#7: Prüfungen sind mir egal [2]
Ich finde, im Leben ist sowieso fast alles
Psychologie und das faktische Wissen, das kommt an letzter Stelle.
Also da musst du erst mal eine Struktur aufbauen und und wenn du die aufgebaut
hast, dann lernst du alles andere super schnell.
Was passt dann für dich?
Wie wie wird es für dich funktionieren und warum machst du das überhaupt?
Wir kennen das ja auch von anderen Sachen.
Also wenn ich ein Instrument lerne, dann ist es auch wichtig, dass ich.
Eine bestimmte Motivation.
Wenn ich ganz viel Glück habe, dann habe ich einfach so viel Spaß daran, das zu
machen, dass ich überhaupt nicht auf ein bestimmtes Ziel fokussiert sein muss.
Das kann man Sprachenlernen natürlich auch passieren.
Aber ich glaube, die große Frage stellt
sich ja genau immer für die Leute, die nicht das Privileg haben zu sagen Oh ja,
ich hätte jetzt Lust, noch eine Sprache zu lernen und haha, wie schön!
Ich habe gerade eine Gebrauchsanleitung auf Holländisch gefunden oder ich möchte
ein bestimmtes Buch auf Dänisch lesen, sondern ich ziehe jetzt nach Deutschland.
Ich muss jetzt in Deutschland arbeiten und ich muss Deutsch lernen.
Und ich muss. Ich muss.
Ich muss.
Und sich darüber gar nicht die Frage stellen, was sie denn mögen.
War das bei dir denn nicht ursprünglich ähnlich?
Du bist ja nicht.
Du hast ja hast du Deutsch gelernt, weil du so viel Spaß an Deutsch hattest?
Um Gottes Willen, ich habe
gehört, ich habe Deutsch gelernt, weil meine Mutter mich.
Mit nur 94 hat sie mich für ein Jahr nach Deutschland mitgenommen.
Sie hat hier studiert, sie hat
zusätzliche Studium gemacht in Mannheim und hat mich mitgenommen.
Einfach weil sie mich nicht zu Hause lassen wollte.
Netterweise.
Hallo, ich bin Maria.
Ich komme aus Lettland.
Ich bleibe hier ein Jahr.
Das war mein Deutsch.
Also ich konnte nichts mehr.
Und dann hatte ich aber eine ganze Horde
Klassenkameraden, die sehr neugierig waren.
Ich war die einzige Ausländerin weit und breit und die wollten mich ausfragen.
Die wollten fragen, ob bei uns, ob es bei
uns Strom gibt und ob bei uns auf der Straße Bären rumlaufen.
Bei Lettland Lappland ist es das Gleiche wie Lappland.
Habe ich schon mal den Weihnachtsmann gesehen?
Rückblickend? Ich war ein wahnsinnig unsicheres Kind,
als ich nach Deutschland kam und durch diesen sprach.
Lernprozess, also durch
die Unterstützung, aber auch die, ja, wie soll ich sagen, durch die Dressur,
durch meine Mitschüler, die einfach wollten, dass ich möglichst schnell
ansprechbar werde, dass ich ihre Fragen beantworten kann.
Sie haben mir keine Fehler durchgehen lassen.
Und jetzt, wenn ich mich an diese
Situation erinnere, wäre ich erwachsen gewesen, hätte ich mich in Grund und Boden
geschämt und hätte nie wieder den Mund aufgemacht.
Weil es ja super peinlich ist, wenn in
einer Klasse mit keine Ahnung 35 Leuten oder mehr.
Da werde ich vor versammelter Mannschaft korrigiert.
Das ist ultra peinlich.
Aber im Alter von elf oder 121111 Jahren, glaube ich, ist das normal.
Habe ich das weggesteckt und ich bin
gestärkt nach diesem Jahr wieder zurückgegangen.
Und ich hatte ein Selbstwertgefühl, das sich gewaschen hat.
Also mir konnte keiner mehr kommen mit Du hast da einen Fehler gemacht oder so und
das war für mich ein ganz großer Entwicklungsschritt.
Das heißt, deine Deutsch, deine Deutsch Reise ist jetzt, was das angeht, für
erwachsene Lerner zumindest nicht unbedingt repräsentativ.
Du sprichst da, aber was sehr interessant ist, finde ich, dass.
Man hat als Erwachsener immer ein Gesicht zu verlieren.
Es ist ja nicht so, dass Kinder keinen Stolz haben oder so!
Im Grunde sollte man sich das eigentlich auch beibehalten können.
Ich glaube, es ist so eine gewisse Angst,
auch wenn man jetzt bei diesem Thema mit dem Chef wieder
so eine gewisse Angst davor, dass wenn ich nicht perfekt spreche, dann bedeutet das
das andere einen Freifahrtsschein, also eine eine indirekte Erlaubnis haben, äh,
mich weniger zu respektieren oder mich nicht so ernst zu nehmen oder so was, was
eigentlich auch wieder so eine Art Glaubenssatz ist, oder?
Absolut. Das ist eigentlich das Allerwichtigste.
Und ich muss dir da an der Stelle kurz
widersprechen, weil ich meine Reise eigentlich sehr beispielhaft finde.
Also auch wenn jemand als Erwachsener eine
Sprache lernt, dann ist diese kindliche Haltung und mit kindlich meine ich nicht.
Wie naiv, sondern kindlich.
Ich stelle so viele Fragen, wie ich schaffe.
Es ist egal, wie alt du bist, aber wenn du in der Lage bist, deinem Gesprächspartner
zu kommunizieren, dass du nicht perfekt sprichst, dass es auch okay ist, dass du
neugierig bist, dass du wissen möchtest, dann habe ich das jetzt richtig gesagt.
Wie könnte man es besser formulieren?
Kinder haben den Vorteil, dass sie viel weniger reflektieren.
Also ja, du sagst irgendwas falsch, aber
auch muttersprachliche Kinder benutzen zum Beispiel unregelmäßige Verben.
Ganz interessant, habe ich mitbekommen.
Und dann sind wir gewinkt oder gegangen oder.
Und dann gingen wir ins Schwimmbad.
Habe ich schon alles gehört.
Wir Erwachsene tendieren dann dazu,
viel zu verkopft zu sein, viel zu verkopft zu denken.
Okay, wenn ich jetzt den Fehler mache und dann die Leute denken, dass ich blöd bin,
oder die Leute denken, dass ich, ich ich sollte doch lieber in mein Heimatland
zurückgehen, wenn ich schon kein Deutsch kann.
Ein Kind kommt nie auf die Idee, so etwas zu denken.
Also keine 2 bis 3 generellen Tipps zum
Sprachenlernen in dem Sinne also nicht klebt dir Vokabeln an deinen Kühlschrank.
Also ich mein, wenn das für dich
funktioniert, dann mach das aber nicht so was.
Aber hast du 2 bis 3 Glaubenssätze?
Grundsätzliche, die hilfreich sind beim Sprachenlernen?
Ich glaube, der sinnvollste Glaubenssatz ist, dass ich immer an erster Stelle bin.
Also ich als Person, wie ich irgendwo unterwegs bin, im Fitnessstudio oder beim
Sprachenlernen oder beim Arbeiten oder so, ich stehe an erster Stelle, ich bin
wichtig und meine Bedürfnisse nehme ich selbst in erster Linie wahr.
Das heißt, wenn ich keine Lust auf Lernen habe, wenn ich mir vorgenommen habe, dass
ich mich heute hinsetze und eine Stunde Vokabeln lerne.
Aber irgendwie geht es einfach nicht.
Ich habe zu schlecht geschlafen oder ich kann mich nicht konzentrieren.
Dann Du bist die Person, die dafür
zuständig ist, pfleglich mit ihr umzugehen und zu sagen Okay, Schatzi, heute machen
wir das nicht, heute machen wir das anders.
Und vielleicht kannst du ein bisschen tricksen und sagen Na gut, ich habe zwar
keine Lust auf Vokabeln, aber ich höre ein paar Songs auf Deutsch.
Oder ich höre den Podcast von Blink oder ich, ich ich schaue eine Folge von meiner
Lieblingsserie an, also nicht dieses übers Biegen und Brechen und mit Disziplin.
Und so weiter.
Wir sind nicht unterwegs nach Olympia, wollte ich sagen.
Also nicht zu den Olympischen Spielen.
Und Profisportler müssen mit harter Disziplin arbeiten.
Da geht es nicht mit.
Heute habe ich keine Lust, da mache ich das nicht.
Aber beim Sprachenlernen ist viel effizienter, immer wieder zu bremsen und
zu sagen Tut mir das gut, was ich gerade mache, oder füttere ich gerade den
Glaubenssatz Ja, Mensch, das schaffst du ja eh nie.
Siehst du, du hast heute Vokabeln gelernt und es ist eh keine hängen geblieben.
Also wir entscheiden, welche Glaubenssätze wir füttern.
Sie entstehen nicht von selbst, sondern wir füttern sie im Laufe unseres Lebens.
Und wir entscheiden uns jedes Mal neu.
Meine Tochter hat sich irgendwann angewöhnt, wenn sie irgendwas fallen lässt
und etwas kaputt geht, zum Beispiel eine Tasse oder ein Glas, dann sagt sie Mensch,
ich bin so tollpatschig, wie konnte das nur passieren?
Und ich habe gemerkt Okay, da muss ich sofort eingreifen.
Und ich muss sagen Pass auf, wenn etwas kaputt geht, was sagen wir dann?
Es ist kaputt gegangen.
Wir sagen nicht Ich bin tollpatschig, ich bin so, wieso also das?
Das darf man bei Kindern sowieso nicht machen.
Aber Erwachsene machen das sehr leicht,
wenn sie sagen Okay, ich habe schon wieder so viele Fehler
gemacht, Mensch, ich habe einfach keine Sprachbegabung.
Also du kannst im Prinzip in deinem Alltag
entweder Beweise dafür suchen, dass du gut bist, dass du fleißig bist, dass du besser
Deutsch kannst als vor einem Jahr oder als vor drei Monaten.
Oder aber du verstärkt die Glaubenssätze, die in deinem Unterbewusstsein sitzen und
die dir wiederholt eintrichtern, du kannst kein Deutsch lernen.
Dein Opa hat schon gesagt, du wirst es nie lernen.
Und Deutsch ist eine sehr schwere Sprache.
Und so weiter und so fort.
Ja, ja, das gute alte Deutsch ist so schwer.
Da geht es dann nicht im Grunde eigentlich
immer darum, sich positiv zu manipulieren, negativ zu manipulieren.
Weil letztendlich wirst du ja, wenn du rein Evidenz, also Beweis basiert
arbeitest, dann ist es mal so, mal so abhängig von der Tagesform.
Und ja, manche Leute sind talentierter
oder manchen Leuten fair, fallen Sachen leichter und so was.
Das heißt, wenn ich mich mit Glaubenssätzen positiv pushen will.
Muss ich eine Weile mich sozusagen ein bisschen, ähm, manipulieren.
Also, ich muss eine Weile eigentlich mir
immer wieder sagen Ja, das ich bin so gut in Deutsch oder was auch immer es ist.
Es reicht eigentlich schon, wenn du vor einer Lern Session, wie auch immer sie bei
dir aussieht, wenn du dich gezielt in positive Stimmung bringst.
Das heißt wir sprechen nicht von
Autosuggestion, wo du sagst Ich bin gut in Deutsch, ich bin gut in Deutsch und dein
Unterbewusstsein sagt Ja, willst du nicht jedes Mal.
Deswegen funktionieren Affirmationen nur bedingt, weil unser Unterbewusstsein
sehr stark dagegen arbeitet, wenn wir eigentlich eine andere Überzeugung haben.
Also es hilft auch nicht, in den Spiegel zu schauen, zu sehen, okay, ich müsste mal
wieder abnehmen und dann du sagst ich bin Schlag, ich bin Schlage,
ich bin schlank und dein Unterbewusstsein lacht sich kaputt und sagt Lass mal!
Genau das heißt Was, was ich meinen
Kursteilnehmern immer empfehle, ist, dass sie vor einer Session irgendein Ritual
überlegen, wo sie sich in richtig angenehme Stimmung bringen.
Irgendwas, was dir gut tut.
Das kann Musik sein, das kann ein leckerer Tee sein.
Das kann einfach ein Setting sein, wo du wenn du Deutsch
lernst, dann sitzt du immer in deinem Lieblings Sessel und ich weiß es nicht.
Und Knuddel ist dein Dinosaurier oder was da um dich herumschwirrt.
Und so weiter. Und was bei den meisten der Fall ist,
wenn sie schlechte Erfahrungen mit Sprachenlernen gemacht haben, was die
meisten haben, wenn sie nur ihren Schreibtisch sehen und
da sind, weiß ich nicht, Wörterbücher und andere Lehrbücher drauf, dann bekommen sie
Bauchschmerzen und dann denken sie okay, ich bin einfach nicht diszipliniert genug.
Jetzt muss ich mich irgendwie dazu
überwinden und dann wird es immer schlimmer.
Und genau, sobald du merkst, jetzt muss ich mich überwinden, um etwas
zu machen, dann machst du irgendwas falsch.
Und das ist Feintuning.
Das ist ziemlich komplizierte Arbeit.
Manchmal, weil wir so sehr dran gewohnt
sind, mit uns zu kämpfen und zu sagen Ja, ich habe keine Lust, aber ich muss, weil
ich möchte, dass das und das erreichen usw.
Das heißt, was mache ich denn dann jetzt,
wenn ich morgen eine Prüfung habe und ich fühle mich oder vielleicht nicht morgen?
Morgen ist ein Tag ist schwierig, aber sagen wir mal, ich habe in der irgendwann
innerhalb der nächsten Woche habe ich die große böse Prüfung.
Ich habe gelernt, es fällt mir nicht super leicht.
Ich habe mich.
Ich bin gewohnt, mich zu zwingen, weil es eigentlich nie so richtig Spaß macht.
Was mache ich denn dann jetzt, um
möglichst positiv und vorbereitet in die Prüfung zu gehen?
Okay, 0.1 Du konzentrierst dich nicht auf die Prüfung, sondern auf das Ergebnis.
Also was wirst du bekommen, wenn du die Prüfung bestanden hast?
Und damit meine ich nicht das Zertifikat, das du an die Wand hängen kannst, sondern
zum Beispiel Du hast das Ziel, dass du mit diesem Zertifikat studieren, arbeiten,
irgendwas Tolles machen kannst und du visualisiert so detailliert wie du kannst.
Diese Situation wie du, weiß ich nicht.
Du stehst auf einer Bühne und du
präsentierst deine Doktorarbeit, die du in dieser Sprache geschrieben hast.