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KURZE SACHTEXTE, GESUND - KRANK

GESUND – KRANK

 

Wer ist schon immer ganz gesund?

– Wohl nur wenige Menschen.

Fast alle hatten die sogenannten Kinderkrankheiten und können sich noch erinnern, dass sie zu Hause bleiben mussten, weil sie Scharlach hatten oder Masern oder Windpocken.

Für  manche war der Mumps (oder manche sagen Ziegenpeter) ziemlich unangenehm, für andere der Keuchhusten. Vielen ist noch in Erinnerung, wie sie das erste Mal geimpft wurden. Persönlich weiß ich noch, wie ich die Zähne, einen nach dem andern, verloren habe und wie die neuen durchgebrochen sind. Das war sehr, sehr schmerzhaft, und gegen Schmerzen gab es früher nicht so viele Mittel wie heute. Da tränkten die Eltern schon mal kleine Wattebauschen mit Schnaps und gaben sie uns vor dem Einschlafen. Wir schoben sie zwischen die Zähne und bissen fest darauf, damit der Alkohol die Schmerzen betäubte. Insgesamt gesehen gab es damals vieles nicht, was heute Standard ist.

Zum Beispiel der Mutter-Kind-Pass: Ein solches Dokument erhält seit 1974 die werdende Mutter in Österreich, wenn ihre Schwangerschaft festgestellt wird, spätestens bis zur 16.

Schwangerschaftswoche, vom Hausarzt, vom Frauenarzt oder in Schwangerenberatungsstellen. In diesem Dokument sind die Untersuchungen vermerkt, die für die Schwangere und für die Kleinkinder bis zum Ende des 4. Lebensjahres vorgesehen sind. So sollen gesundheitliche Risiken der Mutter frühzeitig erkannt und Schwangerschaftskomplikationen aufgedeckt werden. Und wenn das Kind auf der Welt ist, soll der Entwicklungsstand des Kindes und seine Betreuung ständig kontrolliert werden. Jede Frau, Inländerin oder Ausländerin, hat Anspruch auf diese Art der Vorsorge. Und wenn die Untersuchungen nicht eingehalten werden, fällt auch ein Teil des Kinderbetreuungsgeldes weg.

Bei den Autopapieren führe ich immer den Impfpass mit.

In diesem sind alle Impfungen eingetragen und zum Teil vom Arzt unterschrieben: die Tetanus-Impfung, die Hepatitis-Impfungen, die Kinderlähmungs-Impfung, die FSME-Impfungen usw. Wäre die Tetanus-Impfung früher allgemein verbreitet gewesen, hätten sich viele Menschen die Qualen und den Kampf zwischen Leben und Tod erspart, so wie mein Vater. Er hatte sich bei den Umbauarbeiten am Haus mit einem rostigen Nagel die Fußsohle aufgeritzt und infiziert. 6 Wochen lag er in einem Linzer Krankenhaus und kämpfte ums Leben. Wir Kinder wussten nicht, ob wir unsern Vater noch einmal lebend sehen würden. Gott sei Dank, hat er den sogenannten Wundstarrkrampf gut überstanden.

Für die Schüler von 6 bis 18/19 sind jetzt auch Schulärzte angestellt.

Einmal im Jahr haben sie die Schüler zu untersuchen und die für das jeweilige Alter vorgesehenen Impfungen durchzuführen. Außerdem nehmen sie sich Zeit, um die Schüler zu beraten, wenn sie sich beim Sport usw. verletzen.

Vom 19.

Lebensjahr an hat jeder Österreicher das Recht, einmal im Jahr eine sogenannte „Gesundenuntersuchung“ von einem Arzt durchführen und sich beraten zu lassen, kostenlos. Das kann dazu beitragen, sowohl Risikofaktoren für eine Krankheit als auch Krankheiten früh genug zu erkennen. Denn die Heilungschancen sind bei den meisten Krankheiten viel größer, wenn die Krankheit früh entdeckt wird. Verschiedene Werte werden durch Urin- und Blutproben ermittelt. Ebenso werden der Blutdruck, die Pulsfrequenz, die Lungenfunktion, die Herzfunktion und die Haut sorgfältig kontrolliert. Für Frauen gibt es zusätzlich ein gynäkologisches Vorsorgeprogramm. Zur  Zeit nehmen ungefähr 1 Million Österreicher, -das ist jeder Achte,- an diesem Vorsorgeprogramm teil.

Im Grunde ist es im Augenblick so: Wenn Beschwerden auftreten, hat man die Möglichkeit, zum Hausarzt zu gehen.

Falls es spezifische Schmerzen sind, kann man sich an einen Facharzt wenden. Ist man in einen Unfall verwickelt und wird verletzt, verständigt man das Rote Kreuz. Ein Notarzt kommt, und wenn notwendig, wird man ins Krankenhaus gebracht, mit einem Rettungswagen oder mit dem Hubschrauber bei lebensgefährlichen Verletzungen. Neben den öffentlichen Krankenhäusern gibt es auch private Kliniken, die sich meist auf bestimmte Bereiche spezialisiert haben. Meine Schulteroperation z. B., die nach einem Skiunfall notwendig wurde, ließ ich in einer Klinik in Salzburg durchführen. Das war allerdings nur möglich, weil ich wie viele Österreicher zusätzlich zur Pflichtversicherung noch eine private Versicherung habe.

Alle diese Neuerungen, die im Laufe der letzten Jahrzehnte eingeführt wurden, haben zur Folge, dass die Kosten der Versicherungen und der Krankenhäuser ständig steigen.

Es kommen ja immer auch neue und teurere Medikamente auf den Markt. Und die Menschen erreichen ein immer höheres Lebensalter. Deswegen wird seit Jahren schon diskutiert, wie man den Gesundheitssektor reformieren kann. Bisher hat man jedoch keine wirklichen Fortschritte erzielt. Krankenhäuser wurden zusammengelegt oder doch zumindest Abteilungen, Gemeinschaftspraxen wurden geschaffen. Eines wird jedoch immer deutlicher: die einen haben, wegen ihrer guten finanziellen Lage, Zugang zu besonderen Angeboten, die anderen können sich nur wenig leisten. Man spricht von einer Zwei-Klassen-Medizin. Das ist aber nicht das, was wir wollen. So muss die Diskussion weitergehen, damit möglichst viele Menschen in Würde alt werden können. Vorausgesetzt natürlich, sie wollen es, geben auf sich Acht und schädigen sich nicht schon in jungen Jahren selbst.

Die gesunde Ernährung und die gesunde Lebensweise sind natürlich in diesem Zusammenhang auch ein Thema.

(geschrieben und gelesen von Franz Stichlberger; Österreich) 



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GESUND – KRANK

 

Wer ist schon immer ganz gesund?

– Wohl nur wenige Menschen.

Fast alle hatten die sogenannten Kinderkrankheiten und können sich noch erinnern, dass sie zu Hause bleiben mussten, weil sie Scharlach hatten oder Masern oder Windpocken.

Für  manche war der Mumps (oder manche sagen Ziegenpeter) ziemlich unangenehm, für andere der Keuchhusten. Vielen ist noch in Erinnerung, wie sie das erste Mal geimpft wurden. Persönlich weiß ich noch, wie ich die Zähne, einen nach dem andern, verloren habe und wie die neuen durchgebrochen sind. Das war sehr, sehr schmerzhaft, und gegen Schmerzen gab es früher nicht so viele Mittel wie heute. Da tränkten die Eltern schon mal kleine Wattebauschen mit Schnaps und gaben sie uns vor dem Einschlafen. Wir schoben sie zwischen die Zähne und bissen fest darauf, damit der Alkohol die Schmerzen betäubte. Insgesamt gesehen gab es damals vieles nicht, was heute Standard ist.

Zum Beispiel der Mutter-Kind-Pass: Ein solches Dokument erhält seit 1974 die werdende Mutter in Österreich, wenn ihre Schwangerschaft festgestellt wird, spätestens bis zur 16.

Schwangerschaftswoche, vom Hausarzt, vom Frauenarzt oder in Schwangerenberatungsstellen. In diesem Dokument sind die Untersuchungen vermerkt, die für die Schwangere und für die Kleinkinder bis zum Ende des 4. Lebensjahres vorgesehen sind. So sollen gesundheitliche Risiken der Mutter frühzeitig erkannt und Schwangerschaftskomplikationen aufgedeckt werden. Und wenn das Kind auf der Welt ist, soll der Entwicklungsstand des Kindes und seine Betreuung ständig kontrolliert werden. Jede Frau, Inländerin oder Ausländerin, hat Anspruch auf diese Art der Vorsorge. Und wenn die Untersuchungen nicht eingehalten werden, fällt auch ein Teil des Kinderbetreuungsgeldes weg.

Bei den Autopapieren führe ich immer den Impfpass mit.

In diesem sind alle Impfungen eingetragen und zum Teil vom Arzt unterschrieben: die Tetanus-Impfung, die Hepatitis-Impfungen, die Kinderlähmungs-Impfung, die FSME-Impfungen usw. Wäre die Tetanus-Impfung früher allgemein verbreitet gewesen, hätten sich viele Menschen die Qualen und den Kampf zwischen Leben und Tod erspart, so wie mein Vater. Er hatte sich bei den Umbauarbeiten am Haus mit einem rostigen Nagel die Fußsohle aufgeritzt und infiziert. 6 Wochen lag er in einem Linzer Krankenhaus und kämpfte ums Leben. Wir Kinder wussten nicht, ob wir unsern Vater noch einmal lebend sehen würden. Gott sei Dank, hat er den sogenannten Wundstarrkrampf gut überstanden.

Für die Schüler von 6 bis 18/19 sind jetzt auch Schulärzte angestellt.

Einmal im Jahr haben sie die Schüler zu untersuchen und die für das jeweilige Alter vorgesehenen Impfungen durchzuführen. Außerdem nehmen sie sich Zeit, um die Schüler zu beraten, wenn sie sich beim Sport usw. verletzen.

Vom 19.

Lebensjahr an hat jeder Österreicher das Recht, einmal im Jahr eine sogenannte „Gesundenuntersuchung“ von einem Arzt durchführen und sich beraten zu lassen, kostenlos. Das kann dazu beitragen, sowohl Risikofaktoren für eine Krankheit als auch Krankheiten früh genug zu erkennen. Denn die Heilungschancen sind bei den meisten Krankheiten viel größer, wenn die Krankheit früh entdeckt wird. Verschiedene Werte werden durch Urin- und Blutproben ermittelt. Ebenso werden der Blutdruck, die Pulsfrequenz, die Lungenfunktion, die Herzfunktion und die Haut sorgfältig kontrolliert. Für Frauen gibt es zusätzlich ein gynäkologisches Vorsorgeprogramm. Zur  Zeit nehmen ungefähr 1 Million Österreicher, -das ist jeder Achte,- an diesem Vorsorgeprogramm teil.

Im Grunde ist es im Augenblick so: Wenn Beschwerden auftreten, hat man die Möglichkeit, zum Hausarzt zu gehen.

Falls es spezifische Schmerzen sind, kann man sich an einen Facharzt wenden. Ist man in einen Unfall verwickelt und wird verletzt, verständigt man das Rote Kreuz. Ein Notarzt kommt, und wenn notwendig, wird man ins Krankenhaus gebracht, mit einem Rettungswagen oder mit dem Hubschrauber bei lebensgefährlichen Verletzungen. Neben den öffentlichen Krankenhäusern gibt es auch private Kliniken, die sich meist auf bestimmte Bereiche spezialisiert haben. Meine Schulteroperation z. B., die nach einem Skiunfall notwendig wurde, ließ ich in einer Klinik in Salzburg durchführen. Das war allerdings nur möglich, weil ich wie viele Österreicher zusätzlich zur Pflichtversicherung noch eine private Versicherung habe.

Alle diese Neuerungen, die im Laufe der letzten Jahrzehnte eingeführt wurden, haben zur Folge, dass die Kosten der Versicherungen und der Krankenhäuser ständig steigen.

Es kommen ja immer auch neue und teurere Medikamente auf den Markt. Und die Menschen erreichen ein immer höheres Lebensalter. Deswegen wird seit Jahren schon diskutiert, wie man den Gesundheitssektor reformieren kann. Bisher hat man jedoch keine wirklichen Fortschritte erzielt. Krankenhäuser wurden zusammengelegt oder doch zumindest Abteilungen, Gemeinschaftspraxen wurden geschaffen. Eines wird jedoch immer deutlicher: die einen haben, wegen ihrer guten finanziellen Lage, Zugang zu besonderen Angeboten, die anderen können sich nur wenig leisten. Man spricht von einer Zwei-Klassen-Medizin. Das ist aber nicht das, was wir wollen. So muss die Diskussion weitergehen, damit möglichst viele Menschen in Würde alt werden können. Vorausgesetzt natürlich, sie wollen es, geben auf sich Acht und schädigen sich nicht schon in jungen Jahren selbst.

Die gesunde Ernährung und die gesunde Lebensweise sind natürlich in diesem Zusammenhang auch ein Thema.

(geschrieben und gelesen von Franz Stichlberger; Österreich) 


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