Fremdsprachen akzentfrei sprechen!? Geht das überhaupt?
Irgendwie kann man noch so gut eine Fremdsprache beherrschen, dieser Akzent bleibt scheinbar
immer. Das kann ganz schön nerven. Ist das ansteckend? Kriegt man das weg? Oder bleibt
das?
Ja, ansteckend ist das. Aber es muss nicht
so bleiben. Voraussetzung, dafür, dass man irgendwann nicht mehr von einem Muttersprachler
zu unterscheiden ist, ist aber, dass man nie aufhört, die Sprache zu sprechen und zu üben.
Denn das Gefühl, eine Sprache wie eine Muttersprache zu beherrschen, stellt sich erst nach etwa
15 Jahren ein. Darum gibt es auch für Schüler in der Pubertät immer wieder Wörter der
eigenen Sprache, die sie erst noch nachschlagen müssen.
Ein ganz gängiges Problem, auf das deutsche Schüler stoßen, die Englisch lernen, ist
das th. Dieser Laut fällt vielen Menschen schwer - nicht nur denen, die Deutsch als
Muttersprache haben. Einige haben jedoch gar kein Problem damit, dieses th korrekt auszusprechen.
Woran liegt das? Nun, ja. Das kann zwei Gründe haben. Zum einen kommt dies auf die Beschaffenheit
und die Form der Sprachwerkzeuge an, die für einen Laut verantwortlich sind. Dazu gehören
unter anderem die Zähne, die Zunge, der Rachen und der Kehlkopf. In den ersten drei Jahren
unseres Lebens lernen wir das Sprechen. Und zwar auf der Basis, wie unsere Umgebung mit
uns spricht. Die Laute, die wir hören, versuchen wir nachzumachen und werden im Laufe unserer
Kindheit immer besser. Würden wir von Anfang an ein korrekt ausgesprochenes th hören,
hätten wir selbst damit kein Ausspracheproblem. Ist unsere Umgebungssprache aber nicht Englisch,
treffen wir auf diesen Laut nicht. Unsere Muskeln entwickeln sich also so, dass wir
unsere Muttersprache sprechen können. Da im Deutschen das th nicht vorkommt, müssen
wir diese Aussprache später lernen und damit Muskeln aktivieren, die wir in dieser Form
noch nie gebraucht haben. Das dauert. Hören wir eine Fremdsprache nun permanent oder zumindest
doch zum größten Teil von einem Muttersprachler, kommen wir schnell an unser gewünschtes Ziel,
die Sprache akzentfrei zu beherrschen. Leider lernt man Fremdsprachen aber meist von Personen,
die selbst keine Muttersprachler sind und so hören wir die Laute auch mit einem Akzent.
Damit können wir sie nicht richtig aussprechen, da wir nicht wissen, wie sie sich wirklich
anhören. Es ist also hilfreich, einem Kind bereits früh die Aussprache vieler Laute
beizubringen. Damit ist nicht gemeint, mit ihm Sprachübungen zu machen - die passieren
von ganz allein - sondern viel mehr keine Kindersprache zu sprechen. Gutschigaga und
Bububu beinhalten zwar deutsche Laute, das Sprachvermögen verbessern sie allerdings
nicht. Weder das des Kindes, noch unser eigenes. Es gibt jedoch einen zweiten Grund, warum
einige Menschen kaum Probleme haben, wenn es um eine korrekte Aussprache geht. Unterschiedliche
Sprachen werden nämlich auch in ganz unterschiedlichen Bereichen des Mundes gesprochen. Während
Deutsch meist aus der Mitte des Mundes kommt, spricht man Französisch sehr weit vorne und
Englisch ganz weit hinten. Wer nun aber Englisch nicht in einem englischsprachigen Land lernt,
sondern von einem Nicht-Muttersprachler, der wird diesen Unterschied unter Umständen gar
nicht bemerken. Ein Muttersprachler hingegen wird dies sofort erkennen, auch wenn sämtliche
Laute korrekt ausgesprochen werden. Denn die unterschiedlichen Bereiche des Mundes und
des Rachens sorgen auch für einen unterschiedlichen Klang. Wer also mit einem Laut zu kämpfen
hat, sollte überprüfen, ob er die Sprache denn in der richtigen Abteilung spricht. Das
könnte nämlich bereits die Lösung sein. Wenn nicht, gibt es bei manchen Lauten, wie
zum Beispiel auch dem th, eine Umgehungsstraße. Viele deutschsprachige Lerner sagen statt
dem th einfach ein s. Klar, der Laut hört sich ja auch ähnlich an. Viel sinnvoller
ist es aber, sich mit der Aussprache von Muttersprachlern zu befassen. Hört man nämlich den richtigen
Laut und übt dessen Aussprache, trainiert man auch die Muskeln, die man für die korrekte
Aussprache benötigt. Das kann aber dauern und ist deshalb ein bisschen frustrierend.
Wie so oft gilt hier: Je jünger man ist, desto leichter fällt das Erlernen und je
mehr und regelmäßiger man übt, desto besser kommt man ans Ziel. Übrigens gibt es auch
Menschen, die Englisch als Muttersprache gelernt haben und trotzdem das th nicht korrekt sagen
können. Diese sagen dann einfach f. Die Entwicklung der Muskeln, die für die
Sprache vorhanden sind, sorgt also dafür, dass Menschen aus Norddeutschland oftmals
ein tiefes ch nicht einfach so sagen können und damit nicht nur mit süddeutschen Dialekten
ein Problem bekommen, sondern auch Niederländisch nicht so leicht akzentfrei sprechen können.
Während wiederum in Bayern das r so schön gerollt wird, wie es in vielen östlichen
Ländern der Fall ist, was aber für Menschen aus fast allen anderen Bundesländern ein
Buch mit sieben Siegeln bleibt, wenn sie es nicht trainieren.
Trotzdem gilt, dass man sich einer akzentfreien Aussprache zumindest annähern kann. Es kommt
also immer darauf an, wo man herkommt UND welche Sprache man lernen will. Aber so ein
Akzent kann sehr praktisch sein. Versteht man seinen Gegenüber nämlich nicht, wundert
der sich nicht darüber, wenn man einen Akzent hat. Spricht man jedoch eine Fremdsprache,
als sei es die Muttersprache und muss trotzdem nachfragen, wird man gerne mal fragend angesehen.
Wer also Sprachen lernt, die ähnliche Laute benutzen, wie die eigene Muttersprache, der
wird viel schneller akzentfrei sprechen können, als jemand, der eine Sprache lernt, die völlig
anders ist.