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2021 Hessenschau.de Nachrichten aus Hessen, hessenschau vom 23.04.2021 - Was die neuen Corona-Maßnahmen bedeuten

hessenschau vom 23.04.2021 - Was die neuen Corona-Maßnahmen bedeuten

00:00​ Themenübersicht 00:59​ Corona-Kabinett: So setzt Hessen die Bundesnotbremse um 03:29​ Was die neuen Corona-Maßnahmen bedeuten 07:22​ Impfungen für Priorisierungsgruppe drei 12:48​ Zulauf bei Physiotherapeuten 17:08​ "Monuments Men" - virtuelle Ausstellung in Marburg 21:33​ Kochen mit der "Vegranny" 24:00​ Eine Idee in der Krise zum Tag des Bieres Herzlich willkommen zur hessenschau. Das Wochenende ist da.

Wir lernen, wie jeden Tag, viel Neues.

Z.B. dass sich ab heute alle, die in der Priogruppe 3 sind,

registrieren lassen können für eine Impfung.

Immerhin 1,5 Mio Hessinnen und Hessen.

Und wir berichten über eine weltweite Schatzsuche,

deren Fäden in Marburg zusammenliefen.

"Monuments Men" werden die Kunstexperten genannt,

die diese Schatzsuche machten.

Was bedeutet die beschlossene Bundesnotbremse für uns in Hessen?

In erster Linie bedeutet sie Einschränkungen.

Die sogenannte Sperrstunde wird da eingeführt,

wo die Inzidenz über 100 liegt.

Das ist eine Einschränkung unserer Bewegungsfreiheit.

Aber die Notbremse schränkt nicht nur ein, sondern lockert auch.

Und zwar an den Schulen.

Jenny Sackey lernt zu Hause.

5 Monate war sie nicht mehr in ihrer Schule.

Sie ist in der 9. Klasse einer Darmstädter Realschule.

Anfang Mai heißt es für die 15-Jährige aber: Homeschooling ade!

Das macht sie glücklich, sagt sie.

Einerseits freue ich mich mega, meine Freundinnen wiederzusehen

und mit ihnen zu arbeiten, auch Gruppenarbeiten zu machen.

Und wenn man auf dem Schulhof ist

Klassenkameraden aus anderen Klassen zu sehen.

Andererseits, vor den Arbeiten habe ich richtig Angst.

Am 6. Mai soll es in ganz Hessen losgehen, auch für Jenny,

wenn in Darmstadt die Inzidenz unter 165 bleibt.

Dann dürfen die Klassen 7 bis 11 in die Schulen zurückkehren,

werden Wechselunterricht haben.

Das hat das Corona-Kabinett heute beschlossen.

Damit aber gleich nächste Woche zu beginnen,

mache den Schulen zu viel Stress.

Das bedeutet konkret, dass alle Schulen, alle Jahrgänge,

im Wechselmodell unterrichten.

Mit der Einschränkung:

Jahrgangsstufe 7 und aufwärts erst ab dem 6. Mai.

Das hat damit zu tun, dass bis dahin noch die Abiturprüfungen laufen.

Eine weitere Erleichterung betrifft das Einkaufen mit Termin.

Bis zu einer regionalen Inzidenz von 150 wird "Click and meet"

in Hessens Läden und Geschäften wieder möglich.

Bisher war 100 die hessische Grenze.

Die aktualisierten Regeln, auch die Ausgangssperren

nach der Bundesnotbremse, seien richtig, betont Bouffier.

Wir haben eine Situation, die in jeder Hinsicht außergewöhnlich ist.

Wir haben die Sorge, dass unser Gesundheitssystem überlastet wird.

Wir haben die Sorge, dass wenn wir die Infektionszahlen

nicht drastisch nach unten bringen, sich die Pandemie

immer mehr verlängert mit all den schlimmen Folgen,

die wir vermeiden wollten.

Bald also Wechselunterricht. Für viele Schüler ein Traum.

Nach monatelangem Distanzunterricht zu Hause sind die Schüler

häufig überlastet und genervt von der Pandemie.

Jenny freut sich auf die Schule und hofft,

dass die Lehrer es langsam angehen.

Ich wünschte mir, dass sich die Lehrer in unsere Lage versetzen

und eine Last von unseren Schultern nehmen könnten.

Damit auch wir es leichter haben.

Allerdings müssen sie

zweimal in der Woche negative Corona-Tests nachweisen,

damit sie und ihre Freunde in die Schule zurückkehren können.

Einige freuen sich über diese Notbremse.

Aber nicht alle.

Wir reden mit der Leiterin unseres Landtagsstudios,

Ute Wellstein.

Hallo Ute. - Hallo Kristin.

Einige Schüler können zurück in die Schule.

Andere müssen an nächster Woche vielleicht zu Hause bleiben,

weil die Inzidenz in ihrem Kreis über 165 liegt.

Wie viele Kreise betrifft das in Hessen?

Die Inzidenz muss ja immer 3 Tage über 165 liegen.

Gestern, vorgestern und am Tag davor traf das auf 10 hessische Kreise zu.

Aber es kann sein, dass morgen oder übermorgen noch welche dazukommen.

Dann werden es noch mehr, die ab Montag geschlossen werden müssen.

Es ist also ein geteiltes Bild.

Die Schulleiter haben auch gestöhnt.

Sie sagen, dass sie Zeit brauchen, um das vorzubereiten,

wenn wir Schüler haben, die in Präsenz zurückgehen.

Wofür brauchen sie diese Zeit? Wir müssen doch alle flexibel sein.

Das fragen sich vielleicht einige.

Schulen zumachen, das geht sicher recht leicht.

Darin haben sie jetzt ja Übung.

Aber die andere Seite der Medaille ist ja, dass einige zurückkehren

in den Wechselunterricht.

Die waren monatelang gar nicht in den Schulen.

Das erfordert natürlich Vorbereitung.

Man muss einteilen, wer aus der Klasse kommt an welchem Tag?

Man muss die Klassenräume vorbereiten.

Nicht alle können einem Klassenraum sitzen.

Die Abstände müssen eingehalten werden.

Da werden dann für eine Klasse zwei Räume hergerichtet.

Und man muss Schnelltests organisieren.

Die sind Voraussetzung, dass die Schülerinnen und Schüler

in die Schule kommen können.

Und die Notbetreuung muss organisiert werden.

Eltern, die alleinerziehend sind oder wenn beide Elternteile arbeiten

und auch bestimmte Härtefällen

müssen ihre Kinder Notbetreuung geben können.

Auch die will organisiert sein.

Da müssen Eltern die Bescheinigung ihrer Arbeitgeber besorgen,

um nachzuweisen, dass sie berechtigt sind.

Das ist alles nicht von heute auf morgen zu schaffen.

Es wird eine Weile dauern.

Ministerpräsident Bouffier sagte heute:

"Man kann uns nicht zwingen, Unmögliches zu organisieren."

"Wir tun unser Bestes, aber es dauert einige Tage."

Das kann man nachvollziehen, wenn du das schilderst.

Volker Bouffier sagte, die Menschen in Hessen

bräuchten eine Perspektive auf Öffnungen.

Was ist denn nun unsere Perspektive auf Öffnungen?

Das wurde ihm ein bisschen aus der Hand genommen

mit diesem Bundesgesetz, was bis zum 30. Juni gilt.

Da gibt es jetzt keinen Spielraum. Da sind Mindeststandards drin.

Wenn die Inzidenzen über bestimmten Werten sind,

dann kann auch die Landesregierung daran erst mal nichts ändern.

Die einzige Perspektive, die wir alle haben,

ist, dass die Inzidenzen auf Werte unter 100 fallen.

Dann treten wieder Öffnungen in Kraft.

Dann werden diese Beschränkungen aufgehoben.

Ein kleines bisschen Hoffnung dafür gibt es vielleicht,

wenn man sich anguckt, dass die Impfkampagne

jetzt ein bisschen mehr Fahrt aufnimmt.

Ich nenne mal die Zahlen, die der Innenminister heute vorgetragen hat:

Im 1. Quartal sind ca. 10 % der Hessen geimpft worden.

Diese Zahl hat man allein dann in einem Monat im April erreicht.

Ab nächster Woche sollen besonders viele Impfstoffe kommen.

Die Hausärzte sollen mehr impfen können.

Da ist die Hoffnung, dass das alles etwas schneller geht.

Aber wie schnell die vielen Impfungen dazu führen,

dass die Inzidenzen fallen, das wage ich nicht abzuschätzen.

Danke schön, Ute!

Das Gespräch haben wir vor der Sendung aufgezeichnet.

Es gibt auch gute Nachrichten an diesem Tag.

Wer zur Priogruppe 3 gehört, kann sich an heute zur Impfung anmelden.

Das sind Menschen über 60, die gesundheitlich eingeschränkt sind,

Feuerwehrleute und Verkäuferinnen in Supermärkten.

Das Band steht selten still.

Jeden Tag kommt Stephan Gundermann im Supermarkt in Friedberg

mit Hunderten Menschen in Berührung.

Seit heute darf auch er sich für die Impfung registrieren.

Eine große Erleichterung.

Lange haben Supermarkt- Mitarbeiter*innen gehofft,

dass sie endlich drankommen.

Schließlich würden sie sich jeden Tag in Gefahr begeben,

trotz Hygienemaßnahmen.

Als Inhaber Lars Koch heute Morgen erfuhr,

dass die Impfung jetzt möglich ist,

hat er sich direkt an den Rechner gesetzt.

Den Vormittag hab ich damit verbracht,

die anwesenden Mitarbeiter zu unterstützen,

einen Impftermin zu buchen.

Mit den Beschäftigten im Lebensmittelhandel

sind jetzt 1,5 Mio weitere Menschen impfberechtigt.

Laut Virologe Martin Stürmer ein wichtiger Schritt.

Wenn wir jetzt all die Menschen impfen,

die sehr viele Kontakte haben, haben wir die Möglichkeit,

sehr viele Ketten zu unterbrechen ehe sie entstehen.

Das ist sehr guter Effekt und wird sicher dazu beitragen,

dass die Zahlen im Verlauf deutlich nach unten gehen.

Eine weitere große Gruppe, die jetzt dazugekommen ist, sind Menschen,

die z.B. in der Justiz arbeiten,

aber auch Polizisten und Feuerwehren.

Für die Freiwillige Feuerwehr in Friedrichsdorf längst überfällig.

Unsere Einsatzkräfte und ihre Familien sind sehr beängstigt.

Wir haben schon bei ersten Einsätzen erfahren müssen,

das ganze Feuerwehren in Quarantäne sind.

Aber es geht um täglichen Schutz.

Wir sind nah am Patienten bei der Unfallrettung,

in Wohnungen, und, und, und.

Auch Mitarbeiter aus der sog. kritischen Infrastruktur

können sich ab heute anmelden.

Dazu zählen u.a. Busfahrer,

Mitarbeiter in der Energieversorgung oder Müllentsorgung.

Ein Bereich, in dem auch Alessandro Capaldi arbeitet.

Wir warten seit es Corona gibt oder zumindest seit es die Impfung gibt,

dass auch jemand an uns denkt.

Ich denke, wir sind auch eine relevante Gruppe.

Jedem von uns ist ein Stein vom Herzen gefallen.

Die Impfkampagne scheint voranzuschreiten.

Auch im Wiesbadener Impfzentrum sind heute alle Impfstraßen belegt.

Wir sind gottfroh, dass alles Fahrt aufnimmt.

Wir könnten aber noch mehr.

Wir werden am Wochenende ein "Boosterwochenende" machen.

Um die Priorisierungsgruppe 3 in einem besonderen Maße zu bedienen.

Mit der Öffnung dieser weiteren Priorisierungsgruppe 3

ist jetzt mehr als die Hälfte aller Hessen impfberechtigt.

Passend dazu schauen wir uns die Corona-Zahlen in Hessen an,

in den Nachrichten mit Jennifer Sieglar.

Innerhalb der vergangenen 24 Stunden

wurden dem RKI 2010 Corona-Infizierte gemeldet,

außerdem 24 Menschen,

die im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sind.

Insgesamt wurden in den vergangenen 7 Tagen

10.411 Menschen gemeldet, die mit dem Corona-Virus infiziert sind.

Das sind 319 weniger als in den 7 Tagen davor.

Die hessenweite Inzidenz steigt weiter und liegt jetzt bei 165,6.

Beim Brand einer Scheune in Biblis (Kreis Bergstraße)

ist ein Schaden von ca. 1 Mio Euro entstanden.

Laut Polizei waren etwa 300 Hühner in der Scheune.

Vermutlich sind die Tiere in dem Feuer verendet.

Als die Feuerwehr eintraf,

brannte das Gebäude laut Polizei schon lichterloh.

Die Scheune und die dort gelagerten landwirtschaftlichen Maschinen

wurden komplett zerstört.

Noch ist unklar, warum das Feuer ausgebrochen ist.

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Morgen ist "Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche".

Deswegen haben Aktivisten in Gießen mit einer Aktion

auf das Leid von Versuchstieren aufmerksam gemacht.

Die Tierschützer haben rund 3000 Kuscheltiere

auf eine Straße vor der Geschäftsstelle

des Deutschen Zentrums für Lungenforschung gelegt.

Außerdem haben sie den Eingangsbereich blockiert

und als Blockade ein Holzgestell aufgebaut, einen sog. Tripod.

Die Straße vor dem Zentrum für Lungenforschung

war deshalb kurzfristig blockiert.

Das wars von den Nachrichten.

Das nächste Thema von Kristin interessiert mich brennend. Leider.

Was meint die Jennie? Dir tut was weh, ne?

Ja, seit heute Morgen.

Das ist bei mir genauso.

Ich hab richtige Nackenschmerzen.

Warum ist das so? Weil wir alle ganz viel am PC arbeiten.

Und zwar im Homeoffice.

Wenn ich das Bild sehe, werde ich neidisch.

Viele wollen zum Physiotherapeuten, weil wir auf Küchenstühlen

oder auf der Couch sitzen.

Da braucht man einen Termin. Lange Warteschlangen gibts.

Denn die Physiotherapeuten haben alle Hände voll zu tun.

Genau hier sitzt der Schmerz. Wer kennt das nicht?

Christine Walter hatte schon vor Corona immer mal wieder

mit Nacken- und Schulterverspannungen zu tun.

Doch seit die Bibliotheks- assistentin im Homeoffice arbeitet,

sind die Schmerzen unerträglich geworden.

Es zieht vom Nacken über Schulter, Ellenbogen bis ins Handgelenk.

Es ist unangenehm, eine Bewegungseinschränkung kam dazu.

Christian Lellek kennt das,

was man "Homeofficesyndrom" nennen könnte.

Und das ihn zu einem gefragten Mann macht.

Nicht nur ihn.

Als stellvertretender Vorsitzender

des Landesverbandes für Physiotherapie

kann er auch für seinen Kolleginnen und Kollegen sprechen.

Seit Oktober 2020 haben wir einen deutlichen Zulauf.

20-30% mehr Patienten,

die im Homeoffice an schlechten Arbeitsplätzen sitzen.

In der Küche oder im Wohnzimmer.

Wir kommen nicht mehr nach. Wir haben 3-5 Wochen Wartezeit.

Es nimmt einfach zu.

Ein Grund ist Bewegungsmangel, weil der Breitensport z.T. verboten

oder zumindest stark eingeschränkt wurde.

Dasselbe gilt für die Fitnessstudios.

Der Yogakurs um die Ecke ist ebenfalls für viele weggefallen.

Dazu das Homeoffice.

Viola Ferderau sitzt mittlerweile doppelt so lange

vorm heimischen Computer als vor Corona.

Das spürt sie.

Mir schlafen die Hände ein,

speziell die Fingerkuppen.

Es fing an, dass ich morgens aufwachte und ein starkes Kribbeln

in der ganzen Hand hatte.

Es fühlte eich ein bisschen an, als hätte ich keine Finger,

sondern nur einen Klumpen.

Das war der Anfang.

Dann kam auch tagsüber, trotz Bewegung, v.a. in den Fingerkuppen,

ein Kribbeln dazu.

Das war dauerhaft und ging nicht mehr weg.

Das kann auch vom falschen Sitzen kommen.

Denn selbst die Position am Computer will gelernt sein.

Bei Frau Federau sehen wir die typische Fehlhaltung.

Der Kopf ist zu weit nach vorne geschoben.

Die Schulter rechts runter. Der Arm ist aufgestützt.

Die Rückenrundung ist zu stark und die Beine sind überkreuzt.

Man müsste den Stuhl weiter nach hinten nehmen.

Wenn sie an der Kante sitzt, hat sie mehr Aufrichtung.

Den Computer besser ausrichten.

An der Haltung des Kopfes würde ich korrigieren, dass er eher gerade ist

Für die Handhaltung eignet sich ein Pad,

auf dem die Handwurzel aufliegen kann.

Dann ist die Hand nicht so überstreckt.

Christine Walter ist in der Zwischenzeit

im Übungsraum eingetroffen.

Der Physiotherapeut zeigt, wie man den Schulter- und Nackenbereich

mit einem einfachen Gummiband kräftigen kann.

Dem typischen Rundrücken oder anderen Haltungsschäden

wird so entgegengewirkt.

Wenn man regelmäßig trainiert.

Ich hab gelernt, dass ich mit den Übungen nicht aufhören kann,

wenn ich hier rausgehe.

Ich muss sie mit nach Hause nehmen und in den Alltag integrieren.

Und ich muss mich auch bewegen, wenn ich Schmerzen und Beschwerden habe.

Dadurch wird es auf jeden Fall besser.

Aber schon wieder zu Hause, wo einem die Decke doch so langsam

auf den Kopf fällt?

Bei der besser werdenden Wettersituation würde ich

dazu raten raus zu gehen und sich zu bewegen mit Nordic Walking, Walking,

Joggen, Radfahren.

Auch spazieren ist besser als die schlechte Haltung am PC.

Bewegen, bewegen, bewegen.

Also nix wie raus.

Diese Übungen kann man ja auch im Garten oder im Park machen.

Das ist schön.

Bei der weltweit größten Schatzsuche liefen in Marburg die Fäden zusammen

Am Ende des 2. Weltkriegs. 1945.

Gesucht wurden sehr wertvolle Kunstwerke,

die die Nazis gestohlen oder in Bergwerken versteckt hatten.

Alle möglichen Kunstexperten wurden zusammengewürfelt

in einer Sondereinheit der US-Army.

Die Kunstwerke gingen nach Marburg.

Darüber gibts nun eine virtuelle Ausstellung.

Mitgeholfen hat damals ein 14-jähriger Junge aus Marburg.

Natürlich ist er älter geworden.

Das war uns bewusst, dass hier Dinge waren,

die wir wohl in unserem Leben nicht mehr sehen werden.

Renoir, van Gogh, Rembrandt.

Skulpturen, Gemälde, die große Kunst der Welt.

Alles in Marburg, im Staatsarchiv.

Karlheinz Schade war gerade 15 Jahre alt.

Einer von vier Schülern, die den Monuments Men halfen.

Kunstexperten im Dienste der US-Armee.

Die suchten vier Jungs zur Hilfe.

Da haben wir gesagt, da gehen wir hin.

Da gibts ein bisschen Money.

Und, was viel wichtiger war, es gibt was zu essen.

Die Geschichte der Monuments Men. Sogar Hollywood greift zu.

(Filmton)

Die Nazis stehlen Kunstwerke in Warschau, Amsterdam und Paris.

Ich soll mir ein Team suchen, in Sicherheit bringen, was noch da ist

und den Rest wiederfinden.

Monuments Men. - Kommt von Roosevelt.

Wie viele Männer? - Zzt. sechs.

Grundgütiger. - Mit dir sinds 7.

Bist du nicht etwas alt dafür? - Ja.

Die Monuments Men sind 1945 immer vorne an der Front.

Versuchen, an Kunst zu retten, was zu retten ist.

Finden unermessliche Schätze in Bergwerken bei Siegen,

Bernterode und Merkers.

Sie bringen sie nach Marburg, ins Staatsarchiv.

Marburg als Standort eines Central Collecting Point

hatte verschiedene Vorteile.

Es war zentral gelegen, im amerikanischen Einzugsgebiet,

aber trotzdem sehr nah an den mitteldeutschen Bergwerken,

wo eben Kunstwerke eingelagert waren.

Walker Hankock, zweiter von rechts,

gehört zu den führenden Köpfen der Monuments Men.

Er führt die Truppe in Marburg an.

Einer der vier Jungs, der beste Freund von Karlheinz Schade,

sitzt ihm Modell.

Hankock ist eigentlich Bildhauer.

Hankock selbst kam uns nicht als Soldat vor.

Er war ein vornehm wirkender Mann, war sehr kulant zu uns.

Wir haben ihn fast als väterlichen Freund betrachtet.

Und das nach einer Zeit, wo wir gelernt hatten:

Das sind die Staatsfeinde.

Aber die "Feinde" retten die Kunst aus deutschen Museen.

Sie sorgen dafür, dass Beutekunst der Nazis

den Weg zurück zu ihren rechtmäßigen Besitzern findet.

Mit Hilfe von Marburger Kunsthistorikern und Fotografen

im Bildarchiv Foto Marburg.

Die Monuments Men sind auf tausende Kunstwerke gestoßen,

von denen man nicht wusste:

Was sind das für Werke, wo kommen sie eigentlich her?

Und an wen können wir sie zurückgeben?

Diese Werke mussten erst identifiziert werden.

Dafür brauchte es kunsthistorisches Know-how.

Parallel dazu brauchten sie ein Handwerk,

mit dem sie arbeiten konnten.

Das war die Fotografie.

4000 Aufnahmen machen die Marburger Fotografen.

Hochauflösend.

Aber nicht nur feine Kunst landet in Marburg.

Die Nazis verstecken alles, was ihnen lieb und teuer ist,

im Bergwerk.

Auch die Sarkophage der Preußenkönige.

Und Paul von Hindenburg samt Frau.

Die Monuments Men lassen sie in die Elisabethkirche bringen.

Während die Könige später in Sanssouci beigesetzt werden,

bleibt Hindenburg in Marburg.

Als Altlast. Endgelagert.

Die Kirchengemeinde wäre ihn gerne los, den Steigbügelhalter Hitlers.

Aber keiner will ihn. Bis heute.

1946 ziehen die Monuments Men aus Marburg ab.

Die Arbeit machen ab da deutsche Stellen.

Für Karlheinz Schade, den Schüler,

ist das alles mehr als nur ein Abenteuer.

Es war schon ein bewegender Augenblick in meinem Leben.

Aus dem Nichts, aus dem Zusammenbruch,

auf einmal so eine große Sache geboten zu kriegen,

das war schon erstaunlich.

Später wird er Architektur studieren.

Inspiriert durch die intensive frühe Begegnung mit Kunst.

Und den Monuments Men.

Die virtuelle Ausstellung des Marburger Stadtarchivs

ist noch bis zum 12.9. zu sehen.

Nun kommen wir zu einer ganz speziellen Frau.

Herta Fleck aus Helsa.

Die kocht so richtige Hausmannskost. Richtig deftig.

Und das ganz ohne Fleisch.

Deswegen hat sie schon viele Fans auf Instagram.

Dort heißt sie so:

* Musik *

* Musik *

Sie ist die Vegranny bei Instagram. Die vegane Oma.

Sie bringt zwei Dinge zusammen, die eigentlich kaum zusammenpassen.

Hausmannskost und vegane Gerichte.

Dank ihrer Enkelinnen für alle zum Nachkochen.

Die Zwillinge kamen und da habe ich gedacht: "Na, machts mal!"

Ich habe mir eigentlich gar nichts dabei gedacht.

Ich wusste nicht, dass es solche Wellen schlägt.

Ihren Kanal auf Instagram gibt es seit vier Monaten, über 1000 Fans

folgen ihr schon.

Herta Fleck aus dem nordhessischen Helsa, alias die Vegranny.

40 ihrer veganen Gerichte sind online zum Nachmachen.

Die Enkelinnen Luigina und Valentina fanden:

"Oma, deine Kochkünste müssen ins Netz!"

Oma kocht immer für uns.

Da lag es auf der Hand, dass Oma mitmachen muss.

Auf eine Klassenfahrt hat Oma uns mal vegane Schnitzel mitgegeben.

Die kamen halt gut an, da dachten wir uns,

wir können es ja mal versuchen.

Die Arbeitsteilung ist streng. Oma kocht, die Enkelinnen filmen.

Oma schreibt die Rezepte mit der Hand.

Ihre beiden Enkelinnen tippen das für Instagram ab.

Herta Fleck dachte erst,

die wollten nur ihre geheimen Zutaten ausspionieren.

Ich habe gedacht, sie haben es gemacht,

weil ich nie die Rezepte aufschreibe.

Jetzt haben sie dich, jetzt musst du sie aufschreiben,

jetzt haben sie dich erwischt.

Aber nein, alles nur aus Begeisterung für ihre Kochkünste.

Noch schnell fotografieren.

Erst dann darf die vegane Mahlzeit aufgegessen werden.

Wenn wir um den Tisch rumsitzen und jeder sagt, es hat ihm geschmeckt,

und das sehe ich ja auch, wie die Schüsseln und die Töpfe aussehen.

Das macht mir Spaß.

Denn nur was der Familie in Helsa schmeckt,

kommt auf den Instagram-Kanal der Vegranny aus Nordhessen!

Apropos schmecken.

Freitagabend, Feierabend und dann ein kühles Blondes.

Leider bleibt zzt. viel Bier stehen.

Es gibt keine Feste, die Restaurants sind zu.

Aber heute, am "Tag des Bieres", wollen wir nicht jammern.

Wir zeigen eine coole Idee aus Hofgeismar.

Vom "Bierretter". Was der macht, sehen wir jetzt.

Jawoll, da ist das flüssige Gold.

Gut, dass wir das nicht wegschütten müssen!

Das Ziel ist keine Kneipe,

sondern die Bäckerei von Marcel Simon in Hofgeismar.

Meine Frau war einkaufen, Getränke holen beim Frank,

und sagte: "Der hat so viel Bier übrig. Du musst was trinken!"

Da rief ich ihn an, weil ich dachte, ich könnte was trinken.

Dann war es ein bisschen viel: 2000 Liter sind insgesamt übrig.

Wir beliefern normalerweise Vereinsheime, Privatfeiern etc.

Das darf ja momentan nicht stattfinden.

Von daher ist es so, dass der Absatz von Fassbier gleich null ist.

Was nur machen mit dem ganzen Bier?

Bäckermeister Marcel Simon ist engagierter Lebensmittelretter.

Bier einfach wegschütten kommt für den 35-Jährigen nicht infrage.

Er hat da schon eine Idee.

Bierbrot gibt es irgendwo in Deutschland, klar.

Aber wir ersetzen 100 % Wasser durch Bier.

Dadurch kriegen wir die 2000 Liter in 3 Wochen von ihm verarbeitet.

Ich kaufe sie ihm ab zu seinem Einkaufspreis.

Und fängt an zu experimentieren:

Mehl, Hefe, warmes Bier und noch was ganz Besonderes:

Das ist wie Popcorn, gepopptes Roggenvollkornschrot.

Das haben wir schon gestern mit Bier eingeweicht.

Das hat ungefähr dasselbe Gewicht wie das Roggenvollkorn.

Das hat sich jetzt vollgesogen.

Beim Backen gibt es das Bier ins Brot ab.

Und das reicht ihm immer noch nicht ganz.

Das ist unser Biersauerteig.

Ui, ui, ui, bekommt man da nicht einen Schwips?

Bier schmeckt man nicht raus.

Alkohol ist hinterher auch keiner mehr drin.Der verfliegt beim Backen.

Für das Bierbrot braucht Marcel Simon

die volle Backpower seiner Leute.

Zu sechst gehts ans Teigkneten, -falten und -formen.

Denn dieses Brot braucht eine ganz besondere Behandlung.

Der Teig ist jetzt so weich, da ist so viel Bier drin,

dass man den über keine Maschine fahren kann.

Sondern er muss händisch aufgearbeitet werden.

Wir wollen das er hinterher richtig aufbricht und rustikal wird.

Darum müssen wir Mehl einarbeiten,

damit im Ofen diese rustikale Form bekommt.

Das geht nur mit Handarbeit.

Ein Experiment fürs ganze Team.

Die ganze Gastwirtschaft steht still.

Es muss alles weggeschüttet werden.

Ist doch toll, wenn wir das verarbeiten können.

Damit das Brot auch zünftig rustikal wird mit knuspriger Kruste,

wendet Bäckermeister Simon die Teiglinge noch mal,

bevor sie in den Ofen kommen.

Bisschen Herzklopfen hat er jetzt schon.

Wir haben es einmal Probe gebacken.

Ich vertraue auf meine Findung des Rezeptes,

dass das schon alles so hinhaut.

* Tusch *

Das wird gut! Das ist ein Gedicht, so wie die aussehen! Oder?

Süffiges Brot, passend zum Tag des Bieres.

Soll schon ab heute bei ihm im Verkauf sein

für 3,50 Euro das Stück.

So, da haben wir unser schönes Brot!

Man riecht das Bier.

So eine herbe Note.

In Kombination ist es fast so gut wie ein Schoppen.

Na dann: Prost!

Da werde ich schon ein bisschen neidisch, wenn ich das sehe.

Übrigens hat er schon 500 Brote heute verkauft.

Muss also lecker sein!

Ich frage mich, ob man das nur gut abends essen kann

oder auch morgens.

Wir müssen es ausprobieren. - Ich glaube auch.

Wir sehen uns um 21.45 Uhr in der Spätausgabe der hessenschau.

Bis dahin! - Tschüs, schönen Abend!

COPYRIGHT UNTERTITEL: hr 2021


hessenschau vom 23.04.2021 - Was die neuen Corona-Maßnahmen bedeuten

00:00​ Themenübersicht 00:59​ Corona-Kabinett: So setzt Hessen die Bundesnotbremse um 03:29​ Was die neuen Corona-Maßnahmen bedeuten 07:22​ Impfungen für Priorisierungsgruppe drei 12:48​ Zulauf bei Physiotherapeuten 17:08​ "Monuments Men" - virtuelle Ausstellung in Marburg 21:33​ Kochen mit der "Vegranny" 24:00​ Eine Idee in der Krise zum Tag des Bieres Herzlich willkommen zur hessenschau. Das Wochenende ist da.

Wir lernen, wie jeden Tag, viel Neues.

Z.B. dass sich ab heute alle, die in der Priogruppe 3 sind,

registrieren lassen können für eine Impfung.

Immerhin 1,5 Mio Hessinnen und Hessen.

Und wir berichten über eine weltweite Schatzsuche,

deren Fäden in Marburg zusammenliefen.

"Monuments Men" werden die Kunstexperten genannt,

die diese Schatzsuche machten.

Was bedeutet die beschlossene Bundesnotbremse für uns in Hessen?

In erster Linie bedeutet sie Einschränkungen.

Die sogenannte Sperrstunde wird da eingeführt,

wo die Inzidenz über 100 liegt.

Das ist eine Einschränkung unserer Bewegungsfreiheit.

Aber die Notbremse schränkt nicht nur ein, sondern lockert auch.

Und zwar an den Schulen.

Jenny Sackey lernt zu Hause.

5 Monate war sie nicht mehr in ihrer Schule.

Sie ist in der 9. Klasse einer Darmstädter Realschule.

Anfang Mai heißt es für die 15-Jährige aber: Homeschooling ade!

Das macht sie glücklich, sagt sie.

Einerseits freue ich mich mega, meine Freundinnen wiederzusehen

und mit ihnen zu arbeiten, auch Gruppenarbeiten zu machen.

Und wenn man auf dem Schulhof ist

Klassenkameraden aus anderen Klassen zu sehen.

Andererseits, vor den Arbeiten habe ich richtig Angst.

Am 6. Mai soll es in ganz Hessen losgehen, auch für Jenny,

wenn in Darmstadt die Inzidenz unter 165 bleibt.

Dann dürfen die Klassen 7 bis 11 in die Schulen zurückkehren,

werden Wechselunterricht haben.

Das hat das Corona-Kabinett heute beschlossen.

Damit aber gleich nächste Woche zu beginnen,

mache den Schulen zu viel Stress.

Das bedeutet konkret, dass alle Schulen, alle Jahrgänge,

im Wechselmodell unterrichten.

Mit der Einschränkung:

Jahrgangsstufe 7 und aufwärts erst ab dem 6. Mai.

Das hat damit zu tun, dass bis dahin noch die Abiturprüfungen laufen.

Eine weitere Erleichterung betrifft das Einkaufen mit Termin.

Bis zu einer regionalen Inzidenz von 150 wird "Click and meet"

in Hessens Läden und Geschäften wieder möglich.

Bisher war 100 die hessische Grenze.

Die aktualisierten Regeln, auch die Ausgangssperren

nach der Bundesnotbremse, seien richtig, betont Bouffier.

Wir haben eine Situation, die in jeder Hinsicht außergewöhnlich ist.

Wir haben die Sorge, dass unser Gesundheitssystem überlastet wird.

Wir haben die Sorge, dass wenn wir die Infektionszahlen

nicht drastisch nach unten bringen, sich die Pandemie

immer mehr verlängert mit all den schlimmen Folgen,

die wir vermeiden wollten.

Bald also Wechselunterricht. Für viele Schüler ein Traum.

Nach monatelangem Distanzunterricht zu Hause sind die Schüler

häufig überlastet und genervt von der Pandemie.

Jenny freut sich auf die Schule und hofft,

dass die Lehrer es langsam angehen.

Ich wünschte mir, dass sich die Lehrer in unsere Lage versetzen

und eine Last von unseren Schultern nehmen könnten.

Damit auch wir es leichter haben.

Allerdings müssen sie

zweimal in der Woche negative Corona-Tests nachweisen,

damit sie und ihre Freunde in die Schule zurückkehren können.

Einige freuen sich über diese Notbremse.

Aber nicht alle.

Wir reden mit der Leiterin unseres Landtagsstudios,

Ute Wellstein.

Hallo Ute. - Hallo Kristin.

Einige Schüler können zurück in die Schule.

Andere müssen an nächster Woche vielleicht zu Hause bleiben,

weil die Inzidenz in ihrem Kreis über 165 liegt.

Wie viele Kreise betrifft das in Hessen?

Die Inzidenz muss ja immer 3 Tage über 165 liegen.

Gestern, vorgestern und am Tag davor traf das auf 10 hessische Kreise zu.

Aber es kann sein, dass morgen oder übermorgen noch welche dazukommen.

Dann werden es noch mehr, die ab Montag geschlossen werden müssen.

Es ist also ein geteiltes Bild.

Die Schulleiter haben auch gestöhnt.

Sie sagen, dass sie Zeit brauchen, um das vorzubereiten,

wenn wir Schüler haben, die in Präsenz zurückgehen.

Wofür brauchen sie diese Zeit? Wir müssen doch alle flexibel sein.

Das fragen sich vielleicht einige.

Schulen zumachen, das geht sicher recht leicht.

Darin haben sie jetzt ja Übung.

Aber die andere Seite der Medaille ist ja, dass einige zurückkehren

in den Wechselunterricht.

Die waren monatelang gar nicht in den Schulen.

Das erfordert natürlich Vorbereitung.

Man muss einteilen, wer aus der Klasse kommt an welchem Tag?

Man muss die Klassenräume vorbereiten.

Nicht alle können einem Klassenraum sitzen.

Die Abstände müssen eingehalten werden.

Da werden dann für eine Klasse zwei Räume hergerichtet.

Und man muss Schnelltests organisieren.

Die sind Voraussetzung, dass die Schülerinnen und Schüler

in die Schule kommen können.

Und die Notbetreuung muss organisiert werden.

Eltern, die alleinerziehend sind oder wenn beide Elternteile arbeiten

und auch bestimmte Härtefällen

müssen ihre Kinder Notbetreuung geben können.

Auch die will organisiert sein.

Da müssen Eltern die Bescheinigung ihrer Arbeitgeber besorgen,

um nachzuweisen, dass sie berechtigt sind.

Das ist alles nicht von heute auf morgen zu schaffen.

Es wird eine Weile dauern.

Ministerpräsident Bouffier sagte heute:

"Man kann uns nicht zwingen, Unmögliches zu organisieren."

"Wir tun unser Bestes, aber es dauert einige Tage."

Das kann man nachvollziehen, wenn du das schilderst.

Volker Bouffier sagte, die Menschen in Hessen

bräuchten eine Perspektive auf Öffnungen.

Was ist denn nun unsere Perspektive auf Öffnungen?

Das wurde ihm ein bisschen aus der Hand genommen

mit diesem Bundesgesetz, was bis zum 30. Juni gilt.

Da gibt es jetzt keinen Spielraum. Da sind Mindeststandards drin.

Wenn die Inzidenzen über bestimmten Werten sind,

dann kann auch die Landesregierung daran erst mal nichts ändern.

Die einzige Perspektive, die wir alle haben,

ist, dass die Inzidenzen auf Werte unter 100 fallen.

Dann treten wieder Öffnungen in Kraft.

Dann werden diese Beschränkungen aufgehoben.

Ein kleines bisschen Hoffnung dafür gibt es vielleicht,

wenn man sich anguckt, dass die Impfkampagne

jetzt ein bisschen mehr Fahrt aufnimmt.

Ich nenne mal die Zahlen, die der Innenminister heute vorgetragen hat:

Im 1. Quartal sind ca. 10 % der Hessen geimpft worden.

Diese Zahl hat man allein dann in einem Monat im April erreicht.

Ab nächster Woche sollen besonders viele Impfstoffe kommen.

Die Hausärzte sollen mehr impfen können.

Da ist die Hoffnung, dass das alles etwas schneller geht.

Aber wie schnell die vielen Impfungen dazu führen,

dass die Inzidenzen fallen, das wage ich nicht abzuschätzen.

Danke schön, Ute!

Das Gespräch haben wir vor der Sendung aufgezeichnet.

Es gibt auch gute Nachrichten an diesem Tag.

Wer zur Priogruppe 3 gehört, kann sich an heute zur Impfung anmelden.

Das sind Menschen über 60, die gesundheitlich eingeschränkt sind,

Feuerwehrleute und Verkäuferinnen in Supermärkten.

Das Band steht selten still.

Jeden Tag kommt Stephan Gundermann im Supermarkt in Friedberg

mit Hunderten Menschen in Berührung.

Seit heute darf auch er sich für die Impfung registrieren.

Eine große Erleichterung.

Lange haben Supermarkt- Mitarbeiter*innen gehofft,

dass sie endlich drankommen.

Schließlich würden sie sich jeden Tag in Gefahr begeben,

trotz Hygienemaßnahmen.

Als Inhaber Lars Koch heute Morgen erfuhr,

dass die Impfung jetzt möglich ist,

hat er sich direkt an den Rechner gesetzt.

Den Vormittag hab ich damit verbracht,

die anwesenden Mitarbeiter zu unterstützen,

einen Impftermin zu buchen.

Mit den Beschäftigten im Lebensmittelhandel

sind jetzt 1,5 Mio weitere Menschen impfberechtigt.

Laut Virologe Martin Stürmer ein wichtiger Schritt.

Wenn wir jetzt all die Menschen impfen,

die sehr viele Kontakte haben, haben wir die Möglichkeit,

sehr viele Ketten zu unterbrechen ehe sie entstehen.

Das ist sehr guter Effekt und wird sicher dazu beitragen,

dass die Zahlen im Verlauf deutlich nach unten gehen.

Eine weitere große Gruppe, die jetzt dazugekommen ist, sind Menschen,

die z.B. in der Justiz arbeiten,

aber auch Polizisten und Feuerwehren.

Für die Freiwillige Feuerwehr in Friedrichsdorf längst überfällig.

Unsere Einsatzkräfte und ihre Familien sind sehr beängstigt.

Wir haben schon bei ersten Einsätzen erfahren müssen,

das ganze Feuerwehren in Quarantäne sind.

Aber es geht um täglichen Schutz.

Wir sind nah am Patienten bei der Unfallrettung,

in Wohnungen, und, und, und.

Auch Mitarbeiter aus der sog. kritischen Infrastruktur

können sich ab heute anmelden.

Dazu zählen u.a. Busfahrer,

Mitarbeiter in der Energieversorgung oder Müllentsorgung.

Ein Bereich, in dem auch Alessandro Capaldi arbeitet.

Wir warten seit es Corona gibt oder zumindest seit es die Impfung gibt,

dass auch jemand an uns denkt.

Ich denke, wir sind auch eine relevante Gruppe.

Jedem von uns ist ein Stein vom Herzen gefallen.

Die Impfkampagne scheint voranzuschreiten.

Auch im Wiesbadener Impfzentrum sind heute alle Impfstraßen belegt.

Wir sind gottfroh, dass alles Fahrt aufnimmt.

Wir könnten aber noch mehr.

Wir werden am Wochenende ein "Boosterwochenende" machen.

Um die Priorisierungsgruppe 3 in einem besonderen Maße zu bedienen.

Mit der Öffnung dieser weiteren Priorisierungsgruppe 3

ist jetzt mehr als die Hälfte aller Hessen impfberechtigt.

Passend dazu schauen wir uns die Corona-Zahlen in Hessen an,

in den Nachrichten mit Jennifer Sieglar.

Innerhalb der vergangenen 24 Stunden

wurden dem RKI 2010 Corona-Infizierte gemeldet,

außerdem 24 Menschen,

die im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sind.

Insgesamt wurden in den vergangenen 7 Tagen

10.411 Menschen gemeldet, die mit dem Corona-Virus infiziert sind.

Das sind 319 weniger als in den 7 Tagen davor.

Die hessenweite Inzidenz steigt weiter und liegt jetzt bei 165,6.

Beim Brand einer Scheune in Biblis (Kreis Bergstraße)

ist ein Schaden von ca. 1 Mio Euro entstanden.

Laut Polizei waren etwa 300 Hühner in der Scheune.

Vermutlich sind die Tiere in dem Feuer verendet.

Als die Feuerwehr eintraf,

brannte das Gebäude laut Polizei schon lichterloh.

Die Scheune und die dort gelagerten landwirtschaftlichen Maschinen

wurden komplett zerstört.

Noch ist unklar, warum das Feuer ausgebrochen ist.

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Morgen ist "Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche".

Deswegen haben Aktivisten in Gießen mit einer Aktion

auf das Leid von Versuchstieren aufmerksam gemacht.

Die Tierschützer haben rund 3000 Kuscheltiere

auf eine Straße vor der Geschäftsstelle

des Deutschen Zentrums für Lungenforschung gelegt.

Außerdem haben sie den Eingangsbereich blockiert

und als Blockade ein Holzgestell aufgebaut, einen sog. Tripod.

Die Straße vor dem Zentrum für Lungenforschung

war deshalb kurzfristig blockiert.

Das wars von den Nachrichten.

Das nächste Thema von Kristin interessiert mich brennend. Leider.

Was meint die Jennie? Dir tut was weh, ne?

Ja, seit heute Morgen.

Das ist bei mir genauso.

Ich hab richtige Nackenschmerzen.

Warum ist das so? Weil wir alle ganz viel am PC arbeiten.

Und zwar im Homeoffice.

Wenn ich das Bild sehe, werde ich neidisch.

Viele wollen zum Physiotherapeuten, weil wir auf Küchenstühlen

oder auf der Couch sitzen.

Da braucht man einen Termin. Lange Warteschlangen gibts.

Denn die Physiotherapeuten haben alle Hände voll zu tun.

Genau hier sitzt der Schmerz. Wer kennt das nicht?

Christine Walter hatte schon vor Corona immer mal wieder

mit Nacken- und Schulterverspannungen zu tun.

Doch seit die Bibliotheks- assistentin im Homeoffice arbeitet,

sind die Schmerzen unerträglich geworden.

Es zieht vom Nacken über Schulter, Ellenbogen bis ins Handgelenk.

Es ist unangenehm, eine Bewegungseinschränkung kam dazu.

Christian Lellek kennt das,

was man "Homeofficesyndrom" nennen könnte.

Und das ihn zu einem gefragten Mann macht.

Nicht nur ihn.

Als stellvertretender Vorsitzender

des Landesverbandes für Physiotherapie

kann er auch für seinen Kolleginnen und Kollegen sprechen.

Seit Oktober 2020 haben wir einen deutlichen Zulauf.

20-30% mehr Patienten,

die im Homeoffice an schlechten Arbeitsplätzen sitzen.

In der Küche oder im Wohnzimmer.

Wir kommen nicht mehr nach. Wir haben 3-5 Wochen Wartezeit.

Es nimmt einfach zu.

Ein Grund ist Bewegungsmangel, weil der Breitensport z.T. verboten

oder zumindest stark eingeschränkt wurde.

Dasselbe gilt für die Fitnessstudios.

Der Yogakurs um die Ecke ist ebenfalls für viele weggefallen.

Dazu das Homeoffice.

Viola Ferderau sitzt mittlerweile doppelt so lange

vorm heimischen Computer als vor Corona.

Das spürt sie.

Mir schlafen die Hände ein,

speziell die Fingerkuppen.

Es fing an, dass ich morgens aufwachte und ein starkes Kribbeln

in der ganzen Hand hatte.

Es fühlte eich ein bisschen an, als hätte ich keine Finger,

sondern nur einen Klumpen.

Das war der Anfang.

Dann kam auch tagsüber, trotz Bewegung, v.a. in den Fingerkuppen,

ein Kribbeln dazu.

Das war dauerhaft und ging nicht mehr weg.

Das kann auch vom falschen Sitzen kommen.

Denn selbst die Position am Computer will gelernt sein.

Bei Frau Federau sehen wir die typische Fehlhaltung.

Der Kopf ist zu weit nach vorne geschoben.

Die Schulter rechts runter. Der Arm ist aufgestützt.

Die Rückenrundung ist zu stark und die Beine sind überkreuzt.

Man müsste den Stuhl weiter nach hinten nehmen.

Wenn sie an der Kante sitzt, hat sie mehr Aufrichtung.

Den Computer besser ausrichten.

An der Haltung des Kopfes würde ich korrigieren, dass er eher gerade ist

Für die Handhaltung eignet sich ein Pad,

auf dem die Handwurzel aufliegen kann.

Dann ist die Hand nicht so überstreckt.

Christine Walter ist in der Zwischenzeit

im Übungsraum eingetroffen.

Der Physiotherapeut zeigt, wie man den Schulter- und Nackenbereich

mit einem einfachen Gummiband kräftigen kann.

Dem typischen Rundrücken oder anderen Haltungsschäden

wird so entgegengewirkt.

Wenn man regelmäßig trainiert.

Ich hab gelernt, dass ich mit den Übungen nicht aufhören kann,

wenn ich hier rausgehe.

Ich muss sie mit nach Hause nehmen und in den Alltag integrieren.

Und ich muss mich auch bewegen, wenn ich Schmerzen und Beschwerden habe.

Dadurch wird es auf jeden Fall besser.

Aber schon wieder zu Hause, wo einem die Decke doch so langsam

auf den Kopf fällt?

Bei der besser werdenden Wettersituation würde ich

dazu raten raus zu gehen und sich zu bewegen mit Nordic Walking, Walking,

Joggen, Radfahren.

Auch spazieren ist besser als die schlechte Haltung am PC.

Bewegen, bewegen, bewegen.

Also nix wie raus.

Diese Übungen kann man ja auch im Garten oder im Park machen.

Das ist schön.

Bei der weltweit größten Schatzsuche liefen in Marburg die Fäden zusammen

Am Ende des 2. Weltkriegs. 1945.

Gesucht wurden sehr wertvolle Kunstwerke,

die die Nazis gestohlen oder in Bergwerken versteckt hatten.

Alle möglichen Kunstexperten wurden zusammengewürfelt

in einer Sondereinheit der US-Army.

Die Kunstwerke gingen nach Marburg.

Darüber gibts nun eine virtuelle Ausstellung.

Mitgeholfen hat damals ein 14-jähriger Junge aus Marburg.

Natürlich ist er älter geworden.

Das war uns bewusst, dass hier Dinge waren,

die wir wohl in unserem Leben nicht mehr sehen werden.

Renoir, van Gogh, Rembrandt.

Skulpturen, Gemälde, die große Kunst der Welt.

Alles in Marburg, im Staatsarchiv.

Karlheinz Schade war gerade 15 Jahre alt.

Einer von vier Schülern, die den Monuments Men halfen.

Kunstexperten im Dienste der US-Armee.

Die suchten vier Jungs zur Hilfe.

Da haben wir gesagt, da gehen wir hin.

Da gibts ein bisschen Money.

Und, was viel wichtiger war, es gibt was zu essen.

Die Geschichte der Monuments Men. Sogar Hollywood greift zu.

(Filmton)

Die Nazis stehlen Kunstwerke in Warschau, Amsterdam und Paris.

Ich soll mir ein Team suchen, in Sicherheit bringen, was noch da ist

und den Rest wiederfinden.

Monuments Men. - Kommt von Roosevelt.

Wie viele Männer? - Zzt. sechs.

Grundgütiger. - Mit dir sinds 7.

Bist du nicht etwas alt dafür? - Ja.

Die Monuments Men sind 1945 immer vorne an der Front.

Versuchen, an Kunst zu retten, was zu retten ist.

Finden unermessliche Schätze in Bergwerken bei Siegen,

Bernterode und Merkers.

Sie bringen sie nach Marburg, ins Staatsarchiv.

Marburg als Standort eines Central Collecting Point

hatte verschiedene Vorteile.

Es war zentral gelegen, im amerikanischen Einzugsgebiet,

aber trotzdem sehr nah an den mitteldeutschen Bergwerken,

wo eben Kunstwerke eingelagert waren.

Walker Hankock, zweiter von rechts,

gehört zu den führenden Köpfen der Monuments Men.

Er führt die Truppe in Marburg an.

Einer der vier Jungs, der beste Freund von Karlheinz Schade,

sitzt ihm Modell.

Hankock ist eigentlich Bildhauer.

Hankock selbst kam uns nicht als Soldat vor.

Er war ein vornehm wirkender Mann, war sehr kulant zu uns.

Wir haben ihn fast als väterlichen Freund betrachtet.

Und das nach einer Zeit, wo wir gelernt hatten:

Das sind die Staatsfeinde.

Aber die "Feinde" retten die Kunst aus deutschen Museen.

Sie sorgen dafür, dass Beutekunst der Nazis

den Weg zurück zu ihren rechtmäßigen Besitzern findet.

Mit Hilfe von Marburger Kunsthistorikern und Fotografen

im Bildarchiv Foto Marburg.

Die Monuments Men sind auf tausende Kunstwerke gestoßen,

von denen man nicht wusste:

Was sind das für Werke, wo kommen sie eigentlich her?

Und an wen können wir sie zurückgeben?

Diese Werke mussten erst identifiziert werden.

Dafür brauchte es kunsthistorisches Know-how.

Parallel dazu brauchten sie ein Handwerk,

mit dem sie arbeiten konnten.

Das war die Fotografie.

4000 Aufnahmen machen die Marburger Fotografen.

Hochauflösend.

Aber nicht nur feine Kunst landet in Marburg.

Die Nazis verstecken alles, was ihnen lieb und teuer ist,

im Bergwerk.

Auch die Sarkophage der Preußenkönige.

Und Paul von Hindenburg samt Frau.

Die Monuments Men lassen sie in die Elisabethkirche bringen.

Während die Könige später in Sanssouci beigesetzt werden,

bleibt Hindenburg in Marburg.

Als Altlast. Endgelagert.

Die Kirchengemeinde wäre ihn gerne los, den Steigbügelhalter Hitlers.

Aber keiner will ihn. Bis heute.

1946 ziehen die Monuments Men aus Marburg ab.

Die Arbeit machen ab da deutsche Stellen.

Für Karlheinz Schade, den Schüler,

ist das alles mehr als nur ein Abenteuer.

Es war schon ein bewegender Augenblick in meinem Leben.

Aus dem Nichts, aus dem Zusammenbruch,

auf einmal so eine große Sache geboten zu kriegen,

das war schon erstaunlich.

Später wird er Architektur studieren.

Inspiriert durch die intensive frühe Begegnung mit Kunst.

Und den Monuments Men.

Die virtuelle Ausstellung des Marburger Stadtarchivs

ist noch bis zum 12.9. zu sehen.

Nun kommen wir zu einer ganz speziellen Frau.

Herta Fleck aus Helsa.

Die kocht so richtige Hausmannskost. Richtig deftig.

Und das ganz ohne Fleisch.

Deswegen hat sie schon viele Fans auf Instagram.

Dort heißt sie so:

* Musik *

* Musik *

Sie ist die Vegranny bei Instagram. Die vegane Oma.

Sie bringt zwei Dinge zusammen, die eigentlich kaum zusammenpassen.

Hausmannskost und vegane Gerichte.

Dank ihrer Enkelinnen für alle zum Nachkochen.

Die Zwillinge kamen und da habe ich gedacht: "Na, machts mal!"

Ich habe mir eigentlich gar nichts dabei gedacht.

Ich wusste nicht, dass es solche Wellen schlägt.

Ihren Kanal auf Instagram gibt es seit vier Monaten, über 1000 Fans

folgen ihr schon.

Herta Fleck aus dem nordhessischen Helsa, alias die Vegranny.

40 ihrer veganen Gerichte sind online zum Nachmachen.

Die Enkelinnen Luigina und Valentina fanden:

"Oma, deine Kochkünste müssen ins Netz!"

Oma kocht immer für uns.

Da lag es auf der Hand, dass Oma mitmachen muss.

Auf eine Klassenfahrt hat Oma uns mal vegane Schnitzel mitgegeben.

Die kamen halt gut an, da dachten wir uns,

wir können es ja mal versuchen.

Die Arbeitsteilung ist streng. Oma kocht, die Enkelinnen filmen.

Oma schreibt die Rezepte mit der Hand.

Ihre beiden Enkelinnen tippen das für Instagram ab.

Herta Fleck dachte erst,

die wollten nur ihre geheimen Zutaten ausspionieren.

Ich habe gedacht, sie haben es gemacht,

weil ich nie die Rezepte aufschreibe.

Jetzt haben sie dich, jetzt musst du sie aufschreiben,

jetzt haben sie dich erwischt.

Aber nein, alles nur aus Begeisterung für ihre Kochkünste.

Noch schnell fotografieren.

Erst dann darf die vegane Mahlzeit aufgegessen werden.

Wenn wir um den Tisch rumsitzen und jeder sagt, es hat ihm geschmeckt,

und das sehe ich ja auch, wie die Schüsseln und die Töpfe aussehen.

Das macht mir Spaß.

Denn nur was der Familie in Helsa schmeckt,

kommt auf den Instagram-Kanal der Vegranny aus Nordhessen!

Apropos schmecken.

Freitagabend, Feierabend und dann ein kühles Blondes.

Leider bleibt zzt. viel Bier stehen.

Es gibt keine Feste, die Restaurants sind zu.

Aber heute, am "Tag des Bieres", wollen wir nicht jammern.

Wir zeigen eine coole Idee aus Hofgeismar.

Vom "Bierretter". Was der macht, sehen wir jetzt.

Jawoll, da ist das flüssige Gold.

Gut, dass wir das nicht wegschütten müssen!

Das Ziel ist keine Kneipe,

sondern die Bäckerei von Marcel Simon in Hofgeismar.

Meine Frau war einkaufen, Getränke holen beim Frank,

und sagte: "Der hat so viel Bier übrig. Du musst was trinken!"

Da rief ich ihn an, weil ich dachte, ich könnte was trinken.

Dann war es ein bisschen viel: 2000 Liter sind insgesamt übrig.

Wir beliefern normalerweise Vereinsheime, Privatfeiern etc.

Das darf ja momentan nicht stattfinden.

Von daher ist es so, dass der Absatz von Fassbier gleich null ist.

Was nur machen mit dem ganzen Bier?

Bäckermeister Marcel Simon ist engagierter Lebensmittelretter.

Bier einfach wegschütten kommt für den 35-Jährigen nicht infrage.

Er hat da schon eine Idee.

Bierbrot gibt es irgendwo in Deutschland, klar.

Aber wir ersetzen 100 % Wasser durch Bier.

Dadurch kriegen wir die 2000 Liter in 3 Wochen von ihm verarbeitet.

Ich kaufe sie ihm ab zu seinem Einkaufspreis.

Und fängt an zu experimentieren:

Mehl, Hefe, warmes Bier und noch was ganz Besonderes:

Das ist wie Popcorn, gepopptes Roggenvollkornschrot.

Das haben wir schon gestern mit Bier eingeweicht.

Das hat ungefähr dasselbe Gewicht wie das Roggenvollkorn.

Das hat sich jetzt vollgesogen.

Beim Backen gibt es das Bier ins Brot ab.

Und das reicht ihm immer noch nicht ganz.

Das ist unser Biersauerteig.

Ui, ui, ui, bekommt man da nicht einen Schwips?

Bier schmeckt man nicht raus.

Alkohol ist hinterher auch keiner mehr drin.Der verfliegt beim Backen.

Für das Bierbrot braucht Marcel Simon

die volle Backpower seiner Leute.

Zu sechst gehts ans Teigkneten, -falten und -formen.

Denn dieses Brot braucht eine ganz besondere Behandlung.

Der Teig ist jetzt so weich, da ist so viel Bier drin,

dass man den über keine Maschine fahren kann.

Sondern er muss händisch aufgearbeitet werden.

Wir wollen das er hinterher richtig aufbricht und rustikal wird.

Darum müssen wir Mehl einarbeiten,

damit im Ofen diese rustikale Form bekommt.

Das geht nur mit Handarbeit.

Ein Experiment fürs ganze Team.

Die ganze Gastwirtschaft steht still.

Es muss alles weggeschüttet werden.

Ist doch toll, wenn wir das verarbeiten können.

Damit das Brot auch zünftig rustikal wird mit knuspriger Kruste,

wendet Bäckermeister Simon die Teiglinge noch mal,

bevor sie in den Ofen kommen.

Bisschen Herzklopfen hat er jetzt schon.

Wir haben es einmal Probe gebacken.

Ich vertraue auf meine Findung des Rezeptes,

dass das schon alles so hinhaut.

* Tusch *

Das wird gut! Das ist ein Gedicht, so wie die aussehen! Oder?

Süffiges Brot, passend zum Tag des Bieres.

Soll schon ab heute bei ihm im Verkauf sein

für 3,50 Euro das Stück.

So, da haben wir unser schönes Brot!

Man riecht das Bier.

So eine herbe Note.

In Kombination ist es fast so gut wie ein Schoppen.

Na dann: Prost!

Da werde ich schon ein bisschen neidisch, wenn ich das sehe.

Übrigens hat er schon 500 Brote heute verkauft.

Muss also lecker sein!

Ich frage mich, ob man das nur gut abends essen kann

oder auch morgens.

Wir müssen es ausprobieren. - Ich glaube auch.

Wir sehen uns um 21.45 Uhr in der Spätausgabe der hessenschau.

Bis dahin! - Tschüs, schönen Abend!

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