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'Winnetou I' von Karl May, 1. Kapitel: Ein Greenhorn. Teil 4

1. Kapitel: Ein Greenhorn. Teil 4

Es saßen drei Herren da, welche ihn sehr freundlich und mich höflich und mit nicht zu verbergender Neugierde empfingen. Karten und Pläne lagen auf den Tischen; dazwischen gab es allerlei Messinstrumente. Wir befanden uns in einem geodätischen Bureau.

Welchen Zweck mein Freund mit diesem Besuche verfolgte, war mir unklar; er hatte keine Bestellung, keine Erkundigung vorzubringen; er schien nur der freundschaftlichen Unterhaltung wegen gekommen zu sein. Diese kam allerdings sehr bald in einen lebhaften Gang, und es konnte nicht auffallen, dass sie sich schließlich auch auf die Gegenstände, welche sich hier befanden, erstreckte; dies war mir lieb, denn da konnte ich mich besser beteiligen, als wenn von amerikanischen Dingen oder Verhältnissen gesprochen worden wäre, die ich noch nicht kannte.

Henry schien sich heut außerordentlich für die Feldmesskunst zu interessieren; er wollte alles wissen, und ich ließ mich gern so tief in das Gespräch ziehen, dass ich endlich immer nur Fragen zu beantworten, den Gebrauch der verschiedenen Instrumente zu erklären und das Zeichnen von Karten und Plänen zu beschreiben hatte. Ich war wirklich ein tüchtiges Greenhorn, denn ich merkte nicht die Absicht heraus. Erst als ich mich über das Wesen und die Unterschiede der Aufnahme durch Koordinaten, der Polar- und Diagonalmethode, der Perimetermessung, des Repetitionsverfahrens, der trigonometrischen Triangulation ausgesprochen hatte und die Bemerkung machte, dass die drei Herren dem Büchsenmacher heimlich zuwinkten, wurde mir die Sache auffällig, und ich stand von meinem Sitz auf, um Henry anzudeuten, dass ich zu gehen wünsche. Er weigerte sich nicht, und wir wurden jetzt auch ich noch freundlicher entlassen, als der Empfang gewesen war.

Als wir dann so weit gegangen waren, dass man uns von dem Bureau aus nicht mehr sehen konnte, blieb Henry stehen, legte mir die Hand auf die Schulter und sagte, indem sein Gesicht in heller Genugtuung leuchtete:

»Sir, Mann, Mensch, Jüngling, Greenhorn, aber habt Ihr mir eine Freude gemacht! Ich bin ja förmlich stolz auf Euch!«

»Warum?«

»Weil Ihr meine Empfehlung und die Erwartung dieser Leute noch übertroffen habt!«

»Empfehlung? Erwartung? Ich verstehe Euch nicht.«

»Ist auch nicht nötig. Die Sache ist aber sehr einfach. Ihr behauptetet kürzlich, etwas von der Feldmesserei zu verstehen, und um zu erfahren, ob dies etwa nur Flunkerei gewesen sei, habe ich Euch zu diesen Gentlemen, die gute Bekannte von mir sind, geführt und Euch von ihnen auf den Zahn fühlen lassen. Es ist ein sehr gesunder Zahn, denn Ihr habt Euch höchst ehrenvoll herausgebissen.«

»Flunkerei? Mr. Henry, wenn Ihr mich solcher Dinge für fähig haltet, werde ich Euch nicht mehr besuchen!«

»Lasst Euch nicht auslachen! Ihr werdet mich alten Kerl doch nicht der Freude berauben, die mir Euer Anblick macht. Wisst schon, wegen der Ähnlichkeit mit meinem Sohne! Seid Ihr vielleicht einmal beim Pferdehändler gewesen?«

»Täglich des Morgens.«

»Und habt den Rotschimmel geritten?«

»Ja.«

»Wird etwas aus dem Pferde?«

»Will es meinen. Nur bezweifle ich, dass der, welcher es kauft, so gut mit ihm auskommen wird wie ich. Es hat sich nur an mich gewöhnt und wirft jeden Andern ab.«

»Freut mich, freut mich ungeheuer; es will also, wie es scheint, nur Greenhorns tragen. Kommt einmal mit mir durch diese Seitenstraße! Weiß da drüben ein famoses dining-house, in welchem man sehr gut speist und noch besser trinkt. Das Examen, welches Ihr heut so vortrefflich bestanden habt, muss gefeiert werden.«

Ich konnte Henry nicht begreifen; er war wie umgetauscht. Er, der einsame, zurückhaltende Mann, wollte in einem dining-house essen! Auch sein Gesicht war ein anderes als gewöhnlich, und seine Stimme klang heller und froher als sonst. Examen hatte er gesagt. Das Wort fiel mir auf, konnte hier aber ein ganz bedeutungsloser Ausdruck sein.

Von diesem Tage an besuchte er mich täglich und behandelte mich wie einen lieben Freund, den man bald zu verlieren befürchtet. Aber einen Stolz über diese Bevorzugung ließ er in mir nicht aufkommen; er hatte stets einen Dämpfer bereit, welcher in dem fatalen Wort Greenhorn bestand.

Sonderbarerweise hatte sich zu derselben Zeit auch das Verhalten der Familie, in der ich wirkte, verändert. Die Eltern hatten sichtlich mehr Aufmerksamkeit für mich, und die Kinder waren zärtlicher geworden. Ich überraschte sie bei heimlichen Blicken auf mich, die ich nicht verstehen konnte; ich hätte sie liebevoll und auch bedauernd nennen mögen.

Ungefähr drei Wochen nach unserm sonderbaren Besuche im Bureau bat mich die Lady, am Abend, der heut für mich ein freier war, nicht auszugehen, sondern das „supper“ mit der Familie zu nehmen. Als Grund dieser Einladung gab sie an, dass Mr. Henry kommen werde, und außerdem habe sie zwei Gentlemen geladen, von denen der eine Sam Hawkens heiße und ein berühmter Westmann sei. Ich als Greenhorn hatte diesen Namen noch nicht gehört, freute mich aber doch darauf, den ersten wirklichen und sogar berühmten Westmann kennen zu lernen.

Da ich Hausgenosse war, brauchte ich nicht Punkt bis zum Glockenschlage zu warten, sondern stellte mich einige Minuten vorher in dem dining-room ein. Dort sah ich zu meiner Verwunderung nicht das gewöhnliche Arrangement, sondern es war wie zu einem Feste gedeckt worden. Die kleine, fünfjährige Emmy hatte sich allein in dem Raume befunden und den Finger, um zu naschen, in das Beerenkompott gesteckt. Sie zog ihn, als ich eintrat, schnell zurück und wischte ihn spornstreichs an ihrem hochblonden Frisurchen ab. Als ich nun mit strafendem Winke den meinigen erhob, kam sie auf mich zugesprungen und flüsterte mir einige Worte zu. Um ihr Vergehen gut zu machen, teilte sie mir das Geheimnis der letzten Tage, welches ihr das kleine Herzchen fast abgedrückt hatte, mit. Ich glaubte, falsch verstanden zu haben; sie aber wiederholte auf meine Aufforderung dieselben Worte: »Your farewell-feast.«

Mein Abschiedsschmaus! Das konnte doch unmöglich sein! Wer weiß, durch welches Missverständnis das Kind auf diese jedenfalls irrige Meinung gekommen war. Ich lächelte darüber. Dann hörte ich Stimmen im Parlour; die Gäste kamen, und ich ging hinüber, sie zu begrüßen. Sie waren alle drei zu gleicher Zeit gekommen, auf Verabredung hin, wie ich später erfuhr. Henry stellte mir einen jungen, etwas stumpf und ungelenk aussehenden Mann als einen Mr. Black und dann Sam Hawkens, den Westmann, vor.

Den Westmann! Ich gestehe offen zu, dass ich, als mein Auge verwundert auf ihm ruhte, wohl nicht sehr geistreich ausgesehen haben mag. Eine solche Gestalt hatte ich denn doch noch nicht gesehen; später freilich habe ich noch ganz andere kennen gelernt. War der Mann schon an sich auffällig genug, so wurde dieser Eindruck dadurch erhöht, dass er hier in dem feinen Parlour ganz genau so stand, wie er draußen in der Wildnis gestanden haben würde, nämlich ohne die Kopfbedeckung abzunehmen und mit dem Gewehre in der Hand. Man denke sich folgendes Äußere:

Unter der wehmütig herabhängenden Krempe eines Filzhutes, dessen Alter, Farbe und Gestalt selbst dem schärfsten Denker einiges Kopfzerbrechen verursacht haben würden, blickte zwischen einem Walde von verworrenen, schwarzen Barthaaren eine Nase hervor, die von fast erschreckenden Dimensionen war und jeder beliebigen Sonnenuhr als Schattenwerfer hätte dienen können. Infolge dieses gewaltigen Bartwuchses waren außer dem so verschwenderisch ausgestatteten Riechorgane von den übrigen Gesichtsteilen nur die zwei kleinen, klugen Äuglein zu bemerken, welche mit einer außerordentlichen Beweglichkeit begabt zu sein schienen und mit einem Ausdrucke von schalkhafter List auf mir ruhten. Der Mann betrachtete mich ebenso aufmerksam wie ich ihn; später erfuhr ich den Grund, warum er sich so für mich interessierte.

Diese Oberpartie ruhte auf einem Körper, welcher bis auf die Knie herab unsichtbar blieb und in einem alten, bockledernen Jagdrocke stak, der augenscheinlich für eine bedeutend stärkere Person angefertigt worden war und dem kleinen Manne das Aussehen eines Kindes gab, welches sich zum Vergnügen einmal in den Schlafrock des Großvaters gesteckt hat. Aus dieser mehr als zulänglichen Umhüllung guckten zwei dürre, sichelkrumme Beine hervor, welche in ausgefransten Leggins steckten, die so hochbetagt waren, dass sie das Männchen schon vor zwei Jahrzehnten ausgewachsen haben musste, und die dabei einen umfassenden Blick auf ein Paar Indianerstiefel gestatteten, in denen zur Not der Besitzer in voller Person hätte Platz finden können.


1. Kapitel: Ein Greenhorn. Teil 4

Es saßen drei Herren da, welche ihn sehr freundlich und mich höflich und mit nicht zu verbergender Neugierde empfingen. There were three gentlemen who received him very kindly and politely and with curiosity that I could not hide. Karten und Pläne lagen auf den Tischen; dazwischen gab es allerlei Messinstrumente. Maps and plans were on the tables; in between there were all sorts of measuring instruments. Wir befanden uns in einem geodätischen Bureau. We were in a geodesic office.

Welchen Zweck mein Freund mit diesem Besuche verfolgte, war mir unklar; er hatte keine Bestellung, keine Erkundigung vorzubringen; er schien nur der freundschaftlichen Unterhaltung wegen gekommen zu sein. The purpose of my friend's visit was unclear to me; he had no order, no inquiry; he only seemed to come for the amicable conversation. Diese kam allerdings sehr bald in einen lebhaften Gang, und es konnte nicht auffallen, dass sie sich schließlich auch auf die Gegenstände, welche sich hier befanden, erstreckte; dies war mir lieb, denn da konnte ich mich besser beteiligen, als wenn von amerikanischen Dingen oder Verhältnissen gesprochen worden wäre, die ich noch nicht kannte. However, this soon came into a lively corridor, and it could not be noticed that it finally also extended to the objects that were here; this was dear to me, because it made it easier for me to participate than if I had spoken of American things or circumstances that I did not yet know.

Henry schien sich heut außerordentlich für die Feldmesskunst zu interessieren; er wollte alles wissen, und ich ließ mich gern so tief in das Gespräch ziehen, dass ich endlich immer nur Fragen zu beantworten, den Gebrauch der verschiedenen Instrumente zu erklären und das Zeichnen von Karten und Plänen zu beschreiben hatte. Henry seemed to be extremely interested in field measurement today; he wanted to know everything, and I was happy to let myself be drawn so deeply into the conversation that I finally had to answer questions, explain how to use the various instruments, and describe how to draw maps and plans. Ich war wirklich ein tüchtiges Greenhorn, denn ich merkte nicht die Absicht heraus. I was really a good greenhorn because I didn't realize the intention. Erst als ich mich über das Wesen und die Unterschiede der Aufnahme durch Koordinaten, der Polar- und Diagonalmethode, der Perimetermessung, des Repetitionsverfahrens, der trigonometrischen Triangulation ausgesprochen hatte und die Bemerkung machte, dass die drei Herren dem Büchsenmacher heimlich zuwinkten, wurde mir die Sache auffällig, und ich stand von meinem Sitz auf, um Henry anzudeuten, dass ich zu gehen wünsche. It was only when I had spoken about the nature and the differences of the recording by coordinates, the polar and diagonal method, the perimeter measurement, the repetition method, the trigonometric triangulation and made the remark that the three gentlemen waved to the gunsmith secretly striking, and I got up from my seat to indicate to Henry that I wanted to go. Er weigerte sich nicht, und wir wurden jetzt auch ich noch freundlicher entlassen, als der Empfang gewesen war. He did not refuse, and we were now released even more pleasantly than the reception had been.

Als wir dann so weit gegangen waren, dass man uns von dem Bureau aus nicht mehr sehen konnte, blieb Henry stehen, legte mir die Hand auf die Schulter und sagte, indem sein Gesicht in heller Genugtuung leuchtete: When we had gone so far that we could no longer be seen from the office, Henry stopped, put a hand on my shoulder and said, his face shining in bright satisfaction:

»Sir, Mann, Mensch, Jüngling, Greenhorn, aber habt Ihr mir eine Freude gemacht! 'Sir, man, man, young man, greenhorn, but have you given me pleasure? Ich bin ja förmlich stolz auf Euch!« I'm really proud of you! «

»Warum?« "Why?"

»Weil Ihr meine Empfehlung und die Erwartung dieser Leute noch übertroffen habt!« "Because you have exceeded my recommendation and the expectations of these people!"

»Empfehlung? "Recommendation? Erwartung? Expectation? Ich verstehe Euch nicht.« I do not understand you."

»Ist auch nicht nötig. 'It isn't necessary either. Die Sache ist aber sehr einfach. But the thing is very simple. Ihr behauptetet kürzlich, etwas von der Feldmesserei zu verstehen, und um zu erfahren, ob dies etwa nur Flunkerei gewesen sei, habe ich Euch zu diesen Gentlemen, die gute Bekannte von mir sind, geführt und Euch von ihnen auf den Zahn fühlen lassen. You recently claimed to know something about field surveying, and to find out if it was just a mess, I took you to these gentlemen who are good acquaintances of mine and let you check them out. Es ist ein sehr gesunder Zahn, denn Ihr habt Euch höchst ehrenvoll herausgebissen.« It is a very healthy tooth, because you have honored yourself very honorable. «

»Flunkerei? "Fib? Mr. Henry, wenn Ihr mich solcher Dinge für fähig haltet, werde ich Euch nicht mehr besuchen!« Mr. Henry, if you consider me capable of such things, I will not visit you again! ”

»Lasst Euch nicht auslachen! »Don't be laughed at! Ihr werdet mich alten Kerl doch nicht der Freude berauben, die mir Euer Anblick macht. You won't deprive me of the old fellow of the joy your sight gives me. Wisst schon, wegen der Ähnlichkeit mit meinem Sohne! You know, because of the resemblance to my son! Seid Ihr vielleicht einmal beim Pferdehändler gewesen?« Have you ever been to the horse dealer? ”

»Täglich des Morgens.« "Every morning."

»Und habt den Rotschimmel geritten?« "And did you ride the red mold?"

»Ja.« "Yes."

»Wird etwas aus dem Pferde?« "Will something become of the horse?"

»Will es meinen. 'I mean it. Nur bezweifle ich, dass der, welcher es kauft, so gut mit ihm auskommen wird wie ich. Only I doubt that whoever buys it will get along with him as well as I do. Es hat sich nur an mich gewöhnt und wirft jeden Andern ab.« It just got used to me and throws everyone else off. «

»Freut mich, freut mich ungeheuer; es will also, wie es scheint, nur Greenhorns tragen. »I am pleased, I am enormously pleased; so it seems that it only wants to wear greenhorns. Kommt einmal mit mir durch diese Seitenstraße! Come with me through this side street! Weiß da drüben ein famoses dining-house, in welchem man sehr gut speist und noch besser trinkt. Knows a fabulous dining house over there, where you can eat very well and drink even better. Das Examen, welches Ihr heut so vortrefflich bestanden habt, muss gefeiert werden.« The exam you passed so well today has to be celebrated. «

Ich konnte Henry nicht begreifen; er war wie umgetauscht. I couldn't understand Henry; he was exchanged. Er, der einsame, zurückhaltende Mann, wollte in einem dining-house essen! He, the lonely, reserved man, wanted to eat in a dining house! Auch sein Gesicht war ein anderes als gewöhnlich, und seine Stimme klang heller und froher als sonst. His face was different too, and his voice sounded brighter and happier than usual. Examen hatte er gesagt. He had said exams. Das Wort fiel mir auf, konnte hier aber ein ganz bedeutungsloser Ausdruck sein. The word caught my eye, but it could be a meaningless expression here.

Von diesem Tage an besuchte er mich täglich und behandelte mich wie einen lieben Freund, den man bald zu verlieren befürchtet. From that day on, he visited me every day and treated me like a dear friend who is soon feared to be lost. Aber einen Stolz über diese Bevorzugung ließ er in mir nicht aufkommen; er hatte stets einen Dämpfer bereit, welcher in dem fatalen Wort Greenhorn bestand. But he did not raise pride in this preference in me; he always had a damper ready, which consisted of the fatal word greenhorn.

Sonderbarerweise hatte sich zu derselben Zeit auch das Verhalten der Familie, in der ich wirkte, verändert. Oddly enough, the behavior of the family I was in had also changed at the same time. Die Eltern hatten sichtlich mehr Aufmerksamkeit für mich, und die Kinder waren zärtlicher geworden. The parents obviously had more attention for me and the children had become more tender. Ich überraschte sie bei heimlichen Blicken auf mich, die ich nicht verstehen konnte; ich hätte sie liebevoll und auch bedauernd nennen mögen. I surprised her with secret looks that I couldn't understand; I should have called her affectionate and regrettable.

Ungefähr drei Wochen nach unserm sonderbaren Besuche im Bureau bat mich die Lady, am Abend, der heut für mich ein freier war, nicht auszugehen, sondern das „supper“ mit der Familie zu nehmen. About three weeks after our strange visits to the office, the lady asked me not to go out in the evening, which was a free one for me today, but to take the "supper" with the family. Als Grund dieser Einladung gab sie an, dass Mr. Henry kommen werde, und außerdem habe sie zwei Gentlemen geladen, von denen der eine Sam Hawkens heiße und ein berühmter Westmann sei. As the reason for this invitation, she indicated that Mr. Henry would come, and she had also invited two gentlemen, one of whom was named Sam Hawkens and a famous western man. Ich als Greenhorn hatte diesen Namen noch nicht gehört, freute mich aber doch darauf, den ersten wirklichen und sogar berühmten Westmann kennen zu lernen. As a greenhorn, I hadn't heard this name yet, but I was looking forward to getting to know the first real and even famous Westmann.

Da ich Hausgenosse war, brauchte ich nicht Punkt bis zum Glockenschlage zu warten, sondern stellte mich einige Minuten vorher in dem dining-room ein. Since I was a housemate, I did not have to wait until the bell struck, but I set myself up in the dining room a few minutes beforehand. Dort sah ich zu meiner Verwunderung nicht das gewöhnliche Arrangement, sondern es war wie zu einem Feste gedeckt worden. To my amazement, I did not see the usual arrangement there, but it was covered as if for a party. Die kleine, fünfjährige Emmy hatte sich allein in dem Raume befunden und den Finger, um zu naschen, in das Beerenkompott gesteckt. The small, five-year-old Emmy had been alone in the room and put her finger in the berry compote to snack on. Sie zog ihn, als ich eintrat, schnell zurück und wischte ihn spornstreichs an ihrem hochblonden Frisurchen ab. When I entered, she quickly pulled him back and wiped him off on her blond hair. Als ich nun mit strafendem Winke den meinigen erhob, kam sie auf mich zugesprungen und flüsterte mir einige Worte zu. When I raised mine with a punishing wave, she came up to me and whispered a few words to me. Um ihr Vergehen gut zu machen, teilte sie mir das Geheimnis der letzten Tage, welches ihr das kleine Herzchen fast abgedrückt hatte, mit. To make up for her offense, she told me the secret of the past few days, which had almost pulled her little heart away. Ich glaubte, falsch verstanden zu haben; sie aber wiederholte auf meine Aufforderung dieselben Worte: »Your farewell-feast.« I thought I misunderstood; but at my request she repeated the same words: "Your farewell-feast."

Mein Abschiedsschmaus! My farewell feast! Das konnte doch unmöglich sein! That couldn't be possible! Wer weiß, durch welches Missverständnis das Kind auf diese jedenfalls irrige Meinung gekommen war. Who knows what misunderstanding the child had in this mistaken opinion. Ich lächelte darüber. I smiled at it. Dann hörte ich Stimmen im Parlour; die Gäste kamen, und ich ging hinüber, sie zu begrüßen. Then I heard voices in the parlor; the guests came and I went over to greet them. Sie waren alle drei zu gleicher Zeit gekommen, auf Verabredung hin, wie ich später erfuhr. All three of them had come at the same time, by appointment, I learned later. Henry stellte mir einen jungen, etwas stumpf und ungelenk aussehenden Mann als einen Mr. Black und dann Sam Hawkens, den Westmann, vor. Henry introduced me to a young, somewhat blunt and clumsy-looking man as a Mr. Black and then Sam Hawkens, the western man.

Den Westmann! The western man! Ich gestehe offen zu, dass ich, als mein Auge verwundert auf ihm ruhte, wohl nicht sehr geistreich ausgesehen haben mag. I openly admit that when my eye was on him in surprise, I may not have looked very witty. Eine solche Gestalt hatte ich denn doch noch nicht gesehen; später freilich habe ich noch ganz andere kennen gelernt. I had never seen such a shape; later, of course, I got to know completely different people. War der Mann schon an sich auffällig genug, so wurde dieser Eindruck dadurch erhöht, dass er hier in dem feinen Parlour ganz genau so stand, wie er draußen in der Wildnis gestanden haben würde, nämlich ohne die Kopfbedeckung abzunehmen und mit dem Gewehre in der Hand. If the man was already conspicuous enough, this impression was heightened by the fact that he stood in the fine parlor exactly as he would have stood outside in the wilderness, namely without taking off his headgear and with the rifles in hand , Man denke sich folgendes Äußere: Think of the following exterior:

Unter der wehmütig herabhängenden Krempe eines Filzhutes, dessen Alter, Farbe und Gestalt selbst dem schärfsten Denker einiges Kopfzerbrechen verursacht haben würden, blickte zwischen einem Walde von verworrenen, schwarzen Barthaaren eine Nase hervor, die von fast erschreckenden Dimensionen war und jeder beliebigen Sonnenuhr als Schattenwerfer hätte dienen können. Beneath the wistfully drooping brim of a felt hat, the age, color and shape of which would have given even the keenest thinker a headache, a nose peeked out from among a forest of tangled black whiskers that was almost terrifying in size and would have any sundial as a shadow thrower can serve. Infolge dieses gewaltigen Bartwuchses waren außer dem so verschwenderisch ausgestatteten Riechorgane von den übrigen Gesichtsteilen nur die zwei kleinen, klugen Äuglein zu bemerken, welche mit einer außerordentlichen Beweglichkeit begabt zu sein schienen und mit einem Ausdrucke von schalkhafter List auf mir ruhten. As a result of this tremendous growth of the beard, apart from the lavishly equipped olfactory organs of the remaining parts of the face, only the two small, clever eyes were noticeable, which seemed to be endowed with extraordinary mobility and rested on me with a printout of mischievous cunning. Der Mann betrachtete mich ebenso aufmerksam wie ich ihn; später erfuhr ich den Grund, warum er sich so für mich interessierte. The man looked at me as attentively as I; later I found out why he was so interested in me.

Diese Oberpartie ruhte auf einem Körper, welcher bis auf die Knie herab unsichtbar blieb und in einem alten, bockledernen Jagdrocke stak, der augenscheinlich für eine bedeutend stärkere Person angefertigt worden war und dem kleinen Manne das Aussehen eines Kindes gab, welches sich zum Vergnügen einmal in den Schlafrock des Großvaters gesteckt hat. This upper part rested on a body that remained invisible down to its knees and stuck in an old, buckskin hunting skirt, which had apparently been made for a significantly stronger person and gave the little man the appearance of a child who, for pleasure, once was in put on the grandfather's dressing gown. Aus dieser mehr als zulänglichen Umhüllung guckten zwei dürre, sichelkrumme Beine hervor, welche in ausgefransten Leggins steckten, die so hochbetagt waren, dass sie das Männchen schon vor zwei Jahrzehnten ausgewachsen haben musste, und die dabei einen umfassenden Blick auf ein Paar Indianerstiefel gestatteten, in denen zur Not der Besitzer in voller Person hätte Platz finden können. From this more than adequate covering, two skinny, sickle-crooked legs peeped out, which were in frayed leggings that were so old that they must have grown out of the male two decades ago, and which allowed a comprehensive view of a pair of Indian boots which, if need be, the owner could have found space in full person.