen unverständlicher Einfluß übt seine Macht auf sie aus, das Gewissen ist erwacht, infolgedessen wird der Lebenswandel besser. Wenn Christus ihr Augenmerk auf sich und sein Kreuz lenkt, wenn sie erkennen, daß ihre Sünden ihn durchbohrt haben, dann wendet sich das Gesetz an ihr Gewissen. Die Verderbtheit ihres Lebens, die Verstockung ihres Herzens wird ihnen offenbar. Sie fangen an, etwas von der Gerechtigkeit Christi zu begreifen, und rufen aus: „Was ist die Sünde, daß sie solch großes Opfer zur Erlösung erheischt? War all diese Liebe, all dieses Leiden, all diese Demütigung nötig, damit wir nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben ererben?“ {WZC 17.2} Der Sünder kann sich solcher Liebe widersetzen, er kann sich weigern, sich Christus näherbringen zu lassen; doch wenn er sich nicht sträubt, wird er zu Jesus gezogen werden. Wenn der Sünder den Ratschluß der Erlösung erkannt hat, dann wird er in aufrichtiger Buße für seine Sünden, welche die Ursache der Leiden des teuren Gottessohnes gewesen sind, zum Fuße des Kreuzes geführt. {WZC 18.1} Dieselbe göttliche Kraft, die in der Natur wirkt, spricht zu den Herzen der Menschen. Sie erweckt in ihnen ein unaussprechliches Verlangen nach etwas, was sie noch nicht haben. Die Dinge dieser Welt können ihr Sehnen nicht stillen. Gottes Geist arbeitet an ihnen, nach den Gütern zu streben, die allein Frieden und Ruhe geben der Gnade Christi und der Freude, die aus der Heiligkeit kommt. Unser Heiland wirkt fortwährend durch sichtbare Einflüsse an den Menschen, um sie von den unbefriedigenden Freuden der Sünde zu den unendlichen Segnungen, die nur in ihm zu finden sind, hinzuführen. An alle, die vergebens aus den löcherigen Brunnen dieser Welt zu schöpfen suchen, ergeht noch heute die göttliche Botschaft: „Wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ Offenbarung 22,17. {WZC 18.2} Ihr, die ihr von Herzen nach besseren Gütern verlangt, als die Welt sie geben kann, vernehmt doch in dieser Sehnsucht die lockende Stimme Gottes! Betet zu ihm um wahre Buße, bittet ihn, daß er euch Christus in seiner unendlichen Liebe und vollkommenen Reinheit offenbare. Das Leben des Heilandes ist ein herrliches Beispiel der Grundsätze des göttlichen Gesetzes: Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst. In Güte und uneigennütziger Liebe ging sein Leben auf. Wenn wir auf ihn blicken, wenn die göttlichen Strahlen erlösender Liebe auf uns fallen, erst dann erkennen wir recht die Sündhaftigkeit unserer eigenen Herzen. {WZC 18.3} Wie einst Nikodemus haben auch wir uns vielleicht mit dem Bewußtsein geschmeichelt, daß unser Lebenswandel rechtschaffen gewesen ist, daß unser sittliches Empfinden keinen Schatten aufweist, und halten es deshalb nicht für nötig, uns vor Gott wie ein gemeiner Sünder zu demütigen. Wenn Christus uns aber mit seinem Licht erleuchtet, dann erkennen wir die unreine Beschaffenheit unserer Herzen, die Selbstsucht unserer Beweggründe, die Feindschaft gegen Gott, durch die jegliche Handlung unseres Lebens entstellt worden ist. Dann wird uns bewußt, daß unsere Gerechtigkeit wirklich „wie ein unflätig Kleid“ ist und daß allein das Blut Christi uns von der Befleckung der Sünde reinigen und unsere Herzen nach seinem Bilde erneuern kann. Jesaja 64,5. {WZC 18.4} Ein Strahl der Herrlichkeit Gottes, ein Abglanz der Reinheit Christi, der unser Innerstes durchdringt, läßt jeden häßlichen Fleck an uns deutlicher hervortreten und offenbart unsere menschlichen Fehler und Schwächen, unsere unheiligen Wünsche und Begierden, die Untreue unserer Herzen, die Unreinheit unserer Lippen. Die Treulosigkeit des Sünders, der das Gesetz Gottes für ungültig erklären will, wird sichtbar. Der Geist des Herrn bricht seinen Hochmut und demütigt ihn. Der Sünder verabscheut sich selbst, wenn er das reine, unbefleckte Wesen Christi betrachtet. {WZC 19.1} Als der Prophet Daniel die Herrlichkeit Gottes schaute, die den zu ihm gesandten himmlischen Boten umgab, da überwältigte ihn das Gefühl seiner eigenen Schwäche und Unvollkommenheit. Er beschrieb die Wirkung dieser wunderbaren Begebenheit mit folgenden Worten: „Ich blieb allein und sah dies große Gesicht. Es blieb aber keine Kraft in mir, und ich ward sehr entstellt und hatte keine Kraft mehr.“ Daniel 10,8. Ein in solcher Weise gerührtes Herz lernt Selbstsucht und Eigenliebe hassen; es beginnt, unter dem Beistand der Gerechtigkeit Christi nach der Reinheit des Herzens zu streben, die im Einklang mit dem Gesetz Gottes und der Liebe Christi steht. {WZC 19.2} Der Apostel Paulus schreibt, er sei „nach der Gerechtigkeit im Gesetz gewesen unsträflich“ (Philipper 3,6), soweit also die äußeren Werke in Betracht kamen; aber als er die geistige Seite, die innere Deutung, verstanden hatte, erkannte er sich als Sünder. Nach dem Buchstaben des Gesetzes beurteilt, wie es die Menschen auf das äußere Leben anwenden, hatte sich der Apostel der Sünde enthalten; aber als er in die Tiefe des heiligen Gesetzes eindrang und sich selbst so betrachtete, wie Gott ihn sah, demütigte er sich tief und bekannte seine Schuld mit den Worten: „Ich aber lebte weiland ohne Gesetz; da aber das Gebot kam, ward die Sünde wieder lebendig, ich aber starb.“ Römer 7,9.10. Als er die geistliche Natur des Gesetzes recht begriffen hatte, erschien ihm die Sünde in ihrer wahren Furchtbarkeit, und sein Hochmut verschwand. {WZC 19.3} Gott sieht nicht alle Sünden als gleich groß an; er macht ebenso wie die Menschen einen Unterschied nach ihrer Größe; aber wie klein auch immer diese oder jene Schwäche in den Augen der Menschen sein mag, so ist doch keine Sünde gering in Gottes Augen. {WZC 20.1} Der Menschen Urteil ist parteilich, unvollkommen; Gott aber sieht und beurteilt alle Dinge nach ihrer wirklichen Beschaffenheit. Ein Trunkenbold wird verachtet, und man sagt ihm, daß seine Sünde ihn vom Himmel ausschließe. Wie oft aber bleiben Hochmut, Eigenliebe, Habsucht und Geiz ungetadelt? Aber gerade diese Sünden fallen nach Gottes Beurteilung schwer in die Waagschale, weil sie zu der Barmherzigkeit seines Wesens, zu jener selbstlosen Liebe, die in dem sündlosen Weltall herrscht, in schroffem Widerspruch stehen. Wer in grobe Sünden gefallen ist, fühlt seine Schande und Armut, merkt, daß er der Gnade Christi bedarf. Hochmut und Stolz fühlen keinen Mangel; sie verschließen daher die Herzen vor Christus und seinen unendlichen Segnungen. {WZC 20.2} Der arme Zöllner, der da betete: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ (Lukas 18,13), hielt sich für sehr gottlos, und andere betrachteten ihn in demselben Licht; aber er erkannte sein Elend, kam mit der Last seiner entehrenden Schuld zu Gott und erflehte Vergebung.



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Wie kann ein sündiger Mensch Gott gegenüber gerecht werden? Nur durch Christus können wir in die wahre, heilige Übereinstimmung mit Gott zurückversetzt werden: Wie aber sollen wir zu Christus gelangen? Viele rufen noch heute im Bewußtsein ihrer Sünden wie damals die Menge zu Pfingsten: „Was sollen wir tun?“ Die Antwort des Apostels Petrus war: „Tut Buße!“ Bei anderer Gelegenheit antwortete er: „So tut nun Buße und bekehret euch, daß eure Sünden vertilgt werden.“ Apostelgeschichte 2,37.38; Apostelgeschichte 3,19. {WZC 14.1} Wahre Buße schließt aufrichtige Traurigkeit über unsere Sünden und Abkehr von ihnen ein. Wir werden sie nicht ablegen, bis wir ihre Sündhaftigkeit erkannt haben. Eine wirkliche Veränderung in unserm Leben wird erst dann eintreten, wenn wir von Herzen der Sünde abgesagt haben. {WZC 14.2} Viele mißverstehen die wahre Bedeutung der Buße. Sie sind traurig über ihre Sünden, ja, sie bekehren sich äußerlich, weil sie sich vor den Leiden fürchten, die ihre Missetaten über sie bringen. Das ist keine Buße im Sinne des Wortes Gottes. Solche Menschen beklagen die Folgen ihrer Sünden statt die Sünde selbst. So klagte und jammerte auch Esau, als er sein Erstgeburtsrecht für immer verloren sah. Bileam erkannte und bekannte seine Schuld, als der Engel ihm mit gezogenem Schwert in den Weg trat. Wohl fürchtete er für sein Leben; von wahrer Buße, von wahrer Bekehrung, von wahrem Abscheu vor der Sünde sehen wir jedoch keine Spur. In ähnlichem Geiste rief Judas Ischariot aus, nachdem er seinen Herrn und Meister verraten hatte: „Ich habe übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe.“ Matthäus 27,4. {WZC 14.3} Das Geständnis wurde seinem schuldgeplagten Herzen durch das entsetzliche Bewußtsein der Verdammnis und den furchtbaren Ausblick auf das Gericht abgerungen. Die Folgen der Sünde erfüllten ihn mit Schrecken; nichts läßt jedoch auf tiefe Traurigkeit, auf wirkliches Herzeleid darüber schließen, daß er den schuldlosen Sohn Gottes verraten und den Heiligen Israels verleugnet hatte. Pharao bekannte zwar seine Schuld, wenn er unter der Zuchtrute Gottes seufzte, freilich nur, um der ferneren Strafe zu entgehen. Sobald aber den Plagen Einhalt getan war, kehrte er zu seinem Trotz gegen Gott zurück. Alle diese Männer beklagen wohl die Folgen ihrer Sünden, jedoch nicht die Sünde selbst. {WZC 14.4} Ergibt sich aber ein Herz dem Einfluß des Geistes Gottes, dann erwacht das Gewissen, dann empfindet der Sünder etwas von der Tiefe und Heiligkeit des göttlichen Gesetzes, der Grundlage seiner Herrschaft im Himmel und auf Erden. Das „Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen“, leuchtet in die geheimen Falten seines Herzens und macht die verborgenen Dinge der Finsternis offenbar. Johannes 1,9. Eine volle Überzeugung ergreift Besitz von Kopf und Herz. Einerseits ahnt der Sünder etwas von der Gerechtigkeit des Ewigtreuen und erschrickt bei dem Gedanken, in seiner Schuld und Unreinheit vor dem Herzenskündiger erscheinen zu müssen. Anderseits sieht er die Liebe Gottes, erkennt des Höchsten wunderbare Heiligkeit und schmeckt die Freuden aus dem Besitz eines reinen Herzens. Es verlangt ihn danach, gereinigt und wieder in die Gemeinschaft mit Gott versetzt zu werden. {WZC 15.1} Deutlich zeigt David in seinem Gebet nach seinem Fall die wahre Betrübnis über die Sünde. Seine Buße war tief und aufrichtig. Wir hören nichts von einer Beschönigung seiner Schuld; auch veranlaßte ihn nicht der Wunsch, dem angedrohten Gericht zu entrinnen, zu seinem Gebet. David sah das Ungeheure seiner Übertretung; er erkannte seine innere Befleckung; er fühlte tiefen Abscheu vor seiner Sünde. Er bat nicht allein um Vergebung, sondern auch um Reinheit des Herzens. Ihn dürstete nach wahrer Heiligkeit, danach, wieder in vollen Frieden und in Gemeinschaft mit Gott zu kommen: {WZC 15.2} „Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! Wohl dem Menschen, dem der Herr die Missetat nicht zurechnet, in des Geist kein Falsch ist!“ „Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich wohl von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde. Denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünde ist immer vor mir. An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan ... Entsündige mich mit Isop, daß ich rein werde; wasche mich, daß ich schneeweiß werde ... Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir .. Errette mich von den Blutschulden, Gott, der du mein Gott und Heiland bist, daß meine Zunge deine Gerechtigkeit rühme.“ Psalm 32,1.2; Psalm 51,3-16. {WZC 15.3} Eine solche Buße bringen wir nie aus eigener Kraft zustande, sondern nur durch Christus, der in die Höhe aufgefahren ist und den Menschen Gaben verliehen hat. {WZC 16.1} Gerade darüber haben viele Menschen irrige Ansichten und gehen deshalb der Hilfe verlustig, die Christus ihnen zu geben wünscht. Sie glauben, nicht eher zu Christus kommen zu können, als bis sie Buße getan haben; denn nach ihrer Meinung bereitet die Buße den Weg für die Vergebung der Sünden vor. Wohl muß die Buße der Sündenvergebung vorausgehen; denn nur ein geängstigtes und zerschlagenes Herz fühlt die Notwendigkeit eines Erlösers. Muß aber ein Sünder warten, bis er Buße getan hat, ehe er zu Jesus kommen kann? Soll der Mangel der Buße ein Hindernis sein zwischen dem Sünder und dem Heiland? {WZC 16.2} Die Bibel lehrt an keiner Stelle, daß der Sünder Buße tun muß, ehe er der Einladung Christi Folge leisten kann: „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Matthäus 11,28. Die Heilskraft, die von Christus ausgeht, leitet zur wahren Buße. Petrus machte den Israeliten dies mit den Worten klar: „Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zu einem Fürsten und Heiland, zu geben Israel Buße und Vergebung der Sünden.“ Apostelgeschichte 5,31. Wir können ebensowenig ohne den Geist Christi, der das Gewissen weckt, Buße tun, wie wir ohne Christus Vergebung unserer Sünden erhalten. Christus ist die Quelle jedes rechten Beweggrundes. Er allein kann unsern Herzen Feindschaft gegen die Sünde einpflanzen. Jeder aufrichtige Wunsch nach Wahrheit und Reinheit, jede Überzeugung von unserer Sündhaftigkeit ist ein deutlicher Beweis dafür, daß der Heilige Geist an uns wirkt. {WZC 16.3} Jesus sprach dies aus mit den Worten: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen.“ Johannes 12,32. Christus muß dem Sünder als der Heiland offenbart werden, der für die Sünden der Welt in den Tod ging. Wenn wir den Sohn Gottes am Kreuz auf Golgatha anschauen, dann beginnt das Geheimnis der Erlösung sich für uns zu enthüllen: die Güte Gottes leitet uns zur Buße. Christus hat durch sein Leiden und Sterben für uns Sünder eine unbegreifliche Liebe offenbart; betrachtet der Sünder diese Liebe, dann wird das harte Herz erweicht, das Gemüt bewegt und mit Zerknirschung erfüllt. {WZC 17.1} Es ist wahr, daß die Menschen sich zuzeiten ihrer sündhaften Wege schämen, daß sie manche ihrer bösen Gewohnheiten aufgeben, ehe sie sich zu Christus gezogen fühlen. Aber wenn die Menschen sich der Besserung befleißigen, wenn in ihnen das ernste Verlangen rege wird, recht zu handeln, so treibt sie nur die Macht Christi dazu an. Ein ihnen unverständlicher Einfluß übt seine Macht auf sie aus, das Gewissen ist erwacht, infolgedessen wird der Lebenswandel besser. Wenn Christus ihr Augenmerk auf sich und sein Kreuz lenkt, wenn sie erkennen, daß ihre Sünden ihn durchbohrt haben, dann wendet sich das Gesetz an ihr Gewissen. Die Verderbtheit ihres Lebens, die Verstockung ihres Herzens wird ihnen offenbar. Sie fangen an, etwas von der Gerechtigkeit Christi zu begreifen, und rufen aus: „Was ist die Sünde, daß sie solch großes Opfer zur Erlösung erheischt? War all diese Liebe, all dieses Leiden, all diese Demütigung nötig, damit wir nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben ererben?“ {WZC 17.2} Der Sünder kann sich solcher Liebe widersetzen, er kann sich weigern, sich Christus näherbringen zu lassen; doch wenn er sich nicht sträubt, wird er zu Jesus gezogen werden. Wenn der Sünder den Ratschluß der Erlösung erkannt hat, dann wird er in aufrichtiger Buße für seine Sünden, welche die Ursache der Leiden des teuren Gottessohnes gewesen sind, zum Fuße des Kreuzes geführt. {WZC 18.1} Dieselbe göttliche Kraft, die in der Natur wirkt, spricht zu den Herzen der Menschen. Sie erweckt in ihnen ein unaussprechliches Verlangen nach etwas, was sie noch nicht haben. Die Dinge dieser Welt können ihr Sehnen nicht stillen. Gottes Geist arbeitet an ihnen, nach den Gütern zu streben, die allein Frieden und Ruhe geben der Gnade Christi und der Freude, die aus der Heiligkeit kommt. Unser Heiland wirkt fortwährend durch sichtbare Einflüsse an den Menschen, um sie von den unbefriedigenden Freuden der Sünde zu den unendlichen Segnungen, die nur in ihm zu finden sind, hinzuführen. An alle, die vergebens aus den löcherigen Brunnen dieser Welt zu schöpfen suchen, ergeht noch heute die göttliche Botschaft: „Wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ Offenbarung 22,17. {WZC 18.2} Ihr, die ihr von Herzen nach besseren Gütern verlangt, als die Welt sie geben kann, vernehmt doch in dieser Sehnsucht die lockende Stimme Gottes! Betet zu ihm um wahre Buße, bittet ihn, daß er euch Christus in seiner unendlichen Liebe und vollkommenen Reinheit offenbare. Das Leben des Heilandes ist ein herrliches Beispiel der Grundsätze des göttlichen Gesetzes: Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst. In Güte und uneigennütziger Liebe ging sein Leben auf. Wenn wir auf ihn blicken, wenn die göttlichen Strahlen erlösender Liebe auf uns fallen, erst dann erkennen wir recht die Sündhaftigkeit unserer eigenen Herzen. {WZC 18.3} Wie einst Nikodemus haben auch wir uns vielleicht mit dem Bewußtsein geschmeichelt, daß unser Lebenswandel rechtschaffen gewesen ist, daß unser sittliches Empfinden keinen Schatten aufweist, und halten es deshalb nicht für nötig, uns vor Gott wie ein gemeiner Sünder zu demütigen. Wenn Christus uns aber mit seinem Licht erleuchtet, dann erkennen wir die unreine Beschaffenheit unserer Herzen, die Selbstsucht unserer Beweggründe, die Feindschaft gegen Gott, durch die jegliche Handlung unseres Lebens entstellt worden ist. Dann wird uns bewußt, daß unsere Gerechtigkeit wirklich „wie ein unflätig Kleid“ ist und daß allein das Blut Christi uns von der Befleckung der Sünde reinigen und unsere Herzen nach seinem Bilde erneuern kann. Jesaja 64,5. {WZC 18.4} Ein Strahl der Herrlichkeit Gottes, ein Abglanz der Reinheit Christi, der unser Innerstes durchdringt, läßt jeden häßlichen Fleck an uns deutlicher hervortreten und offenbart unsere menschlichen Fehler und Schwächen, unsere unheiligen Wünsche und Begierden, die Untreue unserer Herzen, die Unreinheit unserer Lippen. Die Treulosigkeit des Sünders, der das Gesetz Gottes für ungültig erklären will, wird sichtbar. Der Geist des Herrn bricht seinen Hochmut und demütigt ihn. Der Sünder verabscheut sich selbst, wenn er das reine, unbefleckte Wesen Christi betrachtet. {WZC 19.1} Als der Prophet Daniel die Herrlichkeit Gottes schaute, die den zu ihm gesandten himmlischen Boten umgab, da überwältigte ihn das Gefühl seiner eigenen Schwäche und Unvollkommenheit. Er beschrieb die Wirkung dieser wunderbaren Begebenheit mit folgenden Worten: „Ich blieb allein und sah dies große Gesicht. Es blieb aber keine Kraft in mir, und ich ward sehr entstellt und hatte keine Kraft mehr.“ Daniel 10,8. Ein in solcher Weise gerührtes Herz lernt Selbstsucht und Eigenliebe hassen; es beginnt, unter dem Beistand der Gerechtigkeit Christi nach der Reinheit des Herzens zu streben, die im Einklang mit dem Gesetz Gottes und der Liebe Christi steht. {WZC 19.2} Der Apostel Paulus schreibt, er sei „nach der Gerechtigkeit im Gesetz gewesen unsträflich“ (Philipper 3,6), soweit also die äußeren Werke in Betracht kamen; aber als er die geistige Seite, die innere Deutung, verstanden hatte, erkannte er sich als Sünder. Nach dem Buchstaben des Gesetzes beurteilt, wie es die Menschen auf das äußere Leben anwenden, hatte sich der Apostel der Sünde enthalten; aber als er in die Tiefe des heiligen Gesetzes eindrang und sich selbst so betrachtete, wie Gott ihn sah, demütigte er sich tief und bekannte seine Schuld mit den Worten: „Ich aber lebte weiland ohne Gesetz; da aber das Gebot kam, ward die Sünde wieder lebendig, ich aber starb.“ Römer 7,9.10. Als er die geistliche Natur des Gesetzes recht begriffen hatte, erschien ihm die Sünde in ihrer wahren Furchtbarkeit, und sein Hochmut verschwand. {WZC 19.3} Gott sieht nicht alle Sünden als gleich groß an; er macht ebenso wie die Menschen einen Unterschied nach ihrer Größe; aber wie klein auch immer diese oder jene Schwäche in den Augen der Menschen sein mag, so ist doch keine Sünde gering in Gottes Augen. {WZC 20.1} Der Menschen Urteil ist parteilich, unvollkommen; Gott aber sieht und beurteilt alle Dinge nach ihrer wirklichen Beschaffenheit. Ein Trunkenbold wird verachtet, und man sagt ihm, daß seine Sünde ihn vom Himmel ausschließe. Wie oft aber bleiben Hochmut, Eigenliebe, Habsucht und Geiz ungetadelt? Aber gerade diese Sünden fallen nach Gottes Beurteilung schwer in die Waagschale, weil sie zu der Barmherzigkeit seines Wesens, zu jener selbstlosen Liebe, die in dem sündlosen Weltall herrscht, in schroffem Widerspruch stehen. Wer in grobe Sünden gefallen ist, fühlt seine Schande und Armut, merkt, daß er der Gnade Christi bedarf. Hochmut und Stolz fühlen keinen Mangel; sie verschließen daher die Herzen vor Christus und seinen unendlichen Segnungen. {WZC 20.2} Der arme Zöllner, der da betete: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ (Lukas 18,13), hielt sich für sehr gottlos, und andere betrachteten ihn in demselben Licht; aber er erkannte sein Elend, kam mit der Last seiner entehrenden Schuld zu Gott und erflehte Vergebung.

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