Warum existieren wir? - Anthropisches Prinzip
Die Frage, warum wir existieren, beschäftigt Naturwissenschaftler und Philosophen schon
seit Jahrtausenden.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Leben entsteht, speziell menschliches Leben, schätzt man als äußerst gering ein.
Denn wäre zum Beispiel die Expansionsgeschwindigkeit des Universums eine Sekunde nach dem Urknall
auch nur um ein Nonillionstel, eine Zahl mit 54 Nullen kleiner oder größer, dann wäre
das Universum innerhalb weniger Jahrmillionen kollabiert bzw. hätte sich so schnell ausgedehnt,
dass die Entstehung von Sonnensystemen und Galaxien unmöglich wäre.
Ein ähnliches Resultat erhalten wir, wenn wir am Massenverhältnis von Proton und Elektron,
dem Abstand zwischen Sonne und Erde oder der Anzahl und Größe unseres Mondes, herumspielen.
Die Entstehung von Leben würde dadurch unmöglich werden.
Es scheint so, als sind alle Eigenschaften bis ins kleinste Detail abgestimmt, damit
es Leben hervorbringen kann.
Ist es also reiner Zufall, dass das Universum genauso ist, wie es ist?
INTRO Das umstrittene Anthropische Prinzip wurde
als ein Prinzip der Kosmologie in den 1970er Jahren von Brandon Carter aufgestellt.
Er verknüpft die Eigenschaften des Universums mit der Existenz menschlicher Beobachter.
Wie bereits erwähnt sind die Feinabstimmungen der Eigenschaften des Universums notwendig
für unsere Existenz.
Das Leben ist nur unter diesen ganz bestimmten Umständen möglich, die in unserem Universum
verwirklicht sind.
Daraus ergibt sich das sogenannte schwache Anthropische Prinzip: “Weil es menschliche
Beobachter gibt, muss das Universum genauso sein, wie es ist.”
Macht Sinn.
Wenn das Universum nur unter präzise abgestimmten Eigenschaften Beobachter hervorbringt und
wir davon wissen, weil wir diese Beobachter selbst sind, dann müssen die Eigenschaften
nun mal fein abgestimmt sein.
Es handelt sich um eine Tautologie.
Die Aussage ist logisch wahr.
Es ist wie es ist.
Würde das Universum kein Leben hervorbringen können, dann gäbe es uns auch nicht und
somit keinerlei Beobachter.
Genau deshalb muss es uns nicht wundern, dass wir uns in einem solchen Universum und auf
einem solchen Planet befinden.
Doch wo bleibt nun die erwähnte Kritik?
Wenn es ein schwaches Prinzip gibt, dann muss es natürlich auch ein starkes geben.
Die Kritik beschäftigt sich ausschließlich mit jenem starken anthropischen Prinzip.
Dieses fügt dem schwachen Anthropischen Prinzip noch hinzu, dass die Feinabstimmung des Universums
die Existenz menschlicher Beobachter nicht nur ermöglicht, sondern sie den Zweck hat
unser Leben hervorzubringen.
In religiösen Kreisen bedient man sich ähnlichen Argumenten und sieht die Feinabstimmung des
Universums als einen Beweis für Gott.
Man spricht auch vom kosmologischen Gottesbeweis.
Doch genau wie dieser vermeintliche Beweis ist auch das starke Anthropische Prinzip unwissenschaftlich,
da es einen Zweck in die Natur bringt.
Der Natur einen Sinn zu geben, ist nicht notwendig.
Das Prinzip versucht so verdeckte religiöse Elemente in die Naturwissenschaften zu bringen.
Auch in der Multiversentheorie findet das schwache Anthropische Prinzip häufig Verwendung.
Man argumentiert: Wenn es eine unendliche Anzahl an Universen gäbe, dann muss jeder
physikalische Vorgang, sei er auch noch so selten, nahezu unendlich oft vorkommen.
Somit wäre die Wahrscheinlichkeit der Existenz der menschlichen Beobachter quasi bei 100%
und es müsste zwangsläufig intelligentes Leben entstehen.
Doch diese These wird eher als spekulativ eingestuft, da es auch hier an Beweisen mangelt.
Die Vorstellung davon gefällt mir trotzdem irgendwie.
Okay. (lachend→ernsthaft) Am Ende bleibt uns also nur das schwache Anthropische Prinzip.
Wir wissen, dass wir da sind.
Mag unsere Existenz noch so unwahrscheinlich sein.
Ob die Natur nun einen Zweck hat oder nicht, staunen können wir trotz des Anthropischen
Prinzips, über die unwahrscheinliche Entstehung von Leben jeden Tag aufs Neue.
In diesem Sinne nehmt euch die Worte Albert Einsteins zu Herzen:
"Ich habe der Natur nie einen Zweck oder ein Ziel unterstellt, oder irgendetwas anderes,
das man als anthropomorph bezeichnen könnte.
Was ich in der Natur sehe, ist eine großartige Struktur, die wir nur sehr unvollkommen zu
erfassen vermögen und die einen denkenden Menschen mit einem Gefühl der Demut erfüllen
muss.
Dies ist ein echt religiöses Gefühl, das mit Mystizismus nichts zu tun haTTT."