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Funkkreis. Podcast der Bundeswehr, Podcast #15 | Strategie der Reserve (2)

Podcast #15 | Strategie der Reserve (2)

Es gibt nämlich eine ganze Menge, die werden gar nicht gefragt oder wollen den Fragebogen

nicht vernünftig ausfüllen.

Nein, das spielt für mich eine ganz entscheidende Rolle.

Wir wollen ... ich meine „zwingen“ ist das Eine, „zwingen“ im Sinne von „wir

machen das so“.

Aber für mich kommt es immer darauf an, die ausscheidenden Menschen auch zu gewinnen und

zu begeistern und zu motivieren.

Die sollen ja hinterher auch so eine Heimat finden.

Also wenn die ausscheiden aus ihrem Truppenteil, wo sie groß geworden sind ... Ich bin Aufklärer.

Mir ist es noch nicht so wie sie gegangen, weil ich Berufssoldat bin.

Aber wenn ich ausscheide, möchte ich schon, dass ich gefragt werde, dass mein Chef mit

mir ein nettes Gespräch führt, dass er mir auch ein paar Möglichkeiten anbietet und

erläutert, wie geht denn das und mich sozusagen für sich gewinnt und begeistert und ich dann

hinterher sage: „Boah.

War prima.

Hat mir gut gefallen die zwölf Jahre oder die zehn Monate, die ich da war, und da bleibe

ich auch gerne.“

Und deswegen ist es sehr wichtig, dass die Chefs, dass die Spieße und dass die Vorgesetzten

insgesamt mit denjenigen, die ausscheiden über die Zeit Gespräche führen.

Es bringt weder etwas, das jemandem am ersten Tag zu sagen, noch ist das hilfreich am letzten

Tag, wenn der sowieso abgeschlossen hat und wenn er an seine Zukunft draußen denkt, zu

sagen „ach, und da war noch was“.

(A) Ich wollte mal fragen, ob ...

(B) ... Ich wollte mal fragen, ob.

Nein, das ist ein Begleitprozess, den müssen Sie sinnvoll machen.

Und das kann ein Pausengespräch sein.

Das kann ein Beurteilungsgespräch sein.

Das kann bei der Dienstaufsicht draußen sein, wo so ein Chef da mal sagt: „Mensch prima.

Im Übrigen könnte ich mir auch vorstellen, wenn sie mal gehen, kommen Sie zu mir in die

Reserve rein.

Was halten Sie denn davon?“

Also so etwa muss man sich das vorstellen.

Das wird nicht bei allen gelingen.

Ich zeichne natürlich jetzt ein sehr hehres Bild von den guten Vorgesetzten, von denen

wir natürlich sehr viele haben in der Bundeswehr – hoffentlich sehr viele haben.

Da werden uns auch Leute durchs Raster fallen.

Da wird es auch Spieße und Vorgesetzte geben, die sagen: „Ich bin froh, dass der weg ist.

Mit dem will ich nicht mal mehr ein Gespräch führen.

Der soll sehen, wo er bleibt.“

Aber das ist nicht zielführend.

(A) Was wird sich für Reservisten dann in den

kommenden Monaten ändern?

Was passiert nach den sechs Jahren Grundbeorderung?

Ist dann einfach Schluss oder kommt da noch irgendwas?

Kann ich dann verlängern?

Oder was bedeutet für mich dieser sechsjährige Zeitraum?

(B) Der Sechsjahres-Zeitraum, der bedeutet für Sie zunächst mal, dass

in diesen sechs Jahren die Bundeswehr an Ihnen einen Bedarf hat und sie sagt, für diese

Zeit bleiben Sie in jedem Fall beordert.

Nach diesen sechs Jahren liegt es an Ihnen.

Dann gehen wir zu dem, was wir heute flächendeckend haben, nämlich zu dem kompletten Freiwilligkeitsprinzip,

in welchem Sie dann sagen: Ja, ich würde mich gern weiter in der Reserve engagieren.

- Oder aber Sie sagen: Nun war es mit den sechs Jahren auch genug und nun möchte ich

auch von der Bundeswehr nichts weiter hören und jetzt will ich nicht mehr.

Also wir verschieben die Grenze also für 6 Jahre weiter und danach, wenn Sie dabeibleiben,

können Sie sich entwickeln, können Sie gefördert werden, können Sie in die Spitzendienstgrade

kommen - je nachdem - oder Sie bleiben einfach da, wo es Ihnen gefällt und machen weiter,

solange Sie möchten und solange eben auch der Dienstherr das möchte oder der entsprechende

Vorgesetzte.

Das muss also beidseitig funktionieren.

(A) Würde das für mich auch gelten?

Ich bin ja schon länger Reservist.

Ich mach das ja schon eine ganze Weile, immer wiederkehrend.

Ist das jetzt für Reservisten, wie mich, dann auch so, dass dann ab ... weiß ich nicht

... in den nächsten Monaten gesagt wird, so ab jetzt gelten 6 Jahre?

(B) Wann wir das genau machen, das ist noch eine der entscheidenden

Fragen.

Also mit der Unterschrift der Ministerin unter die „Strategie der Reserve“ haben wir

jetzt ein strategisches Papier, welches beschreibt, wie wir uns Reserve in der Zukunft vorstellen.

„In Zukunft“ heißt nicht morgen oder übermorgen aus ministerieller Sicht, heißt

auch nicht nächstes Jahr, sondern zielt auf einen Zustand der liegt irgendwo im Jahr 2030

als Zielzustand – nehmen wir jetzt mal an.

Dazwischen passiert eine ganze Menge an Umsetzungsmaßnahmen.

Dennoch gilt das nicht wie bei einem Gesetz, dass der Bundestag beschlossen hat, wo drunter

steht „Ab dem 1.

Januar 2020 geht's dann los“, sondern wir arbeiten gerade daran, wie wir das was wir

an Zielen dort formuliert haben, wie wir das in einen Umsetzungsplan bekommen, wo dann

auch Zeiten dahinterliegen.

Und da wird dann am Ende beispielsweise auch drinstehen, ob wir mit dieser Grundbeorderung,

die ich skizziert habe, im Jahr 2021 beginnen wollen oder 2022 oder wann auch immer – weil

wir dafür einfach ein paar Voraussetzungen brauchen.

Wir brauchen die aktive Organisation, die darauf eingestellt sein muss, dass jetzt nicht

jeder freiwillig sagt, ob er kommen will oder nicht, sondern jeder grundbeordert wird.

Wir brauchen Aufnahmekapazitäten.

Wir brauchen Verfahren.

Wir müssen auch gucken, ob wir an der ein oder anderen Stelle gesetzlich noch mal präzisieren

müssten.

Datenschutz spielt auch immer eine Rolle dabei.

Also Sie können davon ausgehen: Das, was in der Strategie drin ist, sind die Ziele.

Die werden jetzt in Zeiträume und Meilensteinpläne und Überlegungen gegossen, wie man es umsetzen

kann.

Und es muss natürlich auch kommuniziert werden.

Es hilft ja nichts, einfach zu sagen „Morgen legen wir los“.

Dann fühlt sich, in dem Sinne wie ich vorhin auch sagte, niemand mitgenommen, dann fühlt

sich keiner ernst genommen, dann fühlt sich keiner wertgeschätzt.

Das geht natürlich alles nicht.

Man kann ganz salopp sagen, da würde ich jetzt denjenigen der sie geschrieben hat wehtun,

die Arbeit ist noch längst nicht vorbei, sondern es geht jetzt in eine andere Phase

der Arbeit rein.

(A) Wenn Sie sagen für 60.000 hätten wir Platz,

aber 100.000 Reservisten hätten wir gerne, dann muss ja erstmal der Platz geschaffen

werden.

Die müssen ja dann in irgendeine Form von Ausbildung kommen.

Das sind ja ganz viele Baustellen, die mir gleich einfallen, ohne überhaupt was damit

zu tun zu haben.

(B) Da haben wir auch so einen schönen Flyer

Ich finde es ist ein gutes Produkt geworden

.mit den Kernelementen der Strategie der Reserve.

Da finden Sie dann die Sachen, die wir angehen wollen.

(A) Den habe ich mal hier.

(B) Genau.

Da steht das alles in diesem schönen Kreis da drin.

(A) Kernelemente.

(B) Kernelemente der Strategie der Reserve.

Und dann stehen eben solche Sachen jetzt mal plakativ, wie neben der Grundordnung auch

die Ausbildung, wie auch die Ausstattung.

Ausbildung und Ausstattung ist heute ein echtes Manko.

Wenn Sie als Reservist irgendwo hinkommen und haben nix, also da ist kein Gewehr für

Sie da, es keinen Panzer speziell für die Reserve, da ist kein Ausbildungsplatz speziell

für die Reserve, da ist möglicherweise auch keine IT-Ausstattung speziell für die Reserve.

(A) Computer zum Beispiel.

(B) Dann ist das ein unbefriedigender Zustand, der sich auch auf

Ihre Motivation auswirkt und auf die Frage „Kommen Sie eigentlich gerne zur Bundeswehr

oder nicht, um Reservisten-Dienst zu leisten?“.

Wenn wir künftig mehr gucken wollen auf Landes- und Bündnisverteidigung und auf die Befähigung

dazu, dann kann das nicht ohne Auswirkungen bleiben auf die Ausbildungseinrichtungen.

Dann müssen wir uns Gedanken machen, wo können wir Reservisten künftig ausbilden - im Team,

weniger als Individuum, aber im Team vor allen Dingen.

Wie wollen wir das machen?

Wie können wir das zeitlich machen?

Kann man sowas machen, was alte Leute aus der Vergangenheit kennen oder was heute unser

Territorial-Reserve gerne macht: Die kommen am Freitag zusammen, Freitagmittag beispielsweise,

gehen Sonntagmittag wieder auseinander und haben dann am Wochenende gemeinsam irgendwo

geübt, geschossen, sind ausgebildet worden, waren auf dem Übungsplatz, haben da biwakiert

- wie auch immer - und haben sich am Ende auch wohl gefühlt und haben auch was der

die Kameradschaft getan.

(A) Habe ich auch schon zwei Mal gemacht.

Nannte sich DVag.

(B) Nannte sich DVag, genau, oder auch Übung, je nachdem.

Das ist etwas, da braucht man Infrastruktur dafür, wenn man das in größerem Rahmen

machen will.

Da braucht man Personal, das ausbildet.

Das ist die Frage, kann die aktive Truppe das machen?

Da können auch Reservisten selber Reservisten ausbilden.

Da gibt es also noch eine ganze Menge auch an Spielräumen dazwischen.

Und ich brauche am Ende auch Großgerät und zwar nicht nur Großgerät, dass die aktive

Truppe für Reservisten bereithält, sondern mir wäre es am liebsten, wenn dieses Großgerät

zu einem Reservistenverband dazugehört.

Also ein Reservistenverband der Zukunft darf sich weder von der Personalausstattung, noch

von der Materialausstattung, noch von der IT-Ausstattung und dem ganzen Drumherum (Infrastruktur,

Munition, was auch immer) unterscheiden von einem aktiven Verband.

Das wäre so das, was ich mir am Ende wünsche.

Weil ich die ja auch einsetzen können muss am scharfen Ende.

Also das ist so ein Beispiel, wo ich sag, Ausstattung ist auch ein Motivationsfaktor

und wirkt sich dann auch hoffentlich aus auf Reservisten, die zu uns kommen wollen.

Und dann finden Sie halt da noch so ein paar Beispiele, wo wir mit der Strategie der Reserve

auch ran wollen.

(A) Hatten wir schon gesagt: Was motiviert einen, Reservist

zu werden?

Was hat die Bundeswehr denn vor, um das Ganze lukrativ zu machen?

Also wie soll das Ganze lukrativ gestaltet werden?

Was habe ich davon zu sagen, jetzt wäre am Wochenende ein schönes Schießen?

Entweder man hat da wirklich Interesse dran oder vielleicht auch nicht.

Aber gibt es da Ideen, das für einen Menschen lukrativ zu gestalten?

(B) Was ich immer erstaunlich finde, ist die unglaubliche

Bandbreite, warum Reservisten zur Bundeswehr kommen oder warum junge Leute, die nie bei

der Bundeswehr waren, in einer Karriere als Reservist einsteigen wollen.

Das ist ganz erstaunlich.

Es gibt ideelle Motive, also vereinfacht gesagt, etwas für das Land tun zu wollen oder für

die Region in der ich lebe, weil ich glaube das bin ich dem Staat oder der Gesellschaft

schuldig.

Der Bundesfreiwilligendienst hat ja auch eine ganze Menge an Zulauf.

Also es gibt auch Reservisten, die mit ähnlichen Motiven zu Bundeswehr kommen können.

Es gibt natürlich Menschen, die sie über monetäre Anreize an die Bundeswehr binden

können.

Das ist auch immer ein starkes Argument.

Es gibt Ausbildungen, die Sie möglicherweise im zivilen Bereich nicht bekommen können.

Es gibt Freude am Soldatenberuf.

Das trifft oftmals auf diejenigen zu, die in der aktiven Truppe gewesen sind und die

sich dann (nicht unbedingt beim Ausscheiden, aber früher oder später doch wieder) dran

erinnern nach dem Motto: „Mensch, eigentlich so schlecht war es da gar nicht.

Guck doch da mal wieder hin.

Vielleicht gibt's deinen alten Spieß noch und jetzt hätte ich auch wieder Zeit.

Jetzt habe ich mich ein bisschen gesetzt in meinem zivilen Umfeld.

Jetzt gehe ich da einfach mal wieder hin.“

Also die Motivlage ist durchaus heterogen.

Gleichwohl, wir wollen schon dafür Sorge tragen oder etwas dafür tun, dass wir Anreize

schaffen.

Es gibt viele kluge Überlegungen.

Das haben wir festgestellt in der Erarbeitung der Strategie der Reserve auf unterschiedlichsten

Feldern.

Also beispielsweise kann man jemanden, der dann hinterher studieren will, kann man dem

möglicherweise Punkte verpassen, kann man denen Vorteile verschaffen?

Kann man mit Blick auf die Rente etwas tun?

Kann man besondere Anreize in der Ausbildung schaffen?

Es gibt also Kooperationsüberlegungen und auch Modelle, wo man sagt: Irgendjemand kommt

zur Bundeswehr, wird dort ausgebildet, geht dann in einen Betrieb, wo er später vielleicht

mal weitermacht und kriegt dort eine Ausbildung, kommt dann als Reservist anschließend wieder

zur Bundeswehr in bestimmten Intervallen zurück und versucht das Ganze auch vertraglich zu

fixieren.

Oder man schafft ideeller Anreize.

Auch das, sagte ich, ist interessant.

Manche Leute wollen einfach nur mal das Feeling als Soldat oder Soldatin wieder genießen.

(A) Zusammenhalt.

(B) Wir müssen sicherlich etwas tun, zum einen für die Reservisten

selbst zum anderen aber auch für die Arbeitgeber, weil das kann man in der Strategie der Reserve

auch sehr deutlich lesen: Der Reservistendienst an sich bleibt unverändert freiwillig.

(A) Ja, ich war ja immer selbständig.


Podcast #15 | Strategie der Reserve (2) Podcast #15 | Reserve Strategy (2)

Es gibt nämlich eine ganze Menge, die werden gar nicht gefragt oder wollen den Fragebogen

nicht vernünftig ausfüllen.

Nein, das spielt für mich eine ganz entscheidende Rolle.

Wir wollen ... ich meine „zwingen“ ist das Eine, „zwingen“ im Sinne von „wir

machen das so“.

Aber für mich kommt es immer darauf an, die ausscheidenden Menschen auch zu gewinnen und

zu begeistern und zu motivieren.

Die sollen ja hinterher auch so eine Heimat finden.

Also wenn die ausscheiden aus ihrem Truppenteil, wo sie groß geworden sind ... Ich bin Aufklärer.

Mir ist es noch nicht so wie sie gegangen, weil ich Berufssoldat bin.

Aber wenn ich ausscheide, möchte ich schon, dass ich gefragt werde, dass mein Chef mit

mir ein nettes Gespräch führt, dass er mir auch ein paar Möglichkeiten anbietet und

erläutert, wie geht denn das und mich sozusagen für sich gewinnt und begeistert und ich dann

hinterher sage: „Boah.

War prima.

Hat mir gut gefallen die zwölf Jahre oder die zehn Monate, die ich da war, und da bleibe

ich auch gerne.“

Und deswegen ist es sehr wichtig, dass die Chefs, dass die Spieße und dass die Vorgesetzten

insgesamt mit denjenigen, die ausscheiden über die Zeit Gespräche führen.

Es bringt weder etwas, das jemandem am ersten Tag zu sagen, noch ist das hilfreich am letzten

Tag, wenn der sowieso abgeschlossen hat und wenn er an seine Zukunft draußen denkt, zu

sagen „ach, und da war noch was“.

(A) Ich wollte mal fragen, ob ...

(B) ... Ich wollte mal fragen, ob.

Nein, das ist ein Begleitprozess, den müssen Sie sinnvoll machen.

Und das kann ein Pausengespräch sein.

Das kann ein Beurteilungsgespräch sein.

Das kann bei der Dienstaufsicht draußen sein, wo so ein Chef da mal sagt: „Mensch prima.

Im Übrigen könnte ich mir auch vorstellen, wenn sie mal gehen, kommen Sie zu mir in die

Reserve rein.

Was halten Sie denn davon?“

Also so etwa muss man sich das vorstellen.

Das wird nicht bei allen gelingen.

Ich zeichne natürlich jetzt ein sehr hehres Bild von den guten Vorgesetzten, von denen

wir natürlich sehr viele haben in der Bundeswehr – hoffentlich sehr viele haben.

Da werden uns auch Leute durchs Raster fallen.

Da wird es auch Spieße und Vorgesetzte geben, die sagen: „Ich bin froh, dass der weg ist.

Mit dem will ich nicht mal mehr ein Gespräch führen.

Der soll sehen, wo er bleibt.“

Aber das ist nicht zielführend.

(A) Was wird sich für Reservisten dann in den

kommenden Monaten ändern?

Was passiert nach den sechs Jahren Grundbeorderung?

Ist dann einfach Schluss oder kommt da noch irgendwas?

Kann ich dann verlängern?

Oder was bedeutet für mich dieser sechsjährige Zeitraum?

(B) Der Sechsjahres-Zeitraum, der bedeutet für Sie zunächst mal, dass

in diesen sechs Jahren die Bundeswehr an Ihnen einen Bedarf hat und sie sagt, für diese

Zeit bleiben Sie in jedem Fall beordert.

Nach diesen sechs Jahren liegt es an Ihnen.

Dann gehen wir zu dem, was wir heute flächendeckend haben, nämlich zu dem kompletten Freiwilligkeitsprinzip,

in welchem Sie dann sagen: Ja, ich würde mich gern weiter in der Reserve engagieren.

- Oder aber Sie sagen: Nun war es mit den sechs Jahren auch genug und nun möchte ich

auch von der Bundeswehr nichts weiter hören und jetzt will ich nicht mehr.

Also wir verschieben die Grenze also für 6 Jahre weiter und danach, wenn Sie dabeibleiben,

können Sie sich entwickeln, können Sie gefördert werden, können Sie in die Spitzendienstgrade

kommen - je nachdem - oder Sie bleiben einfach da, wo es Ihnen gefällt und machen weiter,

solange Sie möchten und solange eben auch der Dienstherr das möchte oder der entsprechende

Vorgesetzte.

Das muss also beidseitig funktionieren.

(A) Würde das für mich auch gelten?

Ich bin ja schon länger Reservist.

Ich mach das ja schon eine ganze Weile, immer wiederkehrend.

Ist das jetzt für Reservisten, wie mich, dann auch so, dass dann ab ... weiß ich nicht

... in den nächsten Monaten gesagt wird, so ab jetzt gelten 6 Jahre?

(B) Wann wir das genau machen, das ist noch eine der entscheidenden

Fragen.

Also mit der Unterschrift der Ministerin unter die „Strategie der Reserve“ haben wir

jetzt ein strategisches Papier, welches beschreibt, wie wir uns Reserve in der Zukunft vorstellen.

„In Zukunft“ heißt nicht morgen oder übermorgen aus ministerieller Sicht, heißt

auch nicht nächstes Jahr, sondern zielt auf einen Zustand der liegt irgendwo im Jahr 2030

als Zielzustand – nehmen wir jetzt mal an.

Dazwischen passiert eine ganze Menge an Umsetzungsmaßnahmen.

Dennoch gilt das nicht wie bei einem Gesetz, dass der Bundestag beschlossen hat, wo drunter

steht „Ab dem 1.

Januar 2020 geht's dann los“, sondern wir arbeiten gerade daran, wie wir das was wir

an Zielen dort formuliert haben, wie wir das in einen Umsetzungsplan bekommen, wo dann

auch Zeiten dahinterliegen.

Und da wird dann am Ende beispielsweise auch drinstehen, ob wir mit dieser Grundbeorderung,

die ich skizziert habe, im Jahr 2021 beginnen wollen oder 2022 oder wann auch immer – weil

wir dafür einfach ein paar Voraussetzungen brauchen.

Wir brauchen die aktive Organisation, die darauf eingestellt sein muss, dass jetzt nicht

jeder freiwillig sagt, ob er kommen will oder nicht, sondern jeder grundbeordert wird.

Wir brauchen Aufnahmekapazitäten.

Wir brauchen Verfahren.

Wir müssen auch gucken, ob wir an der ein oder anderen Stelle gesetzlich noch mal präzisieren

müssten.

Datenschutz spielt auch immer eine Rolle dabei.

Also Sie können davon ausgehen: Das, was in der Strategie drin ist, sind die Ziele.

Die werden jetzt in Zeiträume und Meilensteinpläne und Überlegungen gegossen, wie man es umsetzen

kann.

Und es muss natürlich auch kommuniziert werden.

Es hilft ja nichts, einfach zu sagen „Morgen legen wir los“.

Dann fühlt sich, in dem Sinne wie ich vorhin auch sagte, niemand mitgenommen, dann fühlt

sich keiner ernst genommen, dann fühlt sich keiner wertgeschätzt.

Das geht natürlich alles nicht.

Man kann ganz salopp sagen, da würde ich jetzt denjenigen der sie geschrieben hat wehtun,

die Arbeit ist noch längst nicht vorbei, sondern es geht jetzt in eine andere Phase

der Arbeit rein.

(A) Wenn Sie sagen für 60.000 hätten wir Platz,

aber 100.000 Reservisten hätten wir gerne, dann muss ja erstmal der Platz geschaffen

werden.

Die müssen ja dann in irgendeine Form von Ausbildung kommen.

Das sind ja ganz viele Baustellen, die mir gleich einfallen, ohne überhaupt was damit

zu tun zu haben.

(B) Da haben wir auch so einen schönen Flyer

Ich finde es ist ein gutes Produkt geworden

.mit den Kernelementen der Strategie der Reserve.

Da finden Sie dann die Sachen, die wir angehen wollen.

(A) Den habe ich mal hier.

(B) Genau.

Da steht das alles in diesem schönen Kreis da drin.

(A) Kernelemente.

(B) Kernelemente der Strategie der Reserve.

Und dann stehen eben solche Sachen jetzt mal plakativ, wie neben der Grundordnung auch

die Ausbildung, wie auch die Ausstattung.

Ausbildung und Ausstattung ist heute ein echtes Manko.

Wenn Sie als Reservist irgendwo hinkommen und haben nix, also da ist kein Gewehr für

Sie da, es keinen Panzer speziell für die Reserve, da ist kein Ausbildungsplatz speziell

für die Reserve, da ist möglicherweise auch keine IT-Ausstattung speziell für die Reserve.

(A) Computer zum Beispiel.

(B) Dann ist das ein unbefriedigender Zustand, der sich auch auf

Ihre Motivation auswirkt und auf die Frage „Kommen Sie eigentlich gerne zur Bundeswehr

oder nicht, um Reservisten-Dienst zu leisten?“.

Wenn wir künftig mehr gucken wollen auf Landes- und Bündnisverteidigung und auf die Befähigung

dazu, dann kann das nicht ohne Auswirkungen bleiben auf die Ausbildungseinrichtungen.

Dann müssen wir uns Gedanken machen, wo können wir Reservisten künftig ausbilden - im Team,

weniger als Individuum, aber im Team vor allen Dingen.

Wie wollen wir das machen?

Wie können wir das zeitlich machen?

Kann man sowas machen, was alte Leute aus der Vergangenheit kennen oder was heute unser

Territorial-Reserve gerne macht: Die kommen am Freitag zusammen, Freitagmittag beispielsweise,

gehen Sonntagmittag wieder auseinander und haben dann am Wochenende gemeinsam irgendwo

geübt, geschossen, sind ausgebildet worden, waren auf dem Übungsplatz, haben da biwakiert

- wie auch immer - und haben sich am Ende auch wohl gefühlt und haben auch was der

die Kameradschaft getan.

(A) Habe ich auch schon zwei Mal gemacht.

Nannte sich DVag.

(B) Nannte sich DVag, genau, oder auch Übung, je nachdem.

Das ist etwas, da braucht man Infrastruktur dafür, wenn man das in größerem Rahmen

machen will.

Da braucht man Personal, das ausbildet.

Das ist die Frage, kann die aktive Truppe das machen?

Da können auch Reservisten selber Reservisten ausbilden.

Da gibt es also noch eine ganze Menge auch an Spielräumen dazwischen.

Und ich brauche am Ende auch Großgerät und zwar nicht nur Großgerät, dass die aktive

Truppe für Reservisten bereithält, sondern mir wäre es am liebsten, wenn dieses Großgerät

zu einem Reservistenverband dazugehört.

Also ein Reservistenverband der Zukunft darf sich weder von der Personalausstattung, noch

von der Materialausstattung, noch von der IT-Ausstattung und dem ganzen Drumherum (Infrastruktur,

Munition, was auch immer) unterscheiden von einem aktiven Verband.

Das wäre so das, was ich mir am Ende wünsche.

Weil ich die ja auch einsetzen können muss am scharfen Ende.

Also das ist so ein Beispiel, wo ich sag, Ausstattung ist auch ein Motivationsfaktor

und wirkt sich dann auch hoffentlich aus auf Reservisten, die zu uns kommen wollen.

Und dann finden Sie halt da noch so ein paar Beispiele, wo wir mit der Strategie der Reserve

auch ran wollen.

(A) Hatten wir schon gesagt: Was motiviert einen, Reservist

zu werden?

Was hat die Bundeswehr denn vor, um das Ganze lukrativ zu machen?

Also wie soll das Ganze lukrativ gestaltet werden?

Was habe ich davon zu sagen, jetzt wäre am Wochenende ein schönes Schießen?

Entweder man hat da wirklich Interesse dran oder vielleicht auch nicht.

Aber gibt es da Ideen, das für einen Menschen lukrativ zu gestalten?

(B) Was ich immer erstaunlich finde, ist die unglaubliche

Bandbreite, warum Reservisten zur Bundeswehr kommen oder warum junge Leute, die nie bei

der Bundeswehr waren, in einer Karriere als Reservist einsteigen wollen.

Das ist ganz erstaunlich.

Es gibt ideelle Motive, also vereinfacht gesagt, etwas für das Land tun zu wollen oder für

die Region in der ich lebe, weil ich glaube das bin ich dem Staat oder der Gesellschaft

schuldig.

Der Bundesfreiwilligendienst hat ja auch eine ganze Menge an Zulauf.

Also es gibt auch Reservisten, die mit ähnlichen Motiven zu Bundeswehr kommen können.

Es gibt natürlich Menschen, die sie über monetäre Anreize an die Bundeswehr binden

können.

Das ist auch immer ein starkes Argument.

Es gibt Ausbildungen, die Sie möglicherweise im zivilen Bereich nicht bekommen können.

Es gibt Freude am Soldatenberuf.

Das trifft oftmals auf diejenigen zu, die in der aktiven Truppe gewesen sind und die

sich dann (nicht unbedingt beim Ausscheiden, aber früher oder später doch wieder) dran

erinnern nach dem Motto: „Mensch, eigentlich so schlecht war es da gar nicht.

Guck doch da mal wieder hin.

Vielleicht gibt's deinen alten Spieß noch und jetzt hätte ich auch wieder Zeit.

Jetzt habe ich mich ein bisschen gesetzt in meinem zivilen Umfeld.

Jetzt gehe ich da einfach mal wieder hin.“

Also die Motivlage ist durchaus heterogen.

Gleichwohl, wir wollen schon dafür Sorge tragen oder etwas dafür tun, dass wir Anreize

schaffen.

Es gibt viele kluge Überlegungen.

Das haben wir festgestellt in der Erarbeitung der Strategie der Reserve auf unterschiedlichsten

Feldern.

Also beispielsweise kann man jemanden, der dann hinterher studieren will, kann man dem

möglicherweise Punkte verpassen, kann man denen Vorteile verschaffen?

Kann man mit Blick auf die Rente etwas tun?

Kann man besondere Anreize in der Ausbildung schaffen?

Es gibt also Kooperationsüberlegungen und auch Modelle, wo man sagt: Irgendjemand kommt

zur Bundeswehr, wird dort ausgebildet, geht dann in einen Betrieb, wo er später vielleicht

mal weitermacht und kriegt dort eine Ausbildung, kommt dann als Reservist anschließend wieder

zur Bundeswehr in bestimmten Intervallen zurück und versucht das Ganze auch vertraglich zu

fixieren.

Oder man schafft ideeller Anreize.

Auch das, sagte ich, ist interessant.

Manche Leute wollen einfach nur mal das Feeling als Soldat oder Soldatin wieder genießen.

(A) Zusammenhalt.

(B) Wir müssen sicherlich etwas tun, zum einen für die Reservisten

selbst zum anderen aber auch für die Arbeitgeber, weil das kann man in der Strategie der Reserve

auch sehr deutlich lesen: Der Reservistendienst an sich bleibt unverändert freiwillig.

(A) Ja, ich war ja immer selbständig.