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2020-2 Video lessons from YouTube, Hannover wird geschlechtsneutral

Hannover wird geschlechtsneutral

Hannover wird geschlechtslos – pardon, geschlechtsneutral.

Während die Stadtverwaltung der niedersächsischen Landeshauptstadt seit Monaten in der sogenannten

Rathaus-Affäre steckt, einem Filz aus Postengeschacher und dubiosen Gehaltszahlungen, macht sich

SPD-Oberbürgermeister Stefan Schostock derzeit vor allem Sorgen um die gendergerechte Sprache

im Rathaus und auf den Ämtern.

Die Stadt hat jetzt einen Flyer zur verbindlich geschlechtergerechten Verwaltungssprache herausgegeben.

Überall dort, wo es möglich ist, sollen geschlechtsumfassende Formulierungen verwendet

werden.

So wird aus dem Antragsteller jetzt die antragstellende Person, aus der Teilnehmerliste die Teilnahmeliste.

Es wird der Lehrer gegen den Lehrenden ausgetauscht und der Wähler gegen den Wählenden.

Wo nicht möglich, etwa bei Ingenieur oder Ingenieurin, soll künftig das Gendersternchen

aushelfen, also der/die Ingenieur*in.

Im Sprachgebrauch soll beim geschriebenen Sternchen dann immer eine Atempause eingelegt

werden, so die offizielle Gebrauchsanleitung.

Das ist vielleicht sogar die beste Empfehlung der gesamten Broschüre: einfach mal tief

durchatmen.

Dabei ist die Sorge des Oberbürgermeister um Gender-Minderheiten – immerhin waren in Hannover

von insgesamt 8600 Neugeborenen im letzten Jahr ganze 3 unbestimmten Geschlechts

- eher ohne ausreichende Grundlage.

Die Frage stellt sich allerdings, ob Schostock beim Versuch, die Sprache zu neutralisieren,

nicht vielleicht auch gleich die Stimmung der Hannoveraner*innen mit neutralisieren

will.

Gegen Schostock, seinen Büroleiter und den Kulturdezernenten der Stadt laufen nach Hausdurchsuchungen

der Staatsanwaltschaft im letzten Sommer Verfahren wegen des Verdachts der Untreue.

Auch verstehen viele Hannoveraner*innen nicht, dass die Stadtverwaltung offensichtlich genug

Zeit hat, unter Einbeziehung des Personalrats, des Referats für Frauen und Gleichstellung,

der Beauftragten für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sowie des Bereichs Kommunikation,

die deutsche Rechtsschreibung zu revolutionieren, aber bis heute keinen Beauftragten für Digitalisierung

hat.

Allerdings hat Schostock eine wichtige Frage vollkommen vergessen: wie bezeichnet man einen

Oberbürgermeister geschlechtsneutral?

Oberbürger*innenmeister*innen?

oder Oberbürgermeister*ix?

Oder einfach nur Populist?

Mir fallen noch ganz andere Worte ein.

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