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Napoleon: Eine Novelle, Napoleon: Eine Novelle (1)

Napoleon: Eine Novelle

The Project Gutenberg EBook of Napoleon, by Carl Sternheim

This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at www.gutenberg.org

Title: Napoleon Eine Novelle

Author: Carl Sternheim

Release Date: November 17, 2012 [EBook #41384]

Language: German

* START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NAPOLEON *

Produced by Jens Sadowski

NAPOLEON

EINE NOVELLE VON CARL STERNHEIM

LEIPZIG KURT WOLFF VERLAG 1915

Mit drei Lithographien von Ottomar Starke. Gedruckt bei Poeschel & Trepte in Leipzig Juli 1915 als neunzehnter Band der Bücherei »Der jüngste Tag«

COPYRIGHT 1915 BY KURT WOLFF VERLAG • LEIPZIG

FÜR THEA, MEINE LIEBE FRAU

NAPOLEON

NAPOLEON wurde 1820 zu Waterloo im Eckhaus, vor dem sich die Steinwege nach Nivelles und Genappes trennen, geboren. Sein Kinderleben verließ historischen Boden nicht.

Über die durch Hohlwege gekreuzten Flächen, auf denen des Kaisers Kürassiere in Knäueln zu Tode gestürzt waren, gingen seine Soldatenspiele mit Gleichalterigen. Sie lehrten ihn ewige Gefahr, Wunden und Sieg.

Zwölf Jahre alt, nahm er von Kameraden beherrschten Abschied, sprang zum Vater in die Kalesche und fuhr nach Brüssel hinüber, wo er vor ein Gasthaus abgesetzt wurde. In der Küche des Lion d'or lernte er Schaum schlagen, Fett spritzen, schneiden und schälen. Gewohnter Überwinder der Kameraden auf weltberühmter Walstatt, ließ er auch hier ganz natürlich die Mitlernenden hinter sich und war der erste, der die Geflügelpastete nicht nur zur Zufriedenheit des Chefs zubereitete, sondern auch nach den Gesetzen zerlegte.

Er selbst blieb von allen Speisenden der einzige, den der Vol-au-vent nicht befriedigte, doch nahm er Lob und ehrenvolles Zeugnis hin, machte sich, siebenzehnjährig, auf den Weg und betrat an einem Maimorgen des Jahres 1837 durch das Sankt Martinstor Paris.

Als er von einer Bank am Flußufer die strahlende Stadt und ihre Bewegung übersah, wurde ihm zur Gewißheit, was er in Brüssel geahnt: Nie würde er aus den allem Verkehr fernliegenden Küchenräumen jene enge Berührung mit Menschen finden, die sein Trieb verlangte. Tage hindurch, solange die ersparte Summe in der Tasche das Nichtstun litt, folgte er den Kellnern in den Wirtschaften gespannten Blicks mit inniger Anteilnahme; verschlang ihre und der Essenden Reden, Lachen, Gesten. An einem hellen Mittag, da eine Dame Trauben vom Teller hob, den ihr der Kellner bot, trat er stracks in die Taverne auf den Wirt zu und empfahl sich ihm durch Gebärden und flinken Blick als Speisenträger.

Nun brachte er Mittag- und Abendmahl für alle Welt herbei. Es kam von beiden Geschlechtern jedes Alter und jeder Beruf zu seinen Schüsseln und sättigte sich. Unermüdlich schleppte er auf die Tische, fing hungrige Blicke auf und satte, räumte er ab. Nachts träumte er von malmenden Kiefern, schlürfenden Zungen und ging anderes Morgens von neuem ans Tagwerk im Bewußtsein seiner Notwendigkeit.

Erst allmählich sah er Unterschiede des Essens von schmatzenden Lippen ab. Er kannte den gierigen, weitgeöffneten Rachen des Studenten, durch den unsortierte Bissen in ein niegestopftes Loch fielen, unterschied den Vertilger eines nicht heißhungrig ersehnten, doch regelmäßig gewohnten Mahles von jenem Überernährten, der ungern zum Tisch sich niederließ und gelangweilt Leckerbissen kostete und zurückschob. Er prägte sich die kauende, trinkende Menschheit in allen Abstufungen fest und bildhaft ein.

Durch Kennerschaft wurde er ihr Berater und Führer; wies den Hungrigen feste Nahrung, bediente die ewig Satten mit Schaum und Gekröse; von ihm zu allen Tischen lief ein Band des Verständnisses. Hob der Gast nur die Karte, fiel von Napoleons Lippen erlösend der gewünschten Speise Name.

Jahrelang blieben die seine Lieblinge, deren leibliche Not die Kost stillen sollte. Ein saftiges Stück Fleisch, von kräftigen Zähnen gebissen, schien ihm die gelungenste Vorstellung. Doch machte er Unterschiede zwischen den Sorten. Ließ er Kalb und Lamm im Hinblick auf ihre festere Zusammensetzung gelten, war ihm Wild und Geflügel wenig sympathisch. Von Fischen, Austern und Verwandtem hielt er der lockeren Struktur wegen nicht das Geringste. Inbegriff guter Nahrung war ihm das Rind. Unwillkürlich sah er beim Hin- und Heimweg die Begegneten auf die Beschaffenheit ihrer Muskulatur hin an. Die erschienen ihm wohl bereitet, die über straffem Knochenbau gedrängte Materie trugen. Die Mageren verachtete er, und die mit losem Fett Gepolsterten waren ihm verhaßt. Einem gut aufgesetzten Körper folgten seine Blicke zärtlich und zerlegten ihn augenblicklich in gigots, selle, côtes und Kotelettes. In der Einbildung streute er Pfeffer und Salz hinzu, garnierte, schnitt und servierte das Ganze mit passendem Salat; dann lächelte das junge Gesicht, und hingerissen, ahnte er nicht, in welcher Zeit er lebte; unterschied Sommer und Winter, Trockenheit und Regen, Überfluß und Notdurft nicht und wußte nur: dies freut den Gast.

Immer hitziger wurde sein Trieb, dem zu Bedienenden sättigende Kost zu bieten. Gewürz und Zutat sah er nur in dem Sinn, wie sie die bestellte Speise fest und ausdauernd machen möchten. Es bildete sich in seine Vorstellung der Raum des leeren Magens, in den er wie aus Betonklötzen die Nahrung baute.

Ging der Gesättigte, der schlappen Schrittes gekommen, wuchtig zur Tür hinaus, hing Napoleons Blick an dem Schreitenden, als sei dessen Lebendigkeit sein Werk. Er brauchte das Bewußtsein schöpferischer Tat, um vor sich bestehen zu können und steigerte es allmählich zur Überzeugung, ohne ihn und seine Pflege sei die Lebensarbeit der Betroffenen nicht möglich. Diese festzustellen, merkte er die Namen der Gäste; nahm an ihrem Vorwärtskommen teil.

*

Es geschah, als er am freien Tage durch die Wege der Versailler Parks schritt, in der Einbildung, er habe gerade eine riesige Wurst mit den Höchstwerten menschlicher Nährstoffe gestopft und schnitte den Wartenden Scheiben herunter, daß aufschauend sein Auge zu einem jungen Weibe fiel, das am entblößten Busen ein Kind hängen hatte. Gebannt wurzelte Napoleon am Boden und prägte sich in aufgetane Sinne das Bild rosiger, geblähter Rundheiten an der Frau und dem Säugling ein. War das eine Apotheose seiner Träume von kraftvoller Nahrung und ihrem besten Verbrauch! Er hätte an die Nährende niederfallen und durch Umschlingung ihres und des Kindes Leibes an dem erhabenen Vorgang teilnehmen mögen.

Das geschaute Bild verließ ihn nicht und veranlaßte ihn, flüssigen Stoffen gesteigerte Aufmerksamkeit zu schenken; dann aber hob es den Wert der Frau, der bis heute ihrer geringen Lust zum Essen wegen für seine Welt nicht groß gewesen war, sich jetzt aber unter einem anderen Gesichtspunkt auf das beste ins große Tableau tafelnder Menschheit einordnete. Zum ersten Mal besah er das Mädchen an der Anrichte, dem er bisher nur den kräftigen Gliederbau hatte bestätigen müssen, und immer eindringlicher, als prüfe er es auf gewisse ihm nun einleuchtende Möglichkeiten. Er fand, sie nähme als Nahrung zu viel leichtes Zeug, belade sich mit Geblasenem und Aufgerolltem, das im Magen zu einem Nichts zusammenfiele, warnte sie vor Klebrigkeit und Süßem und forderte sie eines Tages geradezu auf, mit ihm irgendwo ein Mahl zu nehmen, das bis ins kleinste von ihm zusammengestellt, in seinem Wert für sie erörtert werden solle. Das Mädchen nahm des Mannes Kauderwelsch für einen Umschweif, willigte ein, und sie gingen an einem der nächsten Tage gemeinsam ein Stück über Land und traten in einen Gasthof ab.

Dort verschwand Napoleon und erklärte zurückkommend der schmollenden Suzanne, er habe in der Küche selbst bis ins Kleinste vorgesorgt. Mit einem Ragout vom Hammel in einer Burgunderweinsauce beginne man und gehe, alle falschen Vorspiegelungen verschmähend, geradezu auf ein wundervolles, halbblutiges Rindslendenstück zu, an das er englische Gurken und Zwiebeln habe braten lassen.

Als das Essen aufgetragen war, wies er sie, die Bissen langsam zu kauen und ohne Zukost von Brot zu schlucken. Er ruhte nicht, bis das letzte Teilchen auf der Schüssel vertilgt war und befahl ihr und sich selbst ein Gläschen Schnaps zu besserem Bekommen an.

Da nach Tisch sie draußen im Gras lagen, breitete er Arme und Beine von sich und riet ihr, ein Gleiches zu tun. Er sei ein schmächtiger Bursch gewesen und nur durch vernünftige Nahrung und angemessene Verdauung sein Gewebe fest und kräftig geworden. Dabei ließ er durch Beugung die Muskeln der Arme und Waden zu kleinen Bällen schwellen, worauf sie, in der Eitelkeit verletzt, auch ihre Glieder spielen ließ und ihn zur Prüfung der festen Beschaffenheit einlud. Doch bestritt er alles von vornherein, meinte, es sei bei ihrer bisherigen Ernährung gar nicht möglich und forderte sie auf, in Zukunft nach seinen Vorschriften zu leben. Dann werde, was nicht da sei, kommen.

Er gefiel ihr. Dieser nüchterne Sinn machte Eindruck auf sie, und sie bemühte sich, seine Erwartung zu erfüllen. Bei den nächsten Ausflügen blieb sie plötzlich stehen, bäumte den Arm auf und ließ seine Hände die Anschwellung fühlen. Doch kam durch Wochen nichts als ein Schnalzen von ihm, das ihr immerhin bedeutete, sie sei auf rechtem Weg. Bis eines Tags beim Versuch, sich ein gelöstes Schuhband zu knüpfen, sie ihm ein so mächtiges Rückenstück entgegenhob, daß eine runde Anerkennung seinen Lippen entfuhr. Gleich lag sie an seiner Brust; bot ihm den Mund zum Kuß.

Der Besitzer der Taverne starb, und Napoleon wurde Inhaber des Speisehauses. Er konnte nun schalten, wie er wollte, und entfernte vollends alle Spielereien von der Karte. Die gleichbleibende Kundschaft, er selbst und Suzanne waren gewichtig auftretende Personen geworden, die eine Rede deutlich in den Mund nahmen. Es gab in seinen Räumen kein Getuschel, sondern zu schallenden Worten dröhnendes Lachen. Ein forsches Zugreifen und Fortstellen. Überzeugte Meinungen und Entschlüsse für kühne Taten.

Napoleons Vaterunser und Einmaleins hieß: in allen Molekülen drängende Kraft. Von Suzannes Kind, das sie von ihm unter dem Herzen trug, rechnete er, es müsse nach Menschenermessen ein Herkules werden.

*


Napoleon: Eine Novelle Napoleon: Eine Novelle Napoleon: A Novella Napolyon: Bir Roman

The Project Gutenberg EBook of Napoleon, by Carl Sternheim The Project Gutenberg E-Book of Napoleon, by Carl Sternheim Электронная книга о Наполеоне Project Gutenberg Карла Штернхейма Napolyon'un Gutenberg Projesi E-Kitabı, Carl Sternheim

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Title: Napoleon Title: Napoleon Eine Novelle A novella

Author: Carl Sternheim Author: Carl Sternheim

Release Date: November 17, 2012 [EBook #41384]

Language: German

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NAPOLEON *** * START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK NAPOLEON *

Produced by Jens Sadowski

NAPOLEON

EINE NOVELLE A NOVELLA VON FROM CARL STERNHEIM

LEIPZIG LEIPZIG KURT WOLFF VERLAG KURT WOLFF PUBLISHING 1915

Mit drei Lithographien von Ottomar Starke. With three lithographs by Ottomar Starke. Com três litografias de Ottomar Starke. С тремя литографиями Оттомара Старке. Ottomar Starke'nin üç litografisiyle. Gedruckt bei Poeschel & Trepte in Leipzig Juli 1915 als neunzehnter Band der Bücherei »Der jüngste Tag« Printed by Poeschel & Trepte in Leipzig in July 1915 as the nineteenth volume of the library »The Youngest Day« Напечатано издательством Poeschel & Trepte в Лейпциге в июле 1915 года как девятнадцатый том библиотеки «Самый молодой день». Poeschel & Trepte tarafından Temmuz 1915'te Leipzig'de »En Genç Gün« kütüphanesinin on dokuzuncu cildi olarak basılmıştır.

COPYRIGHT 1915 BY KURT WOLFF VERLAG • LEIPZIG COPYRIGHT 1915 BY KURT WOLFF VERLAG • LEIPZIG

FÜR THEA, MEINE LIEBE FRAU FOR THEA, MY DEAR WIFE

NAPOLEON NAPOLEON

NAPOLEON wurde 1820 zu Waterloo im Eckhaus, vor dem sich die Steinwege nach Nivelles und Genappes trennen, geboren. NAPOLEON was born in Waterloo in 1820 in the corner house in front of which the stone paths to Nivelles and Genappes separate. NAPOLEON est né à Waterloo en 1820 dans la maison d'angle devant laquelle se séparent les chemins de pierre de Nivelles et de Genappes. НАПОЛЕОН родился в Ватерлоо в 1820 году в угловом доме, перед которым расходятся каменные дорожки на Нивель и Женап. NAPOLEON, 1820'de Waterloo'da, önünde Nivelles ve Genappes'e giden taş patikaların ayrıldığı köşe evde doğdu. Sein Kinderleben verließ historischen Boden nicht. His childhood life did not leave historical ground. Его детская жизнь не покидала исторической почвы.

Über die durch Hohlwege gekreuzten Flächen, auf denen des Kaisers Kürassiere in Knäueln zu Tode gestürzt waren, gingen seine Soldatenspiele mit Gleichalterigen. His soldiers' games with contemporaries went over the plains criss-crossed by sunken paths, on which the Emperor's cuirassiers had fallen to their death in knots. Ses jeux de soldat avec ses pairs traversaient les plaines sillonnées de chemins creux, sur lesquelles les cuirassiers de l'Empereur étaient tombés à mort en nœuds. Его солдатские игры со сверстниками шли по равнинам, испещренным протоптанными тропами, на которых кирасиры Императора сбились насмерть в узел. Askerlerinin çağdaşlarıyla oyunları, İmparator'un zırhlılarının düğümler halinde ölüme düştüğü, batık yollarla çaprazlanan ovaları aşıyordu. Sie lehrten ihn ewige Gefahr, Wunden und Sieg. They taught him eternal danger, wounds and victory. Они научили его вечной опасности, ранам и победе.

Zwölf Jahre alt, nahm er von Kameraden beherrschten Abschied, sprang zum Vater in die Kalesche und fuhr nach Brüssel hinüber, wo er vor ein Gasthaus abgesetzt wurde. Twelve years old, he said goodbye to his comrades in a controlled manner, jumped into his father's carriage and drove over to Brussels, where he was dropped off in front of an inn. Âgé de douze ans, il dit au revoir à ses camarades de manière maîtrisée, saute dans la voiture de son père et se rend à Bruxelles, où il est déposé devant une auberge. В возрасте двенадцати лет он сдержанно попрощался со своими товарищами, прыгнул в карету отца и поехал в Брюссель, где его высадили перед гостиницей. In der Küche des Lion d'or lernte er Schaum schlagen, Fett spritzen, schneiden und schälen. In the kitchen of the Lion d'or he learned how to whip foam, squirt fat, cut and peel. Dans la cuisine du Lion d'or, il a appris à fouetter de la mousse, à faire gicler de la graisse, à couper et à éplucher. На кухне «Золотого льва» он научился взбивать пену, брызгать жиром, резать и чистить кожуру. Gewohnter Überwinder der Kameraden auf weltberühmter Walstatt, ließ er auch hier ganz natürlich die Mitlernenden hinter sich und war der erste, der die Geflügelpastete nicht nur zur Zufriedenheit des Chefs zubereitete, sondern auch nach den Gesetzen zerlegte. Accustomed to overcoming his comrades on the world-famous battleground, he quite naturally left his fellow learners behind and was the first to not only prepare the chicken pie to the boss's satisfaction, but also to cut it up according to the laws. Habitué à vaincre ses camarades sur le champ de bataille mondialement connu, il a tout naturellement laissé derrière lui ses compagnons d'apprentissage et a été le premier non seulement à préparer le pâté au poulet à la satisfaction du patron, mais aussi à le découper conformément à la loi. Привыкший побеждать своих товарищей на всемирно известном поле боя, он вполне естественно оставил своих однокурсников позади и первым не только приготовил куриный пирог к удовольствию босса, но и разделал его согласно законам.

Er selbst blieb von allen Speisenden der einzige, den der Vol-au-vent nicht befriedigte, doch nahm er Lob und ehrenvolles Zeugnis hin, machte sich, siebenzehnjährig, auf den Weg und betrat an einem Maimorgen des Jahres 1837 durch das Sankt Martinstor Paris. Of all the diners he himself was the only one not satisfied by the vol-au-vent, but he accepted praise and honorable testimony, set out at the age of seventeen and entered Paris through the Saint Martin's Gate one May morning in 1837. De tous les convives, il était lui-même le seul à ne pas être satisfait du vol-au-vent, mais il accepta louanges et témoignages honorables, partit à l'âge de dix-sept ans et entra à Paris par la porte Saint-Martin un matin de mai 1837. Из всех обедающих он сам был единственным, кого не удовлетворил волован, но он принял похвалу и почетное свидетельство, отправился в путь в возрасте семнадцати лет и вошел в Париж через ворота Сен-Мартен одним майским утром 1837 года.

Als er von einer Bank am Flußufer die strahlende Stadt und ihre Bewegung übersah, wurde ihm zur Gewißheit, was er in Brüssel geahnt: Nie würde er aus den allem Verkehr fernliegenden Küchenräumen jene enge Berührung mit Menschen finden, die sein Trieb verlangte. As he surveyed the radiant city and its movement from a bench on the river bank, he realized what he had suspected in Brussels: he would never find the close contact with people that his instincts demanded from the kitchen rooms, far from all traffic. En arpentant la ville radieuse et son mouvement depuis un banc au bord du fleuve, il réalise ce qu'il avait soupçonné à Bruxelles : il ne retrouverait jamais le contact étroit avec les gens que son instinct exigeait des cuisines, loin de toute circulation. Глядя на сияющий город и его движение со скамейки на берегу реки, он понял то, о чем подозревал в Брюсселе: ему никогда не найти близкого контакта с людьми, которого его инстинкты требовали от кухонных комнат, вдали от пробок. Tage hindurch, solange die ersparte Summe in der Tasche das Nichtstun litt, folgte er den Kellnern in den Wirtschaften gespannten Blicks mit inniger Anteilnahme; verschlang ihre und der Essenden Reden, Lachen, Gesten. For days on end, as long as the sum he had saved in his pocket suffered from doing nothing, he followed the waiters in the inns with a keen eye and deep sympathy; devoured her and those eating speeches, laughter, gestures. Pendant des jours entiers, tant que la somme qu'il avait économisée dans sa poche souffrait de ne rien faire, il suivait les garçons des auberges d'un œil attentif et d'une profonde sympathie ; la dévorait, elle et ceux qui mangeaient des paroles, des rires, des gestes. Целыми днями, пока скопившаяся у него в кармане сумма страдала от бездействия, он следил за официантами в гостиницах с зорким взглядом и глубоким сочувствием; пожирали ее и тех, кто ел речи, смех, жесты. An einem hellen Mittag, da eine Dame Trauben vom Teller hob, den ihr der Kellner bot, trat er stracks in die Taverne auf den Wirt zu und empfahl sich ihm durch Gebärden und flinken Blick als Speisenträger. One bright midday, when a lady was picking grapes from the plate that the waiter offered her, he went straight into the tavern to the innkeeper and recommended himself to him as a food carrier with gestures and a quick look. Un beau midi, alors qu'une dame cueillait des raisins dans l'assiette que le garçon lui offrait, il se rendit directement dans la taverne chez l'aubergiste et se recommanda à lui comme porteur de nourriture avec des gestes et un regard rapide. В один светлый полдень, когда дама собирала виноград с тарелки, которую ей предложил официант, он пошел прямо в трактир к трактирщику и жестами и беглым взглядом представился ему как развозчик еды.

Nun brachte er Mittag- und Abendmahl für alle Welt herbei. Now he brought noon and supper for all the world. Maintenant, il apportait midi et souper pour tout le monde. Теперь он принес полдень и ужин для всего мира. Es kam von beiden Geschlechtern jedes Alter und jeder Beruf zu seinen Schüsseln und sättigte sich. It came from both sexes of every age and profession to its bowls and gorged itself. Il est venu des deux sexes de tout âge et de toute profession à ses bols et s'est gavé. Оно приходило от обоих полов всех возрастов и всех профессий к его мискам и насыщалось. Unermüdlich schleppte er auf die Tische, fing hungrige Blicke auf und satte, räumte er ab. Tirelessly he dragged the tables, caught hungry looks and satiated, he cleared away. Inlassablement il traînait sur les tables, croisait des regards affamés et rassasié, il débarrassait. Nachts träumte er von malmenden Kiefern, schlürfenden Zungen und ging anderes Morgens von neuem ans Tagwerk im Bewußtsein seiner Notwendigkeit. At night he dreamed of crushing jaws and slurping tongues, and the next morning he went back to his day's work, aware of his necessity. La nuit, il rêvait de mâchoires broyées et de langues aspirées, et le lendemain matin, il retournait à sa journée de travail, conscient de sa nécessité.

Erst allmählich sah er Unterschiede des Essens von schmatzenden Lippen ab. Only gradually did he disregard differences in food from smacking lips. Ce n'est que progressivement qu'il a ignoré les différences de nourriture entre les claquements de lèvres. Er kannte den gierigen, weitgeöffneten Rachen des Studenten, durch den unsortierte Bissen in ein niegestopftes Loch fielen, unterschied den Vertilger eines nicht heißhungrig ersehnten, doch regelmäßig gewohnten Mahles von jenem Überernährten, der ungern zum Tisch sich niederließ und gelangweilt Leckerbissen kostete und zurückschob. He knew the greedy, wide-open jaws of the student, through which unsorted morsels fell into an unfilled hole, distinguished the devourer of a meal that he did not eagerly await but that he was accustomed to regularly, from the overfed person who sat down reluctantly at the table and ate tidbits in boredom and pushed them back. Il connaissait la gueule grande ouverte et gourmande de l'étudiant, par laquelle des morceaux non triés tombaient dans un trou non comblé, distinguait le dévoreur d'un repas qu'il n'attendait pas avec impatience mais qu'il avait l'habitude de manger régulièrement, du suralimenté qui s'asseyait à contrecœur. descendit à table et goûta avec ennui des délices et les repoussa. Er prägte sich die kauende, trinkende Menschheit in allen Abstufungen fest und bildhaft ein. He memorized the chewing, drinking humanity in all gradations firmly and pictorially. Il a mémorisé l'humanité à mâcher et à boire dans toutes les gradations de manière ferme et imagée.

Durch Kennerschaft wurde er ihr Berater und Führer; wies den Hungrigen feste Nahrung, bediente die ewig Satten mit Schaum und Gekröse; von ihm zu allen Tischen lief ein Band des Verständnisses. Through connoisseurship he became her adviser and guide; denied solid food to the hungry, served the eternally full with foam and mesentery; from him to all the tables ran a bond of understanding. Hob der Gast nur die Karte, fiel von Napoleons Lippen erlösend der gewünschten Speise Name. If the guest just lifted the card, the name of the dish he wanted fell from Napoleon's lips, redeeming him. Si l'invité venait de soulever la carte, le nom du plat qu'il voulait tombait des lèvres de Napoléon, le rachetant.

Jahrelang blieben die seine Lieblinge, deren leibliche Not die Kost stillen sollte. For years they remained his favorites, whose physical needs the food was supposed to satisfy. Pendant des années, ils sont restés ses favoris, dont la nourriture était censée satisfaire les besoins physiques. Ein saftiges Stück Fleisch, von kräftigen Zähnen gebissen, schien ihm die gelungenste Vorstellung. Un morceau de viande juteux, mordu par des dents solides, lui semblait l'idée la plus réussie. Doch machte er Unterschiede zwischen den Sorten. Mais il a fait des distinctions entre les variétés. Ließ er Kalb und Lamm im Hinblick auf ihre festere Zusammensetzung gelten, war ihm Wild und Geflügel wenig sympathisch. If he accepted veal and lamb in view of their firmer composition, he had little sympathy for game and poultry. S'il acceptait le veau et l'agneau en raison de leur composition plus ferme, il avait peu de sympathie pour le gibier et la volaille. Von Fischen, Austern und Verwandtem hielt er der lockeren Struktur wegen nicht das Geringste. Because of the loose structure, he didn't think the least of fish, oysters and the like. En raison de la structure lâche, il ne pensait pas le moins du monde aux poissons, aux huîtres et autres. Inbegriff guter Nahrung war ihm das Rind. For him, the epitome of good food was beef. Unwillkürlich sah er beim Hin- und Heimweg die Begegneten auf die Beschaffenheit ihrer Muskulatur hin an. On the way there and back he couldn't help but look at the condition of the muscles at the people he met. A l'aller et au retour, il ne pouvait s'empêcher de regarder l'état des muscles des gens qu'il rencontrait. Die erschienen ihm wohl bereitet, die über straffem Knochenbau gedrängte Materie trugen. Ils lui semblaient bien préparés, transportant du matériel entassé sur une ossature tendue. Die Mageren verachtete er, und die mit losem Fett Gepolsterten waren ihm verhaßt. He despised the thin and hated those padded with loose fat. Il méprisait les maigres et détestait ceux bourrés de graisse. Einem gut aufgesetzten Körper folgten seine Blicke zärtlich und zerlegten ihn augenblicklich in gigots, selle, côtes und Kotelettes. His gaze tenderly followed a well-put-on body and immediately dissected it into gigots, selle, côtes and chops. In der Einbildung streute er Pfeffer und Salz hinzu, garnierte, schnitt und servierte das Ganze mit passendem Salat; dann lächelte das junge Gesicht, und hingerissen, ahnte er nicht, in welcher Zeit er lebte; unterschied Sommer und Winter, Trockenheit und Regen, Überfluß und Notdurft nicht und wußte nur: dies freut den Gast. In imagination he sprinkled in pepper and salt, garnished, cut and served with a matching salad; then the young face smiled, and enraptured, he had no idea what time he was living in; did not distinguish between summer and winter, dryness and rain, abundance and want of need and only knew: this pleases the guest. En imagination, il a saupoudré de poivre et de sel, garni, coupé et servi avec une salade assortie ; puis le jeune visage sourit, et ravi, il n'avait aucune idée de l'époque à laquelle il vivait ; ne distinguait pas l'été de l'hiver, la sécheresse de la pluie, l'abondance du besoin et savait seulement : cela plaît à l'invité.

Immer hitziger wurde sein Trieb, dem zu Bedienenden sättigende Kost zu bieten. His drive to offer the waiter filling food became more and more heated. Sa volonté d'offrir au serveur une nourriture copieuse devenait de plus en plus passionnée. Gewürz und Zutat sah er nur in dem Sinn, wie sie die bestellte Speise fest und ausdauernd machen möchten. He saw spices and ingredients only in the sense of how they would like to make the ordered dish firm and enduring. Il ne voyait les épices et les ingrédients que dans le sens de la façon dont ils aimeraient rendre le plat commandé ferme et durable. Es bildete sich in seine Vorstellung der Raum des leeren Magens, in den er wie aus Betonklötzen die Nahrung baute. The space of the empty stomach formed in his imagination, in which he built the food as if from concrete blocks. L'espace de l'estomac vide s'est formé dans son imagination, dans lequel il a construit la nourriture comme à partir de blocs de béton.

Ging der Gesättigte, der schlappen Schrittes gekommen, wuchtig zur Tür hinaus, hing Napoleons Blick an dem Schreitenden, als sei dessen Lebendigkeit sein Werk. Er brauchte das Bewußtsein schöpferischer Tat, um vor sich bestehen zu können und steigerte es allmählich zur Überzeugung, ohne ihn und seine Pflege sei die Lebensarbeit der Betroffenen nicht möglich. He needed the consciousness of creative action in order to be able to exist in front of himself and gradually increased this to the conviction that without him and his care the life work of those affected would not be possible. Diese festzustellen, merkte er die Namen der Gäste; nahm an ihrem Vorwärtskommen teil.

* *

Es geschah, als er am freien Tage durch die Wege der Versailler Parks schritt, in der Einbildung, er habe gerade eine riesige Wurst mit den Höchstwerten menschlicher Nährstoffe gestopft und schnitte den Wartenden Scheiben herunter, daß aufschauend sein Auge zu einem jungen Weibe fiel, das am entblößten Busen ein Kind hängen hatte. It happened as he walked the paths of the Versailles park on his day off, imagining that he had just stuffed a huge sausage with the highest levels of human nutrients and was cutting slices off those waiting that, looking up, his eye fell on a young woman who had a child hanging from her bare bosom. Gebannt wurzelte Napoleon am Boden und prägte sich in aufgetane Sinne das Bild rosiger, geblähter Rundheiten an der Frau und dem Säugling ein. Spellbound, Napoleon rooted to the ground and imprinted in his mind the image of the rosy, puffed-up roundness of the woman and the baby. War das eine Apotheose seiner Träume von kraftvoller Nahrung und ihrem besten Verbrauch! Was this an apotheosis of his dreams of powerful food and its best consumption! Er hätte an die Nährende niederfallen und durch Umschlingung ihres und des Kindes Leibes an dem erhabenen Vorgang teilnehmen mögen. He would have liked to fall down on the woman who was nursing and to take part in the sublime process by embracing her and the child's body.

Das geschaute Bild verließ ihn nicht und veranlaßte ihn, flüssigen Stoffen gesteigerte Aufmerksamkeit zu schenken; dann aber hob es den Wert der Frau, der bis heute ihrer geringen Lust zum Essen wegen für seine Welt nicht groß gewesen war, sich jetzt aber unter einem anderen Gesichtspunkt auf das beste ins große Tableau tafelnder Menschheit einordnete. The image he saw did not leave him and caused him to pay increased attention to liquid substances; But then it raised the value of the woman, who until now had not been great for his world because of her lack of desire to eat, but now, from a different point of view, placed herself at the best in the great tableau of mankind. Zum ersten Mal besah er das Mädchen an der Anrichte, dem er bisher nur den kräftigen Gliederbau hatte bestätigen müssen, und immer eindringlicher, als prüfe er es auf gewisse ihm nun einleuchtende Möglichkeiten. Er fand, sie nähme als Nahrung zu viel leichtes Zeug, belade sich mit Geblasenem und Aufgerolltem, das im Magen zu einem Nichts zusammenfiele, warnte sie vor Klebrigkeit und Süßem und forderte sie eines Tages geradezu auf, mit ihm irgendwo ein Mahl zu nehmen, das bis ins kleinste von ihm zusammengestellt, in seinem Wert für sie erörtert werden solle. He thought she ate too much light stuff for food, loaded herself with blown and rolled things that collapsed to nothing in her stomach, warned her about stickiness and sweets, and one day outright urged her to have a meal with him somewhere that compiled by him down to the smallest detail, should be discussed in terms of its value for her. Das Mädchen nahm des Mannes Kauderwelsch für einen Umschweif, willigte ein, und sie gingen an einem der nächsten Tage gemeinsam ein Stück über Land und traten in einen Gasthof ab.

Dort verschwand Napoleon und erklärte zurückkommend der schmollenden Suzanne, er habe in der Küche selbst bis ins Kleinste vorgesorgt. Mit einem Ragout vom Hammel in einer Burgunderweinsauce beginne man und gehe, alle falschen Vorspiegelungen verschmähend, geradezu auf ein wundervolles, halbblutiges Rindslendenstück zu, an das er englische Gurken und Zwiebeln habe braten lassen.

Als das Essen aufgetragen war, wies er sie, die Bissen langsam zu kauen und ohne Zukost von Brot zu schlucken. Er ruhte nicht, bis das letzte Teilchen auf der Schüssel vertilgt war und befahl ihr und sich selbst ein Gläschen Schnaps zu besserem Bekommen an.

Da nach Tisch sie draußen im Gras lagen, breitete er Arme und Beine von sich und riet ihr, ein Gleiches zu tun. Er sei ein schmächtiger Bursch gewesen und nur durch vernünftige Nahrung und angemessene Verdauung sein Gewebe fest und kräftig geworden. Dabei ließ er durch Beugung die Muskeln der Arme und Waden zu kleinen Bällen schwellen, worauf sie, in der Eitelkeit verletzt, auch ihre Glieder spielen ließ und ihn zur Prüfung der festen Beschaffenheit einlud. Doch bestritt er alles von vornherein, meinte, es sei bei ihrer bisherigen Ernährung gar nicht möglich und forderte sie auf, in Zukunft nach seinen Vorschriften zu leben. Dann werde, was nicht da sei, kommen.

Er gefiel ihr. Dieser nüchterne Sinn machte Eindruck auf sie, und sie bemühte sich, seine Erwartung zu erfüllen. Bei den nächsten Ausflügen blieb sie plötzlich stehen, bäumte den Arm auf und ließ seine Hände die Anschwellung fühlen. Doch kam durch Wochen nichts als ein Schnalzen von ihm, das ihr immerhin bedeutete, sie sei auf rechtem Weg. Bis eines Tags beim Versuch, sich ein gelöstes Schuhband zu knüpfen, sie ihm ein so mächtiges Rückenstück entgegenhob, daß eine runde Anerkennung seinen Lippen entfuhr. Gleich lag sie an seiner Brust; bot ihm den Mund zum Kuß.

Der Besitzer der Taverne starb, und Napoleon wurde Inhaber des Speisehauses. Er konnte nun schalten, wie er wollte, und entfernte vollends alle Spielereien von der Karte. Die gleichbleibende Kundschaft, er selbst und Suzanne waren gewichtig auftretende Personen geworden, die eine Rede deutlich in den Mund nahmen. Es gab in seinen Räumen kein Getuschel, sondern zu schallenden Worten dröhnendes Lachen. Ein forsches Zugreifen und Fortstellen. Überzeugte Meinungen und Entschlüsse für kühne Taten.

Napoleons Vaterunser und Einmaleins hieß: in allen Molekülen drängende Kraft. Von Suzannes Kind, das sie von ihm unter dem Herzen trug, rechnete er, es müsse nach Menschenermessen ein Herkules werden.

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