×

Мы используем cookie-файлы, чтобы сделать работу LingQ лучше. Находясь на нашем сайте, вы соглашаетесь на наши правила обработки файлов «cookie».


image

Funkkreis. Podcast der Bundeswehr, Podcast #45: Das Drillteam der Bundeswehr | Bundeswehr

Podcast #45: Das Drillteam der Bundeswehr | Bundeswehr

Delta to all, Radiocheck, over.

Hier ist Bravo, kommen.

This is Tango, over.

Funkkreis, Podcast der Bundeswehr.

A: Willkommen beim Funkkreis dem Podcast der Bundeswehr.

Mein Name ist Hauptmann Matthias Lehna und heute befinde ich mich in der Julius-Leber-Kaserne

in Berlin, zu Gast bei Hauptfeldwebel Matthias Münch.

Genauer gesagt beim Truppenführer des Drillteams der Bundeswehr im Wachbataillon.

Die Soldaten und Matthias sind bei großen Staatsempfängen in der Regel die ersten Menschen,

die Staatsgäste in Deutschland nach ihrer Landung in Berlin sehen.

Hallo Matthias.

B: Hallo Matthias.

A: Ja, starke Sache: Wir haben beide den gleichen Namen, aber andere Frage: Ist das eigentlich

der Grund, weil die Staatsgäste als Erstes euch sehen, dass ihr alle so rasiert und ordentlich

ausschaut hier?

B: Na ja, rasiert und ordentlich ausschaut ist auf jeden Fall eine Auflage, die wir hier

bei uns im Wachtbataillon haben.

Es gibt ja hier ein Haar- und Barterlass, der grundsätzlich aussagt, dass Seitenhaare

kürzer zu tragen ist als das Deckhaar und genau so man jeden Tag frisch rasiert sein muss.

A: Gut, das gilt ja eigentlich auch in der gesamten Bundeswehr, dass es ein Haar- und

Barttrachterlass, der auch meistens sehr umstritten ist, irgendwo es durchzusetzen gilt.

Ihr seid da schon sehr strikt.

Ich glaube, der Haar- und Barttrachterlass sagt nicht vor, dass man glatt rasiert sein

muss: Ihr seid alle glatt rasiert.

Auch sonst fällt auf, bei euch wird Formaldienst sehr hoch gesehen.

Ich mache mal kurz den Einspieler, um einen Eindruck zu bekommen, was das eigentlich hier bedeutet:

Ehrenzug, stillgestanden!

Das Gewehr über!

Achtung!

Präsentiert das Gewehr!

Ja, man hört zackiger Umgangston.

Direkte Befehle.

Wie würdest du hier den Alltag beschreiben?

B: Tja, wie soll ich hier den Alltag beschreiben.

Ich würde sagen, auf jeden Fall klar strukturiert.

Das fängt ja früh‘s mit der Vollzähligkeit und Stuben- und Revierreinigen an.

Dann können wir erstmal die ersten zwei Stunden am Morgen Sport machen, um natürlich körperlich

leistungsfähig und fit zu sein, um dann natürlich auch den

protokollarischen Ehrendienst ausführen zu können.

A: Genau.

Du hast ja schon gesagt.

Protokolldienst, das ist bei euch eine Aufgabe.

Was heißt das überhaupt?

B: Ja, was heißt das überhaupt?

Das grundsätzlich wir ja für die Repräsentation Deutschlands verantwortlich sind beziehungsweise

wir die ersten sind, die am roten Teppich stehen.

Die jeder Gast als Erstes sieht, sobald er in Deutschland landet oder genauso halt, wenn

die Kanzlerin oder der Bundespräsident die Staatsgäste bei sich empfangen, sind wir

diejenigen, die halt am roten Teppich stehen, die Ehrenformation stellen und den Gast mit

militärischen Ehren begrüßen.

A: Ihr seid quasi die Visitenkarte, die man den Gast hinhält.

B: Sozusagen, ja.

Das Aushängeschild Deutschlands.

A: Ok, und deshalb wollt ihr alle ordentlich und adrett ausschauen.

Ich habe gehört, es gab mal so ein Spruch, es müssen drei „B's“ erfüllt sein,

um reinzukommen bei euch.

Was heißt das überhaupt?

B: Drei B's ja: Brille, Bart, Bauch.

Dürfte alles nicht oder sollte alles nicht vorhanden sein beziehungsweise ist ja klar

festgelegt, dass jeder Soldat rasiert zu sein hat.

Brille ist mittlerweile auch schon fast geduldet, aufgrund dessen, dass man so wenig Personal

mittlerweile zur Verfügung hat, dass man da sagt: Gut, das Kriterium stecken wir vielleicht

mittlerweile weg.

Obwohl ja eigentlich mehr gewollt ist, dass Kontaktlinsen getragen werden, als eine Brille am Teppich.

So ist es auch.

Das heißt, die Kameraden die jetzt Brillenträger sind, haben dann tatsächlich auch zu dem

Einsatz keine Brille auf.

Also es kommt nicht vor, dass ein Protokollsoldat irgendwo mit Brille am roten Teppich steht,

obwohl er eigentlich Brillenträger ist.

Ja, nächster Punkt: Ich glaube jedes Land möchte gut da stehen und möchte natürlich

auch kernig, straffe, trainierte Soldaten da stehen haben und von daher spielt der Bauch

keine Rolle, beziehungsweise steht gar nicht in Frage, ob der da sein darf oder nicht.

A: Und gibt es auch Frauen bei euch?

B: Mittlerweile ja.

Früher war es grundsätzlich ein no go beziehungsweise gab es keine Frauen im Wachbataillon.

Hat sich mittlerweile auch geändert und ja, jetzt stehen Frauen in der ersten Reihe.

A: Ok.

Also ihr seid auch bunt quasi so wie die Truppe auch mit Frauen ganz normal repräsentiert sind.

Jetzt nochmal zu mir: Ich bin 1, 85 Meter groß, relativ schlecht rasiert: Hätte ich

überhaupt die Voraussetzung, bei euch mit zu machen?

B: Mit 1,85 Meter auf jeden Fall kein Problem, da ja die Garde vorgibt, dass ein Gardemaß

von 1,76 Meter – 2,03 Meter, denke ich, vorgibt.

Von daher machen die 1, 85 Meter gar keine Probleme, würde super reinpassen.

A: Nur mit dem Bart wird schwer: Ich glaube ich müsste mich dazu jeden Morgen nass rasieren,

zumindest so wie ihr hier alle ausschaut.

Was muss ich denn noch mitbringen?

B: Grundsätzlich heißt es ja bei uns, immer Finger lang Ehrgeiz zu zeigen.

Das heißt, auf jeden Fall draußen bei der Ausbildung wird's natürlich schwierig und

anstrengend. Paar Stunden einfach auf der Stelle da zu stehen, straff, Brust raus, Bauch

rein, um ein vernünftiges Bild halt zu verkörpern.

A: Um das hin zu bekommen oder um das Bild zu erzeugen macht ihr eine lange Ausbildung hier.

Wie sieht das genau aus?

B: Ja, genau.

Die Protokollausbildung ist mittlerweile auf 42 Tage begrenzt.

Ja, ist ganz einfach: Also am Anfang, so die ersten ein/zwei Wochen wird erstmal ohne Karabiner

stumpf Formaldienst gemacht.

Das heißt also, wir marschieren von A nach B, machen Wendungen und da ist eigentlich

grundsätzlich erstmal Hauptaugenmerk der Marsch, bevor wir dann anfangen, den Karabiner

zu nehmen und den dann wirklich Tag für Tag tempoweise zu greifen.

A: Ja, du hast eben Karabiner mehrfach gesagt: Ich dachte unser Standardgewehr wäre das G36.

B: Ja, das G36 haben wir auch, aber zur Repräsentation Deutschlands beziehungsweise Bundeswehr haben

wir bei uns im Wachbataillon den K98 k, also Karabiner 98 kurz. 98, weil er 1898 entwickelt wurde.

Er hat eine Gesamtlänge von 1,09 Meter.

Die lange Version ist 1,11 Meter, also das heißt es sind zwei Zentimeter Lauflänge Unterschied.

Wiegt ca. 3,74 Kilo.

Kommt immer darauf an, aus welchem Holz der Schafft gearbeitet ist.

Wir haben ja Nussbaumholz oder Schichtholz, je nachdem, und darum kann das Gewicht des

Karabiners natürlich variieren.

A: Das heißt ihr arbeitet mit einem Gewehr, was schon in anderen deutschen Armeen genutzt

wurde und viel Holz vor allem hat.

Also entsprechend anders ausschaut und recht lang ist.

Das heißt für euch, wie arbeitet ihr damit?

B: Ja, wie arbeiten wir damit?

Dadurch das ja der Karabiner einen schönen Mittelpunkt hat, um die Gewichtsverteilung

damit dann gut zentrieren zu können, macht es sich natürlich dann ganz einfach, sag

ich mal vorne am Schafft den Karabiner nach rechts zu drehen, genauso wie hinten am Kolben

nach links zu drehen.

Ja, es ist schwierig.

Ich sage mal, wenn wir jetzt im normalen Protokollarischen den Karabiner eingesetzt haben und genauso

beim Ehrenposten sage ich mal eine Stunde mit den vier Kilo dastehen, dann wird es natürlich

schon schwer.

Sowas kann man dann natürlich trainieren.

Wie trainiert man das?

In dem man natürlich eine Stunde die Leute dastehen lässt.

Alles nicht so einfach, aber wie gesagt: So wie mit allem, eine Trainingssache.

A: Ok.

Was man ja schon hören kann, ist, dass das Gewehr auch von anderen deutschen Armeen schon

genutzt wurde, es gibt also einen historischen Bezug dazu.

Da wirst du hoffentlich noch was sagen.

Auf jeden Fall ist das Gewehr ein Gewehr, was mit viel Holz versehen ist und deswegen auffällt.

Aber warum nutzt ihr eigentlich ein Gewehr, was wir ja gar nicht mehr in der Nutzung haben?

B: Ja, ganz einfach: Weil das Wachbataillon führt seine Tradition über das neunte preußische

Infanterieregiment und genauso wie das erste Garderegiment zu Fuß der preußischen Armee von 1675.

Das ist auch bei uns im Traditionserlass festgelegt.

Wir sind auch damit eigentlich der einzige Verband, der sich auf die Tradition Preußens

im Prinzip da festgelegt hat und sich daran orientieren kann.

A: Ok.

Wir haben es auf jeden Fall hier mit einem traditionsreichen Verband hier zu tun und

damit einhergehend auch der protokollarische Dienst, der auch viel historische Bezüge hat.

Das heißt, der Ablauf im Protokolldienst ist ja historisch gewachsen.

Kannst du beschreiben, was ihr genau macht?

B: Also im Prinzip, wir marschieren ja auf, kommen natürlich am roten Teppich an: Links

rum, Gewehr ab, ausrichten, bis der Gast dann irgendwann mal kommt und dann geht's da

natürlich ganz einfach: Das Gewehr über, Achtung, präsentiert das Gewehr.

Damit zeigen wir dem Gast, dass wir ein leeres Magazin beziehungsweise ein leeren Magazinschacht

haben und er uns dementsprechend willkommen ist.

A: O.k.

Also ihr versucht quasi eine Willkommensgeste zu zeigen.

Trotz eures marzialischen Auftretens.

Was auf jeden Fall auffällt ist, dass ihr sehr akkurat und sehr präzise arbeitet, was

es auf jeden Fall ansehnlich macht, wenn man auf diese Art der Präsentation steht.

Es ist auf jeden Fall für mich als Gebirgsjäger, der beim Formaldienst nicht so genau war in

der Vergangenheit, impossant zu sehen, wie exakt ihr arbeitet.

Die Steigerungsform vom Protokolldienst ist das, was ihr im Drillteam macht: Lasst uns

doch mal kurz reinhören, was genau dahinter steckt:

Also für den Zuhörer, der es nicht sehen kann: Es ist eigentlich eine little Showeinlage.

Ihr habt mit moderner Musik eure Elemente aus dem Protokolldienst übernommen und werft

euer Gewehr in die Luft und macht verschiedene Wendungen.

Was hat es eigentlich damit auf sich?

B: Ja, was hat es eigentlich damit auf sich?

Das eigentlich das Drillteam zu Anlässen wie Militär- und Musikfesten oder Feierlichkeiten

oder selbst bei Gelöbnissen als Showeffekt mit auftritt und damit auch die Bundeswehr

repräsentieren kann.

Genauso gibt es ja dann auch Drillteamfeste, wo dann mit anderen Nationen, wie zum Beispiel

Schweden, Tschechen, Österreicher oder anderen Garden halt in Europa, gemeinsam dann dort

Veranstaltungen gemacht werden, die öffentlichkeitswirksam sind und jedes Land sich da halt best möglichst vertritt.

A: Das heißt ihr reist viel und ihr habt Musikelemente kombiniert mit euren Elementen

aus dem Protokolldienst.

Wie kommt ihr überhaupt darauf eure, ich nenn sie jetzt mal Show, vor zu studieren?

B: Also erstmal sagt man ja grundsätzlich dem Drillteam „Auftrag!“.

Bekommt ja jede Kompanie irgendwann gestellt und so versucht man natürlich dann bestmöglichst

diesen Auftrag wahr zu nehmen.

So als vierer vom Drillteam ist man da relativ frei, dadurch, dass keine Vorschrift für

das Drillteam gibt, im Gegensatz zum protokollarischen Ehrendienst, wo wir ja die Garde haben.

Da macht einen natürlich dann die Erfahrung, die man vielleicht selber schon mal vorher

gesammelt hat, macht das dann einen vielleicht ein bisschen einfacher und man ist einfach

so frei, dass man sagen kann: Gut, alles klar, was möchte ich haben.

Möchte ich jetzt in meiner Show Salutschießen drin haben?

Möchte ich Feuer haben?

Möchte ich LED?

Möchte ich Nebel und was weiß ich was es da nicht noch alles für Varianten gibt.

Da kann man auch grundsätzlich sagen, dass das Drillteam sich auch weiterentwickelt.

Vor zwanzig Jahren hat keiner irgendwo darüber nachgedacht, Licht oder Feuer am Karabiner zu haben.

Das ist aber auch der Ausbildungszeit sag ich mal geschuldet, die damals bloß drei

bis vier Wochen betrug und heute mittlerweile sechs bis neun Monate ist.

Also von daher sage ich auch, dass das Drillteam noch nicht am Ende seiner Schaffenskraft steht,

weil es sich einfach immer weiterentwickeln kann und wer weiß: Vielleicht fliegt in zwanzig

Jahren irgendwer mit einem Hoverboard und einem Laserkarabiner irgendwo durch die Halle,

man weiß es nicht.

A: Ok, man merkt, du hast Fantasie und Raum für Entwicklungen vom Drillteam.

Das heißt aber auch, ihr spielt vor großem Publikum.

Wie kriegt ihr das hin, dass ihr da alle perfekt synchronisiert auftretet?

B: Ja, großes Publikum.

Da sagen wir natürlich gleich mal grundsätzlich, ich glaube das geht jeden Soldaten so, selbst

mir als Führer oder sonst irgendwo, ob es nun eine kleine Show vor 100 Mann oder wie

jetzt in der Max-Schmeling-Halle 15.000 Mann oder irgendwo im Stadion in Gladbach vor 25.000 Mann.

Natürlich ist man aufgeregt. Die Aufregung und Nervosität muss man natürlich in den Griff kriegen.

Um so mehr Einsätze man macht, umso abgestumpfter wird man, sage ich mal, weil man sich dann

irgendwann dran gewöhnt hat, aber es ist trotzdem jeder Einsatz was Neues und Aufregendes.

Da hilft einfach nur üben.

Üben, üben, üben.

Ich sage mal für gewisse Einsätze kann man schon fast grundsätzlich sagen, dass man

gerade bei den großen Shows, wo es ja dann 27 Mann sind, einfach mehr Zeit und Arbeit

investieren muss, um jeden Tag diese Abläufe und Routine rein zu kriegen, dass man sich

dann eigentlich von der Nervosität im Prinzip dann sich nicht mehr die Butter vom Brot nehmen lassen kann.

A: Ok.

Das heißt eure Bewegungen sind ja in Fleisch und Blut übergegangen und ihr könnt ja die

Griffe, die ihr ja da macht, ja quasi im Schlaf.

Jetzt habe ich aber gehört, wenn ihr im protokollarischen Ehrendienst seid, da steht ihr ja lange da.

Wie haltet ihr das aus?

Also kannst du mal beschreiben: Was war dein persönlich längster Einsatz?

B: Ah, persönlich längster Einsatz.

War glaube ich ein Ehrenposteneinsatz gewesen, wo man dann ein und eine dreiviertel Stunde

dagestanden hat, weil der Gast einfach zur Verabschiedung nicht rauskommen wollte.

Das kann natürlich immer sein: Begrüßungen gehen ganz schnell, weil das ja grundsätzlich

vom Protokoll und sage ich mal von der Kanzlerin, Bundespräsidenten oder sonst irgendwo gewisse

Empfangstermine gibt, die eingehalten werden, aber keiner kann am Ende sagen, wie lange

unterhalten die sich.

Wenn die der Meinung sind, eigentlich soll der um acht Uhr abreisen und das Gespräch

geht aber so lange, dann kommt der meinetwegen erst um zehn Uhr raus: Trotzdem haben wir

um acht Uhr dazustehen und davon auszugehen, dass der um acht Uhr raus kommt.

Dann muss man natürlich die Zeit durchhalten.

Wie hält man denn die Zeit durch?

Ja, da gibt es so kleine Kniffe/Tricks.

A: Zum Beispiel?

B: Mit den Zehen zum Beispiel wackeln oder Arschbacken immer mal wieder anspannen, loslassen,

mit den Waden spielen, sodass man halt den Blutkreislauf im Gange hält.

Es gab auch schon Beispiele, dass dann Kameraden einfach umgefallen sind oder zusammengesackt

sind, weil einfach der Kreislauf in den Keller gesackt ist.

Da muss man dann aber auch wieder sagen: Gut, selber schuld, weil du hast nicht die Arbeit.

A: Was macht man denn eigentlich, wenn sowas passiert?

B: Ja.

Das ist das Schwierige.

Bei uns gibt es die Regel, dass wenn jetzt zum Beispiel jemand im ersten Glied oder selbst

im zwoten Glied schlecht wird, der anfängt, rumzutaumeln oder sogar umfallen sollte, der

Hintermann fängt ihn auf, reicht ihn nach hinten durch, und tritt nach vorne auf den

seine Stelle ein, sodass von vorne immer ein geschlossenes Bild ist und lässt die Lücke

dann in der Mitte.

A: Ok, das heißt ihr müsst improvisieren und habt eure Ersatzleute im Hintergrund,

die dann auffüllen, während der andere versorgt wird.

B: Ja.

A: Ok, und was macht ihr, ganz banal, wenn ihr auf Klo müsst?

B: Tja.

Da gibt es kein Trick, kein gar nichts: Vor den Einsätzen wird uns natürlich noch mal

die Chance gegeben, nochmal auf Toilette zu gehen, aber ich sage mal gerade so wie beim

großen Zapfenstreich oder sowas, wo man eigentlich teilweise schon eine dreiviertel Stunde vorher

im Aufstellungsraum steht, bevor es dann losgeht und der Zapfenstreich an sich auch nochmal

eine halbe Stunde dauert, dann muss man irgendwo diese anderthalb Stunden rumbringen.

Da gibt es keinen Kniff oder sonst irgendwas, um da irgendwie aus der Chose zu kommen.

A: Ok.

Also einfach aushalten und hoffen, dass es bald zu Ende ist.

B: Genau.

A: Ok, ich verstehe.

Zum Thema Corona.

Was heißt das eigentlich für euch jetzt, wenn ihr unter Coronabedingungen mit 1,50

Meter antreten müsst: Habt ihr neue Kommandos, tretet ihr mit Maske an oder was hat sich

bei euch jetzt geändert?

B: Ja, also grundsätzlich halten wir ja mal fest, dass ja im Tagesdienst grundsätzlich

die Maske zu tragen ist.

Draußen bei der Ausbildung versuchen wir, dass natürlich dann alles soweit zu entzerren

und auf Lücke zu stellen, dass gerade beim Greifen oder sonst irgendwie keine Maske benötigt wird.

Kommt natürlich immer auf die Ausbildung drauf an: Im Protokollarischen ist es relativ

einfach, weil da können wir uns die Lücken und Plätze schaffen und nehmen.

Was beim Gefechtsdienst natürlich wieder schwieriger ist, gerade wenn man jetzt als

MG-Trupp zusammenarbeitet oder so, dann ist das natürlich dann so schlecht machbar.

Gerade gestern waren wir erst im Bundeskanzleramt gewesen, um zu probieren beziehungsweise eine

Stellprobe zu machen, wie es denn unter Coronabedingungen möglich wäre, um dort einen Einsatz zu stellen.

Hat sich dann ganz einfach so dargestellt, dass ja die Musik den Heeresteil stellt sozusagen

und dann die anderen beiden Waffenzüge dann halt auf Lücke stehen.

Das heißt, wir sind noch geschlossen mit Maske einmarschiert, sind dann angekommen,

haben uns schon beim auf die Punkte gehen breit gefächert, sodass wir dann eigentlich

auf unseren Punkten schon breit auf Lücke ankamen.

Links um, Gewehr ab, rührt euch.

Und dann neues Kommando: Maske ab!

Wo dann mal kurz nach vorne getreten wird, alle Mann nehmen sich die Maske ab und dann

mit dem Kommando „Zurück treten!“, treten alle natürlich dann wieder geschlossen zurück

und stehen dann wieder auf Lücke mit den Abständen ohne Maske dann halt da.

Ab da an dann den ganz normalen protokollarischen Ehrendienst halt wieder wahrnehmen können.

A: Ok.

Also auch bei euch hat Corona Auswirkungen, bis hin zum Formaldienst und mit neuen Kommandos.

Ja, spannende Sache und vielen Dank für dieses Gespräch und den kurzen Einblick bei euch.

Wer mehr wissen will über das Drillteam der Bundeswehr kann auf jeden Fall über YouTube

unserem Kanal Einsätze das Drillteam sich anschauen und ich sage vielen Dank für das Gespräch.

B: Ja, danke schön.

A: Das war die Folge mit einem Gruppenführer aus dem Drillteam der Bundeswehr.

Hauptfeldwebel Matthias Münch.

Wer mehr hören will vom Funkkreis, dem Podcast der Bundeswehr, kann über Apple Music, Deezer

oder Spotify reinhören.

Mein Name ist Hauptmann Matthias Lehna.

Ich melde mich aus dem Funkkreis ab.


Podcast #45: Das Drillteam der Bundeswehr | Bundeswehr Podcast #45: The drill team of the German Armed Forces | Bundeswehr Podcast nº 45: El equipo de instrucción del Bundeswehr | Bundeswehr Podcast #45: A Equipa de Treino da Bundeswehr | Bundeswehr

Delta to all, Radiocheck, over.

Hier ist Bravo, kommen.

This is Tango, over.

Funkkreis, Podcast der Bundeswehr.

A: Willkommen beim Funkkreis dem Podcast der Bundeswehr.

Mein Name ist Hauptmann Matthias Lehna und heute befinde ich mich in der Julius-Leber-Kaserne

in Berlin, zu Gast bei Hauptfeldwebel Matthias Münch.

Genauer gesagt beim Truppenführer des Drillteams der Bundeswehr im Wachbataillon.

Die Soldaten und Matthias sind bei großen Staatsempfängen in der Regel die ersten Menschen,

die Staatsgäste in Deutschland nach ihrer Landung in Berlin sehen.

Hallo Matthias.

B: Hallo Matthias.

A: Ja, starke Sache: Wir haben beide den gleichen Namen, aber andere Frage: Ist das eigentlich

der Grund, weil die Staatsgäste als Erstes euch sehen, dass ihr alle so rasiert und ordentlich

ausschaut hier?

B: Na ja, rasiert und ordentlich ausschaut ist auf jeden Fall eine Auflage, die wir hier

bei uns im Wachtbataillon haben.

Es gibt ja hier ein Haar- und Barterlass, der grundsätzlich aussagt, dass Seitenhaare There is a hair and beard decree here that basically states that side hair

kürzer zu tragen ist als das Deckhaar und genau so man jeden Tag frisch rasiert sein muss.

A: Gut, das gilt ja eigentlich auch in der gesamten Bundeswehr, dass es ein Haar- und

Barttrachterlass, der auch meistens sehr umstritten ist, irgendwo es durchzusetzen gilt. Beard wear decree, which is also usually very controversial, has to be enforced somewhere.

Ihr seid da schon sehr strikt. You are very strict there.

Ich glaube, der Haar- und Barttrachterlass sagt nicht vor, dass man glatt rasiert sein

muss: Ihr seid alle glatt rasiert.

Auch sonst fällt auf, bei euch wird Formaldienst sehr hoch gesehen. It is also noticeable in other respects that you value formal service very highly.

Ich mache mal kurz den Einspieler, um einen Eindruck zu bekommen, was das eigentlich hier bedeutet: I'll make a short clip to get an impression of what this actually means here:

Ehrenzug, stillgestanden!

Das Gewehr über! The gun over!

Achtung!

Präsentiert das Gewehr!

Ja, man hört zackiger Umgangston. Yes, you can hear jagged conversational tone.

Direkte Befehle.

Wie würdest du hier den Alltag beschreiben?

B: Tja, wie soll ich hier den Alltag beschreiben.

Ich würde sagen, auf jeden Fall klar strukturiert.

Das fängt ja früh‘s mit der Vollzähligkeit und Stuben- und Revierreinigen an. That starts early with the completeness and house and district cleaning.

Dann können wir erstmal die ersten zwei Stunden am Morgen Sport machen, um natürlich körperlich Then we can do sports for the first two hours in the morning, to be physically, of course

leistungsfähig und fit zu sein, um dann natürlich auch den to be efficient and fit, and then of course that

protokollarischen Ehrendienst ausführen zu können.

A: Genau.

Du hast ja schon gesagt.

Protokolldienst, das ist bei euch eine Aufgabe.

Was heißt das überhaupt?

B: Ja, was heißt das überhaupt?

Das grundsätzlich wir ja für die Repräsentation Deutschlands verantwortlich sind beziehungsweise

wir die ersten sind, die am roten Teppich stehen.

Die jeder Gast als Erstes sieht, sobald er in Deutschland landet oder genauso halt, wenn Which every guest sees first as soon as he lands in Germany or just like that when

die Kanzlerin oder der Bundespräsident die Staatsgäste bei sich empfangen, sind wir

diejenigen, die halt am roten Teppich stehen, die Ehrenformation stellen und den Gast mit those who are standing at the red carpet, the honor formation and the guest with them

militärischen Ehren begrüßen.

A: Ihr seid quasi die Visitenkarte, die man den Gast hinhält.

B: Sozusagen, ja.

Das Aushängeschild Deutschlands.

A: Ok, und deshalb wollt ihr alle ordentlich und adrett ausschauen.

Ich habe gehört, es gab mal so ein Spruch, es müssen drei „B's“ erfüllt sein,

um reinzukommen bei euch.

Was heißt das überhaupt?

B: Drei B's ja: Brille, Bart, Bauch.

Dürfte alles nicht oder sollte alles nicht vorhanden sein beziehungsweise ist ja klar Everything shouldn't or shouldn't everything be available or it's clear

festgelegt, dass jeder Soldat rasiert zu sein hat.

Brille ist mittlerweile auch schon fast geduldet, aufgrund dessen, dass man so wenig Personal Glasses are now almost tolerated, due to the fact that there are so few staff

mittlerweile zur Verfügung hat, dass man da sagt: Gut, das Kriterium stecken wir vielleicht now available that you say: OK, maybe we set the criterion

mittlerweile weg.

Obwohl ja eigentlich mehr gewollt ist, dass Kontaktlinsen getragen werden, als eine Brille am Teppich. Although it is actually more desirable that contact lenses are worn than glasses on the carpet.

So ist es auch.

Das heißt, die Kameraden die jetzt Brillenträger sind, haben dann tatsächlich auch zu dem

Einsatz keine Brille auf.

Also es kommt nicht vor, dass ein Protokollsoldat irgendwo mit Brille am roten Teppich steht,

obwohl er eigentlich Brillenträger ist.

Ja, nächster Punkt: Ich glaube jedes Land möchte gut da stehen und möchte natürlich Yes, next point: I think every country wants to be in a good position and of course they want to

auch kernig, straffe, trainierte Soldaten da stehen haben und von daher spielt der Bauch also robust, taut, trained soldiers have standing there and therefore the stomach plays

keine Rolle, beziehungsweise steht gar nicht in Frage, ob der da sein darf oder nicht.

A: Und gibt es auch Frauen bei euch?

B: Mittlerweile ja.

Früher war es grundsätzlich ein no go beziehungsweise gab es keine Frauen im Wachbataillon.

Hat sich mittlerweile auch geändert und ja, jetzt stehen Frauen in der ersten Reihe.

A: Ok.

Also ihr seid auch bunt quasi so wie die Truppe auch mit Frauen ganz normal repräsentiert sind. So you are also colorful, so to speak, just like the troupe are represented quite normally with women.

Jetzt nochmal zu mir: Ich bin 1, 85 Meter groß, relativ schlecht rasiert: Hätte ich Now back to me: I'm 1.85 meters tall, relatively badly shaved: I should have

überhaupt die Voraussetzung, bei euch mit zu machen? is there even a requirement to join you?

B: Mit 1,85 Meter auf jeden Fall kein Problem, da ja die Garde vorgibt, dass ein Gardemaß B: Definitely not a problem with 1.85 meters, since the guard specifies that a guard size

von 1,76 Meter – 2,03 Meter, denke ich, vorgibt.

Von daher machen die 1, 85 Meter gar keine Probleme, würde super reinpassen. So the 1.85 meters don't cause any problems at all, would fit in perfectly.

A: Nur mit dem Bart wird schwer: Ich glaube ich müsste mich dazu jeden Morgen nass rasieren,

zumindest so wie ihr hier alle ausschaut. at least as you all look here.

Was muss ich denn noch mitbringen?

B: Grundsätzlich heißt es ja bei uns, immer Finger lang Ehrgeiz zu zeigen. B: Basically, it means for us to always show a finger of ambition.

Das heißt, auf jeden Fall draußen bei der Ausbildung wird's natürlich schwierig und

anstrengend. Paar Stunden einfach auf der Stelle da zu stehen, straff, Brust raus, Bauch stressful. Just standing there for a few hours, tight, chest out, stomach

rein, um ein vernünftiges Bild halt zu verkörpern.

A: Um das hin zu bekommen oder um das Bild zu erzeugen macht ihr eine lange Ausbildung hier. A: In order to get that done or to create the image, you do a long training here.

Wie sieht das genau aus?

B: Ja, genau.

Die Protokollausbildung ist mittlerweile auf 42 Tage begrenzt. Protocol training is now limited to 42 days.

Ja, ist ganz einfach: Also am Anfang, so die ersten ein/zwei Wochen wird erstmal ohne Karabiner Yes, it's very simple: At the beginning, the first week or two will be without a carabiner

stumpf Formaldienst gemacht. made dull formal service.

Das heißt also, wir marschieren von A nach B, machen Wendungen und da ist eigentlich So that means we march from A to B, make turns and there it is actually

grundsätzlich erstmal Hauptaugenmerk der Marsch, bevor wir dann anfangen, den Karabiner basically first focus of the march before we then start the carbine

zu nehmen und den dann wirklich Tag für Tag tempoweise zu greifen. to take and then really grab it at a tempo, day after day.

A: Ja, du hast eben Karabiner mehrfach gesagt: Ich dachte unser Standardgewehr wäre das G36. A: Yes, you just said carbine several times: I thought our standard rifle would be the G36.

B: Ja, das G36 haben wir auch, aber zur Repräsentation Deutschlands beziehungsweise Bundeswehr haben

wir bei uns im Wachbataillon den K98 k, also Karabiner 98 kurz. 98, weil er 1898 entwickelt wurde.

Er hat eine Gesamtlänge von 1,09 Meter. It has a total length of 1.09 meters.

Die lange Version ist 1,11 Meter, also das heißt es sind zwei Zentimeter Lauflänge Unterschied. The long version is 1.11 meters, which means there is a difference of two centimeters in running length.

Wiegt ca. 3,74 Kilo. Weighs approximately 3.74 kilos.

Kommt immer darauf an, aus welchem Holz der Schafft gearbeitet ist. It always depends on what kind of wood the work is made of.

Wir haben ja Nussbaumholz oder Schichtholz, je nachdem, und darum kann das Gewicht des We have walnut or plywood, depending, and that's why the weight of the

Karabiners natürlich variieren.

A: Das heißt ihr arbeitet mit einem Gewehr, was schon in anderen deutschen Armeen genutzt A: That means you work with a rifle, which is already used in other German armies

wurde und viel Holz vor allem hat. was and has a lot of wood above all.

Also entsprechend anders ausschaut und recht lang ist. So it looks different and is quite long.

Das heißt für euch, wie arbeitet ihr damit?

B: Ja, wie arbeiten wir damit?

Dadurch das ja der Karabiner einen schönen Mittelpunkt hat, um die Gewichtsverteilung Because the carabiner has a nice center to distribute the weight

damit dann gut zentrieren zu können, macht es sich natürlich dann ganz einfach, sag Being able to center well with that makes it very easy, of course, say

ich mal vorne am Schafft den Karabiner nach rechts zu drehen, genauso wie hinten am Kolben I try to turn the carabiner to the right at the front, as well as at the back of the butt

nach links zu drehen.

Ja, es ist schwierig.

Ich sage mal, wenn wir jetzt im normalen Protokollarischen den Karabiner eingesetzt haben und genauso I say once we have now used the carabiner in the normal protocol and the same

beim Ehrenposten sage ich mal eine Stunde mit den vier Kilo dastehen, dann wird es natürlich

schon schwer.

Sowas kann man dann natürlich trainieren.

Wie trainiert man das?

In dem man natürlich eine Stunde die Leute dastehen lässt.

Alles nicht so einfach, aber wie gesagt: So wie mit allem, eine Trainingssache.

A: Ok.

Was man ja schon hören kann, ist, dass das Gewehr auch von anderen deutschen Armeen schon

genutzt wurde, es gibt also einen historischen Bezug dazu. was used, so there is a historical reference to it.

Da wirst du hoffentlich noch was sagen. Hopefully you'll have something to say about that.

Auf jeden Fall ist das Gewehr ein Gewehr, was mit viel Holz versehen ist und deswegen auffällt. In any case, the rifle is a rifle that has a lot of wood and therefore stands out.

Aber warum nutzt ihr eigentlich ein Gewehr, was wir ja gar nicht mehr in der Nutzung haben?

B: Ja, ganz einfach: Weil das Wachbataillon führt seine Tradition über das neunte preußische

Infanterieregiment und genauso wie das erste Garderegiment zu Fuß der preußischen Armee von 1675.

Das ist auch bei uns im Traditionserlass festgelegt. This is also laid down in our traditional decree.

Wir sind auch damit eigentlich der einzige Verband, der sich auf die Tradition Preußens

im Prinzip da festgelegt hat und sich daran orientieren kann. in principle there and can orient oneself to it.

A: Ok.

Wir haben es auf jeden Fall hier mit einem traditionsreichen Verband hier zu tun und

damit einhergehend auch der protokollarische Dienst, der auch viel historische Bezüge hat. along with this also the protocol service, which also has a lot of historical references.

Das heißt, der Ablauf im Protokolldienst ist ja historisch gewachsen. This means that the process in the protocol service has grown historically.

Kannst du beschreiben, was ihr genau macht?

B: Also im Prinzip, wir marschieren ja auf, kommen natürlich am roten Teppich an: Links

rum, Gewehr ab, ausrichten, bis der Gast dann irgendwann mal kommt und dann geht's da around, gun off, align, until the guest comes at some point and then there we go

natürlich ganz einfach: Das Gewehr über, Achtung, präsentiert das Gewehr.

Damit zeigen wir dem Gast, dass wir ein leeres Magazin beziehungsweise ein leeren Magazinschacht

haben und er uns dementsprechend willkommen ist.

A: O.k.

Also ihr versucht quasi eine Willkommensgeste zu zeigen.

Trotz eures marzialischen Auftretens.

Was auf jeden Fall auffällt ist, dass ihr sehr akkurat und sehr präzise arbeitet, was

es auf jeden Fall ansehnlich macht, wenn man auf diese Art der Präsentation steht.

Es ist auf jeden Fall für mich als Gebirgsjäger, der beim Formaldienst nicht so genau war in

der Vergangenheit, impossant zu sehen, wie exakt ihr arbeitet.

Die Steigerungsform vom Protokolldienst ist das, was ihr im Drillteam macht: Lasst uns

doch mal kurz reinhören, was genau dahinter steckt:

Also für den Zuhörer, der es nicht sehen kann: Es ist eigentlich eine little Showeinlage.

Ihr habt mit moderner Musik eure Elemente aus dem Protokolldienst übernommen und werft

euer Gewehr in die Luft und macht verschiedene Wendungen.

Was hat es eigentlich damit auf sich?

B: Ja, was hat es eigentlich damit auf sich?

Das eigentlich das Drillteam zu Anlässen wie Militär- und Musikfesten oder Feierlichkeiten

oder selbst bei Gelöbnissen als Showeffekt mit auftritt und damit auch die Bundeswehr

repräsentieren kann.

Genauso gibt es ja dann auch Drillteamfeste, wo dann mit anderen Nationen, wie zum Beispiel

Schweden, Tschechen, Österreicher oder anderen Garden halt in Europa, gemeinsam dann dort

Veranstaltungen gemacht werden, die öffentlichkeitswirksam sind und jedes Land sich da halt best möglichst vertritt.

A: Das heißt ihr reist viel und ihr habt Musikelemente kombiniert mit euren Elementen

aus dem Protokolldienst.

Wie kommt ihr überhaupt darauf eure, ich nenn sie jetzt mal Show, vor zu studieren?

B: Also erstmal sagt man ja grundsätzlich dem Drillteam „Auftrag!“.

Bekommt ja jede Kompanie irgendwann gestellt und so versucht man natürlich dann bestmöglichst

diesen Auftrag wahr zu nehmen.

So als vierer vom Drillteam ist man da relativ frei, dadurch, dass keine Vorschrift für

das Drillteam gibt, im Gegensatz zum protokollarischen Ehrendienst, wo wir ja die Garde haben.

Da macht einen natürlich dann die Erfahrung, die man vielleicht selber schon mal vorher

gesammelt hat, macht das dann einen vielleicht ein bisschen einfacher und man ist einfach

so frei, dass man sagen kann: Gut, alles klar, was möchte ich haben.

Möchte ich jetzt in meiner Show Salutschießen drin haben?

Möchte ich Feuer haben?

Möchte ich LED?

Möchte ich Nebel und was weiß ich was es da nicht noch alles für Varianten gibt.

Da kann man auch grundsätzlich sagen, dass das Drillteam sich auch weiterentwickelt.

Vor zwanzig Jahren hat keiner irgendwo darüber nachgedacht, Licht oder Feuer am Karabiner zu haben.

Das ist aber auch der Ausbildungszeit sag ich mal geschuldet, die damals bloß drei

bis vier Wochen betrug und heute mittlerweile sechs bis neun Monate ist.

Also von daher sage ich auch, dass das Drillteam noch nicht am Ende seiner Schaffenskraft steht,

weil es sich einfach immer weiterentwickeln kann und wer weiß: Vielleicht fliegt in zwanzig

Jahren irgendwer mit einem Hoverboard und einem Laserkarabiner irgendwo durch die Halle,

man weiß es nicht.

A: Ok, man merkt, du hast Fantasie und Raum für Entwicklungen vom Drillteam.

Das heißt aber auch, ihr spielt vor großem Publikum.

Wie kriegt ihr das hin, dass ihr da alle perfekt synchronisiert auftretet?

B: Ja, großes Publikum.

Da sagen wir natürlich gleich mal grundsätzlich, ich glaube das geht jeden Soldaten so, selbst

mir als Führer oder sonst irgendwo, ob es nun eine kleine Show vor 100 Mann oder wie

jetzt in der Max-Schmeling-Halle 15.000 Mann oder irgendwo im Stadion in Gladbach vor 25.000 Mann.

Natürlich ist man aufgeregt. Die Aufregung und Nervosität muss man natürlich in den Griff kriegen.

Um so mehr Einsätze man macht, umso abgestumpfter wird man, sage ich mal, weil man sich dann

irgendwann dran gewöhnt hat, aber es ist trotzdem jeder Einsatz was Neues und Aufregendes.

Da hilft einfach nur üben.

Üben, üben, üben.

Ich sage mal für gewisse Einsätze kann man schon fast grundsätzlich sagen, dass man

gerade bei den großen Shows, wo es ja dann 27 Mann sind, einfach mehr Zeit und Arbeit

investieren muss, um jeden Tag diese Abläufe und Routine rein zu kriegen, dass man sich

dann eigentlich von der Nervosität im Prinzip dann sich nicht mehr die Butter vom Brot nehmen lassen kann.

A: Ok.

Das heißt eure Bewegungen sind ja in Fleisch und Blut übergegangen und ihr könnt ja die

Griffe, die ihr ja da macht, ja quasi im Schlaf.

Jetzt habe ich aber gehört, wenn ihr im protokollarischen Ehrendienst seid, da steht ihr ja lange da.

Wie haltet ihr das aus?

Also kannst du mal beschreiben: Was war dein persönlich längster Einsatz?

B: Ah, persönlich längster Einsatz.

War glaube ich ein Ehrenposteneinsatz gewesen, wo man dann ein und eine dreiviertel Stunde

dagestanden hat, weil der Gast einfach zur Verabschiedung nicht rauskommen wollte.

Das kann natürlich immer sein: Begrüßungen gehen ganz schnell, weil das ja grundsätzlich

vom Protokoll und sage ich mal von der Kanzlerin, Bundespräsidenten oder sonst irgendwo gewisse

Empfangstermine gibt, die eingehalten werden, aber keiner kann am Ende sagen, wie lange

unterhalten die sich.

Wenn die der Meinung sind, eigentlich soll der um acht Uhr abreisen und das Gespräch

geht aber so lange, dann kommt der meinetwegen erst um zehn Uhr raus: Trotzdem haben wir

um acht Uhr dazustehen und davon auszugehen, dass der um acht Uhr raus kommt.

Dann muss man natürlich die Zeit durchhalten.

Wie hält man denn die Zeit durch?

Ja, da gibt es so kleine Kniffe/Tricks.

A: Zum Beispiel?

B: Mit den Zehen zum Beispiel wackeln oder Arschbacken immer mal wieder anspannen, loslassen,

mit den Waden spielen, sodass man halt den Blutkreislauf im Gange hält.

Es gab auch schon Beispiele, dass dann Kameraden einfach umgefallen sind oder zusammengesackt

sind, weil einfach der Kreislauf in den Keller gesackt ist.

Da muss man dann aber auch wieder sagen: Gut, selber schuld, weil du hast nicht die Arbeit.

A: Was macht man denn eigentlich, wenn sowas passiert?

B: Ja.

Das ist das Schwierige.

Bei uns gibt es die Regel, dass wenn jetzt zum Beispiel jemand im ersten Glied oder selbst

im zwoten Glied schlecht wird, der anfängt, rumzutaumeln oder sogar umfallen sollte, der

Hintermann fängt ihn auf, reicht ihn nach hinten durch, und tritt nach vorne auf den

seine Stelle ein, sodass von vorne immer ein geschlossenes Bild ist und lässt die Lücke

dann in der Mitte.

A: Ok, das heißt ihr müsst improvisieren und habt eure Ersatzleute im Hintergrund,

die dann auffüllen, während der andere versorgt wird.

B: Ja.

A: Ok, und was macht ihr, ganz banal, wenn ihr auf Klo müsst?

B: Tja.

Da gibt es kein Trick, kein gar nichts: Vor den Einsätzen wird uns natürlich noch mal

die Chance gegeben, nochmal auf Toilette zu gehen, aber ich sage mal gerade so wie beim

großen Zapfenstreich oder sowas, wo man eigentlich teilweise schon eine dreiviertel Stunde vorher

im Aufstellungsraum steht, bevor es dann losgeht und der Zapfenstreich an sich auch nochmal

eine halbe Stunde dauert, dann muss man irgendwo diese anderthalb Stunden rumbringen.

Da gibt es keinen Kniff oder sonst irgendwas, um da irgendwie aus der Chose zu kommen.

A: Ok.

Also einfach aushalten und hoffen, dass es bald zu Ende ist.

B: Genau.

A: Ok, ich verstehe.

Zum Thema Corona.

Was heißt das eigentlich für euch jetzt, wenn ihr unter Coronabedingungen mit 1,50

Meter antreten müsst: Habt ihr neue Kommandos, tretet ihr mit Maske an oder was hat sich

bei euch jetzt geändert?

B: Ja, also grundsätzlich halten wir ja mal fest, dass ja im Tagesdienst grundsätzlich

die Maske zu tragen ist.

Draußen bei der Ausbildung versuchen wir, dass natürlich dann alles soweit zu entzerren

und auf Lücke zu stellen, dass gerade beim Greifen oder sonst irgendwie keine Maske benötigt wird.

Kommt natürlich immer auf die Ausbildung drauf an: Im Protokollarischen ist es relativ

einfach, weil da können wir uns die Lücken und Plätze schaffen und nehmen.

Was beim Gefechtsdienst natürlich wieder schwieriger ist, gerade wenn man jetzt als

MG-Trupp zusammenarbeitet oder so, dann ist das natürlich dann so schlecht machbar.

Gerade gestern waren wir erst im Bundeskanzleramt gewesen, um zu probieren beziehungsweise eine

Stellprobe zu machen, wie es denn unter Coronabedingungen möglich wäre, um dort einen Einsatz zu stellen.

Hat sich dann ganz einfach so dargestellt, dass ja die Musik den Heeresteil stellt sozusagen

und dann die anderen beiden Waffenzüge dann halt auf Lücke stehen.

Das heißt, wir sind noch geschlossen mit Maske einmarschiert, sind dann angekommen,

haben uns schon beim auf die Punkte gehen breit gefächert, sodass wir dann eigentlich

auf unseren Punkten schon breit auf Lücke ankamen.

Links um, Gewehr ab, rührt euch.

Und dann neues Kommando: Maske ab!

Wo dann mal kurz nach vorne getreten wird, alle Mann nehmen sich die Maske ab und dann

mit dem Kommando „Zurück treten!“, treten alle natürlich dann wieder geschlossen zurück

und stehen dann wieder auf Lücke mit den Abständen ohne Maske dann halt da.

Ab da an dann den ganz normalen protokollarischen Ehrendienst halt wieder wahrnehmen können.

A: Ok.

Also auch bei euch hat Corona Auswirkungen, bis hin zum Formaldienst und mit neuen Kommandos.

Ja, spannende Sache und vielen Dank für dieses Gespräch und den kurzen Einblick bei euch.

Wer mehr wissen will über das Drillteam der Bundeswehr kann auf jeden Fall über YouTube

unserem Kanal Einsätze das Drillteam sich anschauen und ich sage vielen Dank für das Gespräch.

B: Ja, danke schön.

A: Das war die Folge mit einem Gruppenführer aus dem Drillteam der Bundeswehr.

Hauptfeldwebel Matthias Münch.

Wer mehr hören will vom Funkkreis, dem Podcast der Bundeswehr, kann über Apple Music, Deezer

oder Spotify reinhören.

Mein Name ist Hauptmann Matthias Lehna.

Ich melde mich aus dem Funkkreis ab.