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Dinge Erklärt – Kurzgesagt, Was passiert, wenn wir eine Atombombe auf den Mond schießen?

Was passiert, wenn wir eine Atombombe auf den Mond schießen?

Was, wenn wir eine gewaltige Atombombe

auf den Mond schießen würden?

Würde die Explosion seine Umlaufbahn näher zur Erde schubsen?

Und dadurch riesige Gezeitenwellen und jede Menge Unheil verursachen?

Könnte der Mond zu einem tödlichen Meteoritenhagel zerfallen?

(Surren)

(Verspielte Musik)

Im Kalten Krieg war der Mond das Ziel der Weltraumforschung,

um dort - genau - Militärbasen zu bauen.

Die US Air Force ließ eine Studie über mögliche Auswirkungen

einer Atomexplosion auf dem Mond durchführen.

Weil es aber langweilig ist, irgendwelche Zahlen zu zitieren,

spielen wir dieses superwichtige Experiment selbst durch.

Und zwar mit einem 100 Megatonnen Thermonuklearsprengkopf.

Das ist etwa das Doppelte der stärksten je gezündeten Bombe.

Dazu verteilen wir noch ein paar neugierige Astronauten

als Zuschauer rund um den Mond.

Also zünden wir die Bombe und wechseln in die Zeitlupe.

Außerhalb der Bombe passiert ein paar Millisekunden gar nichts.

Im Inneren verursachen hochexplosive Sprengstoffe

eine Druckwelle,

die den radioaktiven Metallkern so stark zusammenpresst,

dass er die kritische Masse überschreitet.

Die Kernspaltung nimmt ihren Lauf.

In dieser ersten Phase entsteht 100 Millionen Grad Celsius heißes Plasma,

das die zweite Phase anstößt.

Atomkerne verschmelzen wie im Kern eines Sterns.

Für einen kurzen Augenblick ist das Innere unserer Bombe

einer der heißesten Orte im Universum.

Und erst jetzt, knapp zehn Millisekunden später,

merkt dieses Universum, dass überhaupt etwas geschehen ist.

Die Bombe löst sich auf und die thermonukleare Zerstörung

nimmt die Form eines brennenden Sterns an.

So weit, so gut.

Was folgt, ist aber ganz anders als auf der Erde.

Und zwar wegen eines großen Unterschieds:

Es gibt keine Atmosphäre.

Der Feuerball gibt einen Blitz aus Röntgenstrahlen

und thermischen Photonen ab.

Eine Hitzewelle, die sich still ausbreitet.

Auf der Erde würde sie alles

in einem Umkreis von mindestens 50 Kilometern verbrenne.

Auf dem Mond - ohne Atmosphäre und ohne sauerstoffreiche Luft -

brennt gar nichts.

Es gibt aber auch nichts zum Verbrennen.

Die knirschende Oberfläche des Mondes

besteht aus Silikatgestein und Metall.

Über Äonen von Meteoriteneinschlägen zu Staub zermahlen,

vermischt mit Spuren von Wasser.

Von der Explosion erhitzt,

verdunstet durch die Röntgenstrahlen eine dünne Schicht des Felsens

auf der Mondoberfläche.

Der Staub innerhalb des Feuerballs zerschmilzt zu Glas.

Astronauten, die das Spektakel

in einem Radius von etwa 50 Kilometern beobachten,

werden gegrillt.

Jetzt zeigt sich einer der größten Unterschiede

zwischen Explosionen im All und auf der Erde.

Auf der Erde drückt die Atmosphäre gegen die Plasmakugel.

Der atmosphärische Druck stoppt ihre Ausbreitung

in kürzester Zeit.

Das sind aber keine guten Neuigkeiten.

Wenn der Feuerball und die Atmosphäre zusammenprallen,

entsteht der zerstörerischste Teil einer Atomexplosion auf der Erde:

die Druckwelle.

Schneller als der Schall wird die zusammengepresste Luft

rund um die Explosion nach außen gejagt.

Sie zertrümmert Gebäude und dröhnt so laut,

dass es Organe zerreißt.

Auf dem Mond gibt es keine Druckwelle.

Ohne Atmosphäre hindert nichts die Explosion

an ihrer Ausdehnung.

Auf dem Mond wächst der Feuerball einfach weiter

in unheimlicher Stille.

Keine Atmosphäre hält ihn auf oder gibt ihm eine Stimme.

Aus sicherer Entfernung wäre das ein fantastisches Schauspiel.

Nur leider gibt es bei einer Atomexplosion auf dem Mond

keine sichere Entfernung.

Ohne Atmosphäre schwächt nichts

die tödliche ionisierende Strahlung ab,

die DNA durcheinanderbringen kann.

Alle in Sichtweite des Schauspiels

wären einer tödlichen Strahlendosis ausgesetzt.

Und das ist noch nicht alles.

Die Explosion hämmert auch gegen den Mond selbst.

Etwa ein Zehntel der Energie verwandelt sich in seismische Wellen,

die ein starkes Mondbeben verursachen.

Weil er viel kleiner ist als die Erde,

würden unsere Astronauten auf dem ganzen Mond

eine unentrinnbare, heftige Erschütterung spüren.

Vergleichbar mit einem Erdbeben der Stärke 7 auf der Richterskala,

würde es jegliche Mondinfrastruktur, die wir vielleicht hätten,

ernsthaft beschädigen - oder sogar dem Mondboden gleichmachen.

Auf der anderen Seite des Mondes

wüsste man vielleicht nicht, dass es eine Explosion gab.

Das Beben würde sich anfühlen,

als hätte ein Asteroid von der Größe der Cheopspyramide eingeschlagen.

Und es ist immer noch nicht vorbei.

Wo die Bombe explodiert, spritzt der Boden auf wie Wasser,

wenn ein Stein hineinfällt.

Trifft die Explosion auf die Mondoberfläche,

kann sie bis zu 100 Millionen Kubikmeter Staub und Fels ausgraben

und einen Krater von einem Kilometer Durchmesser schaffen,

während der Grund zu Schutt pulverisiert wird.

Trümmer schießen in alle Richtungen zum Himmel auf.

Ohne Atmosphäre gibt es wie gesagt keinen bremsenden Luftwiderstand.

Der meiste versprengte Schutt fällt nie wieder zum Mond zurück

und fliegt so schnell davon, dass er der Gravitation entwischt.

Jetzt düst ein Schauer aus Mikrometeoriten durchs Sonnensystem.

Viele davon werden auf die Erde prasseln,

auch wenn sie kaum größer als ein Kieselstein sind.

Aber für Satelliten, Astronauten oder Raumstationen, die im Weg sind,

ist der Spaß vorbei.

Andere Mikrometeoriten fliegen

in ganz unterschiedlichen Winkeln und Geschwindigkeiten davon

und verteilen sich über die gesamte Mondoberfläche.

Wie Geschosse löchern sie unsere neugierigen Astronauten,

ganz egal, wo.

Schließlich endet die Explosion.

Auf der Erde würde jetzt ein Feuerball

wie ein Heißluftballon aufsteigen und eine Art Säule bilden.

Beim Aufsteigen zieht er kalte Luft an,

wodurch sich der obere Teil zum Atompilz verformt.

Aber wir wissen ja langsam,

auf dem Mond gibt es keine Atmosphäre,

also auch keinen Atompilz.

Je weiter sich der Plasmaball ausbreitet,

umso stärker kühlt er ab

und umso weniger Energie hat er, um Angst und Schrecken zu verbreiten.

Schon wenige Sekunden nach der Explosion

verfärbt sich die Kugel rot und wird langsam unsichtbar.

Von der Erde aus gesehen wäre die Explosion wie ein Stern,

und gleich wieder verblasst.

Ein Funkel, dann nichts mehr.

Die Wolke aus winzig kleinem Schutt

steigt hoch über die Mondoberfläche auf

und wird für einige Minuten von der Sonne beleuchtet.

Ein schaurig-schönes Spektakel.

Zumindest falls es noch jemanden gibt, um es zu beobachten.

Und die Mondumlaufbahn?

Die bleibt quasi unverändert.

Den Mond mit einer Atombombe verschieben zu wollen,

ist etwa so, als wollte man einen Laster durch Anpusten bewegen.

Atomexplosionen sind groß, aber das All ist größer.

Unsere Explosion hinterlässt nur einen weiteren

unter Millionen Kratern.

Auf dem Mond bleibt es aber ungemütlich.

Die Trümmer, die doch zurückfallen, sind radioaktiv.

Und weil keine natürlichen Vorgänge sie wegwaschen

oder unter sich begraben,

bleibt die Mondoberfläche kontaminiert.

Innerhalb eines Jahres zerfällt die Strahlung aber zum Glück

auf ein Niveau,

das mit der natürlichen kosmischen Strahlung vergleichbar ist.

Dem Mond wäre es also ziemlich egal,

wenn er von einer Atombombe getroffen würde.

Richtig dumm gelaufen nur für alle, die jemals zum Mond wollen.

Oder dort sogar praktische Infrastruktur aufbauen.

Vielleicht lassen wir das mit der Atombombe auf dem Mond

also lieber einfach.

(Vogelgezwitscher)

(Sanfte Musik)

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