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Crypto and blockchain, Was ist eine Blockchain? – einfach und verständlich erklärt | NZZ

Was ist eine Blockchain? – einfach und verständlich erklärt | NZZ

Das Internet ist perfekt, um Daten zu verschicken. Schreiben wir aber zum Beispiel eine WhatsApp, landet unsere Nachricht erst einmal auf einem WhatsApp-Server. Und erst der leitet sie dann an den Empfänger weiter. Das funktioniert problemlos, solange wir dem Anbieter vertrauen können. Etwas komplizierter wird es, wenn wir via Internet «Werte» verschicken wollen. Zum Beispiel beim Internetshopping. Egal ob wir per Kreditkarte, Paypal oder Bankeinzug bezahlen, die Kaufabwicklung erfolgt immer über einen Drittanbieter und damit über ein zentrales Computersystem. Und ein solches System hat seinen Preis: Damit sind nicht nur die Gebühren gemeint, die man an den Drittanbieter zahlen muss, sondern auch der Vertrauensvorschuss, dass mit unseren Daten sensibel umgegangen wird.

Weil alle Transaktionen zentral verwaltet werden, gibt es auch für Angreifer einen zentralen Angriffspunkt. Und das ist ein bedeutendes Sicherheitsrisiko. Eine Blockchain soll nun genau diese Probleme lösen. Aber wie? Mit der neuen Technologie können die zentralen Überwachungsparteien, also Intermediäre wie Banken oder Notare, ersetzt werden. Das ist deshalb der Fall, weil in einem Blockchain-System die Rolle des Überwachers dezentral übernommen wird. Eine Transaktion wird nämlich nicht mehr über einen zentralen Server abgewickelt, sondern über die Computer der Netzwerkteilnehmer.

Aber wie funktioniert das überhaupt? Eine Blockchain ist eine dezentralisierte Datenbank, die man sich am besten wie ein Kassenbuch vorstellt. Das Kassenbuch liegt in diesem Fall aber nicht im Aktenschrank eines Buchhalters, sondern befindet sich in Tausenden Kopien auf den Computern aller Blockchain-Mitglieder. Führt jemand eine Transaktion durch, erscheint der Vorgang auch in allen anderen Kassenbüchern.

Wenn ich in einer Blockchain eine Transaktion durchführen möchte, kann ich eine virtuelle Geldbörse nutzen. Die Geldbörse nennt sich Wallet und ist nichts anderes als eine Software und ein bisschen Speicherplatz. Für eine Transaktion generiere ich zuerst ein kryptographisches Schlüsselpaar. Dieses besteht aus einem öffentlichen und einem privaten Schlüssel. Diese beiden Schlüssel sind in der virtuellen Welt zwei lange Zeichenfolgen. Sie erlauben es, Werte zu überweisen.

Das heißt in einer Blockchain trete ich nicht unter meinem Namen auf sondern pseudonym mit einer Nummer. Meinen Public Key kann ich öffentlich teilen. Er dient als Adresse und wird wie eine Art Kontonummer verwendet, um Werte zu empfangen. Mit dem Privat Key kann ich auf die empfangenen Werte selbst zugreifen. So können Überweisungen im Netz ausgeführt werden. Endgültig bestätigt ist eine Transaktion damit aber noch nicht. Dafür muss sie erst, für alle Teilnehmer sichtbar, in einem Block abgelegt werden. Wie das geschieht, unterscheidet sich je nach Art einer Blockchain.

Im Bitcoin -Netzwerk wird dieser Job von einem sogenannten Miner erledigt. Aber was ist ein Miner? Miner sind die Buchprüfer einer Blockchain. Im Prinzip kann jeder Teilnehmer eines Blockchain-Netzwerks als Miner fungieren. Miner arbeiten übrigens immer im Wettbewerb untereinander und machen Folgendes: Sie bündeln viele im Netz aufgelaufene Transaktionen und erstellen mit Hilfe einer mathematischen Funktion einen sogenannten Block. Dafür müssen sie ein Rätsel lösen, was ordentlich Rechenpower voraussetzt und das frisst extrem viel Strom. Wer den Block als Erster berechnet, erhält neue Bitcoins zugesprochen.

Als «Block» wird das Kassenbuch dann auf vielen verschiedenen Computern abgelegt und lässt sich von da an nicht mehr verändern. So funktioniert die Blockherstellung im Bitcoin-Netzwerk. In anderen Blockchains können Blöcke aber auch anders verifiziert werden. Weil eine Blockchain im Grunde nichts anderes tut, als Transaktionen lückenlos und unveränderbar festzuhalten, lassen sich mit der neuen Technologie vor allem Eigentumsverhältnisse regeln.

Jedenfalls können wir wissen Blockchains Verträge gespeichert und ausgeführt werden. Und damit werden dann komplexe Geschäfte automatisch abgewickelt. In der Fachsprache redet man dann von sogenannten «Smart contracts». Damit eröffnet sich ein riesiges Anwendungsgebiet, nicht nur für die Finanzindustrie. Denn die Blockchain-Technologie könnte in Zukunft immer dort zum Einsatz kommen, wo bis dato zwischen Unternehmen oder Privatpersonen Dritte involviert waren, die Prozesse verlangsamen, Geld kosten, oder denen sensible Daten anvertraut werden müssen. Das gilt für Versicherungen genauso wie für Treuhänder oder sogar Regierungen.

Was ist nun aber der größte Vorteil der Blockchain-Technologie? Weil jeder im Netzwerk jederzeit jede Transaktion überprüfen kann und jede Transaktion mit jeder neuen aufs Neue von Hunderten von Computern überprüft wird, ist Vertrauen in eine Blockchain keine menschliche Abwägungssache mehr. Eine zentrale Instanz, der ominöse Dritte, wird überflüssig. Und hat nun Blockchain auch Nachteile?

Noch steckt die Blockchain-Technologie in den Kinderschuhen. Ein großes Problem ist derzeit die Skalierbarkeit, wie man bei Bitcoin sieht. Weil so viele in den Netzwerken aktiv sind, dauert es lange bis Transaktionen bestätigt werden und die Kosten sind hoch. Zudem wurde der zentrale Vertrauensvorschuss mit dezentralem Energieverbrauch ersetzt, was aus einer ökologischen Perspektive mehr als problematisch ist. Diese Nachteile sind aber bekannt. Viele Firmen arbeiten an neuen Lösungen um die Skalierbarkeit und Effizienz zu steigern.

Blockchain ist nicht gleich Blockchain. Fraglich ist, ob auch die Politik gefordert ist, den Blockchain-Firmen bewegen sich schon heute nicht im rechtsfreien Raum und jeder regulatorische Angriff birgt die Gefahr den Rechtsraum innovationsfeindlicher zu machen. Für Anleger gilt schließlich: Trotz gewaltiger Kursavancen von Bitcoin und Co. nicht den gesunden Menschenverstand auszuschalten.



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Was ist eine Blockchain? – einfach und verständlich erklärt | NZZ

Das Internet ist perfekt, um Daten zu verschicken. Schreiben wir aber zum Beispiel eine WhatsApp, landet unsere Nachricht erst einmal auf einem WhatsApp-Server. Und erst der leitet sie dann an den Empfänger weiter. Das funktioniert problemlos, solange wir dem Anbieter vertrauen können. Etwas komplizierter wird es, wenn wir via Internet «Werte» verschicken wollen. Zum Beispiel beim Internetshopping. Egal ob wir per Kreditkarte, Paypal oder Bankeinzug bezahlen, die Kaufabwicklung erfolgt immer über einen Drittanbieter und damit über ein zentrales Computersystem. Und ein solches System hat seinen Preis: Damit sind nicht nur die Gebühren gemeint, die man an den Drittanbieter zahlen muss, sondern auch der Vertrauensvorschuss, dass mit unseren Daten sensibel umgegangen wird.

Weil alle Transaktionen zentral verwaltet werden, gibt es auch für Angreifer einen zentralen Angriffspunkt. Und das ist ein bedeutendes Sicherheitsrisiko. Eine Blockchain soll nun genau diese Probleme lösen. Aber wie? Mit der neuen Technologie können die zentralen Überwachungsparteien, also Intermediäre wie Banken oder Notare, ersetzt werden. Das ist deshalb der Fall, weil in einem Blockchain-System die Rolle des Überwachers dezentral übernommen wird. Eine Transaktion wird nämlich nicht mehr über einen zentralen Server abgewickelt, sondern über die Computer der Netzwerkteilnehmer.

Aber wie funktioniert das überhaupt? Eine Blockchain ist eine dezentralisierte Datenbank, die man sich am besten wie ein Kassenbuch vorstellt. Das Kassenbuch liegt in diesem Fall aber nicht im Aktenschrank eines Buchhalters, sondern befindet sich in Tausenden Kopien auf den Computern aller Blockchain-Mitglieder. Führt jemand eine Transaktion durch, erscheint der Vorgang auch in allen anderen Kassenbüchern. If someone carries out a transaction, the process also appears in all other cash books.

Wenn ich in einer Blockchain eine Transaktion durchführen möchte, kann ich eine virtuelle Geldbörse nutzen. Die Geldbörse nennt sich Wallet und ist nichts anderes als eine Software und ein bisschen Speicherplatz. Für eine Transaktion generiere ich zuerst ein kryptographisches Schlüsselpaar. Dieses besteht aus einem öffentlichen und einem privaten Schlüssel. Diese beiden Schlüssel sind in der virtuellen Welt zwei lange Zeichenfolgen. Sie erlauben es, Werte zu überweisen. They allow values to be transferred.

Das heißt in einer Blockchain trete ich nicht unter meinem Namen auf sondern pseudonym mit einer Nummer. Meinen Public Key kann ich öffentlich teilen. Er dient als Adresse und wird wie eine Art Kontonummer verwendet, um Werte zu empfangen. Mit dem Privat Key kann ich auf die empfangenen Werte selbst zugreifen. So können Überweisungen im Netz ausgeführt werden. Endgültig bestätigt ist eine Transaktion damit aber noch nicht. Dafür muss sie erst, für alle Teilnehmer sichtbar, in einem Block abgelegt werden. Wie das geschieht, unterscheidet sich je nach Art einer Blockchain.

Im Bitcoin -Netzwerk wird dieser Job von einem sogenannten Miner erledigt. Aber was ist ein Miner? Miner sind die Buchprüfer einer Blockchain. Im Prinzip kann jeder Teilnehmer eines Blockchain-Netzwerks als Miner fungieren. Miner arbeiten übrigens immer im Wettbewerb untereinander und machen Folgendes: Sie bündeln viele im Netz aufgelaufene Transaktionen und erstellen mit Hilfe einer mathematischen Funktion einen sogenannten Block. Dafür müssen sie ein Rätsel lösen, was ordentlich Rechenpower voraussetzt und das frisst extrem viel Strom. Wer den Block als Erster berechnet, erhält neue Bitcoins zugesprochen.

Als «Block» wird das Kassenbuch dann auf vielen verschiedenen Computern abgelegt und lässt sich von da an nicht mehr verändern. So funktioniert die Blockherstellung im Bitcoin-Netzwerk. In anderen Blockchains können Blöcke aber auch anders verifiziert werden. Weil eine Blockchain im Grunde nichts anderes tut, als Transaktionen lückenlos und unveränderbar festzuhalten, lassen sich mit der neuen Technologie vor allem Eigentumsverhältnisse regeln.

Jedenfalls können wir wissen Blockchains Verträge gespeichert und ausgeführt werden. Und damit werden dann komplexe Geschäfte automatisch abgewickelt. In der Fachsprache redet man dann von sogenannten «Smart contracts». Damit eröffnet sich ein riesiges Anwendungsgebiet, nicht nur für die Finanzindustrie. Denn die Blockchain-Technologie könnte in Zukunft immer dort zum Einsatz kommen, wo bis dato zwischen Unternehmen oder Privatpersonen Dritte involviert waren, die Prozesse verlangsamen, Geld kosten, oder denen sensible Daten anvertraut werden müssen. Das gilt für Versicherungen genauso wie für Treuhänder oder sogar Regierungen.

Was ist nun aber der größte Vorteil der Blockchain-Technologie? Weil jeder im Netzwerk jederzeit jede Transaktion überprüfen kann und jede Transaktion mit jeder neuen aufs Neue von Hunderten von Computern überprüft wird, ist Vertrauen in eine Blockchain keine menschliche Abwägungssache mehr. Because anyone on the network can verify any transaction at any time, and each transaction is verified by hundreds of computers with each new one, trust in a blockchain is no longer a matter of human judgment. Eine zentrale Instanz, der ominöse Dritte, wird überflüssig. Und hat nun Blockchain auch Nachteile?

Noch steckt die Blockchain-Technologie in den Kinderschuhen. Ein großes Problem ist derzeit die Skalierbarkeit, wie man bei Bitcoin sieht. Weil so viele in den Netzwerken aktiv sind, dauert es lange bis Transaktionen bestätigt werden und die Kosten sind hoch. Zudem wurde der zentrale Vertrauensvorschuss mit dezentralem Energieverbrauch ersetzt, was aus einer ökologischen Perspektive mehr als problematisch ist. In addition, the central leap of faith was replaced with decentralized energy consumption, which is more than problematic from an ecological perspective. Diese Nachteile sind aber bekannt. Viele Firmen arbeiten an neuen Lösungen um die Skalierbarkeit und Effizienz zu steigern.

Blockchain ist nicht gleich Blockchain. Blockchain is not just blockchain. Fraglich ist, ob auch die Politik gefordert ist, den Blockchain-Firmen bewegen sich schon heute nicht im rechtsfreien Raum und jeder regulatorische Angriff birgt die Gefahr den Rechtsraum innovationsfeindlicher zu machen. It is questionable whether politics is also required, the blockchain companies are already not operating in a legal vacuum and every regulatory attack harbors the risk of making the legal space more hostile to innovation. Für Anleger gilt schließlich: Trotz gewaltiger Kursavancen von Bitcoin und Co. For investors, the following applies: Despite the huge price gains of Bitcoin and Co. nicht den gesunden Menschenverstand auszuschalten. Don't turn off common sense.

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