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Leçons à réviser, Hatte Karl Marx doch recht?

Hatte Karl Marx doch recht?

Wirtschaft bestimmt unser Leben. Was, wo und wie hergestellt wird.

Wie alles zusammenhängt und vernetzt ist, genutzt, reguliert und finanziert wird.

Mit Erfolgen und Krisen.

Das alles betrifft jeden von uns, täglich, ist aber immer schwerer zu durchschauen.

Kann uns dabei ein deutscher Denker helfen, der lange schon tot ist?

Der seine wichtigsten Werke um die Mitte des 19. Jahrhunderts schrieb?

Hat Karl Marx uns heute noch was zu sagen?

"Karl Marx ist für mich ein Philosoph des 19. Jahrhunderts, der eine unglaublich originelle Idee hatte für eine wirtschaftliche Zukunft, die aber zum großen Teil falsch war."

"Die herrschende Ökonomie tut ja immer so, als wäre sie besonders modern und Marx uralt.

Nein, es ist genau anders herum. Die herrschende Theorie sitzt immernoch im 19. Jahrhundert und Marx ist modern."

Karl Marx erlebt das Industriezeitalter in seinen Anfängen.

Roboter und Datenströme sind noch fern. Und dennoch liest sich vieles, was er damals schrieb, hochaktuell, erstaunlich zeitlos.

"Karl Marx war einer der großen Denker, die in ihrer Zeit etwas entwickelt haben, nämlich eine Theorie, die für uns noch gilt."

So beschreibt schon Marx das Wesen einer globalisierten Welt: "Die uralten nationalen Industrien werden verdrängt durch neue Industrien, die nicht mehr einheimisch, sondern Rohstoffe aus den entlegensten Zonen verarbeiten...deren Fabrikate werden nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleicht verbraucht." "Marx sagt schon sehr früh, dass ein Markt, ein nationaler, nie ausreichen kann.

Also, es muss sich internationalisieren, es muss die Erde umspannen, wie er sagt, es muss überall, in jeden Winkel vordringen.

Und das bedeutet, dass dieses System nimmt erstmal keine Rücksicht darauf, dass es vielleicht Umweltschäden verursacht,

das haben wir alles in der Geschichte erlebt, sondern es muss wachsen. Es ist wirklich wie ein Krebswachstum." "Der Markt muss daher beständig ausgedehnt werden, sodass seine Zusammenhänge immer mehr die Gestalt eines Naturgesetzes annehnmen und immer unkontrollierbarer werden." schreibt Karl Marx in seinem Hauptwerk „Das Kapital“.

"Wachsende Kapitalmenge führt dazu, dass es einen wachsenden Druck gibt auch auf staatliche Institutionen, sich zu privatisieren.

Wir alle sehen das zum Beispiel am Gesundheitssystem. Krankenhäuser werden profitabel gemacht, Pflegedienste werden privatisiert, alles Mögliche wird privatisiert.

Wir sind inzwischen so weit, dass wir sogar unsere sozialen Beziehungen kommerzialisieren und zur Ware machen, also Stichwort soziale Netzwerke."

Marx hat beschrieben, wie alles zur Ware wird. Nun, im weltweiten Netz, zählen dazu selbst private Beziehungen und persönliche Daten.

Der Rohstoff der Zukunft.

Doch der umfassende Siegeszug dieses Wirtschaftssystems wird nicht nur kritisch gesehen.

"Wir sehen insgesamt, dass das, was man so im Allgemeinen mit dem ungebremsten Kapitalismus der letzten 20 Jahre beschreibt, dass der insgesamt weltweit gute Ergebnisse bringt.

Wenn man sich anguckt, wer… wie ist die…, wie hat sich die weltweite Armut entwickelt? Dann ist die in den letzten 20 Jahren signifikant zurückgegangen.

Also die Ärmsten der Armen haben vom Kapitalismus unterm Strich profitiert. Die Reichsten der Reichen übrigens auch."

Der Treibstoff dieses Modells: Kapital, das ewig nach Profiten sucht, ist zugleich sein größter Risikofaktor. Auch das hat Marx bereits beschrieben : "Europa befindet sich augenblicklich in der Lage eines Menschen am Rande des Bankrotts, der gezwungen ist, zu allen möglichen verzweifelten Mitteln zu greifen, mit denen er den letzten furchtbaren Krach aufzuschieben hofft." Ist das System auf seine eigene Zerstörung ausgelegt? "Ich würde mich zu der Behauptung versteigen, dass wir in der Abenddämmerung des Kapitalismus leben. Ob das noch 20 oder 30 oder 40 Jahre gut geht, mag sein. Aber ich glaube, dass die gegenwärtige Entwicklung des Auseinanderdriftens zwischen Arm und Reich so nicht tragbar ist."

Ob wir einen letzten Tanz auf dem Vulkan erleben oder der Kapitalismus sich immer wieder neu erfindet – kann niemand mit Gewissheit vorhersagen.

Auch Marx nicht. Aber als Deuter der Welt taugt er - heute mehr denn je.


Hatte Karl Marx doch recht?

Wirtschaft bestimmt unser Leben. Was, wo und wie hergestellt wird.

Wie alles zusammenhängt und vernetzt ist, genutzt, reguliert und finanziert wird.

Mit Erfolgen und Krisen.

Das alles betrifft jeden von uns, täglich, ist aber immer schwerer zu durchschauen. Tout cela affecte chacun de nous, au quotidien, mais devient de plus en plus difficile à voir.

Kann uns dabei ein deutscher Denker helfen, der lange schon tot ist?

Der seine wichtigsten Werke um die Mitte des 19. Jahrhunderts schrieb?

Hat Karl Marx uns heute noch was zu sagen?

"Karl Marx ist für mich ein Philosoph des 19. Jahrhunderts, der eine unglaublich originelle Idee hatte für eine wirtschaftliche Zukunft, die aber zum großen Teil falsch war."

"Die herrschende Ökonomie tut ja immer so, als wäre sie besonders modern und Marx uralt.

Nein, es ist genau anders herum. Die herrschende Theorie sitzt immernoch im 19. Jahrhundert und Marx ist modern." Non, c'est exactement l'inverse. La théorie dominante est encore au XIXe siècle et Marx est moderne."

Karl Marx erlebt das Industriezeitalter in seinen Anfängen. Karl Marx vit l'ère industrielle à ses débuts.

Roboter und Datenströme sind noch fern. Und dennoch liest sich vieles, was er damals schrieb, hochaktuell, erstaunlich zeitlos. Les robots et les flux de données sont encore loin. Et pourtant, une grande partie de ce qu'il a écrit à l'époque est d'une grande actualité, étonnamment intemporelle.

"Karl Marx war einer der großen Denker, die in ihrer Zeit etwas entwickelt haben, nämlich eine Theorie, die für uns noch gilt." "Karl Marx était l'un des grands penseurs qui a développé quelque chose en son temps, à savoir une théorie qui s'applique toujours à nous."

So beschreibt schon Marx das Wesen einer globalisierten Welt: "Die uralten nationalen Industrien werden verdrängt durch neue Industrien, die nicht mehr einheimisch, sondern Rohstoffe aus den entlegensten Zonen verarbeiten...deren Fabrikate werden nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleicht verbraucht." C'est ainsi que Marx décrit l'essence d'un monde globalisé : « Les anciennes industries nationales sont repoussées par de nouvelles industries qui ne sont plus indigènes, mais transforment plutôt les matières premières des zones les plus reculées... leurs produits ne sont pas seulement fabriqués en le pays lui-même, mais dans toutes les parties du monde en même temps consommée." "Marx sagt schon sehr früh, dass ein Markt, ein nationaler, nie ausreichen kann. "Marx a dit très tôt qu'un seul marché, national, ne peut jamais suffire.

Also, es muss sich internationalisieren, es muss die Erde umspannen, wie er sagt, es muss überall, in jeden Winkel vordringen. Donc, il doit s'internationaliser, il doit s'étendre sur le globe, comme il le dit, il doit pénétrer partout, dans tous les coins.

Und das bedeutet, dass dieses System nimmt erstmal keine Rücksicht darauf, dass es vielleicht Umweltschäden verursacht, Et cela signifie que ce système ne tient initialement pas compte du fait qu'il pourrait causer des dommages à l'environnement,

das haben wir alles in der Geschichte erlebt, sondern es muss wachsen. Es ist wirklich wie ein Krebswachstum." "Der Markt muss daher beständig ausgedehnt werden, sodass seine Zusammenhänge immer mehr die Gestalt eines Naturgesetzes annehnmen und immer unkontrollierbarer werden." nous en avons tous fait l'expérience dans l'histoire, mais cela doit grandir. C'est vraiment comme une excroissance cancéreuse." "Le marché doit donc constamment s'élargir pour que ses interrelations prennent de plus en plus la forme d'une loi de la nature et deviennent de plus en plus incontrôlables." schreibt Karl Marx in seinem Hauptwerk „Das Kapital“.

"Wachsende Kapitalmenge führt dazu, dass es einen wachsenden Druck gibt auch auf staatliche Institutionen, sich zu privatisieren. "La croissance du capital signifie qu'il y a une pression croissante sur les institutions de l'État pour les privatiser.

Wir alle sehen das zum Beispiel am Gesundheitssystem. Krankenhäuser werden profitabel gemacht, Pflegedienste werden privatisiert, alles Mögliche wird privatisiert. Nous voyons tous cela dans le système de santé, par exemple. Les hôpitaux sont rentabilisés, les services infirmiers sont privatisés, tout est privatisé.

Wir sind inzwischen so weit, dass wir sogar unsere sozialen Beziehungen kommerzialisieren und zur Ware machen, also Stichwort soziale Netzwerke." Nous sommes maintenant si loin que nous commercialisons même nos relations sociales et les transformons en marchandises, c'est-à-dire en réseaux sociaux à mots-clés."

Marx hat beschrieben, wie alles zur Ware wird. Nun, im weltweiten Netz, zählen dazu selbst private Beziehungen und persönliche Daten. Marx a décrit comment tout devient une marchandise. Désormais, sur le Web mondial, cela inclut même les relations privées et les données personnelles.

Der Rohstoff der Zukunft.

Doch der umfassende Siegeszug dieses Wirtschaftssystems wird nicht nur kritisch gesehen. Mais le triomphe global de ce système économique n'est pas seulement considéré de manière critique.

"Wir sehen insgesamt, dass das, was man so im Allgemeinen mit dem ungebremsten Kapitalismus der letzten 20 Jahre beschreibt, dass der insgesamt weltweit gute Ergebnisse bringt. "Globalement, on voit que ce qui est généralement décrit comme le capitalisme débridé des 20 dernières années apporte de bons résultats dans le monde.

Wenn man sich anguckt, wer… wie ist die…, wie hat sich die weltweite Armut entwickelt? Dann ist die in den letzten 20 Jahren signifikant zurückgegangen. Si vous regardez qui... comment est-ce... comment la pauvreté mondiale s'est-elle développée ? Ensuite, il a considérablement diminué au cours des 20 dernières années.

Also die Ärmsten der Armen haben vom Kapitalismus unterm Strich profitiert. Die Reichsten der Reichen übrigens auch." L'essentiel est que les plus pauvres d'entre les pauvres ont bénéficié du capitalisme. Le plus riche des riches, soit dit en passant."

Der Treibstoff dieses Modells: Kapital, das ewig nach Profiten sucht, ist zugleich sein größter Risikofaktor. Auch das hat Marx bereits beschrieben : "Europa befindet sich augenblicklich in der Lage eines Menschen am Rande des Bankrotts, der gezwungen ist, zu allen möglichen verzweifelten Mitteln zu greifen, mit denen er den letzten furchtbaren Krach aufzuschieben hofft." Le carburant de ce modèle : Le capital, toujours à la recherche de profits, est aussi son plus grand facteur de risque. Marx l'a déjà décrit également : « L'Europe est actuellement dans la position d'un homme au bord de la faillite, contraint de recourir à toutes sortes de moyens désespérés avec lesquels il espère retarder le dernier krach terrible. Ist das System auf seine eigene Zerstörung ausgelegt?  "Ich würde mich zu der Behauptung versteigen, dass wir in der Abenddämmerung des Kapitalismus leben. Ob das noch 20 oder 30 oder 40 Jahre gut geht, mag sein. Le système est-il conçu pour sa propre destruction ? "J'irais jusqu'à dire que nous vivons au crépuscule du capitalisme. Que ce soit bien pendant encore 20, 30 ou 40 ans dépend de vous. Aber ich glaube, dass die gegenwärtige Entwicklung des Auseinanderdriftens zwischen Arm und Reich so nicht tragbar ist." Mais je crois que le développement actuel de la dérive entre riches et pauvres est inacceptable."

Ob wir einen letzten Tanz auf dem Vulkan erleben oder der Kapitalismus sich immer wieder neu erfindet – kann niemand mit Gewissheit vorhersagen. Que nous vivions une dernière danse sur le volcan ou que le capitalisme se réinvente encore et encore - personne ne peut prédire avec certitude.

Auch Marx nicht. Aber als Deuter der Welt taugt er - heute mehr denn je. Marx non plus. Mais en tant qu'interprète du monde, il est bon - aujourd'hui plus que jamais.