Manifest der Kommunistischen Partei 1
Manifest der kommunistischen Partei von Karl Marx und Friedrich Engels
Kapitel 1
Bourgeois und Proletarier
Anmerkung von Engels zur englischen Ausgabe von 1888 zu Bourgeois und Proletarier
Unter Bourgeois wird die Klasse der modernen Kapitalisten verstanden, die Besitzer der
gesellschaftlichen Produktionsmittel sind und Lohnarbeit ausnutzen.
Unter Proletariat die Klasse der modernen Lohnarbeiter, die, da sie keine eigenen Produktionsmittel
besitzen, darauf angewiesen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um leben zu können.
Ende der Anmerkung
Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.
Anmerkung von Engels zur englischen Ausgabe von 1888 und zur deutschen Ausgabe von 1898
zur Geschichte aller bisherigen Gesellschaft.
Das heißt, genau gesprochen, die schriftlich überlieferte Geschichte.
1847 war die Vorgeschichte der Gesellschaft, die gesellschaftliche Organisation, die aller
geschriebenen Geschichte vorausging, noch so gut wie unbekannt.
Seitdem hat Sachshausen das Gemeineigentum am Boden in Russland entdeckt.
Maurer hat es nachgewiesen als die gesellschaftliche Grundlage, wovon alle deutschen Stämme geschichtlich
ausgingen, und allmählich fand man, dass Dorfgemeinden mit gemeinsamen Bodenbesitz die
Urform der Gesellschaft waren, von Indien bis Irland.
Schließlich wurde die innere Organisation dieser urwüchsigen kommunistischen Gesellschaft
in ihrer typischen Form losgelegt durch morgens krönende Entdeckung der wahren Natur des
Gens und ihrer Stellung im Stamm.
Mit der Auflösung dieser ursprünglichen Gemeinwesen beginnt die Spaltung der Gesellschaft,
in besondere und schließlich einander entgegengesetzte Klassen.
Ende der Anmerkung
Anmerkung von Engels zur englischen Ausgabe von 1888
Ich habe versucht, diesen Auflösungsprozess in Der Ursprung der Familie, des Privateigentums
unseres Staates zu verfolgen.
Zweite Auflage Stuttgart 1886
Ende der Anmerkung
Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen.
Freier und Sklave, Patrizier und Plebäier, Baron und Leibeigner, Zunftbürger und Gesell,
kurz Unterdrücker und Unterdrückte, standen in stetem Gegensatz zueinander, führten einen
ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedes Mal mit einer
revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete, oder mit dem gemeinsamen Untergang
der kämpfenden Klassen.
In den früheren Epochen der Geschichte finden wir fast überall eine vollständige Gliederung
der Gesellschaft in verschiedene Stände, eine mannigfache Abstufung der gesellschaftlichen
Stellungen.
Im alten Rom haben wir Patrizier, Ritter, Plebäier, Sklaven.
Im Mittelalterfeudalherrn Vasallen, Zunftbürger, Gesellen, Leibeigene und noch dazu in fast
jeder dieser Klassen wieder besondere Abstufungen.
Die aus dem Untergang der feudalen Gesellschaft hervorgegangene, moderne, bürgerliche Gesellschaft
hat die Klassengegensätze nicht aufgehoben.
Sie hat nur neue Klassen, neue Bedingungen der Unterdrückung, neue Gestaltungen des
Kampfes an die Stelle der alten gesetzt.
Unsere Epoche, die Epoche de Bourgeois, zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass sie die Klassengegensätze
vereinfacht hat.
Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große, feindliche Lager.
In zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen, Bourgeois und Proletariat.
Aus den Leibeigenen des Mittelalters gingen die Pfahlbürger der Erststädte hervor.
Aus dieser Pfahlbürgerschaft entwickelten sich die ersten Elemente der Bourgeois.
Die Entdeckung Amerikas, die Umschiffung Afrikas schufen der aufkommenden Bourgeois ein neues
Terrain.
Der ostindische und chinesische Markt, die Kolonisierung von Amerika, der Austausch mit
den Kolonien, die Vermehrung der Tauschmittel und der Waren überhaupt gaben dem Handel,
der Schifffahrt, der Industrie einen nie gekannten Aufschwung und damit dem revolutionären Element
in der zerfallenden feudalen Gesellschaft eine rasche Entwicklung.
Die bisherige, feudale oder zünftige Betriebsweise der Industrie reichte nicht mehr aus für
den mit neuen Märkten anwachsenden Bedarf.
Die Manufaktur trat an ihre Stelle.
Die Zunftmeister wurden verdrängt durch den industriellen Mittelstand.
Die Teilung der Arbeit zwischen den verschiedenen Klassen verschwand vor der Teilung der Arbeit
in der einzelnen Werkstatt selbst.
Aber immer wuchsen die Märkte, immer stieg der Bedarf.
Auch die Manufaktur reichte nicht mehr aus.
Da revolutionierte der Dampf und die Maschinerie der industriellen Produktion.
An die Stelle der Manufaktur trat die moderne, große Industrie.
An die Stelle des industriellen Mittelstandes traten die industriellen Millionäre,
die Chefs ganzer industrieller Armeen, die modernen Bourgeois.
Die große Industrie hat den Weltmarkt hergestellt, den die Entdeckung Amerikas vorbereitete.
Der Weltmarkt hat dem Handel, der Schifffahrt, den Landkommunikationen eine unermessliche Entwicklung gegeben.
Diese hat wieder auf die Ausdehnung der Industrie zurückgewirkt.
Und in demselben Maße, wo Industrie, Handel, Schifffahrt, Eisenbahnen sich ausdehnten,
in demselben Maße entwickelte sich die Bourgeois, vermehrte ihre Kapitalien,
drängte sie alle vom Mittelalter her überlieferten Klassen in den Hintergrund.
Wir sehen also, wie die moderne Bourgeois selbst das Produkt eines langen Entwicklungsganges,
einer Reihe von Umweizungen in der Produktions- und Verkehrsweise ist.
Jede dieser Entwicklungsstufen der Bourgeois war begleitet von einem entsprechenden politischen Fortschritt,
unterdrückter Stand unter der Herrschaft der Vidalherren,
bewaffnete und sich selbst verwaltende Assoziationen in der Kommune.
Anmerkung von Engels zur englischen Ausgabe von 1888 zu Kommune.
Kommune nannten sich in Frankreich entstehende Städte,
sogar bevor sie ihren Vidalen Herren und Meistern lokale Selbstverwaltung
und politische Rechte als dritter Stand abzuringen vermochten.
Allgemein gesprochen haben wir hier als typisches Land für die ökonomische Entwicklung der Bourgeois England
für ihre politische Entwicklung Frankreich angeführt.
Ende der Anmerkung.
Jede dieser Entwicklungsstufen der Bourgeois war begleitet von einem entsprechenden politischen Fortschritt,
unterdrückter Stand unter der Herrschaft der Vidalherren,
bewaffnete und sich selbst verwaltende Assoziationen in der Kommune,
hier unabhängige städtische Republik, dort dritter steuerpflichtiger Stand der Monarchie.
Dann zur Zeit der Manufaktur, Gegengewicht gegen den Adel in der ständischen oder in der absoluten Monarchie.
Hauptgrundlage der großen Monarchien überhaupt,
erkämpfte sie sich endlich seit der Herstellung der Großindustrie und des Weltmarktes
im modernen Repräsentativstaat, die ausschließlich politische Herrschaft.
Die moderne Staatsgewalt ist nur ein Ausschuss,
der die gemeinschaftlichen Geschäfte der ganzen Bourgeois-Klasse verwaltet.
Die Bourgeois hat in der Geschichte eine höchst revolutionäre Rolle gespielt.
Die Bourgeois, wo sie zur Herrschaft gekommen,
hat alle feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse zerstört.
Sie hat die buntschäckigen Feudalbande, die den Menschen an seine natürlichen Vorgesetzen knüpft,
unbarmherzig zerrissen und kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übrig gelassen,
als das nackte Interesse, als die gefühllose, bare Zahlung.
Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung,
der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt.
Sie hat die persönliche Würde in den Tauschwert aufgelöst
und an die Stelle der zahllosen, verbrieften und wohl erworbenen Freiheiten,
die eine gewissenlose Handelsfreiheit gesetzt.
Sie hat mit einem Wort an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung
die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung gesetzt.
Die Bourgeois hat alle bisher ehrwürdigen und mit Frommerscheu betrachteten Tätigkeiten ihres heiligen Scheins entkleidet.
Sie hat den Arzt, den Juristen, den Pfaffen, den Poeten,
den Mann und der Wissenschaft in ihre bezahlten Lohnarbeiter verwandelt.
Die Bourgeois hat dem Familienverhältnis seinen rühren, sentimentalen Schleier abgerissen
und es auf ein reines Geldverhältnis zurückgeführt.
Die Bourgeois hat enthüllt, wie die brutale Kraftäußerung,
die die Reaktion so sehr am Mittelalter bewundert,
in der trägsten Bärenhäuterei ihre passende Ergänzung fand.
Erst sie hat bewiesen, was die Tätigkeit der Menschen zustande bringen kann.
Sie hat ganz andere Werke vollbracht als ägyptische Pyramiden, römische Wasserleitungen und gotische Kathedralen.
Sie hat ganz andere Züge angeführt als Völkerwanderungen und Kreuzzüge.
Die Bourgeois kann nicht existieren ohne die Produktionsinstrumente,
also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse,
fortwährend zu revolutionieren.
Unveränderte Beibehaltung der alten Produktionsweise
war dagegen die erste Existenzbedingung aller früheren industriellen Klassen.
Die fortwährende Umwälzung der Produktion,
die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände,
Die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeois-Epoche vor allen anderen aus.
Alle festen, eingerosteten Verhältnisse,
mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst,
alle Neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können.
Alles Ständische und Stehende verdampft,
alles Heilige wird entweiht,
und die Menschen sind endlich gezwungen,
ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.
Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte
jagte Bourgeois über die ganze Erdkugel.
Überall musste sich einnisten, überall anbauen,
überall Verbindungen herstellen.
Die Bourgeois hat durch ihre Exploitation des Weltmarkts
die Produktion und Konsumption aller Länder kosmopolitisch gestaltet.
Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre
den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen.
Die uralten, nationalen Industrien sind vernichtet worden
und werden noch täglich vernichtet.
Sie werden verdrängt durch neue Industrien,
deren Einführung eine Lebensfrage für alle Zivilisationen wird,
durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe,
sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten
und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst,
sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden.
An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse
treten neue, welche die Produkte der entferntsetzten Länder und Klimate
zu ihrer Befriedigung erheischen.
An die Stelle der alten, lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit
und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr,
eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander.
Und wie in der materiellen, so auch in der geistigen Produktion.
Die geistigen Erzeugnisse der einzelnen Nationen werden Gemeingut.
Die nationale Einseitigkeit und Beschränktheit wird mehr und mehr unmöglich
und aus den vielen nationalen und lokalen Literaturen bildet sich eine Weltliteratur.
Die Bourgeois reist durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente,
durch die unendlich erleichterten Kommunikationen aller,
auch die barbarischen Nationen in die Zivilisation.
Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind die schwere Artillerie,
mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schießt
und mit der sie den hartnäckigsten Fremdenhass der Barbaren zur Kapitulation zwingt.
Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeois sich anzueignen,
wenn sie nicht zugrunde gehen wollen.
Sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst einzuführen,
das heißt Bourgeois zu werden.
Mit einem Worte, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde.
Die Bourgeois hat das Land der Herrschaft der Städte unterworfen.
Sie hat enorme Städte geschaffen.
Sie hat die Zahl der städtischen Bevölkerung gegenüber der ländlichen in hohem Grade vermehrt
und so einen bedeutenden Teil der Bevölkerung dem Idiotismus des Landlebens entrissen.
Wie sie das Land von der Stadt, hat sie die barbarischen und halbbarbarischen Länder
von den Zivilisierten, die Bauernvölker von den Bourgeois Völkern,
den Orien vom Oktzident abhängig gemacht.
Die Bourgeois hebt mehr und mehr die Zersplitterung der Produktionsmittel,
des Besitzes und der Bevölkerung auf.
Sie hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert
und das Eigentum in die wenigen Händen konzentriert.
Die notwendige Folge hiervon war die politische Zentralisation.
Unabhängige, fast nur verbündete Provinzen mit verschiedenen Interessen,
Gesetzen, Regierungen und Zöllen wurden zusammengedrängt in eine Nation,
eine Regierung, ein Gesetz, ein nationales Klasseninteresse, eine Duanenlinie.
Die Bourgeois hat in ihrer kaum hundertjährigen Klassenherrschaft
massenhaftere und kolossalere Produktionsergebnisse geschaffen
als alle vergangenen Generationen zusammen.
Unterjochung der Naturkräfte, Maschinerie, Anwendung der Chemie auf Industrie und Ackerbau,
Dampfschifffahrt, Eisenbahnen, elektrische Telegrafen,
Urbarmachung ganzer Weltteile, Schiffbarmachung der Flüsse,
ganze aus dem Boden hervorgestampfte Bevölkerungen.
Welches frühere Jahrhundert ahnte, dass solche Produktionskräfte
im Schoß der gesellschaftlichen Arbeit schlummerten?
Wir haben also gesehen, die Produktions- und Verkehrsmittel,
auf deren Grundlage sich die Bourgeois heranbildete,
wurden in der feudalen Herrschaft erzeugt.
Auf einer gewissen Stufe der Entwicklung dieser Produktions- und Verkehrsmittel
entsprachen die Verhältnisse, worin die feudale Gesellschaft produzierte und austauschte,
die feudale Organisation der Aggregatur und Manufaktur,
mit einem Wort die feudalen Eigentumsverhältnisse den schon entwickelten Produktivkräften nicht mehr.
Sie hemmten die Produktion, statt sie zu fördern.
Sie verwandelten sich in ebenso viele Fesseln.
Sie mussten gesprengt werden.
Sie wurden gesprengt.
An ihre Stelle trat die freie Konkurrenz mit der ihr angemessenen
gesellschaftlichen und politischen Konstitution,
mit der ökonomischen und politischen Herrschaft der Bourgeois-Klasse.
Unter unseren Augen geht eine ähnliche Bewegung vor.
Die bürgerlichen Produktions- und Verkehrsverhältnisse,
die bürgerlichen Eigentumsverhältnisse,
die die moderne bürgerliche Gesellschaft,
die so gewaltige Produktions- und Verkehrsmittel hervorgebracht hat,
gleicht dem Hexenmeister,
der die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag,
die er heraufbeschwor.
Seit Dezennien ist die Geschichte der Industrie und des Handels
nur die Geschichte der Empörung der modernen Produktivkräfte
gegen die modernen Produktionsverhältnisse,
gegen die Eigentumsverhältnisse,
welche die Lebensbedingungen der Bourgeois und ihrer Herrschaft sind.
Es genügt, die Handelskrisen zu nennen,
welche in ihrer periodischen Wiederkehr
immer drohender die Existenz der ganzen bürgerlichen Gesellschaft infrage stellen.
In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht nur der erzeugten Produkte,
sondern der bereits geschafften Produktivkräfte regelmäßig vernichtet.
In den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus,
welche alle früheren Epochen als einen Widersinn erschienen wäre.
Die Epidemie der Überproduktion.
Die Gesellschaft findet sich plötzlich in einem Zustand momentaner Barbarei zurückversetzt.
Eine Hungersnot, ein allgemeiner Vernichtungskrieg
scheinen ihr alle Lebensmittel abgeschnitten zu haben.
Die Industrie der Handel scheinen vernichtet. Und warum?
Weil sie Zivilisation sind, zu viel Lebensmittel, zu viel Industrie, zu viel Handel besitzt.
Die Produktivkräfte, die ihr zur Verfügung stehen,
die nicht mehr nur zur Beförderung der bürgerlichen Eigentumsverhältnisse,
im Gegenteil, sie sind zu gewaltig für diese Verhältnisse geworden
und sie werden von ihnen gehemmt.
Und sobald sie dieses Hemmnis überwinden,
bringen sie die ganze bürgerliche Gesellschaft in Unordnung,
gefährden sie die Existenz des bürgerlichen Eigentums.
Die bürgerlichen Verhältnisse sind zu eng geworden,
um den von ihnen erzeugten Reichtum zu fassen.
Wodurch überwindet die Bourgeoisie Krisen?
Einerseits durch die erzwungene Vernichtung einer Masse von Produktivkräften,
andererseits durch die Eroberung neuer Märkte und die gründlichere Ausbeutung aller Märkte.
Wodurch also?
Dadurch, dass sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet
und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.
Die Waffen, womit die Bourgeoisie den Feudalismus zu Boden geschlagen hat,
richtet sich jetzt gegen die Bourgeoisie selbst.
Aber die Bourgeoisie hatte nicht nur die Waffen geschmiedet, die ihr den Tod bringen.
Sie hat auch die Männer gezeugt, die diese Waffen führen werden,
die modernen Arbeiter, die Proletarier.
In demselben Maße, worin sich die Bourgeoisie, das heißt das Kapital, entwickelt,
in demselben Maße entwickelt sich das Proletariat, die Klasse der modernen Arbeiter,
die nur so lange leben, als sie Arbeit finden,
die nur so lange Arbeit finden, als ihre Arbeit das Kapital vermehrt.
Diese Arbeiter, die sich stückweise verkaufen müssen,
sind eine Ware wie jeder andere Handelsartikel
und daher gleichmäßig allen Wechselfällen der Konkurrenz,
allen Schwankungen des Marktes ausgesetzt.
Die Arbeit der Proletarier hat durch die Ausdehnung der Maschinerie
und die Teilung der Arbeit allen selbstständigen Charakter
und damit allen Reiz für die Arbeiter verloren.
Es wird ein bloßes Zubehör der Maschine,
von dem nur einfachste, eintönigste, am leichtesten erlernbare Handgriffe verlangt wird.
Die Kosten, die der Arbeiter verursacht,
beschränken sich daher fast nur auf die Lebensmittel,
die er zu seinem Unterhalt und zur Fortpflanzung seiner Rasse bedarf.
Der Preis einer Ware, also auch der Arbeit,
ist aber gleich ihren Produktionskosten.
In demselben Maße, in dem die Widerwärtigkeit der Arbeit wächst,
nimmt daher der Lohn ab.
Noch mehr, in demselben Maße,
wie Maschinerie und Teilung der Arbeit zunehmen,
in demselben Maße nimmt auch die Masse der Arbeit zu,
sei es durch Vermehrung der Arbeitsstunden,
sei es durch Vermehrung der in einer gegebenen Zeit geforderten Arbeit,
beschleunigen laufende Maschinen und so weiter.
Die moderne Industrie hat die kleine Werkstube des patriarchalischen Meisters
in die große Fabrik des industriellen Kapitalisten verwandelt.
Arbeitermassen, in der Fabrik zusammengedrängt,
werden soldatisch organisiert.
Sie werden als gemeine Industriesoldaten
unter die Aufsicht einer vollständigen Hierarchie
von Unteroffizieren und Offizieren gestellt.
Sie sind nicht nur Knechte der Bourgeois-Klasse, des Bourgeois-Staates,
sie sind täglich und stündlich geknechtet von der Maschine,
von dem Aufseher und vor allem von den einzelnen fabrizierenden Bourgeois selbst.
Diese Despotie ist umso kleinlicher, gehässiger, erbitterter,
je offener sie den Erwerb als ihren Zweck proklamiert.
Je weniger die Handarbeit, Geschicklichkeit und Kraftäußerung erheischt,
das heißt, je mehr die moderne Industrie sich entwickelt,
desto mehr wird die Arbeit der Männer durch die der Weiber verdrängt.
Geschlechts- und Altersunterschiede haben keine gesellschaftliche Geltung mehr
für die Arbeiterklasse, es gibt nur noch Arbeitsinstrumente,
die je nach Alter und Geschlecht verschiedene Kosten machen.
Ist die Ausbeutung des Arbeiters durch den Fabrikanten so weit beendigt,
dass er seinen Arbeitslohn bar ausgezahlt erhält,
so fallen die anderen Teile der Bourgeois über ihn her,
der Hausbesitzer, der Krämer, der Pfandleier und so weiter.
Die bisherigen kleinen Mittelstände, die kleinen, industriellen,
Kaufleute und Rentiers, die Handwerker und Bauern,
alle diese Klassen fallen ins Proletariat hinab,
teils dadurch, dass ihr kleines Kapital für den Betrieb der großen Industrie
nicht ausreicht und der Konkurrenz mit den größeren Kapitalisten erliegt,
teils dadurch, dass ihre Geschicklichkeit von neuen Produktionsweisen entwertet wird.
So rekrutiert sich das Proletariat aus allen Klassen der Bevölkerung.
Das Proletariat macht verschiedene Entwicklungsstufen durch.
Sein Kampf gegen die Bourgeois beginnt mit seiner Existenz.
Im Anfang kämpfen die einzelnen Arbeiter, dann die Arbeiter einer Fabrik,
dann die Arbeiter eines Arbeitszweiges an einem Ort gegen den einzelnen Bourgeois,
der sie direkt ausbeutet.
Sie richten ihre Angriffe nicht nur gegen die bürgerlichen Produktionsverhältnisse,
sie richten sie gegen die Produktionsverhältnisse selbst.
Sie vernichten die fremden, konkurrierenden Waren.
Sie zerschlagen die Maschinen.
Sie stecken die Fabriken in Brand.
Sie suchen die untergegangene Stellung des mittelalterlichen Arbeiters wieder zu erringen.
Auf dieser Stufe bilden die Arbeiter eine über das ganze Land zerstreute
und durch die Konkurrenz zersplitterte Masse.
Massenhaftes Zusammenhalten der Arbeiter ist noch nicht die Folge ihrer eigenen Vereinigung,
sondern die Folge der Vereinigung der Bourgeois,
die zur Erreichung ihrer eigenen politischen Zwecke das ganze Proletariat in Bewegung setzen muss
und es einstweilen noch kann.
Auf dieser Stufe bekämpfen die Proletarier also nicht ihre Feinde,
sondern die Feinde ihrer Feinde, die Reste der Absolutmonarchie,
die Grundeigentümer, die nicht industrielle Bourgeois, die Kleinbürger.
Die ganze geschichtliche Bewegung ist so in den Händen der Bourgeois konzentriert.
Jeder Sieg, der so errungen wird, ist ein Sieg der Bourgeois.
Aber mit der Entwicklung der Industrie vermehrt sich nicht nur das Proletariat.
Es wird in größeren Massen zusammengedrängt, seine Kraft wächst und es fühlt sie mehr.
Die Interessen, die Lebenslagen innerhalb des Proletariats gleichen sich immer mehr aus,
indem die Maschinerie mehr und mehr die Unterschiede der Arbeit verwischt
und den Lohn fast überall auf ein gleich niedriges Niveau herabdrückt.
Die wachsende Konkurrenz der Bourgeois unter sich
und die daraus hervorgehenden Handelskrisen machen den Lohn der Arbeit immer schwankender.
Die immer rascher sich entwickelnde, unaufhörliche Verbesserung der Maschinerie
macht ihre ganze Lebensstellung immer unsicherer.
Immer mehr nehmen die Kollisionen zwischen dem einzelnen Arbeiter und dem einzelnen Bourgeois
den Charakter von Kollisionen zweier Klassen an.
Die Arbeiter beginnen damit, Kollisionen gegen die Bourgeois zu bilden.
Sie treten zusammen zur Behauptung ihres Arbeitslohns.
Sie stiften selbst dauernde Assoziationen, um sich für die gelegentlichen Empörungen zu verproviantieren.
Stellenweise bricht der Kampf in Emolten aus.
Von Zeit zu Zeit siegen die Arbeiter, aber nur vorübergehend.
Das eigentliche Resultat ihrer Kämpfe ist nicht der unmittelbare Erfolg,
sondern die immer weiter um sich greifende Vereinigung der Arbeiter.
Sie wird befördert durch die wachsenden Kommunikationsmittel,
die von der großen Industrie erzeugt werden
und die Arbeiter der verschiedenen Lokalitäten miteinander in Verbindung setzen.
Es bedarf aber bloß der Verbindung, um die vielen Lokalkämpfe von überall gleichen Charakter
zu einem nationalen, zu einem Klassenkampf zu zentralisieren.
Jeder Klassenkampf ist aber ein politischer Kampf.
Und die Vereinigung, zu der die Bürger des Mittelalters mit ihren Vizinalwegen Jahrhunderte bedurften,
bringen die modernen Proletarier mit den Eisenbahnen in wenigen Jahren zustande.
Diese Organisation der Proletarier zur Klasse und damit zur politischen Partei
wird jeden Augenblick wieder gesprengt durch die Konkurrenz unter den Arbeitern selbst.
Aber sie entsteht immer wieder, stärker, fester, mächtiger.
Sie erzwingt die Anerkennung einzelner Interessen der Arbeiter in Gesetzesform,
indem sie die Spaltung in der Bourgeois-Untersicht benutzt, so die Zehn-Stunden-Bill in England.
Die Kollisionen der alten Gesellschaft überhaupt fördern mannigfach den Entwicklungsgang des Proletariats.
Die Bourgeois findet sich in fortwährenden Kampfen, anfangs gegen die Aristokratie,
später gegen die Teile der Bourgeois selbst, deren Interessen mit dem Fortschritt der Industrie in Widerspruch geraten,
stets gegen die Bourgeois aller auswärtigen Länder.
In allen diesen Kämpfen sieht sie sich genötigt, an das Proletariat zu appellieren,
seine Hilfe in Anspruch zu nehmen und es so in die politische Bewegung hineinzureißen.
Sie selbst führt also dem Proletariat ihre eigenen Bildungselemente, das heißt Waffen gegen sich selbst, zu.
Es werden ferner, wie wir sahen, durch den Fortschritt der Industrie,
ganze Bestandteile der herrschenden Klasse ins Proletariat hinabgeworfen
oder wenigstens in ihren Lebensbedingungen bedroht.
Auch sie führen dem Proletariat eine Masse Bildungselemente zu.
In Zeiten endlich, wo der Klassenkampf sich der Entscheidung näher hat,
nimmt der Auflösungsprozess innerhalb der herrschenden Klasse, innerhalb der ganzen alten Gesellschaft,
einen so heftigen, so grellen Charakter an, dass ein Teil der herrschenden Klasse sich von ihr lossagt
und sich der revolutionären Klasse anschließt, der Klasse, welche die Zukunft in ihren Händen trägt.
Wie daher früher ein Teil des Adels zur Bourgeois überging, so geht jetzt ein Teil der Bourgeois zum Proletariat über
und namentlich ein Teil der Bourgeois-Ideologen,
welche zum theoretischen Verständnis der ganzen geschichtlichen Bewegung sich hinaufgearbeitet haben.
Von allen Klassen, welche heutzutage der Bourgeois gegenüberstehen, ist nur das Proletariat eine wirklich revolutionäre Klasse.
Die übrigen Klassen verkommen und gehen unter mit der großen Industrie.
Das Proletariat ist ihr eigenstes Produkt.
Die Mittelstände, der kleine Industrielle, der kleine Kaufmann, der Handwerker, der Bauer,
Sie alle bekämpfen die Bourgeois, um ihre Existenz als Mittelstände vor dem Untergang zu sichern.
Sie sind also nicht revolutionär, sondern konservativ.
Noch mehr, sie sind reaktionär, sie suchen das Rad der Geschichte zurückzudrehen.
Sind sie revolutionär, so sind sie es im Hinblick auf den ihnen bevorstehenden Übergang ins Proletariat.
So verteidigen sie nicht ihre gegenwärtigen, sondern ihre zukünftigen Interessen.
So verlassen sie ihren eigenen Standpunkt, um sich auf den des Proletariats zu stellen.
Das Lumpenproletariat, diese passive Verfaulung der untersten Schichten der alten Gesellschaft,
wird durch eine proletarische Revolution stellenweise in die Bewegung hineingeschleudert.
Seiner ganzen Lebenslage nach wird es bereitwilliger sein, sich zu reaktionären Umtrieben erkaufen zu lassen.
Die Lebensbedingungen der alten Gesellschaft sind schon vernichtet in den Lebensbedingungen des Proletariats.
Der Proletarier ist eigentumslos, sein Verhältnis zu Weib und Kindern hat nichts mehr gemein mit dem bürgerlichen Familienverhältnis.
Die moderne industrielle Arbeit, die moderne Unterjochung unter das Kapital,
dieselbe in England wie in Frankreich, in Amerika wie in Deutschland, hat ihm allen nationalen Charakter abgestreift.
Die Gesetze, die Moral, die Religion sind für ihn ebenso viele bürgerliche Vorurteile,
hinter denen sich ebenso viele bürgerliche Interessen verstecken.
Alle früheren Klassen, die sich die Herrschaft eroberten, suchten ihre schon erworbene Lebensstellung zu sichern,
indem sie die ganze Gesellschaft den Bedingungen ihres Erwerbs unterwarfen.
Die Proletarier können sich die gesellschaftlichen Produktivkräfte nur erobern,
indem sie ihre eigene, bisherige Aneignungsweise und damit die ganze bisherige Aneignungsweise abschaffen.
Die Proletarier haben nichts von dem ihrigen zu sichern.
Sie haben alle bisherigen Privatsicherheiten und Privatversicherungen zu zerstören.
Alle bisherigen Bewegungen waren Bewegungen von Minoritäten oder im Interesse von Minoritäten.
Die proletarische Bewegung ist die selbstständige Bewegung der ungeheuren Mehrzahl im Interesse der ungeheuren Mehrzahl.
Das Proletariat, die unterste Schicht der jetzigen Gesellschaft, kann sich nicht erheben, nicht aufrichten,
ohne dass der ganze Überbau der Schichten, die die offizielle Gesellschaft bilden, in die Luft gesprengt wird.
Obgleich nicht im Inhalt ist der Formnach der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeois zunächst ein nationaler.
Das Proletariat eines jeden Landes muss natürlich zuerst mit seiner eigenen Bourgeois fertig werden.
Indem wir die allgemeinsten Phasen der Entwicklung des Proletariats zeichneten,
verfolgen wir den mehr oder minder versteckten Bürgerkrieg innerhalb der bestehenden Gesellschaft
bis zu dem Punkt, wo er in einer offenen Revolution ausbricht und durch den gewaltsamen Sturz der Bourgeois das Proletariat seiner Herrschaft begründet.
Alle bisherige Gesellschaft beruhte, wie wir gesehen haben, auf dem Gegensatz unterdrückender und unterdrückter Klassen.
Um aber eine Klasse unterdrücken zu können, müssen ihr Bedingungen gesichert sein,
innerhalb derer sie wenigstens ihre knächtische Existenz fristen kann.
Der Leibeigene hat sich zum Mitglied der Kommune in der Leibeigenschaft herangearbeitet,
wie der Kleinbürger zum Bourgeois unter dem Joch des feudalen Absolutismus.
Der moderne Arbeiter dagegen, statt sich mit dem Fortschritt der Industrie zu heben,
sinkt immer tiefer unter die Bedingungen seiner eigenen Klasse herab.
Der Arbeiter wird zum Paupe, und der Pauperismus entwickelt sich noch schneller als Bevölkerung und Reichtum.
Es tritt hiermit offen hervor, dass die Bourgeois unfähig ist, noch länger die herrschende Klasse der Gesellschaft zu bleiben
und die Lebensbedingungen ihrer Klasse der Gesellschaft als Regeln des Gesetzes aufzuzwingen.
Sie ist unfähig zu herrschen, weil sie unfähig ist, ihrem Sklaven die Existenz selbst innerhalb seiner Sklaverei zu sichern,
weil sie gezwungen ist, ihn in eine Lage herabsinken zu lassen, wo sie ihn ernähren muss, statt von ihm ernährt zu werden.
Die Gesellschaft kann nicht mehr unter ihr leben, das heißt, ihr Leben ist nicht mehr verträglich mit der Gesellschaft.
Die wesentliche Bedingung für die Existenz und für die Herrschaft der Bourgeois-Klasse
ist die Anhäufung des Reichtums in den Händen von Privaten, die Bildung und Vermehrung des Kapitals.
Die Bedingung des Kapitals ist die Lohnarbeit.
Die Lohnarbeit beruht ausschließlich auf der Konkurrenz der Arbeiter unter sich.
Der Fortschritt der Industrie, dessen willenloser und widerstandsloser Träger die Bourgeois ist,
setzt an die Stellung der Isolierung der Arbeiter durch die Konkurrenz ihre revolutionäre Vereinigung durch die Assoziation.
Mit der Entwicklung der großen Industrie wird also unter den Füßen der Bourgeois die Grundlage selbst hinweggezogen,
worauf sie produziert und die Produkte sich aneignet.
Sie produziert vor allem ihre eigenen Totengräber.
Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.